Hallo Thomas,
wenn du es so sehen möchtest, dann darf es gar keine
Psychologie geben, allenfalls eine Art „Physiologie des
Geistes“.
nein, das stimmt nicht. Die Erkenntnisse über Hirnprozesse stellen seit langem einen wichtigen Bestandteil in der Theoriebildung der Psychologie dar, ohne daß sie durch die Neurophysiologie übernommen wurde. Das ist auch kein Wunder, denn die Psychologie ist mit ihren Erkenntnissen über ihren Gegenstandsbereich weiter als die Neurophysiologie.
Vielleicht wirst du sagen, dass das Ziel der Medizin darin
besteht, alles physisch zu begründen. Aber damit wäre schon
zugegeben, dass das Psychische - bisher jedenfalls - nicht
völlig physisch erfasst ist.
Und was folgt daraus? Vielleicht wird es einmal eine Zeit geben, in der das anders ist. Das denke ich zwar nicht, aber ich denke, daß alles eine letztlich physikalische Grundlage hat, auch wenn man das nie beweisen werden kann.
Gefühle usw. sind m.E. nicht in irgend einem Sinn
metaphysisch, es sind Funktionen des Gehirns, dieser Prozess
läuft im Gehirn ab und lässt sich im EEG abbilden.
Wertungen
und Meinungen sind Ergebnis eines kognitiven Prozesses, dieser
Prozess läuft im Gehirn ab und lässt sich im EEG abbilden.Sehr richtig, man kann aber auch die Zeit auf Uhren abbilden,
trotzdem wird niemand sagen, dass die Uhren die Zeit machen.
Das ist eine schlechte Replik, weil sie an dem vorbei geht, was Tahere gesagt hat. Selbst wenn man ihren Materialismus („Gefühle sind Funktionen des Gehirns“) nicht teilt, gehen ihre anderen Aussagen in Ordnung, denn: Kognitive Prozesse sind unbeobachtbar. Um sie erfassen zu können, werden manifeste Indikatoren herangezogen. Gehirnströme können als solche benutzt werden. Insofern können kognitive Prozesse über Gehirnströme erfaßt werden.
Der Begriff der Metaphysik hat eine jahrhundertelange
Geschichte. Ein Teil der Metaphysik ist die Psychologie (nicht
im Sinne der naturwissenschaftlichen Psychologie im engeren
Sinne, sondern in einem weiteren Sinn).
Die Psychologie benutzt allerdings - wie gesagt - seit langer Zeit Erkenntnisse über Physisches, um Psychisches zu erklären. Dein Ansinnen in diesem Teilthread, psychische Phänomene von physischen zu trennen, ist daher ein Kampf gegen Windmühlen.
Nein, das sind zwei verschiedene Aspekte derselben Sache. Nur
machen es sich Naturwissenschaftler, die auf Differenzierungen
verzichten, genauso zu einfach, wie Geisteswissenschaftler,
die erklären, dass „irgendetwas schon dran“ sein müsse, weil
man das „eben so erlebe“. Die Beschränkung auf das Physische
als Untersuchungsgegenstand hat natürlich etwas
Verführerisches und ist aus der Sicht der Naturwissenschaften
ja auch sinnvoll.
Ich kann nicht erkennen, daß sich Naturwissenschaftler auf das Physische als Untersuchungsgegenstand beschränken. Es ist auch nicht sinnvoll für Naturwissenschaftler, das zu tun.
Das darf aber nicht dazu führen, dass „Metaphysik“ mit
„Metapsychologie“ (also Parapsychologie) verwechselt wird.
Metapsychologie ist eine Bezeichnung Freuds für seine Theorien über den von ihm erfundenen „seelischen Apparat“.
Man kann ja auch nicht sinnvoll behaupten, dass die Psychologie
unabhängig von der Physis ist.
Eben.
Es ist ja verständlich, wenn „naturwissenschaftlich“ denkende
Menschen diesen Aspekt betonen, gleichwohl bleibt es genauso ein
Vorurteil wie der umgekehrte Vorgang.
Nein, denn daß psychologische und physische Phänomene zusammenhängen, ist empirisch so gut belegt, daß nur ein Narr diesen Zusammenhang anzweifeln kann.
Psychologie als Metaphysik beschäftigt sich nämlich gerade
nicht mit „Über“-Sinnlichem wie die Esoterik, sondern gerade
mit Sinnlichem, nur eben nicht (ausschließlich) aus physischer
- sondern z. B. aus logischer - Perspektive.
Der Nachteil ist bloß, daß eine Theorie über Psychologisches im logischen Sinne konsistent sein kann, ohne zutreffend zu sein. Wenn man der empirischen Überprüfung allerdings beharrlich ausweicht, dann wird man das nicht erkennen. Wahrscheinlich will man das auch nicht erkennen.
Grüße,
Oliver Walter

