Simbabwe oder Rhythmus im Blut
Die Aussage ich habe noch keinen Nazi in D. gesehen finde ich
eine Unverschämtheit, mache doch einfach die Augen auf.
Entschuldigung wenn ich etwas heftig bin, aber das musste raus
MFG
Eberhard
Lurchi hat auch noch keinen Nazi gesehen, denn in unserer Stadt ist es so:
Lurchi lebt in einer deutschen Großstadt und fuhr im April dieses Jahres mit einem öffentlichen Verkehrsmittel in die City. In den letzten Monaten bin ich nur noch selten mit der Straßenbahn unterwegs und daher nicht mehr so „am Puls der Zeit“ wie ehedem.
Als ich auf dem Rückweg auf den Bahnsteig der Straßenbahn kam, war dort ein kleiner Menschenauflauf, und in der Mitte ein betrunkener (oder betrunken wirkender) junger Mann, der laut, lebhaft und temperamentvoll auf einen etwa 13-jährigen Jungen einredete. Der Junge ließ sich auf die Diskussion ein (es war nicht festzustellen, worum es ging), und alles unter interessierter Beobachtung der Menge.
Nun bin ich der Meinung, daß sich ein unbegleiteter Jugendlicher (Kind?) dieses Alters in der City grundsätzlich von fremden Betrunkenen fernhalten sollte, habe ihn deshalb leicht am Arm berührt und gesagt, er solle nachhause gehen. Der Betrunkene hat mich angesprochen und gefragt, ob ich Zeit hätte (zum Reden). Ich habe ihm geantwortet, daß ich gerne mit ihm reden würde, wenn er einmal nüchtern wäre und dem Jungen nochmal bedeutet, er möge nachhause gehen.
Da trat ein junger Mann auf mich zu (Antifa-Look - aber fragen Sie bitte jetzt nicht, was diesen Look ausmacht!) und fragte mich irgendetwas. Es ist mir entfallen, denn es wirkte ganz leicht bedrohlich auf mich. Von solchen Leuten halte ich mich grundsätzlich fern. Gleichzeitig fiel mein Blick auf zwei Wachmänner der Verkehrsbetriebe, die beide die Situation schon vorher ebenfalls beobachtet hatten. (Die Verkehrsbetriebe der Stadt haben seit einigen Monaten einen privaten Sicherheitsdienst eingerichtet, um die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen.)
Die beiden Security-Männer haben dann ihrerseits den Jungen angewiesen, sich zu entfernen, was er auch getan hat.
Nun wird sich vielleicht der eine oder andere Leser fragen, was es zu bedeuten habe, daß der junge Mann mich offensiv angesprochen hat, und warum ich dies als bedrohlich empfunden habe. - Ja, ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß der betrunkene (oder angetrunkene?) junge Mann ein - ahämm *räusper*, also es war ein Neger, mit einer geöffneten Bierflasche in der Hand, die er immer wieder hoch durch die Luft schwenkte.
Nun mußte ich noch einige Zeit auf die Straßenbahn warten, und der junge Neger fing an, den Bahnsteig entlang zu gehen und rief - besser gesagt - er sang dabei: „Man-de-la - MandelaMandela Man-de-la.“ Und wieder „NelsonMandela Nelson Man-de-la.“ Und wieder „Johannesburg in South-Africa, Simbabwe ist the same, Man-de-la - Mandelamandelamandela.“ Es war eine großartige Performance, und eine Gratisvorstellung dazu. Hin und wieder blieb er bei Passanten stehen, lachte sie an und machte weiter seinen rhythmischen Singsang. Vielleicht hatte er karibisches Blut in den Adern … schließlich stand eine ältere Frau von einer Bank auf, trat an den jungen Mann heran, hielt ihm eine Banane entgegen und sah zu ihm hoch (denn er war groß gewachsen): „Hier haben Sie eine Banane, die kommt aus dem Land, aus dem Sie auch kommen, vielleicht mögen Sie die.“
Mir stockte kurz der Atem.
Der junge Mann nahm mit einem breiten Lachen die Banane in die Hand und rief laut: „Danke, danke“. Die Frau setzte sich wieder auf die Bank mit den Worten: „Das ist so ein netter Mann.“
Der Neger schwenkte in der einen Hand die geöffnete Bierflasche, in der anderen hielt er die Banane, sein Gesicht war so braun wie dunkler Kakao, und das Weiße in seinen Augen blitzte, während er seinen Singsang fortführte: „Mandela-Mandela-Man-de-la“.
Und dann kam meine Straßenbahn. Schade. Ich habe einen Moment lang ernsthaft überlegt, ob ich auf die nächste Bahn warten soll … Ich liebe nämlich karibische Rhythmen und leidenschaftliche, engagierte, ungewöhnliche Menschen.
Die Menschen in unserer Stadt haben ihre Ausländer lieb. Sie lassen niemals zu, daß einem von ihnen ein Leid geschieht. Selbst wenn es nur den Anschein hat, daß ein Ausländer angegriffen werden könnte, und sei es auch nur verbal oder gesinnungsmäßig, dann sind Freunde da, die ihnen zur Seite stehen.