Stengel zum Letzten!
Wolfgang,
wir kommen nie zusammen, ist auch gar nicht nötig.
Was dem einen seine Eule bzw. Vogelscheuche, ist dem andern sein(e) fesches Bauernmadl bzw. Nachtigall.
Denn, was dir plausibel erscheint, halte ich für leeres Stroh et vice versa.
Aber gut, um nur an EINER Sache nochmal, ein letztes Mal, weiter zu machen:
Du unterstellst, ich würde nach
Belegen für vorschriftlichen Wortgebrauch
verlangen.
Das tu ich nicht und habe es nie getan. Das ist nur deine Art, mich in einen Winkel zu stellen, um mich dann dort besser mit Papierkügelchen bewerfen zu können. Ich leide auch sehr darunter. Und im gleichen Atemzug wirfst du mir eben solches Verhalten vor. Ich hoffe, du leidest ebenso.
Also lass uns die Sache mal sine ira et studio betrachten:
Die Stange ist ahd. als stanga belegt.
Und aus eben der Zeit frage ich nach einem Verb.
Und du bietest stehen an und als Parallele gehen.
Ja, willst du denn wirklich für mich argumentieren?
Wie heißen denn die Nomen zu gehen und stehen?
Nach deiner Meinung wohl: der „Geng“ und der „Stend“, darum auch „gengeln, Gengelband, Genglein etc.“ und „Stender, Stendchen, Gestendnis etc“, ja?
Aber ich will dir ebenso beispringen, wie du mir und dir helfen, ein Verb zu finden. Ganz unpolemisch!
stanga hat nach dem großen Duden die Grundbedeutung:
_ Stange , die; -, -n [mhd. stange, ahd. stanga, eigtl. = die Stechende; Spitze]_
Kluge sagt dazu:
_ Stange
Substantiv Femininum Standardwortschatz (9. Jh.), mhd. stange, ahd. stanga, as. stanga Stammwort.
Aus g. *stango f. „Stange“, auch in anord. stong; daneben als i-Stamm ae. steng m.; abgeleitet aus g. *steng-a- Vst. „stechen“ in gt. usstigg (emendiert), anord. stinga, ae. stingan, ahd. stingen.
Außergermanisch vergleichen sich vielleicht mit lautlichen Abweichungen l. Instigare „anspornen“, gr. stízo „ich tätowiere, kennzeichne“ und ohne anlautendes s- ai. tigmá- „scharf, spitzig“.
Ebenso nndl. stang, ne. stang, nschw. stong, nisl. stöng; Stengel. _
Letztgenanntes „Stengel“ wird erklärt mit:
_ Stengel
Substantiv Maskulinum Standardwortschatz (10. Jh.), mhd. stengel, ahd. stengil, stingil, as. stengil Stammwort. Diminutiv zur Sippe von Stange._
Weiter gehört dazu:
_ Stachel , der; -s, -n [mhd. stachel, spätahd. stachil, ahd. stachilla, eigtl. = Stechendes, Spitzes, verw. mit Stich]:
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_
Als hierzu gehörige Verben bieten sich an:
stacheln , das wir hier wegen seiner Verwandtschaft mit Stachel nicht weiter betrachten müssen;
und
_ stechen [mhd. stechen, ahd. stehhan;_
Und nun wirst du mir vermutlich wieder klar machen wollen, dass das „e“ in „Stängel“ DAher rührt, weil ja bekanntlich das Nomen zu „stechen“ der Stech heißt; das iterative Verb dazu: stecheln; wir sagen ja auch „Da kommt ihr Stecher!“
Damit hast du klepp und kler bewiesen, dass „Stengel“ die einzig richtige, und ästhetisch allein befriedigende Form dieses Nomens ist.
Vielen Dank!
Fritz