der Abgesang auf die Zukunft
Hallo Michael,
ich habe nicht behauptet, Du hättest von Kindern keine Ahnung,
sind „vom Kinder haben“ = Elternschaft. Und nachdem Du keine
Kinder hast, trifft das wohl zu. Es gibt kein „Elternhormon“
oder etwas vergleichbares, es verändert sich schlichtweg der
Blickwinkel auf das tägliche Leben. Man übernimmt
Verantwortung und wächst damit (hoffentlich!).
das „hoffentlich“ schein mir der entscheidende Ansatz zu sein. Daß sich ein Elter hinstellt und öffentlich bekundet, bei der ganzen Geschichte auf voller Linie versagt zu haben, ist eher unwahrscheinlich. Ebenso halten sich praktisch alle Männer für spitzenmäßige Liebhaber und sowieso alle Menschen für die perfekten Autofahrer.
Die Tatsache aber, daß es unbefriedigte Frauen, mehrere Tausend Verkehrstote, klauende oder verschuldete Kinder gibt, deutet auf eine andere Sachlage hin.
Natürlich wird niemand als Elter geboren und das ganze ist ein Lernprozeß. Genausowenig aber, wie eine Beziehung fnktioniert, wenn beide kompromißlos „ihr Ding“ machen, funktioniert die Kindererziehung „irgendwie so halt“.
Kinder, die den Umgang mit Geld, Menschen oder fremdem Eigentum beherrschen, sind anders als vielleicht vor 30 Jahren inzwischen eher die Ausnahme, zumindest in dem Teil des Landes, den ich kenne.
Gedankenlosigkeit ist ein wesentliches Element der heutigen Kultur in Deutschland. Das endet ganz sicher nicht bei der Kindererziehung. Natürlich gilt das nicht für jede Familie und im Zweifel auch nicht für Dich. Leider ist es trotzdem so, daß ihrerseits schon schlecht erzogene Menschen heute selber Kinder bekommen und all die Fehler, die bei Ihnen gemacht worden sind, erfolgreich ausbauen.
Die Zeiten, in denen Omma und Oppa im gleichen Haus wohnten, auf mitunter nervige Art und Weise ihre Lebenserfahrung unters kindererziehende Volk brachten, sind weitgehend vorbei. Wo wir gerade dabei sind: Allein schon der Umgang mit alten Menschen wird den Kindern vorgelebt. Im wesentlichen sind alte Menschen lästig, fungieren bestenfalls als Geldausgabeautomat zu Feiertagen oder bei Engpässen vor dem Wochenende und werden dann schließlich irgendwo zwecks Pflege abgelegt. Was den Kindern so vorgelebt wird, werden sie später sicher nicht anders machen und auch ihren Kindern so vermitteln. Letztlich zu ihrem eigenen Schaden.
Mit dem Geld ist es nicht anders. Früher gab es die sprichwörtliche Lohntüte, in der man sein in der Woche sauer verdientes Geld bar nachhause trug. Dem Fortschritt und den Gewerkschaften sei dank, kommt das Geld heutzutage aufs Konto, unabhängig davon, ob man gut oder überhaupt gearbeitet hat. Geld ist inzwischen nicht nur in seiner Funktion abstrakt, sondern auch in seinem Auftreten. Zwischen Leistung und Belohnung gibt es heutzutage praktisch keinen Zusammenhang mehr.
Ob das den Kindern aktiv vorgelebt wird oder sie es nur passiv mitbekommen, spielt letztlich für die Wirkung keine Rolle. Die Kinder bekommen ihr Taschengeld in nicht unerheblicher Höhe größtenteils wohl noch in bar, in steigendem Maße aber per Dauerauftrag aufs Konto überwiesen.
Das Taschengeld wird zu einer selbstverständlichen, inzwischen sogar einklagbaren Zuwendung der Eltern, mit dem sich das liebe Kindchen die tollsten Sachen kaufen kann. Den Eltern ist darüber weitgehend die Kontrolle entzogen. Was verstehen die Eltern schon von Computerspielen. Solange es aus dem Kinderzimmer nicht tönt wie aus dem Schlachthof, wird schon alles im Lot sein. Solange die Pornos nicht offen auf dem Tisch liegen, ebenfalls. Ob sich der 16jährige Filius im Pornokino rumtreibt, das Taschengeld in der Disse versäuft oder sich säckeweise Klingeltöne herunterlädt, um seine Freunde zu beeidrucken, weiß doch letztlich kaum ein Elter und interessieren tut es im Zweifelsfall wohl auch nur die wenigsten.
Um es übertrieben zu sagen: Die Eltern sind around the clock damit beschäftigt, genug Asche ranzuschaffen, um dem Kind den Urlaub, die bis zur Kniekehle runterhängenden Hosen und nicht zuletzt das Taschengeld raunzuschaffen.
Eine Erziehung im eigentlichen Sinne, bei der Werte vermittelt werden und „Gebrauchsanweisungen“ für das spätere Leben, ist ein Auslaufmodell. Interessanterweise erzielen diejenigen, die eigentlich die schlechtesten Karten haben, oft die besten Ergebisse, nämlich die alleinerziehenden Eltern. es scheint irgendetwas damit zu tun zu haben, daß sie a) wissen, daß sie die ganze Eziehungs"arbeit" alleine machen müssen und b) für alles im Leben hart arbeiten und da die Kindererziehung nicht als einzigen Selbstläufer sehen.
Aber, wie bereits erwähnt, das „Wesen“ von Elternschaft lässt
sich kognitiv schwer begreifen. Das ist eine emotionale
Geschichte.
Absolut und unbestritten. Aber ich mag nicht glauben, daß die Medien und die Gesellschaft daran schuld sein sollen, daß sich die Jugend so aufführt wie sie es tut. Das können nur die Eltern sein und im Zweifel deshalb, weil sie weder den Medienkonsum steuern,noch die Gesellschaft des Nachwuchses.
Gruß
Christian