liebe experten,
zwischen einem freund und mir laeuft schon seit einiger zeit
eine heisse diskussion ueber mehrsprachiges aufwachsen bzw.
muttersprache.
der freund meint, kinder braeuchten eine muttersprache als
orientierung und sollten deshalb bis zu einem gewissen alter nur
mit einer, erst spaeter (ab 3, 4 jahren) mit einer zweiten
sprache konfrontiert werden.
ich erinnere mich noch gut an ein linguistik-referat aus dem 3.
semester (oh je, lange her) und dessen these, dass kinder
spielend zwei (oder mehr) sprachen parallel lernen koennen und
alle -je nach kontext- als mutterpsrache verwenden. (kurz
gesagt)
sind unter euch vielleicht linguisten, die auf dem neuesten
stand sind? oder gar zweisprachige ex-kinder, die von ihren
erfahrungen berichten koennen - ob alles immer glatt ging, ob es
verwirrend ist usw.
dankeschoen im voraus fuer allen input,
baw
hallo
also wirklich viel kann ich dir nicht sagen. aber mit mir wurden von klein auf 2 sprachen gesprochen - allerdings hat sich die eine dann aufgehoert und so ist nur deutsch meine muttersprache. aber einige grundstrukturen der grammatik der anderen sprache kennne ich noch. etwas interessantes ist mir dieses jahr in meinen unterlagen untergekommen. da habe ich irgendwo gelesen, dass kleinkinder ab einem alter von 1 Jahr ihre muttersprache von einer fremdsprache unterscheiden koennen. Ich persoenlich denke auch oft darueber nach, wie man ein kind am besten zweisprachig erzieht (ich bin deutschsprachig, die muttersprache meines mannes ist niederlaendisch und ich moechte, dass unsere kinder beide sprachen sprechen). Ich denke, dass das Zweisprachig-Erziehen von klein auf kein problem ist, wenn ein elternteil konsequent die eine und der andere die andere sprache spricht. aber ich wuerde doch auch das kind zumindest bis zum 2. oder 3. Lebensjahr nur mit einer sprache konfronitieren, aus Angst, dass es sonst die sprachen mischt bzw. mit der grammatik probleme hat (die da ja „erforscht“ wird).
aber ich hoffe, dass dir hier linguisten einige Antworten geben!! Ich bin auch sehr neugierig!
gruesse,
elisabeth
Hallo baw,
ich bin weder Linguist noch zweisprachig erzogen, kenne aber viele mehrsprachig erzogene Kinder, und kann aus dieser Erfahrung heraus nur sagen, daß die Kinder am besten von Anfang an mit allen in Frage kommenden Sprachen konfrontiert werden sollten.
Konkret kenne ich die Kombinationen englisch/deutsch, französisch/deutsch, italienisch/deutsch und - als „Top-Event“ - russisch/französisch/deutsch. Überall dort sind die Kinder von Anfang an mit allen Sprachen in Kontakt gekommen und hatten später keine Probleme damit.
Gruß Kubi
Hi baw,
ich antworte aus der gleichen Position heraus wie Kubi (kein Linguist und selber nicht mehrsprachig aufgewachsen), kenne aber auch einige Leute, die mehrsprachig aufwuchsen (meine Rekordkenntniss: Deutsch, Französisch, Englisch und etwas Rumänisch). Die Jungs sind völlig normal (nun ja weitesegehend normal) und haben auch im Erwachsnenalter ein Faible für Fremdsprachen. Einer ist z.B. in Japanisch so gut, daß er mit Japanern rumwitzeln kann, ohne sprachlich aufzufallen.
Wichtig ist allerdings, daß eine Sprach immer mit einer Person in Verbindung steht, also Vater Sprache A, Mutter Sprache B, sonst kriegen die Kinder doch Probleme. Im Fall der Viersprachigkeit lief es übrigens so, daß das Kindermädchen Englisch sprach, im Kindergarten wurde Französisch gesprochen, Die Mutter sprach Deutsch und der Vater Rumänisch.
Gandalf
Hallo baw,
sind unter euch vielleicht linguisten, die auf dem neuesten
stand sind?
Sicherlich, aber ich bin das nicht
oder gar zweisprachige ex-kinder, die von ihren erfahrungen
berichten koennen - ob alles immer glatt ging, ob es
verwirrend ist usw.
es macht mich stolz, als ex-Kind angesprochen zu werden.
In Wien, vor dem Anschluß von Österreich an Deutschland, gab es mehrere tschechisch dominierte Wohngebiete. In einem solchen bin ich aufgewachsen und auch in einen tchechisch-sprachigen Kindergarten gegangen. Angeblich habe ich auch im Vorschulalter in einem tchechisch-sprachigen Kindertheater mitgewirkt und beide Sprachen (als Kind) gleich gut beherrscht.
Dann wurde ich Deutscher, die Leute in obgenanntem Wohngebiet hörten auf, in er Öffentlichkeit tschechisch zu sprechen (Angst!) Ich habe diese Sprache ganz vergessen, mit Ausnahme eines Zungenbrechers (so wie Fischers Fritze… auf tschechisch), den ich bis heute noch kann.
In meiner Jugend sprach und schrieb ich meine Muttersprache recht gut. Dann mußte ich im Ausland arbeiten und kann mich heute in 5 Sprachen - unterschiedlich gut - verständigen. Keine davon ist slawisch.
1995 kam ich zu einem Golfturnier zum erstenmal seit meiner Kindheit nach Marienbad / Tschechoslowakei. Dort hörte ich das Wort „potschkai“ und ich wußte, daß dies „wart ein bisschen“ heißt. Es hat mich beeindruckt, wie das Hirn solche Sachen über 60 Jahre speichert und bei Bedarf zugänglich macht.
Einen Experten-Ratschlag kann ich Dir nicht geben, aber auf Grund meiner Erfahrung glaube ich, daß es nichts schadet, wenn man als Kind doppelt und mehrfach lernt.
Gruesse Rudolf
Hallo,
bevor ich mit meinem Kommentar beginne, möchte ich nur sagen, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist, deswegen entschuldigen Sie bitte evt. grammatische Fehler.
Ich habe mich zeitlang mit der Neurolinguistik befasst. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen, die zweisprachig aufwachsen, anders die Sprachen im Hirn bearbeiten als diejenige Menschen, die eine zweite Sprache später gelernt haben.
Bei den mehrsprachig aufgewachsenen Menschen konnte man feststellen, dass die Hirnregionen, die für die beiden Sprachen zuständig sind , ineinander „verfließen“, was ein schnelles und problemloses „Umschalten“ von einer Sprache zu anderen als Folge hat.
Bei den Leuten, die eine Sprache später erlernt haben, stehen zwei voneinander abgegrenzte Regionen im Hirn für diese Sprachen. Das „Umschalten“ von einer zu anderen Sprache wird nie so fließend und problemlos verlaufen, wie bei den mehrsprachig aufgewachsenen Menschen.
Eine Freundin von mir, erzieht ihr Kind zweisprachig. Das Kind ist jetzt fünf und spricht perfekt (so halt wie fünfjährige Kinder) beide Sprachen. Ich glaube, je später das Kind zweite Sprache lernen wird, desto schwieriger wird es haben. Es kann sein, dass das Kind später anfängt zu sprechen, aber das wird nur daran liegen, dass er mehr bearbeiten muß.
Renata
Moin,
ich kann mich den anderen postings, nur anschließen. Die zweisprachigen Leute, die ich kenne, haben keine Probleme mit mehreren Sprachen.
Allerdings habe ich bei fast allen eine unterschiedlich starke Unsicherheit festgestellt, zu welchem Land sie denn nun gehören. Deutsch oder Französich? Niederländisch oder Englisch? … Das war in der Zeit nach der Schule, auch jetzt im Studium ist die Suche bei vielen noch kräftig im Gange. Sie haben es, glaube ich, schwerer, sich zu entscheiden (vielleicht weil sie die Möglichkeit der Entscheidung haben?), was sie wollen, und neigen dazu, zwischen den Ländern zu stehen. Ob das nun an der Sprache liegt, oder an der Tatsache, daß sie das andere Land meistens auch gut kennen und dort Verwandte und Freunde haben, weiß ich nicht. Ich schätze mal, es ist beides.
Das ist natürlich etwas verallgemeinert, aber es entspricht meinem Eindruck. Auf der anderen Seite: Wer kann schon ehrlich von sich behaupten, stets zu wissen, was er will? Ich nicht.
Fazit: Ich hätte gerne eine zweite Sprache in die Wiege gelegt bekommen (C++? Algebra? *g*)
Gruß Oskar van de Kaalstraat
Hi,
bin auch kein Linguist, kenne aber jede Menge Leute, die
zweisprachig aufgewachsen sind. Ein Nachteil wurde mir
genannt: sie lernen später selbst reden. Nichtsdestotrotz
versuche ich, meiner jüngeren Tochter beide Sprachen
beizubringen (bei den beiden anderen habe ich den Zeitpunkt
verpaßt). Meine Frau spricht Deutsch, ich Spanisch. Die Kleine
unterscheidet das total gut (z.B. wenn sie Milch möchte, fragt
sie meine Frau nach „Ilch“, mich aber nach „eche“. Im Moment
dominiert das Deutsche (klarer Fall, ich bin seltener
zuhause), aber ich denke, sie wird das lernen.
Die beiden anderen sind, obwohl ich das bei ihnen nicht konsequent durchziehe, in der Schule als sprachbegabt aufgefallen, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß bei uns zweisprachig gelebt wird.
Gruß
J.
Hallo Baw,
unsere Kinder wachsen zweisprachig auf. Unserer Beobachtung nach haben die Kinder beim ersten Sprechenlernen nicht die geringsten Probleme, und können die drei Sprachen mühelos auseinanderhalten. Die drei Sprachen sind Deutsch, Japanisch und ein drolliges Kauderwelsch mit hauptsächlich japanischer Grammatik und leicht überwiegend deutschem Wortschatz.
Schwieriger wird es jedoch im Schulalter, denn viel von dem, was die Kinder in der heimischen Schule lernen, müssen sie irgendwie in der ausländischen Sprache nachlernen. Das erfordert zumindest bei unserer Sprachenkombination ganz erheblichen Aufwand.
Der Jugendliche hat dann zumeist die Neigung, sich für die heimische Sprache zu entscheiden und mit dem Weiterstudieren der ausländischen aufzuhören, weil es ihm zuviel Arbeit wird, oder er sich womöglich bewußt dafür entscheidet, die bisher auch kultivierte ausländische Identität abzulegen.
Sehr wichtig für die zweisprachige Erziehung größerer Kinder und Jugendlicher ist es, dafür zu sorgen, daß sie sich das ganze Jahr über (gerne) in Situationen begeben können, in denen nur die ausländische Sprache verstanden wird.
Gruß
Wolfgang Berger
es macht mich stolz, als ex-Kind angesprochen zu werden.
und ich hab noch ueberlegt, ob das vielleicht zu flachsig ist…
Angeblich habe
ich auch im Vorschulalter in einem tchechisch-sprachigen
Kindertheater mitgewirkt und beide Sprachen (als Kind) gleich
gut beherrscht.
„angeblich“ - du kannst dich also tatsaechlich konkret nicht
mehr erinnern, aber kennst noch woerter, wenn du sie hoerst? das
klingt ja interessant. wo sind denn unsere linguisten? wie kommt
es, das sowas so lange unterbewust gespeichert wird?
Einen Experten-Ratschlag kann ich Dir nicht geben, aber auf
Grund meiner Erfahrung glaube ich, daß es nichts schadet, wenn
man als Kind doppelt und mehrfach lernt.
ja, das hatte ich gehofft, und nach all diesen antworten bin ich
mir ziemlich sicher. dankeschoen und gruesse!
baw
moin moin,
ich glaube, das sich-nicht-entscheiden-koennen (kenne ich auch,
leider, allerdings nicht wegen hoeherer kultureller umstaende
;O)) kommt eher daher, dass die kinder mit zwei kulturen
aufwachsen, wobei die sprache nur ein teil dieser verschiedenen
kulturen ist.
ich habe solche leuet frueher immer beneidet (tu ich eigentlich
heute noch) - wow, zwei laender/traditionen/sparchen/familien
zur auswahl!-, aber seitdem ich mich ein bisschen mit
postkolonialismus useinandergesetzt habe, sehe ich auch die
problematischen seiten dieser „zerrissenheit“…
kann dir ein paar nette literaturtips geben, wenn du magst. bei
c++ hilft dir das wohl aber auch nicht weiter ;O)
gruesze,
baw
Moin,
ich kann mich den anderen postings, nur anschließen. Die
zweisprachigen Leute, die ich kenne, haben keine Probleme mit
mehreren Sprachen.
Allerdings habe ich bei fast allen eine unterschiedlich starke
Unsicherheit festgestellt, zu welchem Land sie denn nun
gehören. Deutsch oder Französich? Niederländisch oder
Englisch? … Das war in der Zeit nach der Schule, auch jetzt
im Studium ist die Suche bei vielen noch kräftig im Gange. Sie
haben es, glaube ich, schwerer, sich zu entscheiden
(vielleicht weil sie die Möglichkeit der Entscheidung haben?),
was sie wollen, und neigen dazu, zwischen den Ländern zu
stehen. Ob das nun an der Sprache liegt, oder an der Tatsache,
daß sie das andere Land meistens auch gut kennen und dort
Verwandte und Freunde haben, weiß ich nicht. Ich schätze mal,
es ist beides.
Das ist natürlich etwas verallgemeinert, aber es entspricht
meinem Eindruck. Auf der anderen Seite: Wer kann schon ehrlich
von sich behaupten, stets zu wissen, was er will? Ich nicht.
Fazit: Ich hätte gerne eine zweite Sprache in die Wiege gelegt
bekommen (C++? Algebra? *g*)Gruß Oskar van de Kaalstraat
dankethankyoumerci
hallo ihr alle,
vielen vielen dank fuer eure postings - ich fuehle mich sehr
bestaetigt, und meine kinder werden dereinst mindestens
zweisprachig erzogen, versprochen!
alles liebe,
baw
Vorsicht : blød
(C++? Algebra? *g*)
„Unsere Moni geht jetzt auf die höhere Schule. Da lernt sie Englisch, Latein und Algebra. Moni, sag doch mal zu Frau Schmitz ‚Guten Morgen‘ auf Algebra …“
immer in der eigenen sprache reden!
hallo!
ich kenne einige beispiele von kindern mit verschiedensprachigen eltern.
wichtig ist, daß vater und mutter immer in ihrer muttersprache mit dem kind reden, damit das kind keine falsche aussprache oder grammatik lernen kann. so lernt es automatisch, daß es eine muttersprache und eine vatersprache hat. manchmal kommt auch noch eine öffentlichkeitssprache als dritte dazu, und eine fernseh- und computersprache (englisch). ich kenne eine familie, in der der vater arabisch, die mutter rumänisch und die schule hebräisch spricht. dazu kommt, daß alle englischen filme und serien in israel nicht synchronisiert gesendet werden. das kind muß also 4 sprachen (und drei alphabete) lernen. das klappt ganz gut. wie ein schalter - zack - kann die kleine umschalten!
ich kenne auch eine familie, in der mutter immer in der sprache ihres mannes geredet hat, allerdings mit fehlern und akzent. sie dachte, es wäre besser, wenn das kind nur eine sprache hat. die folge waren leseschwäche und rechtschreibschwäche in der muttersprache und völliges fehlen der zweiten sprache - wie schade!
sollte ich kinder haben, werde ich nur auf deutsch mit ihnen reden. ich möchte unbedingt, daß sie meine sprache lernen.
hallo, also ich bin linguist (aber auch schon 'ne weile her) und uns wurde beigebracht, dass kinder eine bezugssprache haben sollten (also ein teil nur die eine sprache, etc.). heute kann ich die theorie in der praxis betrachten, mein bruder (deutsch) hat 2 kinder (1 und 3), die mama spricht italienisch (selbst 2sprachig aufgewachsen it/span), die einen grosseltern spanisch, die andere seite deutsch und wenn sie bei mir vorbeikommen, schnappt (die grosse) mit grossem spass französische worte auf - zum schlapplachen… | der papa redet mit den kindern deutsch, die mama italienisch (manchmal gibt’s bei beiden auch ein misch-masch) aber man merkt genau, dass das kind unterscheidet, auch wenn’s ein paar mal mit der grammatik etwas habert, sie kriegt es hin |)
man merkt vorallem, dass den kindern die zeit gegeben wird, niemand korrigiert wie wild oder so und - netter nebeneffekt : die dt. grossmutti lernt etwas italiensich, die it. grossmutti verliert ihr deutsch nicht und die span. verwandtschaft lernt gleich beides und frz. gibt’s als gratisbeigabe für alle…
.
bisher jedenfalls scheinen alle davon zu profitieren und die grosse gibt schon „sprachunterricht“ für die kleine.
anekdote: die dt. grossmutti erklärte an weihnachten wie die krippenfiguren auf dt. heissen und fragte das kind, die figuren und tiere auf italienisch zu benennen; das konnte sie auch, bis auf „josef“, da wusste sie zwar dass das „giuseppe“ ist, aber sie benannte die figur dann nur noch mit „josef“. auf die frage der grossmutti, wieso, kam die antwort: „das klingt doch schöner, oder?“
fred
Anekdote dazu
Mein Sohn wuchs auch (fast) zweisprachig auf, d.h. wir hatten, bis er ca. 8 Jahre alt war, immer englischsprachige Au-Pair-Mädchen. Ich sprach also deutsch mit ihm, und das Au-Pair Mädchen englisch.
Als er so ca. 3 Jahre alt war, wollten wir seine Englisch-Sprachkenntnisse mal „testen“. Ich fragte ihn also, was heißt Auto auf Englisch? Er: car. Ich frage weiter: Zug? Er: train. usw usf.
Da es nun aber gerade kurz vor Weihnachten war, wollte ich dann wissen, was denn wohl Weihnachten auf Englisch heiße. Er überlegt ne Weile und sagt schließlich: weiß nicht. Darauf sage ich zu ihm: frag doch mal Lisa (amerikanische Au-Pair), die weiß das doch sicher. Er dreht sich um zu Lisa und folgende Frage kommt wortwörtlich aus seinem Mund:
„Lisa, what’s Christmas in English?“
Tja…da waren wir platt.
Mein Sohn hat die Zweisprachigkeit wieder fast verloren, allerdings fällt ihm Englisch in der Schule sehr leicht. Irgendwo scheint es da in seinem Gehirn eine „Schublade“ zu geben, in die sich die englische Grammatik und die Vokabeln nahtlos einfügen. Viel gepaukt hat er für dieses Fach bis jetzt nicht und trotzdem recht gute Noten erzielt.
Wenn Eltern die Möglichkeit der zweisprachigen Erziehung haben, würde ich sie unbedingt empfehlen. Schaden kann es m.E. kaum.
Gruß
Uschi
x-sprachig - so einfach geht’s nie wieder!
Hallo,
eigentlich ist schon alles gesagt. Es ist wissenschaftlich belegt (ohne dass ich z. Z. Quellen nennen kann), dass Kinder bis zum Alter von sieben Jahren ein phänomenales Sprachaufnahmevermögen besitzen, das dann mehr und mehr zurückgeht und Erwachsene niemals wieder erreichen.
Aus persönlicher Erfahrung kenne ich Kinder, die dreisprachig aufwuchsen und problemlos von einer Sprache in die andere wechseln.
Kauderwelsch sollte man allerdings vermeiden. Wenn Wolfgang solches von seinen Kindern berichtet, sprechen er und seine Frau untereinander und mit den Kindern sicher selbst gelegentlich so.
Andererseits ist Lehis Sorge, Kinder würden die Sprachfehler einer fremdsprachlichen Mutter übernehmen, nicht berechtigt. Kinder merken sehr genau, wenn die Umwelt anders als die Mutter spricht und wissen genau, wer der „Übeltäter“ ist.
Auch dies ist wissenschaftlich belegt, ich kann aber auch hier eigene Erfahrung anfügen: Meine (japanische) Frau die bis heute Deutsch mit Akzent und grammatischen Fehlern spricht, war manchmal regelrecht deprimiert, wenn sie von unseren Kindern korrigiert wurde: „Noch so klein, und kritisieren mich schon!“
Auch hierzu eine Anekdote (hallo Uschi, das mögen wir doch?): Meine Frau erzählte mir, dass sie zu einer Nachbarin gesagt hätte: „Hast du schöne neue Auto!“ Das war jetzt ein Original-Zitat, und kein Tippfehler! Ggf. nochmal lesen! Unsere damals dreijährige Tochter, zu der Zeit lispelnd (was später von allein weg ging), stand daneben und sagte (wobei „sz“ jeweils als gelispeltes „s“ zu lesen ist: „Dasz heiszt nicht „haszt du szöne neue Auto“, dasz heiszt „haszt du szönesz neuesz Auto!““
Shalomsayoonaratschuessbyeadios
Lothar
Hallo!
sind unter euch vielleicht linguisten, die auf dem neuesten
stand sind? oder gar zweisprachige ex-kinder, die von ihren
erfahrungen berichten koennen - ob alles immer glatt ging, ob
es
verwirrend ist usw.
Zunächst: ich kenne mich ein klein wenig mit Linguistik aus, und ich bin zweisprachig aufgewachsen, daher fühle ich mich Experte genug, um Dir zu antworten…
[Vorsicht: Das Folgende ist stark vereinfacht!]
Kinder lernen Ihre erste(n) Sprache(n) ja nicht systematisch, sondern dadurch, daß sie in den unterschiedlichsten Situationen mit sprachlichen Äußerungen konfrontiert werden und dann spielerisch damit umgehen. Das hat zum Beispiel zur Folge, daß man seine Muttersprache(n) in der Regel nur „nach Gefühl“ kann, nicht „nach Regeln“.
Positive Begleiterscheinung ist die Fähigkeit kleinerer Kinder, Laute ohne Hemmungen nachzuahmen und so eine natürliche, gewissermaßen „akzentfreie“ Reproduktion von Lautmustern zu erlernen.
Folglich können kleine Kinder Sprachen spielerisch und akzentfrei erlernen.
Der Prozeß des gleichzeitigen Erlernens mehrerer Sprachen verläuft dabei in der Regel in verschiedenen Phasen. Zunächst vermischen Kinder wahllos die Sprachen, dann verwenden sie die Sprachen abhängig von Kontexten, und dann bekommen die Kleinen irgendwann ein Gefühl dafür, daß sie zwei unterschiedliche, aber äquivalente Sprachen zur Verfügung haben. Die Phasen der gemischten Verwendung von Sprachen sind übrigens unabhängig davon, wie sehr sich die Eltern um klare Trennung bemühen. Auch die Unterscheidung der Sprache des Vaters von der der Mutter muß nicht konsequent durchgehalten werden - schließlich wachsen genug Kinder deswegen zweisprachig auf, weil die Eltern zwar aus derselben Kultur stammen, aber die Familie in einer zweiten Kultur lebt (Emigranten, Expatriates…).
Und die Fähigkeit, schnell umzuschalten oder gar simultan übersetzen zu können, erfordert auch bei bilingual Aufgewachsenen Übung.
Jedenfalls ist es für die Betroffenen nicht verwirrend, und das Problem sich nicht entscheiden zu können (siehe eines der Postings weiter unten), stellt sich nicht - wieso muß man sich für eine Sprache (Kultur? Leitkultur?) entscheiden müssen?
Grüße,
Vlado
Hallo baw,
ich bin das ex-Kind aus Wien, auch wenn zu Deinem thread schon alles gesagt ist, ich habe noch drei persönliche Erfahrungen, die Dich interessieren könnten:
- Das „angeblich“ kommt tatsächlich daher, daß etwa 1938/39 in unserer Gegend das Tschechisch bewußt abgeschafft wurde. Selbst meine Großeltern (mütterlicherseits), deren Muttersprache es war, unterhielten sich selbst allein und innerhalb ihrer Wohnung - soweit ich etwas hören konnte - nur auf deutsch. Ich wurde bewußt auf einsprachig umgestellt - damals war das die sicherste Politik. Erst später wurde mir von meiner Vorschuljugend erzählt. Mein Vergessen war recht vollständig.
Später, als Jugendlicher konnte ich vorzüglich Deutsch mit tchechischem Akzent reden. (Vom Zuhören bei den Großeltern?) Man nannte das Böhmakeln und wurde nach dem Krieg in Lustspielen oft angewendet.
-
Mein um 8 Jahre älterer Halbbruder wuchs in nur deutschsprachiger Verwandtschaft in der beschriebenen Gegend auf. Zu meinem Erstaunen beherrscht er selbst heute noch viel mehr tschechische Worte als ich.
-
In den Jahren 75-76 lebte ich im flämischen Belgien. Mein nur englisch sprechender Arbeitskollege und seine gleichsprachige Frau wollten ihre beiden Kindern (etwa im Alter 7 + 8) nicht in die internationale Schule bringen, weil die Kleinen zu Hause in England recht schlechte schulische Ergebnisse gezeigt hatten.
Die Kinder kamen ein paar Wochen vor den Ferien in die zweite Klasse der niederländischen Grundschule. Nach den Ferien wiederholten sie die angefangene Schulstufe und waren am Ende des Schuljahres unter den Klassenbesten. Erstaunlich, nicht?
Ich hoffe, daß Du noch einmal in Deinen thread hineinschaust und Dir meine Hinweise eine zusätzliche Entscheidungshilfe geben.
Gruesse Rudolf
Ohne Dir nahetreten zu wollen, aber das:
Kindern korrigiert wurde: „Noch so klein, und kritisieren mich
schon!“
Muß heißen:
„Noch so klein, und schon kritisieren mich!“
Oder ja?
Wolfgang Berger