Zweisprachige Kindeserziehung

Hallo.
Mein Verlobter (Amerikaner) und ich (Deutsche) erwarten im Sommer Nachwuchs. Man macht sich über vieles Gedanken und nun natürlich auch über die sprachliche Entwicklung. Mein Verlobter spricht nur ein bisschen Deutsch, mein Englisch ist sehr gut aber nicht perfekt. Im Sommer kommt mein Mann nach Deutschland da wir unsere Tochter hier zur Welt bringen möchten und erst in 2-3 Jahren zurück in die USA gehen wollen. Nun stellt sich für uns die Frage wie wir am besten mit unserem Kind sprechen sollen. Ich auf Deutsch und mein Mann immer nur auf Englisch? Mein Mann und ich unterhalten uns untereinander natürlich nur auf englisch. Wie macht man es denn nun pädagogisch richtig ohne unser Kind zu verwirren?

Im TV habe ich mal einen Bericht gesehen da konnten Kinder keine der Sprachen richtig und alles war totales Durcheinander, da die Eltern einfach immer nur gemacht haben wie es ihnen gerade passte. Ich möchte unsere Tochter diese Probleme ersparen.

Über hilfreiche Tipps bin ich super dankbar.

Liebe Grüße

Melanie.

Hallo,

ich arbeite an einer englischsprachigen Grundschule in Deutschland, die meisten Schüler sind aus zweisprachigen Familien (übrigens sind meine eigenen Kinder auch zweisprachig aufgewachsen).
Wenn jeder von euch mit den Kindern in der eigenen Sprache spricht, verwirrt diese das nicht und sie werden beide Sprachen lernen. Es kann sein (muss nicht!), dass sie im Vergleich zu einsprachig erzogenen Kindern etwas in der Sprachentwicklung hinterherhinken (wir reden hier von einigen, wenigen Monaten), aber sie werden am Ende beide Sprachen wie Muttersprachler sprechen.
Voraussetzung ist, dass ihr beide viel mit ihr sprecht. Deutsch wird - da das Umfeld jedenfalls jetzt in den ersten Jahren deutsch ist - ausgeprägter sein. Auch dann ,wenn es bei euch so ist, dass du mit dem Kind erstmal zuhause bleibst und dein Mann nur abends und am Wochenende da ist. Das größte Problem an unserer Schule haben Kinder, die mit der Mutter deutsch reden und der Vater selten zuhause ist. Die verstehen dann zwar meist alles auf Englisch, aber können wenig selbst sprechen (was an sich nicht schlimm ist, aber da sie an einer englischsprachigen Schule sind, eben doch ein Problem darstellt).

Ich kann zweisprachige Erziehung (oder sogar dreisprachige) nur empfehlen, und sprachlich-verwirrte Kinder kommen eigentlich nur vor, wenn sie keine der Sprachen richtig hören.

Ich würde an deiner Stelle auch mal das hiesige Archiv bemühen (eher im Elternbrett), da gab es diese Diskussion schon öfter.

Gruß
Elke

Die Antwort ging ja mehr als flott.

Vielen lieben Dank Elke! Also diese Antwort hat mich jetzt schon sehr beruhigt und lässt mich doch positiv in die Zukunft blicken, vorallem da ich weiß, dass mein Mann gerne und viel redet - da brauch ich mir ja keine Sorgen machen, dass unsere Kleine dann kein englisch spricht. *grins*

Vielen Dank nochmal auch für den Tipp mit dem anderen Forum :smile:

Melanie.

Zustimmung
… auf diese Art spricht ein Freund von mir fliessend Deutsch und Französisch, neben dem berufsüblichen Englisch.

Gruß

Stefan

Hallo Melanie,

ich kann Elke nur zustimmen.
Bin selber zwar nicht mehrsprachig aufgewachsen, aber ein guter Freund ist es sogar dreisprachig und wenn die Mutter nicht eingegriffen hätte, wären es sogar vier geworden.

So spricht er Deutsch, Englisch und Französisch auf muttersprachlichem Niveau und kann mittlerweile noch drei vier andere Sprachen mehr oder weniger fließen (Chinesisch, weil seien Freundin Chinesin ist, Japanisch, weil er japanische Kampfkünste praktiziert, Russisch, weil es ihn interessiert).

Wichtig ist, daß ein Elternteil bzw. eine Erziehungsperson mit einer Sprache ‚belegt‘ ist, dann hat das Kind kein Problem, auch wenn die Eltern untereinander in nur einer Sprache sprechen.

Zudem sind Kinder sehr bequem.
Bei einem befreundeten Paar ( D/E) sprechen die Eltern Deutsch miteinander (Vater aus GB). Die Kinder werden vom Vater in Englisch angeredet und verstehen auch alles, antworten aber meist in Deutsch, weil sie zu bequem sind in Englisch zu antworten, können es aber, wenn z.B. Verwandte des Vaters da sind problemlos.

Gandalf

Guten Morgen,

meine Frau ist Französin, ich Deutscher, wir leben in D, und wir haben unsere Kinder (inzwischen 18 und 20) zweisprachig erzogen. Meine Frau spricht auch mich auf Französisch an, ich antworte blöderweise fast immer auf Deutsch, obwohl ich ziemlich fließend Französisch spreche.
Meine Empfehlung: sprich Du nur Deutsch mit dem Kind, und dein Mann soll nur Englisch sprechen, zumindest in den ersten Jahren der Sprachentwicklung. Sonst entwickelt sich wahrscheinlich wirklich ein sprachliches Chaos im Kopf des Kindes.
Auch zwischen Frau und Mann solltet Ihr die beiden Sprachen benutzen, oder Du zumindest deinen Mann auf Deutsch ansprechen, damit sich das Kind nicht „sprachlich isoliert“ fühlt (Warum spricht die Mama mit mir Deutsch, aber mit Papa Englisch?). Nach dem langen Aufenthalt in D wird dein Mann ja auch perfekt Deutsch sprechen.
Möglicherweise wird euer Kind weniger früh „richtig“ sprechen als andere Kinder, aber das wird aufgeholt. Ihr werdet auf jeden Fall viel Spaß haben: in der Anfangsphase des Sprechens benutzen die Kinder die Wörter, die am leichtesten auszusprechen sind, egal aus welcher Sprache, z.B. key statt Schlüssel. Und sie basteln sich auf diese Weise auch zusammengesetzte Wörter aus beiden Sprachen; unser Sohn hat lange Gummibottes statt Gummistiefel gesagt.
Wenn Ihr wieder in den USA seid und das Kind richtig spricht solltet Ihr versuchen, zu Hause eine deutsche „Sprachinsel“ zu haben. Die ganze Umgebung spricht Englisch und Euer Kind braucht viel Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Ich habe das dummerweise nicht durchgehalten, aber zum Glück hatten wir viel Kontakt nach F, sodass meine Unfähigkeit etwas kompensiert wurde. Wir kennen ein D/F Ehepaar in unserem Alter (Mitte/Ende 50), dem das mit seinen Kindern gelungen ist.
Falls mir noch was einfällt (mir fallen oft Dinge erst später ein) melde ich mich wieder

Bye / Tschüss
Pit

Hi,

Zudem sind Kinder sehr bequem.
Bei einem befreundeten Paar ( D/E) sprechen die Eltern Deutsch
miteinander (Vater aus GB). Die Kinder werden vom Vater in
Englisch angeredet und verstehen auch alles, antworten aber
meist in Deutsch, weil sie zu bequem sind in Englisch zu
antworten, können es aber, wenn z.B. Verwandte des Vaters da
sind problemlos.

das verstehe ich aber nicht. Die Kinder sprechen doch perfekt Deutsch und Englisch. Warum fällt ihnen dann Deutsch leichter oder warum ist es für sie „bequemer“ Deutsch zu sprechen?

Gruß,

Steffie

Hi Steffie,

das verstehe ich aber nicht. Die Kinder sprechen doch perfekt
Deutsch und Englisch. Warum fällt ihnen dann Deutsch leichter
oder warum ist es für sie „bequemer“ Deutsch zu sprechen?

sie leben in D und alle sprechen Deutsch, außer der Vater (und manchmal anwesende Verwandte des Vaters).
Daher sind sie es gewohnt meist Deutsch zu sprechen.
Fordert man sie auf Englisch zu sprechen, machen sie das ohne Probleme, selber ausprobiert, nur komm ich mir dann schnell recht unberedsam vor :wink:

Gandalf

das verstehe ich aber nicht. Die Kinder sprechen doch perfekt
Deutsch und Englisch. Warum fällt ihnen dann Deutsch leichter
oder warum ist es für sie „bequemer“ Deutsch zu sprechen?

Hallo Steffi,
das ist bei uns zu Hause (Beitrag von gargas in dieser Frage) genau so. Diese Kinder sprechen auf jeden Fall besser Deutsch als Englisch, weil ihre gesamte Umgebung Deutsch spricht. Wenn dann noch dazu die Eltern miteinander Deutsch sprechen, und nur der Papa sie auf Englisch anspricht - wozu sollten sie da auf Englisch antworten? Das ist eher ein „psychologisches“ Problem als ein sprachliches.

Tschüss
Pit

Hi Pit,

naja ich finde es komisch, in Sprache A eine Frage gestellt zu bekommen und in Sprache B zu antworten. Dann bleibe ich lieber in der Sprache.

Aber jeder Jeck is anders…

Gruß,

Steffie

Hallo,

genauso habe ich es bei meinem Kollegen erlebt, dessen Frau Bulgarin ist. Die Tochter hat sich phasenweise geweigert, bulgarisch zu sprechen und der Mutter auf deutsch geantwortet, wohl weil das ganze Umfeld deutsch spricht.

Die Mutter hatte zum Glück den längeren Atem und heute übersetzt die Tochter (jetzt 6) schon für den Vater, wenn sie mit ihm allein in Bulgarien ist.

Chrissie

Hallo,

naja ich finde es komisch, in Sprache A eine Frage gestellt zu
bekommen und in Sprache B zu antworten. Dann bleibe ich lieber
in der Sprache.

Aber jeder Jeck is anders…

Ja. Denn bei uns fliegen die Sprachen auch total durcheinander (allerdings nicht in einem Satz, obwohl ich gerade wieder gelesen habe, dass das gar nciht so schlecht sei, wie immer behauptet würde).

Gruß
Elke
*off to have a spot of tea*

Was glaubst Du wie lustig das war, als wir einige Tage bei einer katalanisch-französischen Familie in Spanien waren, bei denen es dreisprachig zugeht!! (Drei von uns sprechen Spanisch auf verschiedenen Niveaus) :wink:)

Hi,

(allerdings nicht in einem Satz, obwohl ich
gerade wieder gelesen habe, dass das gar nciht so schlecht
sei, wie immer behauptet würde).

das passiert uns allerdings ab und zu. Ich versuche natürlich drauf zu achten, dass das nur selten vorkommt. Aber manchmal drückt ein deutsches Wort etwas doch präziser aus als ein niederländisches…

Gruß,

Steffie

Hallo Melanie,

Vorab zwei Sachen:

  1. Ich denke dieses Thema wäre besser im Brett „Eltern & Kinder“. dort wurde ihn schon mehrmals diskutiert ;o))

  2. Mein mittlerweile 5-jähriger Sohn ist absolut zweisprachig Deutsch-Spanisch. Man agt ihm nach, daß wenn er sich in einer sprache ausdrückt merkt man absolut nicht, daß er zweisprachig ist: ER redet und drückt sich identisch aus wie Einsprachigen.

Ich finde am allerwichtigste ist es, daß ihr KONSEQUENT Eure jeweiligen Muttersprache mit dem Kind redet, spricht Du mit ihm Deutsch und Dein Mann Englisch. Und das wirklich ohne Rücksicht auf gar nichts! Wie oder wo oder wann Ihr Euch unterhält spielt sonst keine so wichtige Rolle. Hauptsache mit dem Kind immer so wie o.g.

Dabei zu vermeiden wäre, daß Ihr Euch dem kind gegenüber anders ausdrückt wie unter Erwachsenen. D.h. redet mit ihm als ob er einen Erwachsenen wäre.

Es wird eine Sprache geben, die „benachteiligt“ ist. Diese ist idR. die Sprache die in der üblichen Umgebung NICHT gesprochen wird (also jetzt Englisch, danach in USA deutsch). Dann gilt es eben diese zu fördern. D.h.: Die Gute-Nacht-Geschichten überwiegend in dieser sprache (vom jeweiligen Muttersprachler); CD’s, DVD’s, Casetten,… öfters in dieser Sprache; möglichst Kontakt mit gleichaltrigen die ebenfalls Muttersprachler sind von dieser „benachteiligten“ Sprache;… Falls möglich TV-Kinderprogramme aus einem Land wo diese Sprache ofiziell ist;…

Wie gesagt, Hauptsache ist, daß das Kind diese Regel verinnerlicht: „Ein Mensch = Eine Sprache“, also für Euch: „Papa = Englisch, Mama = Deutsch“ Und das egal wo Ihr Euch aufhält und immer, konstant und Konsequent. Bei meinem sohn ist es soweit, daß er sich weigert, von mir deutsch zu hören und verlangt grundsätzlich Spanisch. Das finde ich toll! (und bin darüber stolz, muß ich gestehen)

Auch wichtig wäre, wenn Ihr ihm ein bißchen von Liebe zur Kultur des Landes mitbringt (zB. tolle Errungenschaften des Landes) Dann lernt sie das bestimmt besser.

Frag nur wenn Du weiter Fragen hast. Bei mir scheint es geklappt zu haben… ;o)) Und nie aber auch kein einziges mal war auch nur eine Spur von Durcheinander oder Verwirrung!! NIE!!! (Ich war aber wirklich immer konsequent und das bin ich nch heute) Es ist sogar so, daß wenn ich ihm vor Besuch was frage/sage, tue ich das selbstverständlich, auf Spanisch. Da es nicht sehr freundlich den Gästen gegenüber ist, übersetze ich das umgehend für sie… oder ich lasse das von David selbst übersetzen. Bis jetzt habe ich bei keinem Menschen erlebt, der dafür kein Verständnis gehabt hätte…

Alles, alles Gute für die Schwangerschaft und -wie wir sagen- eine kurze Stunde bei der Entbindung!

Liebe Grüße,
Helena *die bei einer erneute Schwangerschaft genauso handeln würde*

Nachtrag
Hallo Melanie, nochmal
Bei uns spielt eine sehr untergeordnete Rolle welche Sprache ich mit sonstwer (ausser ihm selbst) rede (einschl. Papa). Mein Freund und ich reden immer Deutsch miteinander. Du solltest mal sehen wie stolz David ist, wenn er seinem Papa etwas aus dem spanischen (zB Telefongespräch mit Oma oder während des Urlaubs in Spanien) übersetzt!!! ;o))

Liebe Grüße,
Helena

Hallo Helena,

ich möchte dein „konsequent“ ein bisschen mildern.
Wir waren nicht so konsequent. Mein Mann und ich sprechen beide Deutsch, wir lebten im englischsprachigen Umfeld.
Wir sprachen MEIST Deutsch mit den Jungs - nicht jedoch, wenn andere dabei waren. Später, als sie in die Schule gingen, sprach ich oft Englisch mit ihnen (gerade, wenn es um die Schule ging). Freunde hatten sie hauptsächlich englischsprachige (notgedrungen). Fernsehen war gemischt, aber je älter sie wurden, desto mehr Englisch.

Zurück nach Deutschland kamen wir als sie 12 und 14 waren. Ihr Deutsch hatte meine Fehler und war eher umgangssprachlich geprägt (sie hatten z.B. ein wenig Probleme mit Vergangenheitsformen, weil in meinem Dialekt/Umgangssprache fast ausschließlich das Perfekt benutzt wurde), aber sie sprachen einwandfrei Deutsch, niemand hörte ihnen etwas „Ausländisches“ an. Sie hatten in manchen Schulfächern vokabeldefizite (z.B. in Physik), die sie aber schnell ausglichen.

Inzwischen reden sie Hochdeutsch und Dialekt parallel. Filme versuchen sie von sich aus eher auf Englisch zu sehen (was oft nicht geht, wenn es TV oder Kino ist, bzw. ihre Freunde mitsehen, denen das Englisch zu schwer ist). Wir reden zuhause etwa 1/2 Englisch, 1/2 Deutsch. Früher sprachen sie untereinander überwiegend (aber nicht ausschließlich) Englisch, jetzt eher Deutsch.

Ich schreibe das so ausführlich, weil dein Posting leicht den Eindruck vermittelt, als müsse man unheimlich genau auf Sprachvermittlung achten und jemand, der keine Erfahrung damit hat, wie die Fragerin, unter Umständen abgeschreckt werden könnte. Es geht auch lockerer.

Gruß
Elke

Hallo,

bei meiner Frau ist es ähnlich, die ganze Familie ist deutsch/italienisch, und die vier wechseln sogar mitten im Satz die Sprache.

Sie hat mir erklärt, daß eine Sprache für ein Thema einfacher ist. Wenn es um Themen im italienischen Umfeld geht, dann eben italienisch und umgekehrt.

Allerdings gibt es auch Ausdrucksweisen, Wendungen und Konstruktionen die in einer der beiden Sprachen einfacher, eindeutiger oder sonstwas ist, dann wird eben diese Sprache verwendet.

Gerhard

Hallo,

ich kann dem nur zustimmen! Ich bin auch zweisprachig aufgewachsen, da meine Eltern aus dem ehemaligen Jugoslawien kamen. Meine Eltern sprachen stets serbokroatisch (oder kroatisch oder serbisch oder wie auch immer:smile:) untereinander. Meine Mutter spricht fließend deutsch, ohne Akzent. Mein Vater sprach deutsch mit einschlägigem Akzent. Mit uns sprachen sie gemischt, mal deutsch mal kroatisch. Als kleiner trotziger kleiner Junge habe ich mich immer geweigert kroatisch zu sprechen, auch wenn meine Eltern mit mir kroatisch sprachen habe ich auf deutsch geantwortet. Heute ist es genau umgekehrt: Ich spreche mit meiner Mutter (mein Vater ist inzwischen verstorben) fast ausschließlich auf kroatisch, auch wenn sie mir etwas auf deutsch mitteilt.
Wir haben einen gemischten Bekanntenkreis, also deutsch und (Ex-)jugoslawisch.

Heute kann ich mühelos kroatische und serbische Filme anschauen, Zeitungen lesen und Unterhaltungen führen. Allerdings habe ich defizite im Vokabular wenn es um sehr spezielle Themen geht, also z.B. Medizin, Technik, oder auch einfache Behördengänge sind für mich nicht einfach.
Im Nachhinein betrachtet glaube ich, dass es vor allem darauf ankommt die Sprache zu verwenden. Hätte ich keine jugoslawischen Freunde und Verwandte mit denen ich in dieser Sprache kommunizieren kann oder sogar muss, hätte ich diese Sprache wohl schon längst in meinem Gedächtnis begraben. Aber so eine Einsicht kommt wohl auch erst mit dem Alter.:smile:

Gruß

mononito

Hallo Helena,

ich möchte dein „konsequent“ ein bisschen mildern.
Wir waren nicht so konsequent. Mein Mann und ich sprechen
beide Deutsch, wir lebten im englischsprachigen Umfeld.
Wir sprachen MEIST Deutsch mit den Jungs - nicht jedoch, wenn
andere dabei waren. Später, als sie in die Schule gingen,
sprach ich oft Englisch mit ihnen (gerade, wenn es um die
Schule ging). Freunde hatten sie hauptsächlich
englischsprachige (notgedrungen). Fernsehen war gemischt, aber
je älter sie wurden, desto mehr Englisch.

Zurück nach Deutschland kamen wir als sie 12 und 14 waren. Ihr
Deutsch hatte meine Fehler und war eher
umgangssprachlich geprägt (sie hatten z.B. ein wenig Probleme
mit Vergangenheitsformen, weil in meinem
Dialekt/Umgangssprache fast ausschließlich das Perfekt benutzt
wurde), aber sie sprachen einwandfrei Deutsch, niemand hörte
ihnen etwas „Ausländisches“ an. Sie hatten in manchen
Schulfächern vokabeldefizite (z.B. in Physik), die sie aber
schnell ausglichen.

Inzwischen reden sie Hochdeutsch und Dialekt parallel. Filme
versuchen sie von sich aus eher auf Englisch zu sehen (was oft
nicht geht, wenn es TV oder Kino ist, bzw. ihre Freunde
mitsehen, denen das Englisch zu schwer ist). Wir reden
zuhause etwa 1/2 Englisch, 1/2 Deutsch. Früher sprachen sie
untereinander überwiegend (aber nicht ausschließlich)
Englisch, jetzt eher Deutsch.

Ich schreibe das so ausführlich, weil dein Posting leicht den
Eindruck vermittelt, als müsse man unheimlich genau auf
Sprachvermittlung achten und jemand, der keine Erfahrung damit
hat, wie die Fragerin, unter Umständen abgeschreckt werden
könnte. Es geht auch lockerer.

Gruß
Elke

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Hallo Elke,

Vielen Dank für Deine Antwort mit Deinen Erlebnissen bzw Beobachtungen.

Also bei uns ist es absolut alles locker. Wirklich! Wenn es so geklungen hat, als ob es sehr streng und hart -wenn ich mich so ausdrücken darf- ist, dann ist es gewiß einen falschen. Ich bin nämlich grundsätzlich dagegen ein Kind eine Sprache zu zwingen oder ihm das irgendwie „mit Gewalt“ zu lehren.

Wie auch immer, bei uns geht es locker. Ganz locker. Aber wenn ich mir überlege was Du geschrieben hast, denke ich, daß es vielleicht bei Dir anders ging, weil Dein Mann und Du eine gemeinsame Muttersprache habt. Auserdem mag evtl. eine Hilfe gewesen sein, daß Ihr in der Anzahl mehr Menschen seid (zB Kinder können miteinander reden -das gibt es bei uns nicht). Und nicht zuletzt beide habt eine gemeinsame Zweitsprache, was bei uns auch icht der Fall ist.

Das ist nur meine Meinung. Vielleicht ist sie auch falsch. Ich sehe nur, daß mein sohn ganz locker umschaltet zwischen den beiden Sprachen und die jeweiligen Einheimischen halten ihn für ebenfalls einen solchen UND genauso Einsprachig wie sie selbst. Und ich muß sagen, darüber bin ich sehr stolz.

Denn ich bin davon überzeugt, besonders bei Sprachen, wenn ein Kind auf irgendeine Weise gezwungen wird, ohne sein Wille, eine zu lernen und zu benutzen, kann sehr leicht passieren, daß es eine starke Abneigung gegen diese entwickelt. Vielleicht merken Kinder -besser wie wir, Erwachsenen- wenn einen Menschen die eigene Muttersprache redet und wann nicht.

Liebe Grüße,
Helena