Hallo Oliver,
Du verläßt Dich immer noch blind auf Dein Modell.
Und du hast mir noch immer noch nicht erklärt, was daran
falsch sein soll. Das Modell stimmt schon. Keine Angst.
Das Modell ist nicht falsch sondern die Anwendung auf den Beobachter in Erdnähe. Du betrachtest nur den Minkowski-Raum eines Inertialsystemes vor und nach der Beschleunigung, aber nicht die Beschleunigung selbst. Dabei unterschlägst Du, daß die Uhr des Beobachters in Erdnähe während der Beschleunigung wesentlich schneller läuft als die des weit entfernten Beobachters, dieser also den Zeitsprung mitspringt (siehe unzen).
Wenn er während der Beschleunigungsphase in
einem Jahr gerade mal 300.000 km zurückgelegt
hat, kann die Beschleunigung nicht so groß
gewesen sein. Ich komme da auf 2,41*10^-6 m/s²,
wenn er in einem halben Jahr jeweils von c/2 auf
null und von 0 auf -c/2 beschleunigt hat.
Also, wenn ich a=v²/2s benutze und für v=c/2 und s=3000.000 km
einsetze, komme ich zwar auf a=37,5*10^6 m/s², aber egal, denn
so naiv darfst du sowieso nicht rechnen,
Doch, das darf ich, denn auf der Erde soll die Beschleunigung gemäß Versuchsbedingung auf einer Strecke von max. 300.000 „Erdenkilometern“ stattfinden. Da der Reisende im Raumschiff die Erde auf dieser Strecke angeblich um ein Jahr altern sehen soll, müßte er sich aus Erdsicht auch ein Jahr in diesem Bereich aufhalten. Daraus ergibt sich eine relativistisch irrelevant geringe Beschleunigung und Geschwindigkeit. Da er aber eigentlich, genau wie sein weit entfernter Zwillingsbruder, auf c/2 hätte beschleunigt werden müssen um sich danach mit diesem im gleichen Inertialsystem zu befinden, führt Deine Annahme zu einem Widerspruch.
denn du vergisst
Nein, habe ich nicht vergessen
a)
die Relativität der Gleichzeitigkeit und
Diesen Faktor kann ich weitgehend vernachlässigen, weil die Beschleunigung des Erdnahen Beobachters ausdrücklich in Erdnähe stattfinden soll und damit der Zeitfehler max. im Sekundenbereich liegen kann, was bei einem Jahr Zeitsprung kein Problem sein sollte.
b) die
Lorentzkontraktion.
bei c/2 hält die sich in Grenzen und ändert die Größenordnungen nicht. Wenn Dir das zuviel ist nimm c/10 oder noch viel weniger. Der Zeitsprung wäre dann bei einer beliebig langen Reise immer noch beliebig groß.
Das führt erstens dazu, dass das
Raumschiffheck schon beschleunigt, während der Bug noch
unvermindert weiterfliegt und zweitens dazu, dass sich wegen
der sich ständig verändernden Längenkontraktion das Heck
während der Beschleunigung ständig seine Position ändert -
der Bug (der seine Beschleunigung erst viel später erfährt)
dagegen nicht.
Das ist irrelevant. Laut Versuchsbedingungen soll eine Beqwegung stattfinden, bei der der Bug auf einer Strecke von weniger als 300.000 Erdkilometern in Erdnähe abbremst und in die entgegengesetzte Richtung auf Reiseendgeschwindigkeit beschleunigt. Entweder auf c/2, dann kann der Vorgang nur wenige Sekunden dauern oder es dauert ein Jahr, dann kann er nicht c/2 erreichen. Du kannst es Dir aussuchen, aber in beiden Fällen kann man im Bug keinen Zeitsprung auf der Erde beobachten und in letzteren Fall würde sich das Raumschiff rapide verkürzen bis schließlich das Heck mit c/2 auf den Bug prallt.
Mit dieser Positionsänderung ergibt sich dann
wiederum dass nun ein ganz anderer Beobachter gerade an der
Erde vorbeifliegt, der wiederum viel früher seine
Beschleunigung begonnen hat…usw…usw… und das ein Jahr
lang!
Nein, es soll nur ein Beobachter im Bug sitzen, der sich während der Beschleunigung immer in Erdnähe befindet und deshalb immer nur wenige Sekunden Zeitfehler mißt. Einen Zeitsprung von einem Jahr sollte der dann schon eindeutig erkennen können, so er stattfindet.
Das ganze ist also ziemlich kompliziert. Einfacher ist deshalb
sich die Situation vorher und nachher anzusehen: Vor dem
Umkehren zeigt die Erduhr aus der Sicht des Raumschiff 1 Monat
an und NACH dem Umkehrvorgang 1 Jahr und 1 Monat. => Er
sieht einen Sprung. Du könntest ja mal zur Abwechslung darauf
eingehen! Das würde uns, glaub ich, weiter bringen.
Eigentlich dachte ich, daß der Widerspruch dieser Annahme ziemlich offensichtlich ist, aber meinetwegen gehe ich jetzt nochmal darauf ein:
Du betrachtest also die Situation vorher und nachher. Im Heck wirst Du dann tatsächlich einen Zeitsprung auf der Erde errechnen. Soweit scheinen wir uns einig zu sein.
Nun passiert aber während der Beschleunigung etwas, was Du einfach unterschlagen hast. Die Uhren im beschleunigten Bezugssystem gehen unterschiedlich schnell, je nach Position (siehe unten). Der Zeitsprung tritt also auch zwischen Bug und Heck auf.
Nochmal: Wenn er bei einer geradlinigen Beschleunigung 50 m
oder 300.000 km zurücklegt, ist die Beschleunigung und
die Geschwindigkeit aus der Sicht der Erde vernachlässigbar
gering, also auch alle relativistischen Effekte.
Aber schau doch mal: Wenn auf dem Hinflug jeder der
Raumschiffcrew bestätigt, dass die Erduhr langsamer geht, es
während des Umkehrens KEINEN Zeitsprung gäbe und auf der
Rückreise jeder der Raumschiffcrew wieder bestätigt, dass die
Erduhr langsamer geht. Wieso sollte dann die Erduhr VOR
GEHEN?
Das können nur die bestätigen, die sich in unmittelmarer Nähe der Erde befinden und für die geht die Erduhr nicht nennenswert vor und für die gibt es auch keinen Zeitsprung. Das gilt nur für die Crew im Heck, aber die kann es nicht direkt beobachten.
Es muss einen Zeitsprung gebeben haben, sonst gäbe es
ja gar kein Zwillingsparadoxon. Und das es einen Zeitsprung
gibt erkennt man ja auch aus dem Minkowski-Diagramm (auch wenn
du das aus mir unerklärlichen Gründen nicht anerkennst) und
ein Raumschiffinsasse, der während dieses Sprungs gerade an
der Erde vorbei fliegt, beobachtet diesen Sprung auf der Uhr
auch, aber ich wiederhole mich.
Jetzt überlege mal, was das bedeuten würde. Man müßte nur die Erde verlassen, ganz schnell auf c/2 beschleunigen, gleich wieder abbremsen, zurückfliegen und, schwuppdiwupp wäre man dank des Oliverschen Zeitsprungs ein Jahr jünger als sein Zwillingsbruder, ganz ohne sich wirklich von der Erde entfernt zu haben oder weit gereist zu sein. Tatsächlich mußt man sich aber sehr weit von der Erde entfernen, damit ein wesentlicher Altersunterschied auftreten kann. Alternativ könnte man natürlich auch auf kürzerer Strecke permanent hin und her pendeln oder auf einer Kreisbahn fliegen.
In dem beschleunigten langen
Raumschiff wäre dann der Beobachter in Erdenähe ganz weit oben
und der von der Erde weit entfernte Reisende ganz unten.
Das ist jetzt aber totaler Unsinn!
Vorsicht, erst nachdenken, dann schreiben.
Die Beschleunigung ist doch
im gesamten Raumschiff konstant.
Davon gehe ich aus.
(Bei einem Planet hast du natürlich recht, da ist die
Beschleunigung oben kleiner als unten.
Unten ist da wo das Marmeladenbrot hinfällt, wenn ich nicht aufpasse. Mit der Größe oder dem Gradient der Beschleunigung hat das nun garnichts zu tun.
Aber in einem homogenen
Feld ist die Beschleunigung natürlich überall konstant und die
oben-unten-Unterscheidung damit hinfällig.)
Natürlich gibt es auch in einem homogenen Feld oben und unten, genau wie in einem beschleunigten Raumschiff. Während einer Beschleunigung in Bugrichtung ist der Bug demzufolge ganz oben. Wenn die Crew nicht nach draußen schauen kann, kann sie nicht einmal feststellen, ob sie beschleunigt oder in einem homogenen Gravitationsfeld ruht. Demzufolge müssen auch alle Experimente z.B. zur Gravitationsrotverschiebung oder Gravitations-Zeitdilatation genauso ausfallen. Das heist ganz klar: Die Uhr „oben“ im Bug geht während der Beschleunigung schneller als die unten im Heck und zwar umso schneller, je höher die Beschleunigung ist und je weiter Bug und Heck voneinander entfernt sind. Die Buguhr rast also während der Beschleunigung genauso schnell vorwärts wie die Erduhr. Das hast Du bei Deiner Vorher-Nachher-Betrachtung einfach ignoriert.
Jörg