das ist ein gutes stichwort. für mich sind alle glaubenssysteme gleichberechtigt nebeneinander.
Sie haben ihre Berechtigung, sofern sie sich gleichberechtigt verhalten (sogar dann, wenn sie für sich einen Absolutheitsanspruch behaupten aber die Koexistenz der Anderen nicht bewußt untergraben) aber ein Glaubenssystem wird dann unberechtigt, wenn es eben die Grundsätze des menschlichen Zusammenlebens, nicht respektiert und auch dagegen ankämpft.
Wem man gleiches Recht zuspricht und wen man bis aufs Messer bekämpft, das ist sehr subjektiv und genau darin fangen die Probleme an. Es gibt nichtmal einen Mehrheitsgrundsatz bei solchen Fragen, was richtig oder falsch ist.
Und darum sagte ich ja schon, daß man eine Sekte durch sein eigenes Handeln Lügen strafen muß. Wenn man das einfach nicht kann, gibt man dieser Gruppe ihre Berechtigung. Wenn man jedoch klar aufzeigen kann, daß es dieser Gruppe um Täuschung, Ausnutzung, Mißbrauch geht, dann hat man der Gruppe auch gleich seine Berechtigung genommen.
Und auch dann ist noch die Frage, ob es lediglich die Praxis der Gruppe ist, die falsch ist oder ob ihre intrinsische Lehre falsch ist. Wenn letzteres der Fall ist, sollte diese Gruppe besser garnicht existieren. Aber das können dann wieder nur irgendwelche Experten innerhalb der eigenen Reihe der Gruppe entscheiden (und die weigern sich oftmals einfach, über sowas nachzudenken).
und solange man sich nicht belästigend ins gehege kommt, soll jeder tun was er möchte.
Das ist die demokratische Grundordnung, und in gewisser Weise auch okay. Aber wie gesagt, wo zieht man die Grenze, wo Belästigung anfängt? Das ist eben auch wieder sehr subjektiv.
Das Prinzip des „Lovebombing“ ist im Prinzip übelste Belästigung, nur da man die Absichten des „Täters“ nicht kennt, fühlen sich viele der Opfer erstmal garnicht „belästigt“. Ob es trotzdem eine gute Praxis ist? Subjektiv.
nur wer aktiv gegen diese grundfeste steht, den bekämpfe ich.
Nun, wer gibt Dir das Recht zu entscheiden, wann diese Grenze überschritten ist? Es gibt unzählige Gruppen, die behaupten, sie seien kulant gegenüber Anderen, aber intern speien sie Gift und Galle gegen alles, was nicht zu ihnen gehört.
So eine Gruppe, die nach außen hin behauptet, sie sei einfach eine christliche Gemeinde wie alle, behauptet aber intern, zB. daß die Pfingstbewegung „ein Hexentanz“ sei etc. - da unterscheidet sich eben das was sie nach außen vorgeben und das, was sie intern lehren und praktizieren. Wo triffst Du die Entscheidung?
ansonsten ist es mir gleich, ob jemand christlich ist oder bei einer „sekte“.
Das ist die freie Entscheidung jeden Einzelnen. Sofern diese Entscheidung auch frei war, und nach wie vor ist, gibt es dagegen prinzipiell nichts einzuwenden, auch wenn man es anders sehen mag.
Das Problem ist, wenn Du Dir mal genau ansiehst, was in Sekten tatsächlich abläuft, der Manipulationsprozeß ist dermaßen übel teilweise, daß eine freie Entscheidung überhaupt nicht mehr möglich ist, da den Mitgliedern eine Realität vorgegaukelt wird, die sich mit dem Alltag nicht im Mindesten deckt. Und sie bemerken das nichtmal, weil sogar Dinge wie der allgemeine Sprachgebrauch umdefiniert wurden.
der ausdruck „sekte“ - immer fälschlicherweise abwertend verstanden und oft gewollt so gemeint -
Sicher ist er das. Jedoch hat er in der Religionspsychologie eine klare, eindeutige Definition. Im englischen benutzt man den Term „Cult“ gegenüber aberranten Gruppen, das Wort „sect“ existiert dort auch und hat nichtmal eine negative Bedeutung.
Ich greife auf das Wort „Sekte“ zurück, da es eine allgemein bekannte Definition hatund sehr vielfältig verwendet werden kann ohne daß man es erklären muß.
Wenn man tiefer ins Detail geht, müßte man unterscheiden zwischen „ideologisch verirrten Gruppen“, „geistlich mißbräuchlichen Gruppen“ und einfachen Geldschaffungssystemen.
Alle diese fallen in die klassische Definition der „Sekte“, teilweise erfüllen sie alle Kategorien (zB. Moonies), teilweise sind sie nichtmal religiös (wie zB ein Multi Level Marketing Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel).
Unter „Sekte“ versteht man allgemein eine Struktur, die eben Menschen gezielt ihre Freiheit einschränkt, sie ausbeutet und mißbraucht. Das trifft meist auf die einzeln studierten Gruppen in nur geringem Maße zu, aber mit dem Begriff kann man halt erstmal eine Kommunikation aufbauen.
Wenn Du jemandem sagst, „Hey, ich bin in eine potentiell geistlich mißbräuchliche Gruppe geraten“ dann guckt der erstmal dumm. Aber wenn Du sagst, „Es deutet einiges darauf hin, daß ich mich in einer Sekte befinde“ dann weiß er sofort, was Sache ist.
wird meistens von christlichen kirchen für alles benutzt, was außerhalb ihrer eigenen „sekte“ steht.
Es gibt etliche Definitionen für den Sektenbegriff, die im Volksmund einfach durcheinandergeworfen werden, oftmals kennen die Leute ncihtmal eine ordentliche Definition und verwenden den Begriff trotzdem, beladen mit den negativen Gefühlen die man dank Jonestow, Hale-Bopp etc. hat.
Aber das ist nichtmal so schlimm.
Die erste, allgemein angenommene Definition kommt vom lateinischen „secare“, einfach „trennen“. Damit ist eine Sekte eine Abspaltung vom „mainstream“. Bezogen auf christliche Gruppen, gerne verwendet insbesondere von den großen Kirchen weil damit jede „Sekte“ automatisch zu „Abtrünnigen“ wird. Sehr praktisch.
Eine andere Definition kommt einfach von „seculus“, irgendwas wie „folgen“ … damit ist eine „Sekte“ eine Gruppe von Leuten, die etwas folgt. Das ist ein wunderbar neutraler Begriff, mit der jede „Sekte“ erstmal eine Existenzberechtigung erhält, und nach der auch der Islam, das Christentum, Taoismus, Esoterik etc. eine Sekte ist. Dieser Begriff ist nicht sehr hilfreich, da damit auch der Deutsche Bundestag essentiell eine Sekte von Gerhard Schröder ist.
Während erstere Definition inhärent negativ konnotiert wird und eben gerne benutzt wird um andere Gruppen zu diskreditieren, neigen viele, die sich etwas mehr damit beschäftigt haben, dazu, den zweiten, historisch „eigentlichen“ Sektenbegriff zu verwenden.
Er ist neutral, aber dummerweise inhärent wertlos als Abgrenzungskriterium.
Wie gesagt, wer genau sein will, der muß etwas als „geistlich mißbräuchliche Gruppe“ klassifizieren, wenn er wirklich genau sein will. Aber das klingt erstmal sehr geschwollen und zweitens ist es für Außenstehende (und auch Neulinge in der Gruppe) oftmals unverständlich, woher die Klassifikation kommt und wieso sie zutrifft.
Die Frage darum, was eine Sekte ist und was nicht, habe ich schon sehr oft (besonders mit Mitglieder von solchen Gruppen) diskutiert und am Ende einigt man sich dann darauf, daß es im Endeffekt auf internen Mißbrauch innerhalb der Gruppe rausläuft. Und Mißbrauch kann Dinge wie die demokratische Freiheit, Finanzen und materielle Dinge, die Psyche, Leib und Leben und alles Andere umfassen.
Und genau diesen Mißbrauch zu bekämpfen, darin sehe *ich* *meine* Aufgabe.
Gruß,
Michael
Team: Artikel aufgrund der Nennung von Unternehmensname geändert