Auch auf die Gefahr hin, dass Du es wieder nicht verstehst bzw. verstehen kannst: linke Parteien und Politiker sind vor allem für etwas. Für Menschenrechte, für Gleichberechtigung, für Freiheit, für Befreiung von Kolonialmächten, für Gleichverteilung von Vermögen. für die Einhaltung des Völkerrechts.
Daraus ergibt sich die „Verbundenheit“ mit den Palästinensern und die Sympathie für deren vermeintlichen Freiheitskampf. Das hat aber nichts mit einer Abneigung ggü. Israelis oder gar Antisemitismus zu tun. Verurteilt wird vielmehr die Politik der israelischen Regierung. Dass der ein oder andere Linke dann etwas über das Ziel hinausschießt, ist unvermeidlich.
Ganz anders die Rechten. Die sind auf der Suche nach Feindbildern, um Ängste und Hass zu schüren, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Ob nun Ausländer, Juden, Medien, Politiker bzw. die „da oben“ im Allgemeinen. Völlig egal.
Kurz: antisemitische Aussagen können auf der linken Seite vorkommen, sind aber eine Ausnahme, während Antisemitismus auf der rechten Seite zum Standard gehört. Aus diesem Grunde geht es völlig an der Sache vorbei, Antisemitismus auf beiden Seiten des Spektrums als Normalität zu bezeichnen. Nur, weil sich mal eine Ameise ins Haus verirrt, ist die Aussage zwar richtig, dass es drinnen und draußen Ameisen gibt, zwar nicht falsch, aber trotzdem völlig daneben und an den tatsächlichen Verhältnissen vorbei.
Mit der Putinversteherei verhält es sich im Grunde ähnlich. Linke Bewegungen solidarisieren sich mit Russland bzw. russischer Politik, weil sie immer noch dem Gedanken nachhängen, dass sich in Russland seinerzeit das Proletariat über die Herrschenden erhob. Dass allein in sowjetischer Zeit Millionen von „Proletariern“ starben, weil die neue Elite sogar noch grausamer herrschte und Minderheiten unterdrückten, wird leider ausgeblendet, so dass Russland immer noch so als eine Art Bruderstaat oder Keimzelle linker Bewegungen betrachtet wird.
Die rechten lieben Putin, weil er ein Autokrat ist, weil er sich einen Dreck um Recht und Ordnung kümmert, sondern ein Sinnbild für das Recht des Stärkeren steht und weil er die Demokratie mit Füßen tritt und missliebige Personengruppen unterdrückt und bekämpft. Und natürlich, weil er - zumindest in Europa - die rechten Bewegungen finanziert und dafür gewisse Gegenleistungen erwartet.
Kurz: es gibt „Putinversteher“ auf der linken Seite, weil sie in ihm einen Erben des Guten sehen und einen Kontrahenten der „imperialistischen“ Kolonialmächte wie USA und Großbritannien. Das Negative wird übersehen oder ausgeblendet. Die Putinversteher auf der rechten Seite lieben ihn hingegen für das Böse, das er sagt und tut.