AfD Wahlprogramm Sachsen-Anhalt

In Maßen kann Neues interessant und bereichernd sein. Ab einer bestimmten Menge kann es aber als irritierend und stressig empfunden werden. Man braucht auch das Gewohnte, das Bekannte, das Zuhause. Viele Leute empfinden das Gleichgewicht hier als unangenehm verschoben.

so wie ein afd-wahlprogramm.

e.c.

Dann habe ich dich wohl falsch verstanden.

Das Problem ist nur, dass die afd lange Zeit dort die höchsten Wahlergebnisse einfuhr, wo der Ausländeranteil (egal wie man ihn jetzt ermittelt oder definiert) am geringsten war.

Es ging also nicht um eine mehr oder weniger reale Situation, sondern um eine diffuse Angst. Und da sind wir dann wieder bei der Kernkompetenz der afd: Ängste schüren und Schuldige vorzuweisen. Funktioniert offensichtlich ganz hervorragend.

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Es ist durchaus plausibel, dass Leute nicht nur um ihre Stadt, um ihren Landkreis, um ihr Bundesland besorgt sind, sondern um ganz Deutschland und auch um andere deutsche Städte, die sie garnicht derzeit bewohnen. Wenn einem deutsche Kultur am Herzen liegt, ist es durchaus denkbar, dass die Zustände in großen Städten, die zweifellos für die deutsche Kultur wichtig sind, auch wahlentscheidend für jemanden auf dem Land sind.

Vielleicht besuchte jemand, der in Weißenfels wohnt, Berlin und hält die dort vorgefundenen Zustände korrekturwürdig. Oder er schenkt gewissen Berichten in den Medien über Geschehnisse an anderen Orten als an seinem Wohnort Glauben und erfährt dort Kritikwürdiges.

Das alles erklärt nicht, warum bis heute die Hamburger trotz multikultureller Bevölkerung viel viel weniger AfD wählen als die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

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Da hast du Recht. Vielleicht haben Teile der sächsischen Bevölkerung ein anderes Empfinden in Bezug auf das Verhältnis zwischen fremd und gewohnt.

Vielen AFD-Wählern geht es nicht nur um die Migrationsthematik, sondern auch um den Umgang mit ihnen und ihren Ansichten in den Medien. Vielleicht reagiert ein Sachse darauf empfindlicher als ein Hamburger. Vielleicht geht ein Sachse bei empfundener Meinungsunterdrückung schneller auf die Barrikaden als ein Hamburger.

Ich bin nicht der Meinung, dass 40 % der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt (sofern man eine Repräsentativität der Wahlumfragen annimmt) von der AfD verführt wurden und quasi politisch unmündig wären. Das sind Hundertausende Erwachsene, die ihre legitimen Gründe haben werden. Ein Mensch ist kein rein rationales Wesen, Gefühle spielen in seinen Taten und Willensäußerungen eine legitime Rolle.

Ein Grund: Sie sind ziemlich rechts.

Eine aktuelle Untersuchung offenbart Spannungen im Demokratieverständnis vieler Menschen in Sachsen-Anhalt. Nur 43,5 Prozent der Befragten gelten als „solide Demokraten“. Gleichzeitig ist die Verbundenheit mit dem Bundesland hoch. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen persönlicher Lebenszufriedenheit und pessimistischer Sicht auf das Gemeinwesen. Auch rechtsextreme und antisemitische Einstellungen sind in Teilen der Bevölkerung verbreitet.
[…]
Nur etwa 43 Prozent der Menschen im Bundesland sind „solide Demokraten“. Sie befürworten das demokratische System und lehnen autoritäre Alternativen klar ab. Die Mehrheit hingegen zählt zu den „fragilen Demokraten“ mit grundsätzlicher Zustimmung zur Demokratie, aber Offenheit gegenüber einem starken Führer oder gar einer Diktatur.
[…]
Besonders deutlich zeigt sich das bei AfD-Anhängern: Zwei Drittel von ihnen befürworten ein Einparteiensystem. Weniger als ein Fünftel lehnt diese Idee konsequent ab.

Zitat aus dem Artikel: “Die zentrale Erkenntnis des Sachsen-Anhalt-Monitors 2025: Nur etwa 43 Prozent der Menschen im Bundesland sind „solide Demokraten“.”

weiterhin steht dort: “Die Daten stammen aus dem Sachsen-Anhalt-Monitor 2025, einer regelmäßig durchgeführten Langzeitstudie zur politischen Kultur im Bundesland.”

also mal in den Sachsen-Anhalt-Monitor 2025 geschaut:

“87 Prozent der Bewohner Sachsen-Anhalts bekennen sich aktuell zu dieser Staatsidee – und damit die überwältigende Mehrheit. Man kann also von einer breiten Verankerung der Demokratie in Sachsen-Anhalt sprechen.”

Grafik von Seite 57 aus:

Nun interessiert mich eine ähnliche Erhebung aus einem der alten Bundesländer.

Sowohl der Artikel als auch die Studie erklären, was mit „soliden Demokraten“ gemeint ist:

In der Variante Demokratietypen 1 sind als solide Demokraten jene Befragten zusammen-
gefasst, welche die Demokratie als das beste System ansehen und gleichzeitig alle drei
Antwortvorgaben antidemokratischer Systemalternativen überzeugt ablehnen (also auch
keine teils-teils-Antwort).

Die von dir zitierte Grafik widerspricht also mitnichten dem Artikel.

Das ist die Grafik mit den antidemokratischen Systemalternativen:

Auf die Parteien umgelegt:

Zwei Drittel der AfD-Anhänger wünschen sich also ein Ein-Parteiensystem. Und ein Drittel einen starken Führer.

Ich behauptete keinen Widerspruch.

(Es folgen Gedanken, die in keinem Zusammenhang mit dem obigen Satz stehen:)

statt: “Die zentrale Erkenntnis des Sachsen-Anhalt-Monitors 2025: Nur etwa 43 Prozent der Menschen im Bundesland sind „solide Demokraten“

hätte man auch schreiben können: “Die zentrale Erkenntnis des Sachsen-Anhalt-Monitors 2025: 87 Prozent der Bewohner Sachsen-Anhalts bekennen sich aktuell zu dieser Staatsidee – und damit die überwältigende Mehrheit. Man kann also von einer breiten Verankerung der Demokratie in Sachsen-Anhalt sprechen.”

oder sich eine andere Botschaft aus dem 200 seitigem Bericht auswählen können

Was wolltest du dann mit der Grafik belegen?

Alternativ kann man auch einfach in der Studie nachlesen, was man sich bei der ganzen Sache gedacht hat:

Die hohe Zustimmungsrate zur Demokratie und die in Teilen eingeschränkte politische
Unterstützung können wie zuvor geschehen erklärt und potenziell auch im Sinne des Sys-
temerhalts verändert werden. Allerdings lassen die Erfolge rechtsautoritärer politischer
Parteien Zweifel daran aufkommen, ob die hohe Zustimmungsrate der liberalen Demo-
kratie gilt oder ob sich unterdessen ein anderes Demokratieverständnis beginnt durchzu-
setzen
.
[…]
Dass die Antworten auf alle drei Fragen zu antidemokratischen Systemalternativen hoch-
gradig untereinander verbunden sind (Pearsons r-Korrelationen von r=.49 bis r=.31) zeigt,
dass alle drei Items zu einem antidemokratischen Einstellungsgebilde beitragen. Diese
Ergebnisse deuten in die Richtung eines relevanten Potentials in der Bevölkerung von bis
zu 36 Prozent, das faktisch antidemokratische Systemalternativen wünscht bzw. 56 Pro-
zent, welches diese Aussagen nicht ablehnt und für entsprechende Bestrebungen mobi-
lisierbar ist. Dieses Ergebnis relativiert die hohen Zustimmungswerte zur Demokratie.

Man kann sich an der Stelle ja auch mal überlegen, wie ein gewisser Herr Hitler an die Macht gekommen ist.

Ich wollte die Diskussion mit weiteren Daten bereichern, um eine differenzierte(re) Betrachtung zu ermöglichen.

Ja, bei den derzeitigen Wahlumfragen wird man schon nachdenklich. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass die anderen Parteien legitime Interessen der AfD-Wähler nicht bearbeiten und sie somit quasi gezwungen sind, die AfD zu wählen, die dann neben der Verfolgung legitimer Interessen noch einiges Illegitimes mitbringt.

Das zeigt die Defizite einer parlamentarischen Demokratie verglichen mit einer Räterepublik: Man kann nur ein Paket aus Maßnahmen wählen und kann nicht Delegierten aufgeben, spezifische Dinge umzusetzen. Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass ein System besser als das andere sei. Ich möchte lediglich die derzeitige Zwickmühle aufzeigen: Die AfD-Wähler denken quasi: Kein anderer macht’s, also müssen wir das Risiko eingehen, die zu wählen.

Aha. Tatsächlich hast du in den Raum gestellt, dass man in dem Artikel besser eine Grafik thematisieren sollte, die laut Urheber der Studie nur die halbe Wahrheit zeigt. Der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht ganz. Außer natürlich, man möchte die rechtsextreme Gesinnung in Teilen der Bevölkerung relativieren…

Welche genau wären das denn?

Ausländer raus, Deutschland den Deutschen, Windräder der Schande niederreißen, Vogelschiß der Geschichte wegputzen, NGOs abschaffen…

Ich verweise hier mal auf Youtube Videos, in denen ein gewisser Marcant versucht, mit AfD Anhängern zu reden um ihre Beweggründe zu erfahren.
Es ist interessant zu sehen, wie die Demoteilnehmer von ihren eigenen AfD (Saal)Ordnern am Reden gehindert werden, obwohl ihnen die Meinungsfreiheit doch so am Herzen liegt.

Deine Liste deckt sich in etwa mit meinen Beobachtungen. Ergänzen würde ich vielleicht noch ein Frauenbild aus den 60ern, der Austritt aus der EU und Homophobie.

Für mich ist aber nichts davon legitim.

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Das deckt sich mit der Bemerkung eines AfD Bundestagsabgeordneten über eine Linke Politikerin, in der er ihre Kinderlosigkeit erwähnt.
Vielleicht sollte der mal prüfen, ob in seiner Küche die Tassen noch komplett sind.

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Wasn daran nicht legitim?

Das damit eigentlich gemeint ist, „nur“ den Deutschen.
Das kannst du ja nicht wissen.
Warst du schon mal Zeuge einer Demo, auf der diese Forderung skandiert wurde?
(Sylt Mai 2024)

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Weil das Grundgesetz an vielen Stellen bspw. nicht zwischen Deutschen und anderen Menschen unterscheidet und erst recht unterscheidet es nicht zwischen Deutschen, die „nur“ einen deutschen Passe haben und solchen Deutschen, deren Vorfahren schon seit fünf Generationen auf deutschen Friedhöfen vergraben wurden.

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