Schwarzweiß-Denken
Hallo zusammen,
diese Diskussion trifft bei mir einen zuweilen etwas empfindlichen Nerv. Ich muß mir täglich die Storys meiner Kolleginnen, die zufällig fast ausschließlich Töchter in der Hochpubertät haben, anhören - anschließend überlege ich mir immer, ob ich die Familienplanung abschließen soll, bevor ich damit angefangen habe.
Sage ich dann meine bescheidene Meinung aus Sicht meiner eigenen Jugend, an die ich mich noch gut erinnern kann, dann höre ich immer den Schlachtruf: „Du kannst nicht mitreden, du hast keine Kinder!“ Und das nur, weil z.B. bei mir auf Unverständnis stößt, daß die jungen Damen nächtelang in der Disco rumfallen dürfen, daß sie drei Wochen vor Weihnachten ihr Handy fallenlassen und stante pede ein neues bekommen (was auf das avisierte Geschenk natürlich nicht angerechnet werden darf), daß mal nebenbei die Telefonrechnung solche Ausmaße annimmt, daß der Einzelnachweis eigentlich über Paketdienst versandt werden müßte, die Eltern dann lieber ihren Urlaub stornieren, anstatt die 1500€ von Kommunionskonto zu nehmen (das Kind will ja in zwei Jahren ein Auto haben), daß die alleinerziehende Mutter vor den 15€ zurückschreckt für ein Färbeprodukt von L’Oreal, dem Schnuckelchen aber am nächsten Tag für 35€ der schicke Bauchnabelstecker gekauft wird, UND UND UND.
Pflichten in der Hausgemeinschaft? Fehlanzeige! Schließlich räumt die junge Dame ja alle acht Wochen ihr Zimmer auf. Einen Spüllappen, ein Geschirrtuch, einen Putzlappen oder den Staubsauger hatten die alle noch nicht in den Hand. Sage ich dann, daß ich es nur angebracht fände, wenn auch mal im Haushalt angepackt würde, da man ja auch alle Annehmlichkeiten in Kauf nimmt, kommt der oben erwähnte Spruch. Daß ich mit 16 öfter das Klo putzen mußte, während meine Mutter auf der Arbeit war, wird mir nicht geglaubt.
Nun wäre das alles nicht direkt mein Problem. Wenn aber die lieben Kinderlein der Verwandtschaft wie die Vandalen über das eigene Domizil herfallen, mit ihren Schuhen über die neue Couch rutschen, den Schuh dann nur ausziehen, um damit gegen den Käfig des betagten Wellensittichs zu schlagen, mit den Inlinern ein schönes Muster in die Lackschuhe ritzen, Handball mit den Sofakissen spielen, bis die gute Kristallvase zu Bruch geht, die Küchenschranktür ein prima Karussell abgibt (zumindest bis das Scharnier bricht), dann muß ich trotzdem noch den Mund halten, weil ich sonst überhaupt kein Verständnis für Kinder habe. Schließlich habe ich ja keine!
Ich kann jedenfalls Juhe gut verstehen.
Gruß
mowei
P.S.: Die im zweiten Abschnitt genannten Beispiele haben sich tatsächlich durch das Zutun Kinder von Kindern zwischen 7 und 11 Jahren ereignet und könnten noch endlos weitergeführt werden. Dem Wellensittich kam ich übrigens zu Hilfe, da er sich selbst nicht wehren konnte. Nachdem zweimaliges Bitten nichts fruchtete und die Mutter das Ganze ignorierte, habe ich gebrüllt: „Sag mal, kannst du jetzt einmal den Vogel in Ruhe lassen, bevor er von der Stange fällt?“ Mein Patenkind L. (knapp 8) schaute mich entgeistert an und verzog das Gesicht. Da schritt die Mutter mit vorwurfsvollem Ton und Blick ein: „L. kann es ganz schlecht vertragen, wenn zu laut gesprochen wird! Komm, Schätzelchen…“ Irgendwie war danach ein paar Wochen Funkstille. Hat sich aber wieder gelegt; weil dann der Geburtstag nahte.