Hoi,
Wenn es nun eine Religion gibt, die sich genau die gleichen
Ziele gesteckt hat, nämlich die Beseitigung der FDGO und
Einführung eines eigenen Wertesystems, wie soll dann mit
dieser Religion verfahren werden?
einführen eines neuen Wertesystems in ein bestehendes Wertesystem geht ja nur, wenn es verfassungsrechtlich aufgenommen wird, so wie das Wertesystem der christlichen Religion eben in unsere Verfassung aufgenommen ist.
Das eine wäre demnach das Recht, auf deutschem Boden die eigene Religion ausüben zu können, und das andere wäre, das Wertesystem bei uns durchzusetzen. Hierzu müsste diesem Wertesystem ja ein Rechtsraum geschaffen werden.
Und da ist der Punkt der Toleranzgrenze für mich erreicht.
Wenn eine weltanschauliche Vereinigung sich in einem Gebiet niederlässt, auf dem eine gänzlich andere Weltanschauung herrscht, so hat sie sich in erster Linie diesem zu ‚unterwerfen‘.
Wenn ich nach England ziehe, habe ich mich dem dort geltenden Recht zu unterwerfen. Wenn ich in ein islamisches Land ziehe, habe ich mich der dort gültigen Rechts-, und Kleiderordnung zu unterwerfen.
Allein aus der Tatsache, dass meine Weltanschauung eine andere ist, als in meiner Wahlheimat, kann ich nicht das Recht ableiten, dass diese nun übernommen wird. Hier gilt insofern das demokratische Prinzip.
Gelingt es nun z. B. dieser weltanschaulichen Vereinigung, die Menschen mit hießiger Weltanschauung durch friedliche Mittel zu überzeugen, so wird das wohl im mehrheitlichen Interesse liegen, denn sonst wäre es nicht gelungen. Dann sind auch die Bedingungen geschaffen, um das bestehende Wertesystem zu kippen, da es eine Mehrheit dafür gibt.
Ob dies un durch Gewalt oder auf demokratischem Wege erfolgt, möchte ich Mal außen vor lassen.
Toleranz ohne Vertrauen geht nicht. Und jede Toleranz birgt natürlich die Gefahr, dass sie missbraucht wird. Toleranz kann aber durchaus konkrete Grenzen setzen. Bis hier hin und nicht weiter. Ich finde das schließt sich gegenseitig nicht aus.
Nun kann man natürlich sagen, eine bestimmte Gesinnung ist uns zu gefährlich, widerspricht den Menschenrechten und wir lehnen sie daher grundsätzlich ab und verbieten deren Verbreitung.
Gedanken und Gesinnungen kann man aber letztlich nicht wirklich verbieten. Die Verbreitung ebenwelcher kann man letztlich auch nicht verhindern. Neonazis haben auch ihre Plattformen, auf denen sie ihre Gesinnung in gewissem Rahmen kund tun und auch können. Wenn nicht öffentlich, so eben im (noch gefährlicheren, weil nicht überschaubaren) Verborgenen.
Die Gesinnung wird man nicht abschaffen können und man wird auch nicht verhindern können, dass sie neue Anhänger findet. Dieses Risiko besteht grundsätzlich so lange, solange man Menschen mit der ‚falschen‘ Gesinnung nicht ausradiert, oder des Landes verweist. Auf diese Optionen brauchen wir ja nicht weiter eingehen 
Es geht hier nicht um die Tolerierung von Kirchensteuern, wie
du anmerkst, sondern um die mögliche Tolerierung von
Ansichten, die klar gegen die Regelungen unseres Grundgesetzes
oder der Menschenrechte verstoßen. Nehmen wir an, eine
Gemeinschaft (politisch oder religiös) fordert die
Wiedereinführung der Todesstrafe - sollen wir solche Anträge
tolerieren?
Anträgen muss man nicht stattgeben:wink:
Da es ja unserer (also der unseres Volkes) Weltanschauung und Verfassung widerspricht, wird und kann einer solchen Forderung natürlich nicht entsprochen werden. Fordern kann man alles, aber die Durchsetzung erfordert eben eine Mehrheit.
Mit „Vernichtung“ ist nicht zwangsläufig eine physische
Vernichtung gemeint. Eine Vernichtung ist auch die Beseitigung
kultureller Eigenarten.
Und die muss erstmal durchgesetzt werden. Kulturelle eigenarten können ja nebeneinander existieren, solange sie sich nicht gegenseitig einschränken. Ein Muslim hat zu akzeptieren, dass ihm in D leichtbekleidete Frauen begegnen und wir müssen akzeptieren, dass islamische Frauen verschleiert rumlaufen. Es geht alles so lange gut, solange nicht der eine versucht, dem anderen etwas aufzuzwingen.
Allein darum geht es.
Unser Staat kann also sagen: 'Ihr dürft hier leben, ihr dürft denken, was ihr wollt, und eure Meinungen kund tun, aber ihr habt keinen Anspruch darauf, dass unsere Weltanschauung und Verfassung der euren weicht. Die Alternative ist, dass sich die Betroffenen damit arrangieren, oder dass sie durch militante, oder oben beschriebene friedliche Überzeugungsarbeit unser Wertesystem kippen.
Ich gebe zu, dass es mitunter schwierig ist zu beurteilen, wie viel Meiungsäußerung wir zulassen. Allerdings ist für mein Verständnis auch dieser Rahmen in unserer Verfassung verankert. (Art. 5 (2), Art. 11 (2),Art. 18, Art. 20 ??? ich hoffe das interpretiere ich richtig -> IANAL)
Der Hauptbestandteil einer missionierenden Religion ist leider
die Ausbreitung über die ganze Welt und auf alle Menschen. Da
du die Muslime nennst - das oberste Ziel des Islam ist die
Umwandlung der ganzen Welt in das so genannte „Haus des
Friedens“, was nichts anderes bedeutet als alle Länder der
Erde sind muslimisch und außer dem Islam gibt es keine andere
Religion.
So habe ich das auch verstanden. Und weiter?
Die Frage ist, ob und wie, also mit welchen Mitteln und welcher Vehemenz diese Religion dies zu erreichen und durchzusetzen gedenkt, bzw. konkret tut.
Wie sieht es aus bei einer nicht-militärischen Variante? Wenn nun
eine politische Gruppierung durch legitime Mittel die Macht
übernimmt?
Wie könnte das aussehen?
Etwa durch Wahl. Die Nationalsozialisten haben sich
bekanntlich nicht an die Macht geputscht oder wie die
Bolschewiki in Russland durch eine blutige Revolution. Der
Mullah-Staat im Iran ist auch nicht durch Krieg entstanden. So
könnte das aussehen.
Wie oben. Dazu bedarf es einer Mehrheit. Dieses Problem haben wir mit jeder Gesinnung, die der unseren widerstrebt. Da brauchen wir einfach genug Vertrauen, dass sich das gesamte deutsche Volk nicht einfach so Mal umkrempeln lässt. Aber wie willst du das ausschalten? Ok. gewisse Parteien wurden verboten, und können daher keine Wahlmehrheit erlangen.
Der demokratische Weg zur Machtübernahme ist dadurch also beschnitten.
Natürlich möchte ich nicht, dass die Grunderechte, Menschenrechte, Menschenwürde durch eine Machtübernahme beschnitten oder abgeschafft werden. Wie dem allerdings politisch, friedlich und rechtlich entgegengewirkt und dies umgesetzt werden kann, übersteigt schlicht meine Fähigkeiten und Kenntnisse.
Ich kann nur sagen, dass ich mich massiv dagegen wehren würde, mir eine unmenschliche Macht aufdrücken zu lassen. Meine innere Gesinnung kann keine Macht der Welt ändern. Wie weit ich bei dem Kampf gegen eine Überstülpung einer neuen Weltanschauung gehen würde kann ich nicht sagen. Diese Gedanken machte ich mir auch schon zum Thema, ‚warum habt ihr Hitler nicht verhindert?‘. Da überlegte ich mir: Wenn ich vor der Wahl stünde die Klappe zu halten, oder abgeschossen zu werden, würde bei mir wahrscheinlich doch die ‚Feigheit vor dem Feind‘ siegen.
oder territoriale Veränderung?
Wie stellst du dir ein solches zusandekommen vor?
Einfaches Beispiel:
1967 hat Israel im Sechs-Tage-Krieg den Gaza-Streifen, die
Sinai-Halbinsel, die Westbank und die Golanhöhen besetzt.
Dadurch wurden nationalistische und
religiös-fundamentalistische Gruppen auf israelischer Seite
auf die Idee eines „Groß-Israels“ gebracht. Mit anderen
Worten: Man überlegte, die besetzten Gebiete zumindest in
Teilen zu annektieren und zu israelischem Staatsgebiet zu
machen. Die Siedlungspolitik Israels auf der Westbank und in
Gaza waren typische Zeichen dafür.
Zu einer Annektierung ist es nicht gekommen - und selbst die
religiös-fundamentalistischen Juden in Israel sind heute froh
darüber. Denn hätte man diese Gebiete israelisch gemacht,
wären die Juden heute in ihrem eigenen Land in der Minderheit.
Aus Israel wäre ein arabischer Staat mit einer jüdischen
Minderheit geworden.
Man muss sich die Frage stellen, ob bei einem Friedensschluss
zwischen Israel und den Palästinensern eine
Bevölkerungswanderung nach Israel einsetzt und auf absehbare
Zeit das Land nicht doch mehrheitlich islamisch wird.
Dazu kann ich keine Stellung beziehen, da mir hierzu schlicht das Wissen fehlt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, mich mit diesem Thema noch nicht intensiv befasst zu haben und ich mir daher auch keine Meinung dazu gebildet habe und auch nicht kann.
Je größer diese Gruppe wird, desto mehr Einfluss gewinnen ihre
Wertevorstellungen in der Gesellschaft. In vielen Städten wird
es ganze Stadtviertel geben, die einen eigenen Wertekodex
leben.
Das klingt für mich sehr paranoid. Ich kenne mich auch nicht aus mit den Wertevorstellungen dieser Religion. Und solange sie nach ihrem Wertekodex leben, dieser unseren aber nicht einschränkt, kann man sie doch lassen, solange sie sich an die Menschenrechte halten und sich menschenfreundlich verhalten.
In meinen Augen ist die Gefahr, den Islam als neues Feindbild zu etablieren recht hoch (wenn nicht schon geschehen). Da stehen viele viele Menschen dahinter und ich weigere mich einfach zu glauben, dass die Mehrheit derer, die dieser Religion angehören Menschen sind, die böses im Schilde führen und nichts anderes im Sinn haben, uns ihre Meinung und anschauung aufzudrücken. Die meisten sind doch an einer firedlichen Koexistenz interessiert.
Als Frage bleibt, wie stark hier der Einfluss
fundamentalistischer Gruppierungen ist. In Großbritannien gibt
es heute bereits Bereiche, die über eine eigene Rechtsprechung
im Zivilbereich verfügen und somit ein paralleles Rechtssystem
etabliert haben.
Auch hierzu kann ich nichts sagen, da ich mich erst informieren müsste, wie weitreichend dies ist und welche Probleme damit einhergehen.
So manches von dem, was wir heute als normal empfinden, wird
sich dann als Problem darstellen, weil fortwährend Rücksicht
auf das moralische und sittliche Empfinden dieser stärker
werdenden Gruppe genommen werden muss.
Ich fühle mich nicht fähig beurteilen zu können, wieviel rechtlichen Spielraum man andersartigen Weltanschauungen, die hier leben, geben kann.
Nein. Die Frage ist, wann Toleranz (oder auch Appeasement)
endet, wenn die Veränderungen in kleinen Schritten kommen.
Schwierig zu beantworten. Ich denke, da muss man einfach wachsam sein und vor allem den Dialog suchen. Ob ein solcher durch die bereits entstandenen harten Fronten einfach ist, sei dahingestellt.
Ich gebe gerne zu, dass mich deine konkreten Szenarien überfordern und ich natürlich auch kein Patentrezept liefern kann.
Falsch und gefährlich erachte ich allerdings die massive Hetze und ‚Panikmache‘ gegen den Islam. Verhärtete Fronten erschweren Annäherung.
Je mehr sich ein Mensch angegriffen fühlt, um so mehr wird er in Verteidigungshaltung gehen. Die große Kunst der Diplomatie ist vermutlich, dem anderen zu signalisieren, dass man sich auf gleicher Augenhöhe befindet, auch wenn man sein Handeln und Denken verwerflich findet. Geprägt von gegenseitiger Akzeptanz bei gleichzeitiger Betonung der eigenen Grenzen. Oder so ähnlich *gg* Ich habe halt leider keine diplomatischen Fähigkeiten.
Wie sagte mein Sohn zu mir:
‚Gell Mama, das Leben ist ganz schön lebensgefährlich‘
Gruß Marion