Bald 500 euro studiengebÜhren!

Was ist mit Umschulung?
Hi Wendy,

wie sieht es denn aus mit Umschulungen? Sind die auch Privatvergnügen? Warum zahlt hier dann
das Arbeitsamt?

fragend

m.

Sorry - es ist nicht der Neid der Besitzlosen, und ich bin
durchaus eine Verfechterin, daß Bildung allgemein zugänglich
sein muß, auch ein Erststudium soll jeder kostenlos machen
können. Bei Zweitstudien - auch wenn Du mich für dumm, eitel
und neidisch hälst - finde ich, das ist Privatvergnügen und
von jedem durch Studiengebühren zu finanzieren.

Wendy

Mal wieder etwas sachlicher :smile:
Hallo,

Sorry - es ist nicht der Neid der Besitzlosen, und ich bin
durchaus eine Verfechterin, daß Bildung allgemein zugänglich
sein muß, auch ein Erststudium soll jeder kostenlos machen
können.

Ok ok.

Bei Zweitstudien - auch wenn Du mich für dumm, eitel
und neidisch hälst - finde ich, das ist Privatvergnügen und
von jedem durch Studiengebühren zu finanzieren.

Weder das erste- noch das zweite, dritte oder x-te Studium sind „umsonst“. Auch wenn man es nicht glauben möchte, selbst Studenten müssen ab und zu mal was essen, brauchen eine Wohnung (im Winter sogar beheizt), ein paar Klamotten zum anziehen, und – Gott behüte – wollen ab und zu mal ins Kino oder in die Kneipe gehen. Von unmittelbar zum Studium gehörenden Ausgaben wie ein Computer, Bücher, Schreibkrams, etc. mal ganz abgesehen. Auch die Semestergebühren für Verwaltungsaufwand bei der Einschreibung/Rückmeldung, Studentenwerk-Abgaben, Semesterticket, etc. sind ja bereits bei mehreren hundert Euro angekommen.

Das alles will finanziert sein. Geld bekommen sie – im Gegensatz zu Auszubildenden – nicht. Wenn die Eltern eine (in meinen Augen viel zu knapp bemessene) Einkommensgrenze unterschreiten, dann gibt es Geld nach BAFöG. Dieses Geld ist sehr wohl an strenge Leistungsnachweise gebunden und selbst ein Studienfachwechsel verursacht erheblichen Aufwand. Keinesfalls wird ein Zweitstudium gefördert.

Studenten gehen also in der Regel arbeiten. Denn selbst die Eltern, die nach BAFöG das Studium ihrer Sprösslinge bezahlen können (müssen), sind damit in der Regel überfordert. Auch wenn ich mich wiederhole: Studenten bezahlen, genau wie alle anderen Arbeitnehmer, Sozialabgaben, Krankenversicherung und Lohnsteuer. Von Schmarotzertum kann keine Rede sein.

Hinzu kommt jetzt die chronische Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen (Schulen übrigens auch, aber darum geht es hier ja nicht). Da man Kohlebergbau, Maut-Systeme, Ausbaggern von Naturschutzgebieten, Ansiedlung von Chipfabriken, Beraterverträge, etc. bezahlen muss, ist für Studenten und Schüler kein Geld mehr da. Was also tun? Klar, Gebühren müssen her. Da die derzeitige Bundesregierung aber vollmundig versprochen hat, das Erststudium nicht zusätzlich mit Kosten zu belasten, werden die „Bummelstudenten“ und „Scheinstudenten“ aufs Korn genommen.

Wie gesagt bekommen die Hochschulen nicht einen Cent mehr. Im Gegenteil, die Mittel werden insgesamt vermutlich noch mehr zusammengestrichen, als sie es ohnehin schon sind. Das Geld ist bereits in anderen Töpfen versickert.

Es ging vielmehr darum, eine weitere möglichst schwache Gruppe zu finden, bei der man abkassieren kann. Bitteschön.

Wie gesagt, ich kann allen potentiellen Studenten nur dringendst empfehlen, ihr Geld dahin zu tragen, wo sie eine echte Gegenleistung für die Gebühren bekommen. Ins Ausland.

Gruß

Fritze

Hi Christoph,

du schreibst:

Wenn tatsächlich Studiengebühren für Zweitstudiengänge
eingeführt werden und dann Politiker vorschlagen,
weitergehende Abgaben zu installieren, erst dann ist es
richtig (und notwendig!) dagegen auf die Barrikaden zu

gehen.

Situation ist:
BW und Bayern (und vielleicht noch das ein oder ander Land?)
klagen zur Zeit vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das
Hochschulrahmengesetz der Bundesregierung. Dieses besagt,
dass ein Erststudieum kostenfrei sein soll (zumindest in
Regelstudienzeit).
Nun meine Frage, was wollen diese Länder?
Mein Tipp: Gebühren ab dem ersten Semester?
Sollen wir also jetzt schon aufestehen, wo wir diesen fiesen
Trick durchschaut haben, oder erst wenn ich (hoffentlich
nicht, da Hessen noch nicht ganz so schnell ist, und ich ja
schon im 7. Sem. bin *toitoitoi*) oder meine Kinder für ein
Studium zaheln müssen?

Sachlich magst Du recht haben: Über den Sinn und Zweck der

500

Euro lässt sich streiten. Meiner Ansicht nach gibt es

ohnehin

relativ viele Studenten, deren primäres Ziel nicht die
Wissensaneignung und Weiterbildung ist, sondern die
Bequemlichkeit, nicht arbeiten zu müssen. In

Erststudiengängen

ist es in der Tat unmöglich, objektive Massstäbe über die
Studienmotivation anzulegen, und so förderungswürdige von
nicht förderungswürdigen Studenten zu unterscheiden, daher

bin

auch ich gegen Studiengebühren im Erststudiengang. Auch wenn
dann ein paar „Bildungsschmarotzer“ dabei durchgefüttert
werden müssen - dieses Päckchen hat ein Sozialstaat nun mal

zu

tragen. Aber in Zweitstudiengängen ist es durchaus möglich,
objektive Kriterien zu finden, da dort die Studenten bereits
voll ausgebildet sind.

Hier zu bleibt noch zu sagen, dass ich
Ernährungswissenschaften studiere. Dieses studium kann man
mit einem Pädagogikstudium (Zweitstudium) ausbauen um später
an Berufsschulen o.ä. zu unterrichten. Hatte ich auch mal
vor, nur leider wird mich dieses Studium ca. 4000 Euro kosten
(für 4 Semester in Hessen, sollte ja in der Zeit zu schaffen
sein :wink: ), von dem her werde ich wohl nicht meiner
Leidenschaft nachgehen und anderen Leuten helfen, sondern in
die Industrie abwandern und richtig fett Kohle machen, dass
ich meinem Staat auch zurückgeben kann, was er mir gegeben
hat!

Frage mich wirklich ob Studiengebühren der richtige Weg sind!

nachdenkliche Grüsse

m.

Hallo, Michael,
Teilweise muß ich Dir recht geben. Allerdings wäre die Einführung von Studiengebühren nur die halbe Miete.

Der Haken ist folgender: Selbst wenn die Studiengebühren
kommen, wird sich NIX ändern, denn die so an die Unis
fliessenden Mittel werden mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit wieder beim „Staatszuschuss“ = den
Steuermitteln, welche ja bekanntlich der Bürger so aufwendet,
wieder eingespart.

Dem muß man natürlich entgegentreten.

Ebenso sind ja alle festangestellten Professoren und festen
Dozenten real oder de facto verbeamtet… und einen deutschen
Professor wegen Unfähigkeit aus dem Amt zu entfernen dürfte
ein Ding der Unmöglichkeit sein. Ansosnten werden weiter
Zeitstellen gestrichen…

Allerdings muß sich m.E. auch an den Universitäten grundlegendes ändern. Sobald die Universitäten ähnlicher einem Unternehmen als einer Behörde geführt werden, wird man auch um Qualitätskontollen und „Materialprüfung“ nicht herumkommen. Das käme dem „Produkt“ Absolvent dann sicher deutlich zugute.

Die Studenten können sich gerne beschweren, aber wie heisst es
so schön: Wo nix is, geht nix.

Was nix kostet, kann man gut mal so eben risikolos mitnehmen. Erst wenn das Bummeln oder Versagen (finanziell) weh tut, wird das unterbleiben. Nichts spricht dagegen, Studiengeldbefreiungen oder -minderungen für bedürftige, aber fleißige und begabte Studenten einzuführen. Aber der strunzdumme, stinkfaule Knabe, der sich an der Uni rumdrückt, bloß weil der Herr Papa auch Akademiker ist, der soll ruhig für dieses Privileg zahlen.
Und wenn der Herr Professor nicht mehr vom Staat, sondern von der Universität bezahlt wird, mit dem Rauswurf bei Erfolglosigkeit rechnen muß, dann wären wir vielleicht soweit.

Studiengebühren allein werden es nicht richten, das sehe ich so wie Du. Hinzutreten müssen tiefgreifende Reformen an den Universitäten.

Übrigens wird das dann auch seine Auswirkungen auf die vorgelagerte Schulausbildung haben, der eine grundlegende Reform auch gut täte.

Grüße
Eckard.

Meine übliche Frage: Wie kommst Du drauf…
Hallo Fritze,

Papa zahlt also. Abgesehen von Deinem offensichtlichen Neid,
wo ist da die ach so hohe Belastung des Steuerzahlers? Ist
„Papa“ die Allgemeinheit, oder was?

…dass Papa hier alles gezahlt hätte? Papa hat u.U. die Lebenserhaltungskosten während des Studiums gezahlt (die hier aber absolut nicht zur Diskussion stehen), den Rest hat wie üblich die von Dir so herrlich dreist verleugnete Allgemeinheit gezahlt. Und da ein Studienplatz zum Teil mit über 100TEUR angesetzt wird (Medizin), ist das nicht wenig! Und ich denke, da kann die geschmähte Allgemeinheit schon ein bisschen Verantwortung einfordern!

Grüße
Jürgen

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Dienstleistungsgesellschaft
Hallo Michael,

natürlich liegt an den Unis einiges im Argen, was nicht zuletzt durch die Mittelknappheit bedingt ist. Ntürlich ist es unwahrscheinlich, daß sich die Leistungsfähigkeit der Hochschulen schlagartig mit Einführung einer Stuediengebühr verbessert.

Ich habe seinerzeit an einem Projekt mitgearbeitet, daß sich mit Controlling und Marketing von Hochschulbibliotheken beschäftigte, deren Grundproblem es ist, daß sie leisten müssen, ohne für die Leistung bezahlt zu werden. Ein Ergebnis der ganzen Veranstaltung war, daß einerseits die Mitarbeiter motivierter waren, wenn man sie rein formal nicht als Staatsdiener, sondern als Dienstleister einordnete.

Andererseits waren Studenten viel eher bereit, für die Bibliotheksdienstleistung zu zahlen, wenn ihnen gewisse Mindeststandards bei der Diensleistung garantierte.

Will sagen: Wenn alle Beteiligten den verstärkten Hauch der Diensleistungsgesellschaft zu spüren bzw. in Aussicht gestellt bekamen, änderten sich Leistungswille und Anspruchsdenken.

Eine Studiengebühr kann da nur förderlich sein.

Wie gesagt: Von einer schlagartigen Veränderung der Verhältnisse gehe ich auch nicht aus, aber wenn sich der Student mehr als Kunde begreift und das von der leistungsseite auch so verinnerlicht wird, ist man eher auf dem richtigen Weg, als wenn man den Laden weiter so wie bisher laufen läßt.

Gruß,
Christian

Hallo,

Hi Wendy,

wie sieht es denn aus mit Umschulungen? Sind die auch
Privatvergnügen? Warum zahlt hier dann
das Arbeitsamt?

fragend

m.

Zum einen geht es hier um Studiengebühren - zum anderen halte ich auch manche Umschulung für fragwürdig.

Wenn eine Umschulung aber jemanden von einem heute nicht mehr gebrauchten Beruf in eine neue Qualifikation bringt, ist es natürlich sinnvoll. Oder wenn jemand heute Fähigkeiten nicht mehr hat, die er zum zeitpunkt seienr Ausbildung noch hatte (Behinderung, körperliche Einschränkungen aus Altersgründen usw.) ist eine Umschulung doch eine gute Möglichkeit, jemanden zu Arbeit zu verhelfen, der sonst vielleicht in die Frührente geschickt werden müßte.

Und bitte - ich will niemandem verbieten, einen 2. Beruf zu erlernen - mein Bruder hat auch nach seiner Ausbildung (und dem personalabbau bei der Post) eine 2. Ausbildung gemacht - allerdings - er hat ausschließlich von seiner Ausbildungsvergütung bzw. vom Nebenkob gelebt, seine eigene Wohnung bezahlt usw. WEIL DIESE AUSBILDUNG SEIN PRIVATVERGNÜGEN IST UND WAR!

Wendy

Die Sache mit dem Privatvergnügen …
Hallo nochmal

Und bitte - ich will niemandem verbieten, einen 2. Beruf zu
erlernen - mein Bruder hat auch nach seiner Ausbildung (und
dem personalabbau bei der Post) eine 2. Ausbildung gemacht -

Na sowas … ist doch prima!

allerdings - er hat ausschließlich von seiner
Ausbildungsvergütung bzw. vom Nebenkob gelebt, seine eigene
Wohnung bezahlt usw. WEIL DIESE AUSBILDUNG SEIN
PRIVATVERGNÜGEN IST UND WAR!

Die Studenten kommen zum überwiegenden Teil ebenfalls nur durch Apanage der Eltern + Nebenjob über die Runden.

Was das Privatvergnügen betrifft, so ist das natürlich zu kurz gegriffen. Wenn hier (wie weiter oben) schon mit Kosten/Studienplatz argumentiert wird, dann sollte man auch die Kosten eines Ausbildungsplatzes nicht ausser Acht lassen. Die zahlt nämlich ebenfalls die von Dir genannte Allgemeinheit. Jedenfalls die
Kunden des Unternehmens. Wenn also jemand bei Karstadt eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann macht, dann kostet das den Konzern – und zwar reichlich. Diese Kosten werden aber nicht aus der Privatschatulle des Managements bezahlt, sondern auf die Preise umgelegt und daher von den Kunden – Dir und mir – bezahlt.

Daher bin ich für die Wiedereinführung des Lehrgeldes. Insbesondere bei einer zweiten Ausbildung. Warum soll ich zwei Cent mehr pro Joghurt zahlen, nur damit Leute wie Dein Bruder sich selbst verwirklichen können?

Gruß

Fritze

Hallo Juergen,

Papa hat u.U. die
Lebenserhaltungskosten während des Studiums gezahlt (die hier
aber absolut nicht zur Diskussion stehen), den Rest hat wie
üblich die von Dir so herrlich dreist verleugnete
Allgemeinheit gezahlt.

Ich verleugne die Allgemeinheit doch gar nicht. Ich bin nur der Meinung, die Allgemeinheit sollte sich zunächst einmal über ganz andere Dinge aufregen, bevor sie den Studenten zusätzliche Kosten aufbürdet.

Und da ein Studienplatz zum Teil mit
über 100TEUR angesetzt wird (Medizin), ist das nicht wenig!
Und ich denke, da kann die geschmähte Allgemeinheit schon ein
bisschen Verantwortung einfordern!

Diese (sicherlich zu hoch) angesetzten Kosten entstehen aber nicht tatsächlich durch die Studenten, sondern durch den enormen Apparatewahnsinn in Deutschen Krankenhäusern allgemein und Unikliniken im Besonderen. Ich glaube alleine in Hamburg gibt es mehr CTs, als in ganz Frankreich.

Wenn man also die Studentenzahlen drastisch verringern würde, dann würden die Kosten pro Studienplatz nicht etwa sinken, sondern im Gegenteil noch steigen!

Diese Summe ist auch bei anderen Studiengängen geradezu absurd, weil hier die gesamten institutionellen Kosten zusammengerechnet werden und auf die Studenten umgelegt werden. Es wird aber nur ein geringer Bruchteil dieser Kosten (ca. 20%) tatsächlich für die Lehre aufgewendet. Aufgrund der massiv gestiegenen Studentenzahlen sind die relativen Kosten nochmal stark gesunken.

Gleichzeitig werden die privaten Kosten (von Leuten wie Dir) stets klein geredet. Dabei geht es weniger um die Lebenshaltungkosten, die ja unabhängig vom Studium anfallen, sondern vielmehr um die horrenden Opportunitätskosten, die nur zu einem sehr kleinen Teil durch staatliche Leistungen (BAFöG, Ermäßigung bei Kranken- und Sozialversicherung) kompensiert werden. Dank der neuesten Unverschämtheit, die Studienzeit jetzt gar nicht mehr auf den Rentenbeitrag anzurechnen, haben sich diese Kosten ohnehin gerade mal wieder erhöht.

Gerade die „Bummelstudenten“ tragen damit enorme Kosten. Warum sollen gerade sie jetzt noch einmal bestraft werden?

Mir geht es im übrigen gehörig gegen den Strich, diese ganzen wirtschaftlichen Betrachtungen so in den Vordergrund zu rücken. Es geht bei einem Studium nicht in erster Linie um ein möglichst schnelles „Return of investment“, sondern um die Vermittlung von Wissen um seiner selbst willen. Darum sind auch Fächer wie Byzantinistik oder Archäologie genauso wertvoll und sinnvoll, wie Jura, Medizin oder Maschinenbau.

Wenn es stets und alleine nur um’s Geld ging, dann sollten wir vielleicht alle zu Prostituierten bzw. Strichern werden. Da gibt es selbst für komplett ungelernte „Arbeitskräfte“ traumhafte Stundenlöhne.

Gruß

Fritze

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Hallo,

Ich fände es schön, wenn Du mir mal erklären könntest, in
wiefern Gebühren oder ein dalli-dalli Studium die Qualität
verbessern. Also: Warum ist ein schnelles Studium qualitativ
höher, als ein langsameres?

Ich habe so etwas NIE behauptet. Ich habe nur gesagt: Wer
studiert und dafür Gebühren zahlen muss, nimmt die Sache
ernster.

Sorry. Du sagtest wörtlich:

_In Italien gibt es schon immer solche Gebühren. […] Nachdem man die Regelstudienzeit überschritten hat, werden die Gebühren immer höher. Ich finde es durchaus sinnvoll: Wer das Studium nicht ernsthaft meint, soll halt arbeiten und nicht Dauerstudent sein. Das verbessert die Qualität des Studiums. _
Gruß

Fritze

Hallo exc,

ich stimme mit Dir ganz überein, dass die deutschen Hochschulen (Schulen übrigens mindestens genauso dringend) eine gründliche Reform benötigen. Dazu wird nicht einmal immer viel Geld benötigt. Professoren und Dozenten sollten dringend auf ihre Lehrtauglichkeit überprüft werden und entsprechende Gehaltseinbußen bzw. Boni erhalten. Außerdem sollten sie sich generell weit mehr um Studenten kümmern. Auch mit Erstsemestern lassen sich Forschungsprojekte durchführen, was das Studium im übrigen etwas weniger staubtrocken machen würde.

Bibliotheken sollten längere Öffnungszeiten haben, als Bankfilialen. Den Studenten sollte so wenig wie möglich Verwaltungsaufwand und Bürokratie aufgebürdet werden. Studiengänge sollten immer auch „über den Tellerrand“ Vorlesungen zur Pflicht machen. Also etwas weg vom reinen „Fachidiotentum“.

Sicher könnte auch die Ausstattung der Universitäten (ok, nicht unbedingt bei den Medizinern, aber generell) verbessert werden. Es liegt aber viel mehr in dem Selbstverständnis aller beteiligten (Professoren wie Studenten). Die Distanz zwischen dem allwissenden Professor und dem nichtsnutzigen Massenstudent ist in Deutschland unglaublich groß.

Wenn all das (und noch viel mehr) geändert wurde und ein Studium an deutschen Unis überhaupt erst wieder Spaß macht und zielgerichtet absolviert werden kann, dann kann man über Studiengebühren sprechen. Aber doch bitte nicht umgekehrt. Und schon gar nicht, ohne verbindliche Zusagen, dass das Geld auch den Hochschulen zusätzlich komplett zur Verfügung steht, also nicht für den allgemeinen (desolaten) Haushalt verballert werden kann.

Solange das nicht passiert, sollte man (bitte bitte, liebe Studenten in spe) sich lieber im Ausland umsehen. Abstimmung mit den Füßen nennt man sowas.

Gruß

Fritze

Moin,

Gerade die „Bummelstudenten“ tragen damit enorme Kosten. Warum
sollen gerade sie jetzt noch einmal bestraft werden?

gerade weil sie bummeln. Kaum jemand regt sich darüber auf, daß ein Film mit drei Stunden Laufzeit im Kino teuerer ist als ein Film mit 90 Minuten Laufzeit.

Und wieso sollten Studenten und Schüler Anrechnungszeiten bei der Rentenversicherung bekommen und dann noch in Höhe des Durchschnitteinkommens?

Jeder soll selbst entscheiden, was er will: Sofortigen Berufseinstieg oder 4-6 Jahre Studium mit folgenden 10-15 Jahren Aufholzeit für die entgangenen Einnahmen aus der Studienzeit. Das aber hat das Individuum zu entscheiden und zu verantworten und nicht die Allgemeinheit.

Gruß,
Christian

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Hallo,

Daher bin ich für die Wiedereinführung des Lehrgeldes.
Insbesondere bei einer zweiten Ausbildung. Warum soll ich zwei
Cent mehr pro Joghurt zahlen, nur damit Leute wie Dein Bruder
sich selbst verwirklichen können?

Was bringt Dich auf die Idee, daß es Selbstverwirklichung war? Der Konzern Post hat seine Aktionäre befriedigt und Personal abgebaut. Und der Beruf ist leider recht speziell gewesen - so daß er was Neues lernen mußte

Wendy

Staat zahlt auch für Ausbildung
Hi ihr,

übrigens finanziert der Staat auch jede Ausbildung mit!
Ein Betrieb der keine Ausbildungsstelle anbietet muß Gebühren zahlen, einer der Ausbildet nicht. Durch jeden Ausbildungsplatz gehen dem Staat also auch ein paar Euro flöten!

oder etwa nicht?

Grüsse
m.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Moin,

Moin moin,

Gerade die „Bummelstudenten“ tragen damit enorme Kosten. Warum
sollen gerade sie jetzt noch einmal bestraft werden?

gerade weil sie bummeln. Kaum jemand regt sich darüber auf,
daß ein Film mit drei Stunden Laufzeit im Kino teuerer ist als
ein Film mit 90 Minuten Laufzeit.

Die „Bummler“ (die sich selbst übrigens nur zu sehr geringem Teil selbst als solche bezeichnen würden, weil sie nicht „bummeln“ sondern aufgrund äußerer Zwänge einfach weniger Lehrveranstaltungen pro Semester besuchen, dafür aber mehr Semester brauchen) jammern auch gar nicht über die Opportunitätskosten. Die sind aber äußerst reell und werden von den meisten Studenten bewusst in Kauf genommen.

Und wieso sollten Studenten und Schüler Anrechnungszeiten bei
der Rentenversicherung bekommen und dann noch in Höhe des
Durchschnitteinkommens?

Genau aus dem gleichen Grund, weshalb Studiengebühren abzulehnen sind. Sie machen das Studium für Menschen, die nicht das Glück hatten, mit dem goldenen Löffel im Mund geboren zu werden, erheblich schwieriger wenn nicht gar unmöglich. Die Opportunitätskosten sind gerade gestiegen. Denn schneller studieren geht nicht. Also mehr arbeiten, um für die Studiengebühren anschaffen zu gehen. Resultat: Das Studium dauert noch länger.

Jeder soll selbst entscheiden, was er will: Sofortigen
Berufseinstieg oder 4-6 Jahre Studium mit folgenden 10-15
Jahren Aufholzeit für die entgangenen Einnahmen aus der
Studienzeit. Das aber hat das Individuum zu entscheiden und zu
verantworten und nicht die Allgemeinheit.

Wozu brauchen wir dann eine Rentenversicherung und eine Krankenversicherung und eine Sozialversicherung? Da hat bitteschön dann auch jedes Individuum für sich zu entscheiden, und nicht die Allgemeinheit.

Wozu soll die Allgemeinheit für Dinge wie Straßen, Krankenhäuser, Stromversorgung, eine Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Parkanlagen, Kirchen, Kindergärten, Schulen und auch Universitäten aufkommen? Könnte das nicht mit der gleichen Begründung in die Verantwortung des Individuums gestellt, vulgo „privatisiert“, werden?

Wozu also eine Solidargemeinschaft?

Ganz einfach: Die Allgemeinheit soll dafür zahlen, weil die Allgemeinheit auch enorm davon profitiert. Es mag wegen der zur Zeit recht großen Studentenzahl eine komische Frage sein, aber meinst Du nicht auch, dass Deutschland eher mehr als weniger qualifizierte Wissenschaftler braucht?

Die Bundesrepublik gibt anteilig ohnehin jetzt schon weniger öffentliche Gelder für Universitäten aus, als die USA!

Warum wird hierzulande immer nur darüber nachgedacht, Randgruppen auszugrenzen, zu stigmatisieren und zu bestrafen? Korrekterweise müsste man doch vielmehr fragen, warum hier viele Studenten so lange brauchen und wie man ihnen helfen kann, damit es schneller klappt. Das wird in anderen, vornehmlich kleineren Volkswirtschaften auch konsequent gemacht. In Finland ist man sich z.B. sehr darüber im klaren, dass man es sich einfach nicht leisten kann, auch nur einen einzigen Jugendlichen nicht bestmöglich zu fördern. Auch und gerade, wenn er Probleme hat.

Prüfungsangst, Finanzsorgen, Krankheit, falsche Lerntechnik, Ärger mit Dozenten, usw, usf. Der Gründe gibt es viele. Die Lösung: Wir würgen ihnen mal richtig einen rein, dann werden sie sich schon berappeln. Pfui deiwel. Ich möchte nicht Teil einer Gesellschaft sein, die sich solche „Lösungen“ ausdenkt.

Gruß

Fritze

Hallo,

Was bringt Dich auf die Idee, daß es Selbstverwirklichung war?
Der Konzern Post hat seine Aktionäre befriedigt und Personal
abgebaut. Und der Beruf ist leider recht speziell gewesen - so
daß er was Neues lernen mußte

Selbst schuld, wenn er sich zum Fachidioten ausbilden lässt. Er hätte ja von vornherein was sinnvolles lernen können, oder gar studieren gehen :wink:

Aber keine Sorge, wenn es so weitergeht, dann dürfen Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Langzeitstudenten und dergleichen Gesocks vielleicht kostengünstig und dauerhaft entsorgt werden. Diese elenden Sozialschmarotzer!

Merke: Wer keinem Broterwerb nachgeht, ist es auch nicht wert, gefüttert zu werden. Willst Du mitessen, musst Du mitdreschen. Gerechtigkeit für alle!

Gruß

Fritze

Kleine Anmerkung
Hallo,

Die „Bummler“ (die sich selbst übrigens nur zu sehr geringem
Teil selbst als solche bezeichnen würden, weil sie nicht
„bummeln“ sondern aufgrund äußerer Zwänge einfach weniger
Lehrveranstaltungen pro Semester besuchen, dafür aber mehr
Semester brauchen) …

Aussage eines Studenten der Elektortechnik (FH) im 26.Semester:
Mehr als ein Schein pro Semester ist mir zu viel Streß!

Äußere Zwänge kann ich da irgendwie nicht erkennen…

Gruß
Axel

marktversagen
moin christian,
du springst ja mutig mitten in den blinden fleck der wirtschaftstheorie…
denn bekanntermaßen funktioniert der preismechanismus nur, wenn sämtliche annahmen des neoklassischen theorie-apparates erfüllt sind. und hier wird gleich sehr deutlich: die („produktions-“)faktoren sind nicht vollständig mobil und vollständige information über entscheidungsrelevante parameter gibt es erst recht nicht.
daher ist hier nur eins vollständig: die illusion, dass es in diesem bereich jemals konsumentensouveränität geben könnte.
somit ist es imho schlechterdings unmöglich, in diesem zusammenhang mit schlichten „basismechanismen“ zu argumentieren.

ökonomische grüße
bernd

Hallo Mathias,

ich gehöre auch zu diesen doofen Studentinnen, die ein Kind haben. Und zwar sogar geplant, stell Dir das mal vor. Ich bekomme weder Bafög noch sonstige Leistungen vom Staat, außer denen, die einer Mutter im Job auch zustehen würden (6 Monate ErzGeld und Kindergeld, das wars). Bin gerade im 9. Semester (aber immerhin Urlaubssemester) und habe noch nicht mal das Vordiplom. Hört sich schlimm an oder? Und jetzt die Vorgeschichte: 7 Semester an einer FH studiert, das Vordiplom gemacht, nebenbei sehr viel gejobbt (und zwar im passenden Beruf, also gut für später), denn von 300 DM Bafög kann man nicht leben (Bafög hab ich übrigens genau 1 Jahr lang bekommen). Noch zwei-drei Semester und ich wäre fertig geworden, knapp über der Regelstudienzeit. Dann hat der AG von meinem Mann Pleite gemacht. Und wir mußten 600 km weiter wegziehen, damit er einen guten neuen Job bekommt. Ich hab also die FH gewechselt, mich im selben (!) Studiengang eingeschrieben (Informatik, also durchaus sinnvoll). Das Vordiplom nicht(!) anerkannt bekommen, Krippenplätze kann man vergessen, private Kinderbetreuung ist unbezahlbar, viele Vorlesungen werden nur einmal im Jahr angeboten und wenn man da nicht reinkommt, wartet man nochmal ein Jahr, da nur eine beschränkte Platzanzahl. Und dann kam da noch ein unverschuldeter Autounfall einen Tag vor den Prüfungen dazu… Dumm gelaufen. Wie lange ich noch brauchen werde? Keine Ahnung, hängt vom Stundenplan ab.
So, ich will nach dem Studium auf jeden Fall arbeiten und genau das ist der Grund, warum ich mein Kind jetzt bekommen habe, ich will erstens nicht erst mit über 30 Kinder kriegen, zweitens halte ich auch Kindererziehung für einen Job und zwar Full-Time und drittens ist man im Studium doch minimal flexibler, als später im Beruf. Wenn ich fertig bin, ist mein Kind bereit für den KiGa und ich kann arbeiten.
Solche Lebensplanungen werden bestraft. Denn zu den eh schon hohen 170 Euro Semestergebühr sollen ja nochmal 50 Euro Verwaltungsgebühr dazukommen (und zwar für alle, nicht nur für Bummelstudis) und das ist für mich nciht gerade wenig. Und wenn ich doch noch in die Bummelstudiregelung reinrutsche, kann ich gleich abbrechen, denn das werden wir finanziell nicht packen. Klar, auch nur ein extremer Einzelfall…

Im übrigen finde ich, eine alleinerziehende Mutter, die ein
Studium absolvieren möchte, verdient die Unterstützung der
Allgemeinheit genauso, wie die alleinerziehende Arbeitslose
Mutter, die von der Sozialhilfe leben muss.

Hier stelle ich die Frage, ob nicht beide besser einen Jo´b
suchen und der Allgemeinheit überhaupt nicht auf der Tasche
liegen sollten.
Aber das ist natürlich sarkastisch, infam und
realitätsfremd…

Realitätsfremd ist es auf jeden Fall. Zeig mir doch einen AG, der eine alleinerzehende Mutter mit zwei Kids einstellt…

Und zum Thema Personalabbau an den Unis durch weniger Studenten: schön, steigern wir die Arbeitslosenquote oder liegen irgendwo genug Arbeitsplätze auf der Straße???
Und mir braucht niemand das Märchen von genug Arbeitsplätzen für alle zu erzählen, man muß nur suchen und flexibel sein, denn ich kenn das alles, ab einem gewissen Alter ist man draußen, als Frau mit Kindern ist man draußen und wenn man aus privaten Gründen nun mal nicht umziehen kann, sowieso.

Grüße Helen, Studi mit Kind und das freiwillig.

Hallöchen zusammen,

da muss ich mich jetzt doch mal einmischen: :wink:

Gerade die „Bummelstudenten“ tragen damit enorme Kosten. Warum
sollen gerade sie jetzt noch einmal bestraft werden?

gerade weil sie bummeln. Kaum jemand regt sich darüber auf,
daß ein Film mit drei Stunden Laufzeit im Kino teuerer ist als
ein Film mit 90 Minuten Laufzeit.

Wieso ist denn ein Student, der länger braucht, für die Uni teurer, als jemand, der schneller ist? Ich denke, die nehmen die gleichen Leistungen in Anspruch. Nur machen sie z. B. ihre 20 notwendigen Scheine nicht in 10 Semestern, sondern in 20. Aber sie beschäftigen nicht mehr Professoren oder nutzen mehr andere Dinge als „Kurzzeitstudenten“.

Oder mach ich hier einen Denkfehler!?

Und wieso sollten Studenten und Schüler Anrechnungszeiten bei
der Rentenversicherung bekommen und dann noch in Höhe des
Durchschnitteinkommens?

Man bekommt maximal 3 Jahre angerechnet, und das Studium schafft so gut wie keiner in dieser Zeit. Der Rest ist für die Rente tatsächlich „verbummelt“, aber das ist ja ein persönliches Problem.
Find ich im Prinzip aber auch in Ordnung, wer nix einzahlt, sollte auch nicht noch beschenkt werden, wo es den Kassen eh sehr schlecht geht. (aber das ist wahrlich nicht nur bei den Studenten so)

Abgesehen davon: ein Student, der keine eigene Einnahmequellen hat, weil er bspw. als Langzeitstudent keinen Anspruch mehr auf Bafög hat und die Eltern nicht können/wollen, hat keinen Anspruch auf Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. Also muss er arbeiten gehen - Konsequenz: das Studium dauert noch länger.

Jeder soll selbst entscheiden, was er will: Sofortigen
Berufseinstieg oder 4-6 Jahre Studium mit folgenden 10-15
Jahren Aufholzeit für die entgangenen Einnahmen aus der
Studienzeit. Das aber hat das Individuum zu entscheiden und zu
verantworten und nicht die Allgemeinheit.

Völlig richtig, sehe ich auch so!

Viel schlimmer finde ich die vielen Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung, die sich in der Uni einschreiben, um günstig mit Bus und Bahn fahren zu können und billigere Eintrittskarten zu bekommen. Das ist unfair.
Wurde mir übrigens selbst vorgeschlagen, als ich nach einem Jobticket fragte. Aber ich zahle lieber das 10-fache, profitiere nicht von den Abschreibmöglichkeiten - habe aber ein gutes Gewissen.

Aber das ist ein sehr weites Feld, und es gibt viele Meinungen! Trotzdem finde ich es nicht fair, gerade auf den Langzeitstudenten rumzuhacken. Da gibt’s schlimmere in unserer Gesellschaft!

Schöne Grüße,

Tinny