Bald 500 euro studiengebÜhren!

Hallo Helen,

ich gehöre auch zu diesen doofen Studentinnen,

wenn schon doof, dann hoffentlich wenigstens vermögend… :wink:

die ein Kind
haben. Und zwar sogar geplant, stell Dir das mal vor. Ich
bekomme weder Bafög noch sonstige Leistungen vom Staat, außer
denen, die einer Mutter im Job auch zustehen würden (6 Monate
ErzGeld und Kindergeld, das wars).

DSu hast es geplant, also darfst Du m.E. jetzt auch nicht meckern.

Bin gerade im 9. Semester
(aber immerhin Urlaubssemester) und habe noch nicht mal das
Vordiplom. Hört sich schlimm an oder?

Nein, nur teuer. Für Leute wie mich, die solcherlei Beschäftigungstherapien für gelangweilte Jungmütter mit ihren Steuergeldern finanzieren…

Und jetzt die
Vorgeschichte: 7 Semester an einer FH studiert, das Vordiplom
gemacht, nebenbei sehr viel gejobbt (und zwar im passenden
Beruf, also gut für später), denn von 300 DM Bafög kann man
nicht leben (Bafög hab ich übrigens genau 1 Jahr lang
bekommen).

Ich bekam überhaupt kein Bafög und habe mein Studium an 3 Hochschulen in 12 Semestern erledigt. Ich habe allerdings nicht so lange gebraucht, weill ich soviel arbeiten musste, das geht locker in den Semesterferein, abends und am Wochenende. Nein, ich war einfach faul. Und darauf bin ich sicherlich nicht stolz.

Noch zwei-drei Semester und ich wäre fertig
geworden, knapp über der Regelstudienzeit. Dann hat der AG von
meinem Mann Pleite gemacht. Und wir mußten 600 km weiter
wegziehen, damit er einen guten neuen Job bekommt. Ich hab
also die FH gewechselt, mich im selben (!) Studiengang
eingeschrieben (Informatik, also durchaus sinnvoll). Das
Vordiplom nicht(!) anerkannt bekommen,

Shit happens. Ist mir auch passiert. Kostet 1-2 Semester.

Krippenplätze kann man
vergessen, private Kinderbetreuung ist unbezahlbar, viele
Vorlesungen werden nur einmal im Jahr angeboten und wenn man
da nicht reinkommt, wartet man nochmal ein Jahr, da nur eine
beschränkte Platzanzahl.

S.o., wer Kinder plant, soltle sie nachher nciht als Alibi für das Ablosen in der Ausbildung verwenden.

Und dann kam da noch ein
unverschuldeter Autounfall einen Tag vor den Prüfungen dazu…

Shit happens.
Genau das ist mir damals vor dem Vordiplom auch passiert. Halt ein Semester mehr.

Dumm gelaufen. Wie lange ich noch brauchen werde? Keine
Ahnung, hängt vom Stundenplan ab.

Nein, das hängt v.a. von Dir ab.

So, ich will nach dem Studium auf jeden Fall arbeiten und
genau das ist der Grund, warum ich mein Kind jetzt bekommen
habe, ich will erstens nicht erst mit über 30 Kinder kriegen,
zweitens halte ich auch Kindererziehung für einen Job und zwar
Full-Time und drittens ist man im Studium doch minimal
flexibler, als später im Beruf.

So fängst Du eben mit über 30 im Beruf an.
Umgekehrt halte ich es für besser, denn wer stellt denn bitte eine 30-jährige Studienabsoventin mit 2 kleinen Kindern ein??

Wenn ich fertig bin, ist mein
Kind bereit für den KiGa und ich kann arbeiten.
Solche Lebensplanungen werden bestraft.

Nein, die Gesetzeslage erlaubt es nicht, Mädels wie Dich einzustellen.

Denn zu den eh schon
hohen 170 Euro Semestergebühr sollen ja nochmal 50 Euro
Verwaltungsgebühr dazukommen (und zwar für alle, nicht nur für
Bummelstudis) und das ist für mich nciht gerade wenig.

Sorry, dazu kann ich nur ganz salopp eines sagen: 440 € im Jahr sollte einem die eigene Bildung wert sein.
Nicht mehr rauchen, saufen oder anstatt ins Fitnessstudio in den Park und schon ist alles klar.

Und
wenn ich doch noch in die Bummelstudiregelung reinrutsche,
kann ich gleich abbrechen, denn das werden wir finanziell
nicht packen. Klar, auch nur ein extremer Einzelfall…

Ganz recht, denn mir kann niemand ernsthaft erzählen, dass er die allerschlimmstenfalls 800-1000 Euro pro Jahr nicht aufbringen kann.
Wer das dann wirklich nicht kann, bekommt ohnehin Bafög oder Sozialhilfe…

Im übrigen finde ich, eine alleinerziehende Mutter, die ein
Studium absolvieren möchte, verdient die Unterstützung der
Allgemeinheit genauso, wie die alleinerziehende Arbeitslose
Mutter, die von der Sozialhilfe leben muss.

Hier stelle ich die Frage, ob nicht beide besser einen Jo´b
suchen und der Allgemeinheit überhaupt nicht auf der Tasche
liegen sollten.
Aber das ist natürlich sarkastisch, infam und
realitätsfremd…

Realitätsfremd ist es auf jeden Fall. Zeig mir doch einen AG,
der eine alleinerzehende Mutter mit zwei Kids einstellt…

Ich kenne keinen. Also kannst Du uns Steuerzahlen auch die Kosten für das Studium ersparen…

Und zum Thema Personalabbau an den Unis durch weniger
Studenten: schön, steigern wir die Arbeitslosenquote oder
liegen irgendwo genug Arbeitsplätze auf der Straße???

Das DDR-Prinzip á la „Arbeit für alle“, egal wie überflüssig sie ist, brauchen wir jedenfalls nicht.
Ferner gibt es genug Jobs. Man muss nur wollen und natürlich flexibel sein.

Und mir braucht niemand das Märchen von genug Arbeitsplätzen
für alle zu erzählen, man muß nur suchen und flexibel sein,

…s.o…

denn ich kenn das alles, ab einem gewissen Alter ist man
draußen, als Frau mit Kindern ist man draußen und wenn man aus
privaten Gründen nun mal nicht umziehen kann, sowieso.

Wenn Du Dir vorher in Deiner Firma einen Namen gemacht hast, ist ein Kind kein üblicherweise kein Problem.

Grüße,

Mathias

Hallo,

gerade weil sie bummeln. Kaum jemand regt sich darüber auf,
daß ein Film mit drei Stunden Laufzeit im Kino teuerer ist als
ein Film mit 90 Minuten Laufzeit.

Wieso ist denn ein Student, der länger braucht, für die Uni
teurer, als jemand, der schneller ist? Ich denke, die nehmen
die gleichen Leistungen in Anspruch.
Nur machen sie z. B. ihre
20 notwendigen Scheine nicht in 10 Semestern, sondern in 20.

es geht ja um die Gesamtsumme der Studenten und wenn die steigt, muß die Uni mehr PCs anschaffen, Bücher etc.

Für Antworten auf die restlichen Antworten bzw. Anmerkungen fehlt mir grad die Zeit. Vielleicht heute abend.

Gruß,
Christian

Hallo Karin,

So sehe ich das auch.
Zumal man auch die Frage stellen sollte, ob die Betreffende
nach ihrem Studienabschluss einen Job suchen und Steuern
bezahlen wird, da sie doch zwei Kinder hat.

Vermutlich schon, denn so lustig ist das Studieren mit Kindern
auch nicht, dass man es zum Zeitvertreib macht.

Genau das unterstelle ich in vielen Fällen.
Ferner stellt wohl kaum jemand eine alleinerziehende 30-jährige Absolventin ein.
Daher ist das Studium in einem solchen Fall häufig eine Investition in den hohlen Baum.

Hier stelle ich die Frage, ob nicht beide besser einen Jo´b
suchen und der Allgemeinheit überhaupt nicht auf der Tasche
liegen sollten.

Alos, ich bin der Ansicht, dass auch studieren ein Job ist,
leider ein unbezahlter. Aber viel wichtiger ist:

Studieren ist m.E. kein Job, sondern ein Privileg mit implizierter Verpflichtung und CHance, später einen guten bzw. besseren Job zu machen…

Aber das ist natürlich sarkastisch, infam und
realitätsfremd…

Wo sind denn die ausreichenden Kinderbetreuungsplätze?

Warum?

Mit
Studium kann man die Belegungen noch gerade so hindrehen, dass
man sein Kind (seine Kinder) zu den Zeiten bringt/holt, die
allgemein angeboten werden. In Lohn und Brot ist das mit
kleineren Kindern fast nicht machbar, die sollten dann schon
eher älter sein.

Weshalb ist denn der Staat dafür zuständig, den Studentinnen die Kinderbetreuung zu bezahlen?
Kinder kann man wunderbar nach dem Studium bekommen, wenn man sie selbst versorgen kann.

Was im übrigen dafür spricht, dass man mit Kindern studiert,
damit die später zu Jobzeiten aus dem Grösten heraus sind.

Das ist ein Argument, welches ich gelten lassen kann, soern Du derart schnelle Kinder hast, die mit 4-5 Jahren aus dem gröbsten raus sind…

Karin

PS: Ich habe studiert (Elektrotechnik), als meine Tochter 3
bis 10 Jahre alt war. Seitdem bin ich in Lohn und Brot, d.h.
ich weiß, wovon ich schreibe.

Das glaube ich Dir.
Und ich weiss leider nur zu gut, wofür ich bezahle.
Du bist eine absolute Ausnahme, leider.

Grüße,

Mathias

Hallo Tinny,

da muss ich mich jetzt doch mal einmischen: :wink:

nur zu:wink:

Wieso ist denn ein Student, der länger braucht, für die Uni
teurer, als jemand, der schneller ist? Ich denke, die nehmen
die gleichen Leistungen in Anspruch. Nur machen sie z. B. ihre
20 notwendigen Scheine nicht in 10 Semestern, sondern in 20.
Aber sie beschäftigen nicht mehr Professoren oder nutzen mehr
andere Dinge als „Kurzzeitstudenten“.

Oder mach ich hier einen Denkfehler!?

Ja:wink: Wie Christian andeutete, wird die gesamte Ausstattung der Hochschule für die Lehre nach der Studierendenanzahl ausgelegt.
D.h.: Professuren, Assistenzstellen, Hardware, Software, Praktikumsplätze, Mensa, Hörsäle, Studentenheime etc.

Natürlich gebe ich Dir recht, dass ein Teilzeitstudent dies auch nur zum Teil nutzt. Nur: Wer kann heute tatsächlich planen, wieviel Essen ausgegeben werden etc., wenn jeder Student maximale Freiheit nutzen will?

Kleines Beispiel: Die LMU in München und ihre Studierenden:

 1998/99 1999/00 2000/01 
LMU 59.458 44.400 43.430

1999 hat die LMU ihre „Karteileichen“, d.h. immatrikulierte „Nichtstudenten“ aussortiert. Darauf hatte sie 15 Tausend(!) Studierende weniger. Wie soll eine Universität mit solchen Leichen korrekt planen?

Nebenbei hat mit Sicherheit ein nicht unwesentlicher Teil davon die Mensa genutzt, ist verbilligt mit der Bahn gefahren etc. denn warum sonst sind sie immatrikuliert geblieben?

Bildung ist ein hohes, wertvolles aber auch teures Gut für die Gesellschaft. Niemand redet derzeit ein Wort davon, den Studierenden die gesamten Kosten anzulasten. Aber ebenso, wie ich bei Versicherungen grundsätzlich eine Selbstbeteiligung befürworte, halte ich dies eben auch bei der Bildung für sinnvoll, um die Verantwortung des einzelnen zu steigern und die Ressourcen richtig zu steuern.
Dies kann aber immer nur einer von vielen Bausteinen eines besseren Bildungssystems sein.

Nebenbei: Ich kann das heulen von Studierenden bzw. deren Gewerkschaft über die unendliche Härte ihres Lebens nicht mehr hören:wink:

Grüße
Jürgen *ehem. Studierendenvertreter, Akademiker und derzeit selber Teilzeitstudent*

Hi,

wirtschaftstheorie…

ich kann hier keinen Zusammenhang zu meinem Artikel erkennen. Mir ging es vor allem um die veränderte Verhandlungsposition zwischen Kunde nud Uni(mitarbeiter).

Gruß,
Christian

Sorry. Du sagtest wörtlich:

In Italien gibt es schon immer solche Gebühren. […] Nachdem
man die Regelstudienzeit überschritten hat, werden die
Gebühren immer höher. Ich finde es durchaus sinnvoll: Wer das
Studium nicht ernsthaft meint, soll halt arbeiten und nicht
Dauerstudent sein. Das verbessert die Qualität des
Studiums.

Ich weiß, was ich gesagt habe. Und ich habe dir auch erklärt, wie ich es meine. Wenn du es anders interpretierst, kann ich nichts machen.

Camilla

Hallo Matthias,

Genau das unterstelle ich in vielen Fällen.

Dummeweise kenne ich es aus eigenem Erleben und kann Dir sagen: Du irrst Dich mit Deiner Utnerstellung.

Ferner stellt wohl kaum jemand eine alleinerziehende
30-jährige Absolventin ein.

Überraschung! Ich war 35, als ich fertig war, damals gab es eine irre Ingenieursschwemme, und ich habe trotzdem einen Job gefunden.

Daher ist das Studium in einem solchen Fall häufig eine
Investition in den hohlen Baum.

Das kannst Du so auf keinen Fall pauschalieren.

Alos, ich bin der Ansicht, dass auch studieren ein Job ist,
leider ein unbezahlter. Aber viel wichtiger ist:

Studieren ist m.E. kein Job, sondern ein Privileg mit
implizierter Verpflichtung und CHance, später einen guten bzw.
besseren Job zu machen…

Ich frage mich langsam, ob die Vorurteile gegen BWL wirklich Vorurteile oder nicht vielmehr die reine Wahrheit sind. Mein Elektrotechnikstudium war echte Knochenarbeit, und was meine Tochter im Studium Biologie und Chemie fürs Lehramt durchziehen muss, dagegen ist meine Ingenieursrechnerei noch fast ein Kinderspiel.

Also BWL studieren ist nicht Arbeit (neumodisch Job) sondern Privileg. Interessant.

Wo sind denn die ausreichenden Kinderbetreuungsplätze?

Warum?

Natürlich gingen auch Arbeitplätze, auf die man die Kinder mitnehmen darf. Wir schrieben von Alleinerziehenden, die arbeiten gehen sollen. Erinnerst Du Dich?

Weshalb ist denn der Staat dafür zuständig, den Studentinnen
die Kinderbetreuung zu bezahlen?
Kinder kann man wunderbar nach dem Studium bekommen, wenn man
sie selbst versorgen kann.

Aber dann kann man nicht arbeiten gehen, wie Du in Deinem vorletzten Posting gefordert hast. Halte Dich doch wenigstens konsequent an Deine eigenen Argumentationsketten.

Gruß, Karin

Hi Jürgen,

Ja:wink: Wie Christian andeutete, wird die gesamte Ausstattung
der Hochschule für die Lehre nach der Studierendenanzahl
ausgelegt.
D.h.: Professuren, Assistenzstellen, Hardware, Software,
Praktikumsplätze, Mensa, Hörsäle, Studentenheime etc.

Ok, sehe ich ein! Das sind quasi die „Gemeinkosten“ (falls Dir das was sagt).
Um so mehr könnte ich gegen diejenigen wettern, die sich nur aufgrund der Vergünstigungen einschreiben. Sowas kann nicht sein. Paradox ist ja auch noch, dass sich die Hochschulen über solche Leute freuen, weil sie dann mehr Gelder vom Land bekommen - weil sie mehr Studenten haben.

Daher wäre z. B. ein Leistungsnachweis o. ä. nicht verkehrt. Müssen z. B. Bafög-Empfänger ja auch.

1999 hat die LMU ihre „Karteileichen“, d.h. immatrikulierte
„Nichtstudenten“ aussortiert. Darauf hatte sie 15 Tausend(!)
Studierende weniger. Wie soll eine Universität mit solchen
Leichen korrekt planen?

Geht nicht, hast ja recht. Irgendwie muss man doch überprüfen können, wer wirklich Student ist, und wer nicht. Ist schwierig, aber sollte irgendwie möglich sein.

Bildung ist ein hohes, wertvolles aber auch teures Gut für die
Gesellschaft. Niemand redet derzeit ein Wort davon, den
Studierenden die gesamten Kosten anzulasten. Aber ebenso, wie
ich bei Versicherungen grundsätzlich eine Selbstbeteiligung
befürworte, halte ich dies eben auch bei der Bildung für
sinnvoll, um die Verantwortung des einzelnen zu steigern und
die Ressourcen richtig zu steuern.

Stimmt. Ein Grundproblem ist doch sowieso, dass sich viele auf die Allgemeinheit verlassen statt auf sich selbst. Deshalb sollten einem viel mehr Dinge viel mehr bewusst gemacht werden.
Man muss es aber nicht unbedingt über das Geld steuern. Nicht ohne Grund hat Pisa gezeigt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien in Deutschland mit die wenigsten Chancen haben, studieren zu können.
Studieren ist für alle teuer, für den Staat, den Studenten und für alle anderen. Das sollten auch die „armen“ Studenten nicht vergessen.
Also: schneller und besser studieren. Dann müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen.
Außerdem finde ich unfair, den Studenten, die jetzt schon Langzeitstudenten sind, die Gebühren aufs Auge zu drücken. Das hätte man denen etwas früher sagen sollen, damit sie von Anfang gewusst hätten, was sie erwartet.

Dies kann aber immer nur einer von vielen Bausteinen eines
besseren Bildungssystems sein.

Oh ja, da ist so einiges im Argen!

Ich hab grösstenteils in Frankreich studiert, war anfangs geschockt über das verschulte System. Aber nach 4 Jahren ist da Schluss mit dem Studium - Ausnahmen bestätigen die Regel. Und die Franzosen sind ja nicht dümmer nach ihrer Ausbildung - aber wesentlich jünger. Das französische System hat sicherlich auch eine Menge Schwächen. Vielleicht sollte man sich aus beiden das beste rauspicken!!

Ohne Bafög hätte ich allerdings nicht studieren können, mit Studiengebühren hätte ich es gelassen. Das schreckt ab, keine Frage. Da kann man noch so viele Darlehensmöglichkeiten schaffen.

Ich bin erstmal mit einem Batzen Schulden (durch das Bafög) in mein Berufsleben gestartet. Die mit dem reichen Papa sind schuldenfrei.

Schöne Grüße,
Tinny

Die „Bummler“ (die sich selbst übrigens nur zu sehr geringem
Teil selbst als solche bezeichnen würden, weil sie nicht
„bummeln“ sondern aufgrund äußerer Zwänge einfach weniger
Lehrveranstaltungen pro Semester besuchen, dafür aber mehr
Semester brauchen) …

Aussage eines Studenten der Elektortechnik (FH) im
26.Semester:
Mehr als ein Schein pro Semester ist mir zu viel Streß!

Äußere Zwänge kann ich da irgendwie nicht erkennen…

Ich schon. Stress. Wieso er mehr als einen Schein pro Semester als Stress empfindet und wie man das abstellen kann, sollten dann die dringlichsten Fragen sein. Stattdessen wird er ausgegrenzt, soll auf einmal für die katastrophalen Studienbedingungen, die miserable Ausstattung und den didaktisch/methodischen Analphabetismus der Dozenten verantwortlich sein. Dafür ist er nun anzuprangern und zu bestrafen. Was natürlich weiteren Stress auslöst.

Komisch, dass die Gesellschaft mit Alkohol- und sonstigen Suchtkranken (noch) so sensibel umgeht, wenn sie sich auf der anderen Seite ein solches Vorgehen leistet.

Wenn jemand einen Schein pro Semester schafft, dann ist er ja nicht prinzipiell zu dumm. Also muss ihm (im Interesse aller und seiner selbst) geholfen werden.

Um eines meiner Liebglingsbeispiele noch einmal anzubringen: Mir sind im Laufe meines Studiums verdammt viele dalli-dalli Studenten begegnet, die auf fachliche Frage die berühmte „Keine Ahnung, den Schein hab ich schon“ Antwort gegeben haben. Was das Argument über die höhere Qualität eines schnellen Studiums relativiert. Vielleicht sollte man zur Erfolgsmessung mal nicht die Abschlussnoten, sondern das tatsächlich vorhandene praxisrelevante Wissen beurteilen.

Ein Student, der sich parallel zum Studium durch eine langjährige Werkstudententätigkeit sein Brot verdient hat, braucht dann z.B. ganz sicher keine Einarbeitungszeit oder „Traineeship“ mehr. Die tollen Schnellschussnutzer und Scheinedurchhetzer müssen von den Firmen hingegen erst einmal „domestiziert“ werden :smile:

Gruß

Fritze

auch hi :wink:
genau diese

Verhandlungsposition

funktioniert in unserem wirtschaftssystem nur über den preismechanismus. geht der nicht, ist’s auch nix mit dem verhandeln…

greetings
bernd

Halölchen,

genau diese

Verhandlungsposition

funktioniert in unserem wirtschaftssystem nur über den
preismechanismus. geht der nicht, ist’s auch nix mit dem
verhandeln…

was hat das qualitativ hochwertige Erbringen von Dienstleistungen mit dem Preis zu tun? Ich will ganz konkret darauf hinaus, daß der Student nicht mehr als Bittsteller dasteht, wenn er eine Gegenleistung für seine Gebühren einfordert.

Gruß,
Christian

Zu einfach
Hi,

dir ist schon klar, dass das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung 2030 bei über 50 Jahren liegen wird? Dir ist klar, welche Probleme auf das Land zukommen? Ist Dir auch klar, wer dann die Steuern bezahlt, mit denen ein altenfreundliches Verkehrsnetz gebaut wird? Wer die Allgemeinheit belastet ist deshalb eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Eine Belastung jetzt kann eine Entlastung später sein und umgekehrt (Als Beispiel: Der kinderlose Karrieremensch wird später zur Belastung der Allgemeinheit, da Geld Arbeitskraft nicht ersetzen kann).

Die Mehrkosten für ein Studium in Teilzeit sind meiner Ansicht nach verschwindend. An der Fernuni Hagen geht das z.B. ohne Probleme. Weshalb Präsenzunis nicht in der Lage sind ein entsprechendes Studium anzubieten, ist mir nicht klar. An den Kosten liegt es nicht.

Ciao R.

Hallo,

Natürlich kann ich den Protest einiger Studierender verstehen,
wenn Studiengebühren tatsächlich „nur“ dazu erhoben werden, um
Drittklassige Hochschulen künstlich am Leben zu erhalten.

Ehem. Da bleibt dann aber nicht mehr viel übrig, zumindest im internationalen Vergleich … Erstklassige Hochschulen gibt es in D keine. Zumindest fällt mir keine ein, die ich einem Harvard-Absolventen (als Beispiel) empfehlen könnte. Es gibt einzelne Spitzenleistungen (einzelne Unis in einzelnen Fächern), aber das war es dann schon. Soetwas wie Elite gibt es in D nicht. Das war politisch so gewollt, wir müssen jetzt damit leben. Die Mehrheit der Unis ist zweites Glied. Was davon abfällt, ist dann schon drittklassig.

…Insgesamt wäre es sinnvoll, die Studiengebühren mit einer
Reform der Hochschulen zu verbinden. Es ist unglaublich,
welche Verschwendung an (einigen?) deutschen Hochschulen
stattfindet. Nur ein Beispiel: viele Professoren haben von
Didaktik und Methodik keine Ahnung, bilden entsprechend
miserabel aus Hier liegt das nächste Problem: Ein Hochschullehrer wird dafür gar nicht ausgebildet. Wenn er/sie sich das nicht im ausland holt, bringt das niemand den Leuten bei. Es ist eine Frage der Ausbildung und nicht des Gehalts
und werden (dafür?) allerdings fürstlich
bezahlt.

Eine C3-Stelle ist für den öffentlichen Dienst zwar üppig. In einigen Bereichen ist dieses Gehalt im Vergleich zu einem Industriegehalt (bei vergleichbarer Verantwortung) ein Witz.
Für eine C4-Stelle gilt ähnliches. Auch hier ist es schwer profilierte Persönlichkeiten aus der Industrie auf solche Stellen zu berufen (Daher der oft fehlende Praxisbezug). Hier hängt die Qualität der Lehre wieder am Geld, aber anders als von Dir unterstellt.

Ab sofort: nur noch Jahresverträge, deren
Verlängerung (auch) von der (positiven) Bewertung durch die
Studierenden abhängt.

Weshalb glaubst Du gute Leute mit solchen Bedingungen locken zu können? Weshalb sollte ein erfahrener Mensch aus der Industrie sich auf einen schlecht bezahlten Schleudersitz setzen? Weshalb soll ein hervorragender Post-Doc dann noch in der Forschung bleiben? Das Arbeitsplatzrisiko kann man an anderen Orten bei besserem Gehalt haben. In der ersten Reihe ist immer ein Platz frei. Die Hochschulen stehen mit der Industrie und den ausländischen Hochschulen und Forschungsstätten im Wettbewerb. Nur mit Peitsche und ohne Zuckerbrot wird wohl eher die zweite und dritte Garde bleiben.

Ciao R.

hallo christian,
nun denn- der kern unseres systems ist ja relativ schlicht: wert=preis. zu viel mehr hat es die theorie seit 200 jahren noch nicht gebracht. von daher gibt es hierfür

qualitativ hochwertige Erbringen von

nur ein einziges messinstrument- eben den preis. und wenn der nicht „funktioniert“ kann niemand sagen, was qualität ist.
deswegen gibt es einen „bildungsmarkt“ im engeren sinne gar nicht, weil die grundlegenden mechanismen nicht funktionieren (warum das so ist, hat jürgen schon genauer ausgeführt).
ich wollte hier mal versuchsweise deutlich machen, dass man in diesem bereich mit der üblichen marktwirtschaftlichen argumentationsweise kaum brauchbare aussagen treffen kann, auch wenn das derzeit auch noch so populär ist.
(es gibt halt nicht nur eine form von wirtschaftlichem denken…)

darauf hinaus, daß der Student nicht mehr als Bittsteller
dasteht,

nett von dir :wink: aber wenn der preis als druckmittel wegfällt klappts halt nicht.

greetings
bernd

Hallo Karin,

Genau das unterstelle ich in vielen Fällen.

Dummeweise kenne ich es aus eigenem Erleben und kann Dir
sagen: Du irrst Dich mit Deiner Utnerstellung.

Was soll das? Ich kenne eben andere Beispiele.

Ferner stellt wohl kaum jemand eine alleinerziehende
30-jährige Absolventin ein.

Überraschung! Ich war 35, als ich fertig war, damals gab es
eine irre Ingenieursschwemme, und ich habe trotzdem einen Job
gefunden.

Glück gehabt. An alle Leserinnen, welche diese Diskussion betrifft: das ist NICHT die Regel…

Daher ist das Studium in einem solchen Fall häufig eine
Investition in den hohlen Baum.

Das kannst Du so auf keinen Fall pauschalieren.

Ich schrieb ja "häufig, und das kann ich absolut „pauschalieren“, denn das ist die böse Realität.

Alos, ich bin der Ansicht, dass auch studieren ein Job ist,
leider ein unbezahlter. Aber viel wichtiger ist:

Studieren ist m.E. kein Job, sondern ein Privileg mit
implizierter Verpflichtung und CHance, später einen guten bzw.
besseren Job zu machen…

Ich frage mich langsam, ob die Vorurteile gegen BWL wirklich
Vorurteile oder nicht vielmehr die reine Wahrheit sind.

Möglich. Ich kenne ja nun aufgrund meines Studiums einige BWLer und jeder war der Ansicht, dass das Studium keine Aufbewahrungsanstalt für Alleinerziehende ist, sondern ein Ausbildungsplatz.

Mein
Elektrotechnikstudium war echte Knochenarbeit, und was meine
Tochter im Studium Biologie und Chemie fürs Lehramt
durchziehen muss, dagegen ist meine Ingenieursrechnerei noch
fast ein Kinderspiel.

Umsonst ist nur der Tod. Und der kostet das Leben…
Es ist eben so, dass man in einer normalen Gesellschaft seinen Hintern bewegen muss, um sein Auskommen zu haben. Möchte man dazu noch ein gutes Auskommen haben, muss man sich noch mehr bewegen.
Man hat das zwar in Deutschland in den letzten 35 Jahren zu negieren versucht, aber das ging schief, wie man ja sieht.

Also BWL studieren ist nicht Arbeit (neumodisch Job) sondern
Privileg. Interessant.

Es ist ein Privileg, studieren zu können. Und es ist oft harte Arbeit, durch das Studium zu kommen. Aber es ist kein Job, denn ein Job ist keine finanzielle Einbahnstraße, sondern bringt Geld und kostet Steuern.
Studium bringt mir selbst etwas, kostet jedoch (noch) nichts. Also ist es ein großes Privileg.

Wo sind denn die ausreichenden Kinderbetreuungsplätze?

Warum?

Natürlich gingen auch Arbeitplätze, auf die man die Kinder
mitnehmen darf. Wir schrieben von Alleinerziehenden, die
arbeiten gehen sollen. Erinnerst Du Dich?

Richtig.
Aber was geht die Allgemeinheit die Kindererziehung an?
Frage von mir aus die Oma oder die Nachbarin, organisiert eine Hausfrau, die alle Gören der Nachbarschaft tagsüber gegen Bezahlung betreut.
Ich sage das bewusst so hart, denn mir geht es hier um das unsägliche Anspruchsdenken vieler Deutscher, die der Ansicht sind, dass der Staat jeden Käse im Alltag zu regeln hätte.
Du willst Kinder? Super, aber bitte sorge selbst dafür, dass die Sache dann auch funktioniert.

Weshalb ist denn der Staat dafür zuständig, den Studentinnen
die Kinderbetreuung zu bezahlen?
Kinder kann man wunderbar nach dem Studium bekommen, wenn man
sie selbst versorgen kann.

Aber dann kann man nicht arbeiten gehen, wie Du in Deinem
vorletzten Posting gefordert hast.

Warum nicht? S.o.

Halte Dich doch wenigstens
konsequent an Deine eigenen Argumentationsketten.

Genau das mache ich.

Grüße,

Mathias

Hallo Mathias,

ich behaupte, dass Du Dich mit dem Satz:

Möglich. Ich kenne ja nun aufgrund meines Studiums einige
BWLer und jeder war der Ansicht, dass das Studium keine
Aufbewahrungsanstalt für Alleinerziehende ist, sondern ein
Ausbildungsplatz.

selber zur Diskussion über Menschen mit Kindern disqualifizierst. Aus der Tatsache, dass jemand Kinder hat, automatisch zu schließen, er oder sie brauche bloß eine „Aufbewahrungsanstalt“ ist blamker Zynismus, der niemandem hilft, am wenigsten Dir.

Kannst Du Dir vorstellen, dass die vielen Negativbeispiele, die Du kennst, aus Deiner Lebenseinstellung heraus kommen und keineswegs aus der tatsächlichen Verteilung?

Karin

Hallo Karin,

ich behaupte, dass Du Dich mit dem Satz:

Möglich. Ich kenne ja nun aufgrund meines Studiums einige
BWLer und jeder war der Ansicht, dass das Studium keine
Aufbewahrungsanstalt für Alleinerziehende ist, sondern ein
Ausbildungsplatz.

selber zur Diskussion über Menschen mit Kindern
disqualifizierst.

Das steht Dir frei, wäre jedoch schade.

Aus der Tatsache, dass jemand Kinder hat,
automatisch zu schließen, er oder sie brauche bloß eine
„Aufbewahrungsanstalt“ ist blamker Zynismus, der niemandem
hilft, am wenigsten Dir.

Das habe ich nicht getan.
Ich beziehe mich hier auf die übichen „Problemfälle“, en détail auf das Posting, welches den Ausschlag für diese Diskussion gegeben hat.

Kannst Du Dir vorstellen, dass die vielen Negativbeispiele,
die Du kennst, aus Deiner Lebenseinstellung heraus kommen und
keineswegs aus der tatsächlichen Verteilung?

Nein.

Grüße,

Mathias

Hallo,
eigentlich wollte ich hier gar nicht einsteigen, aber nun kann ich mich doch nicht zurückhalten.

Aussage eines Studenten der Elektortechnik (FH) im
26.Semester:
Mehr als ein Schein pro Semester ist mir zu viel Streß!

Äußere Zwänge kann ich da irgendwie nicht erkennen…

Ich schon. Stress. Wieso er mehr als einen Schein pro Semester
als Stress empfindet und wie man das abstellen kann, sollten
dann die dringlichsten Fragen sein.

Stimmt. Da sollte man mal drüber nachdenken. Übrigens meinte er durchaus nicht nur eine Klausur pro Semester, sondern auch nur eine Vorlesung. Das ist natürlich zu viel Streß, allein schon diese zeitliche Belastung - immerhin bis zu 48 Schulstunden in einem halben Jahr (12 Wochen Vorlesung, die umfangreichste Vorlesung mit 4 Stunden Vorlesung und 2 Stunden Praktikum pro Woche). Kaum zum Aushalten.

Stattdessen wird er
ausgegrenzt,

Niemand hat ihn ausgegrenzt. Ich hab’ ihn nur als Beispiel aufgeführt.

soll auf einmal für die katastrophalen
Studienbedingungen, die miserable Ausstattung und den
didaktisch/methodischen Analphabetismus der Dozenten
verantwortlich sein.

Hier ist kein einziges Labor miserabel ausgestattet. Wenn man mit einem Dozenten nicht klarkommt, sagt das nichts über alle aus. Und Bücher soll es auch noch geben. Wenn man lesen kann und weiß, wo die (kostenlose) Bücherei ist. Ich weiß nicht, was Du unter katastrophalen Studienbedingungen verstehst, aber hier mußte noch kein einziger Student in einer Vorlesung stehen.

Dafür ist er nun anzuprangern und zu
bestrafen. Was natürlich weiteren Stress auslöst.

Es hat ihn keiner angeprangert, geschweige denn bestraft. Auch mein Posting hier wird ihn nicht in Stress versetzen können, da er erstens das Studium mittlerweile beendet hat und ich zweitens seinen Namen auch nicht genannt habe und er drittens dies hier ohnehin nicht lesen wird.

Komisch, dass die Gesellschaft mit Alkohol- und sonstigen
Suchtkranken (noch) so sensibel umgeht, wenn sie sich auf der
anderen Seite ein solches Vorgehen leistet.

Welches Vorgehen meinst Du eigentlich? Darf man über solche Beispiele nicht sprechen? Dann darfst Du auch nicht über die angeblichen katastrophalen Studienbedingungen nicht sprechen.

Wenn jemand einen Schein pro Semester schafft, dann ist er ja
nicht prinzipiell zu dumm.

Nein. Aber mit Sicherheit zu faul. Andere machen ein Fernstudium neben ihrem Vollzeitjob. Mit mehr als einem Schein pro Semester.

Also muss ihm (im Interesse aller
und seiner selbst) geholfen werden.

Ja. Zum Beispiel, indem man sein Studium zwangsweise beendet. Oder ihn ein wenig zu mehr Fleiß zwingt - durch Studiengebühren zum Beispiel.

Um eines meiner Liebglingsbeispiele noch einmal anzubringen:
Mir sind im Laufe meines Studiums verdammt viele dalli-dalli
Studenten begegnet, die auf fachliche Frage die berühmte
„Keine Ahnung, den Schein hab ich schon“ Antwort gegeben
haben. Was das Argument über die höhere Qualität eines
schnellen Studiums relativiert. Vielleicht sollte man zur
Erfolgsmessung mal nicht die Abschlussnoten, sondern das
tatsächlich vorhandene praxisrelevante Wissen beurteilen.

Das stellt sich sehr schnell bei ihrer ersten Stelle heraus. Wenn sie das Vorstellungsgespräch überstehen…

Ein Student, der sich parallel zum Studium durch eine
langjährige Werkstudententätigkeit sein Brot verdient hat,
braucht dann z.B. ganz sicher keine Einarbeitungszeit oder
„Traineeship“ mehr. Die tollen Schnellschussnutzer und
Scheinedurchhetzer müssen von den Firmen hingegen erst einmal
„domestiziert“ werden :smile:

Meinst Du nicht, daß es da durchaus noch Stufen dazwischen gibt?
Btw., glaubst Du, daß unser 26-Semester-Student wirklich besser ausgebildet ist und mehr von der Praxis kennt? Dann wären seine Zensuren bestimmt ein wenig besser ausgefallen, wenn er sich doch durch so viel Ruhe so gut vorbereitet hat…

Sorry, aber die Dalli-Dalli-Studenten, die Du da erwähnst, sind zumindest in den Ingenieursstudiengängen nicht diejenigen, die hinterher nichts wissen. Sondern die, die sich um ihr Studium bemühen und für das Fach interessieren. Grade diejenigen, die sich ihr Studium durch Arbeit nebenbei verdienen, sind übrigens gleichzeitig diejenigen, die ihr Studium möglichst schnell abschließen wollen. Langsam sind dagegen die, die das Studium vor allem ‚geniessen‘ wollen und nur das nötigste kurz vor der Klausur lernen. Das allerdings führt zu übermäßigem Stress und zu Nichtwissen, wenn die Klausur erledigt ist.

Gruß
Axel

Alles nur anekdotische Beispiele, aber …
Hallo nochmal,

eigentlich wollte ich hier gar nicht einsteigen, aber nun kann
ich mich doch nicht zurückhalten.

Nur zu, in diesem Thread ist es für Zurückhaltung eh viel zu spät.

Ich schon. Stress. Wieso er mehr als einen Schein pro Semester
als Stress empfindet und wie man das abstellen kann, sollten
dann die dringlichsten Fragen sein.

Stimmt. Da sollte man mal drüber nachdenken. Übrigens meinte
er durchaus nicht nur eine Klausur pro Semester, sondern auch
nur eine Vorlesung. Das ist natürlich zu viel Streß, allein
schon diese zeitliche Belastung - immerhin bis zu 48
Schulstunden in einem halben Jahr (12 Wochen Vorlesung, die
umfangreichste Vorlesung mit 4 Stunden Vorlesung und 2 Stunden
Praktikum pro Woche). Kaum zum Aushalten.

Hehe, das ist in der Tat ein wenig … übertrieben. Aber sehr wahrscheinlich hat er da wirklich ein massives psychisches Problem, für das er Hilfe (und zwar von der Allgemeinheit durch Krankenkassenbeiträge bezahlt) und nicht etwa Strafe verdient hätte.

Stattdessen wird er
ausgegrenzt,

Niemand hat ihn ausgegrenzt. Ich hab’ ihn nur als Beispiel
aufgeführt.

Nicht hier in diesem Thread, aber von der Gesellschaft im allgemeinen, durch die Debatte über „Bummel-“ und „Scheinstudenten“. Man sollte allen zunächst einmal Sten Nadolny’s „Die Entdeckung der Langsamkeit“ verschreiben.

soll auf einmal für die katastrophalen
Studienbedingungen, die miserable Ausstattung und den
didaktisch/methodischen Analphabetismus der Dozenten
verantwortlich sein.

Hier ist kein einziges Labor miserabel ausgestattet.

Ich habe während meines Physikstudiums an Geräten gearbeitet, die noch aus dem vorigen Jahrhundert stammten. Es war alles ein einziges Flickwerk und eigentlich gar kein vernünftiges Arbeiten mehr damit möglich. Der Ergebnis bestand dann darin, dass alle(!) ihre Messergebnisse so lange frisiert haben, bis einigermaßen das rauskam, was die Theorie verlangt hat. War an der Universität Bonn.

Die Labore an der Fachhochschule Hamburg waren ebenso grauenhaft. Alles noch original „Siemens & Halske“ im „geilen Retro-Design“. Nur vereinzelt gab es vernünftige Messgeräte, an denen man dann aber ja nichts einstellen durfte. Da gab es extra Zettel, in denen jede Einstellung exakt vorgegeben war. Und wehe, man ist mal davon abgewichen. Sofort gab’s Mecker vom Prof.

Wirklich hervorragend ausgestattet war allerdings die TU Harburg, wo ich das Vergnügen hatte, als Tutor zu arbeiten und ein Praktikum zu betreuen. Da ging es auch wirklich vornehmlich um das Verständnis und viel weniger um Kampf mit mieser Apparatur und anschließendem Messwertangleichen für das Protokoll, das dort gar nicht mehr kontrolliert wurde. Sowohl an der Uni Bonn als auch der FH Hamburg hingegen war das Protokoll das absolute Killerkriterium für das erfolgreiche Abschließen des Versuchs. Egal, ob man das nun gleich einfach abgeschrieben hatte oder die unmöglichen Versuchsergebnisse hingefummelt hat. Einmal habe ich den Fehler gemacht, zum Betreuer zu gehen und auf meine komplett unmöglichen Messwerte hinzuweisen. Erfolg: Die ganzu Gruppe musste nachsitzen, weil die bereits das üblibe Messwert frisieren durchgeführt hatten. Es gab einen Riesenärger und von da an habe ich auch einfach meine Werte angepasst.

Wenn man
mit einem Dozenten nicht klarkommt, sagt das nichts über alle
aus.

Selbstverständlich nicht. Generell sind unsere anekdotischen Beispiele keineswegs in irgend einer Weise auf die Allgemeinheit anwendbar.

Und Bücher soll es auch noch geben. Wenn man lesen kann
und weiß, wo die (kostenlose) Bücherei ist.

Da ist nun allerdings eine große Schwierigkeit. Fachliteratur ist teuer. Insbesondere in den Ingenieur- und Naturwissenschaften auch verdammt schnell veraltet. Von den Informatikern mal ganz zu schweigen. Gleichzeitig werden die Budgets der Bibliotheken immer wieder massiv beschnitten. Dutzendweise werden Zeitschriftenabos gekündigt, es werden immer weniger neue Bücher angeschafft. Hinzu kommen die unverschämten Öffnungszeiten. Von 9:00 - 17:00 Uhr, ausser Mittwochs, da nur bis 12:00 Uhr und Freitags nur bis 14:00 Uhr. Wochenende natürlich ganz zu. Was soll der Scheiss? Da haben die meisten Studenten Vorlesungen. Und die guten Bücher sind nur als Präsenzbestand vorhanden. Wenn, dann also nur ausnahmsweise über ein Wochenende ausleihbar.

In vielen Bibliotheken darf man die Bücher nicht mal anfassen, sondern muss komplizierte Leihscheine ausfüllen. Die Bücher werden dann Stunden später an die Ausgabe gebracht. Ist also nix mit „mal eben reinschauen, ob’s was für mich ist“.

Wenn ich da an die Situation in den USA, England oder Belgien denke *schwärm*

Ich weiß nicht,
was Du unter katastrophalen Studienbedingungen verstehst, aber
hier mußte noch kein einziger Student in einer Vorlesung
stehen.

Ich musste das schon. Z.B. Nebenfachvorlesung Chemie für Physiker, Geologen, Meteorologen, Mediziner, Oecotrophologen, etc. etc. Aus Rationalisierungsgründen natürlich nur eine Veranstaltung. Wenn man sich da nicht beeilt hat, mindestens 30 Minuten vor Beginn einzutrudeln, dann hat man nicht einmal mehr einen Stehplatz bekommen. Und zwar in der Kaffeteria, in die das Spektakel per Video übertragen wurde, weil der große Hörsaal bereits bis zum bersten gefüllt war. Wäre interessant gewesen, zu sehen was in einem Brandfall passiert wäre …

Es ist auch des öfteren passiert, dass es zu einem Pflichtpraktikum einfach keinen Platz mehr gab. Pech gehabt. Gibt ja nächstes Semester schon das nächste. Dann das Verhalten der Professoren, Assistenten und Kommilitonen, letztere sehr häufig schon durch die Schule auf Einzelkämpfer getrimmt. Allenfalls kleine Grüppchenbildung findet statt, die dann untereinander allzuhäufig in Konkurrenz stehen. Da werden die guten Bücher (die es aus Kostengründen nur ein- oder zweimal gibt) schonmal an einen besonderen Platz im Regal gestellt, damit man sie das nächste Mal auch bestimmt griffbereit hat.

Dafür ist er nun anzuprangern und zu
bestrafen. Was natürlich weiteren Stress auslöst.

Es hat ihn keiner angeprangert, geschweige denn bestraft.

Dann lies doch mal die Zeitungsmeldungen und schau Dir die Debatten im Fernsehen an. Wenn das nicht anprangern, ausgrenzen und bestrafen ist.
Dein Posting hier war doch überhaupt nicht gemeint.

Komisch, dass die Gesellschaft mit Alkohol- und sonstigen
Suchtkranken (noch) so sensibel umgeht, wenn sie sich auf der
anderen Seite ein solches Vorgehen leistet.

Welches Vorgehen meinst Du eigentlich? Darf man über solche
Beispiele nicht sprechen? Dann darfst Du auch nicht über die
angeblichen katastrophalen Studienbedingungen nicht sprechen.

Du darfst gerne über solche Beispiele sprechen. Aber genau wie „Miami-Paule“ oder wie der arme Tropf hiess, sagen sie (übrigens genauso wenig, wie meine Beispiele) etwas über die Allgemeinheit aus.

Wenn jemand einen Schein pro Semester schafft, dann ist er ja
nicht prinzipiell zu dumm.

Nein. Aber mit Sicherheit zu faul.

Oder aber massiv psychisch krank. Das verdient Mitleid und Hilfe, nichts anderes.

Andere machen ein
Fernstudium neben ihrem Vollzeitjob. Mit mehr als einem Schein
pro Semester.

Ja super. Da möchte ich mit Heinrich Böll antworten:

Wunsiedels Stellvertreter war ein Mann mit Namen Broschek, der seinerseits einen Ruhm erworben hatte, weil er als Student sieben Kinder und eine gelähmte Frau durch Nachtarbeit ernährt, zugleich vier Handelsvertretungen erfolgreich ausgeübt und dennoch innerhalb von zwei Jahren zwei Staatsprüfungen mit Auszeichnung bestanden hatte. Als ihn Reporter gefragt hatten: „Wann schlafen Sie denn, Broschek?“, hatte er geantwortet: „Schlafen ist Sünde!“
Wunsiedels Sekretärin hatte einen gelähmten Mann und vier Kinder durch Stricken ernährt, hatte gleichzeitig in Psychologie und Heimatkunde promoviert, Schäferhunde gezüchtet und war als Barsängerin unter dem Namen Vamp 7 berühmt geworden.

(aus: Heinrich Böll, „Es wird etwas geschehen – eine handlungsstarke Geschichte“, Gesammelte Erzählungen 2, Kiepenheuer& Witsch, 1981)

Also muss ihm (im Interesse aller
und seiner selbst) geholfen werden.

Ja. Zum Beispiel, indem man sein Studium zwangsweise beendet.

Nein. Indem man ihm eine vernünftige psychologische Betreuung zukommen lässt, damit er sein Studium erfolgreich abschließen kann. Auf Dauer kann sich auch unsere Gesellschaft nicht erlauben, eine große Zahl an Menschen einfach abzuschreiben anstatt sie vernünftig zu fördern. Das ist nicht nur langfristig billiger(!), sondern obendrein auch noch förderlich für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung.

Oder ihn ein wenig zu mehr Fleiß zwingt - durch
Studiengebühren zum Beispiel.

Solche Menschen werden durch Zwang vermutlich nur noch viel mehr gelähmt. Sie brauchen nicht mehr Druck, sondern das genaue Gegenteil und (ich wiederhole mich) dringend psychologische Hilfe. Die Zeiten, in denen nur abgehackte Gliedmaßen und grippale Infekte als „echte Krankheiten“ galten, sollten wir doch langsam hinter uns haben.

Das stellt sich sehr schnell bei ihrer ersten Stelle heraus.
Wenn sie das Vorstellungsgespräch überstehen…

Dann ist es aber zu spät. Das schöne Geld, was die Allgemeinheit dann in sie investiert hat, alles zum Fenster rausgeworfen.

Meinst Du nicht, daß es da durchaus noch Stufen dazwischen
gibt?
Btw., glaubst Du, daß unser 26-Semester-Student wirklich
besser ausgebildet ist und mehr von der Praxis kennt? Dann
wären seine Zensuren bestimmt ein wenig besser ausgefallen,
wenn er sich doch durch so viel Ruhe so gut vorbereitet hat…

Ich hatte schonmal das zweifelhafte Vergnügen, eine Personalentscheidung treffen zu dürfen. Ich habe mich für einen weit älteren Kandidaten entschieden, der obendrein noch schlechtere Zensuren hatte. Aber was er sonst noch in die Waagschale legen konnte (langjährige Auslandserfahrung, fundierte Allgemeinbildung, sicheres und gewinnendes Auftreten, realistische Vorstellung von Arbeitsbedingungen und Gehalt), war mir wichtiger. Und ich bin für die Wahl nie kritisiert worden.

Ich habe übrigens mal eine Diplomarbeit im Fachbereich BWL gesehen, da ging es um eine Untersuchung, welche Kriterien denn für die Auswahl bei Einstellungen entscheidend wären. Weder Zensuren noch Alter waren in den top 10. Ist aber auch schon ein paar Jahre her. Vielleicht sind die Personalabteilungen wieder sehr viel konservativer geworden, ich weiss es nicht.

Sorry, aber die Dalli-Dalli-Studenten, die Du da erwähnst,
sind zumindest in den Ingenieursstudiengängen nicht
diejenigen, die hinterher nichts wissen.

Doch, leider.

Sondern die, die sich
um ihr Studium bemühen und für das Fach interessieren.

Die Erfahrung habe ich gerade nicht gemacht. „Öhhrgs, nicht schon wieder über’s Studium reden.“ „Mir egal, hauptsache ich hab den Schein/das Diplom.“ „Keine Ahnung, erstmal machen. Später kann ich mir das ja dann anlesen, wenn ich’s brauche.“

Grade
diejenigen, die sich ihr Studium durch Arbeit nebenbei
verdienen, sind übrigens gleichzeitig diejenigen, die ihr
Studium möglichst schnell abschließen wollen.

Wollen schon, können aber nicht.

Langsam sind
dagegen die, die das Studium vor allem ‚geniessen‘ wollen und
nur das nötigste kurz vor der Klausur lernen. Das allerdings
führt zu übermäßigem Stress und zu Nichtwissen, wenn die
Klausur erledigt ist.

Nein, gerade die eiligen Studenten haben meiner Erfahrung nach überhaupt kein Interesse am jeweiligen Fach (wie denn auch, ist ja keine Zeit für echte Auseinandersetzung mit dem Stoff), sondern besorgen sich möglichst früh im Semester die letzten 5-6 Klausuren des Dozenten zu der jeweiligen Vorlesung. Die werden dann stumpf durchgearbeitet und davon ausgegangen, dass die nächste Klausur sehr ähnlich sein wird. Damit kommen sie, meist sogar mit recht guten Noten, durch. Und zwar obendrein noch sehr schnell. Bis auf wenige Ausnahmen bringen die’s aber dann in der Praxis nicht.

Ach ja, da kommst es übrigens auch bei weitem nicht nur auf das Fachwissen an. Vielmehr muss man verdammt gut in Menschenkenntnis, Diplomatie, Mobbingabwehr, Ränkeschmieden, Bürokratenkram erledigen, sinnvolle von unsinnigen Aufgaben trennen, Arbeit delegieren und richtigen-Riecher-haben sein. Allesamt Fertigkeiten die im Studium, und schon gar nicht in einem dalli-dalli Studium, vermittelt werden. Sowas lernt man nur im (richtigen) Leben.

Gruß

Fritze

MOD: Hier bitte Schluss!
Hallo Karin und Mathias,

ich bitte euch, eure Privatdiskussion per e-mail fortzusetzen, dies würde sonst der einzige thread des Brettes werden.

Gruß Alex (MOD)