Behindertengerechter Arbeitsplatz

Hallo,

ich arbeite in einer IT-Anwenderberatung mit drei anderen Kollegen. Wir betreuen ca. 800 Mitarbeiter in IT-Fragen. Darüberhinaus leisten wir verschiedene Auftragsarbeiten im Bereich Programmierung, Grafikerstellung, Intranet und komplexeren Office-Projekten.

In unserem Haus arbeitet ein blinder Kollege der im Bereich IT recht fit ist - dies aber mehr im privaten Umfeld (also PCs reparieren, Programminstallation, Heimanwendungen etc.). Bisher wurde dieser Kollege an verschiedenen Arbeitsplätzen eingesetzt - hatte aber entweder wenig oder sogar nix zu tun. Sein großer Wunsch ist es, in unseren Bereich eingesetzt zu werden. Wir haben nun aus Testzwecken einem Einsatz zugestimmt. Dies hat gezeigt, das einige unserer Verwaltungstools nicht barrierefrei sind und er diese somit nicht anwenden kann.

Als nächstes wollen wir in im Telefon-Support einsetzen - was uns allerdings etwas Bauchschmerzen bereitet, da er einige Problemfälle nicht direkt lösen kann (z.B. Passwörter neu vergeben etc. wegen Nicht-Anwendbarkeit der eben genannten Tools). Die Mitarbeiter sind es gewöhnt, das ihnen direkt geholfen wird und wir sind uns nicht sicher, ob unser blinder Kollege genug Verständnis der Anrufenden erhält.

Ist also alles etwas heikel - wobei wir natürlich wollen, das der blinde Kollege endlich einen ausfüllenden Job erhält.

Daher meine Frage: Wer kann seine Erfahrungen mit blinden Kollegen schildern, wo werden diese bei euch eingesetzt - oder gibt es überhaupt einen „typischen Blindenarbeitsplatz“?

Ich freue mich über jeden Beitrag …

Schon mal Danke

Frank

Woran scheitert es denn genau? Es gibt ja Hilfsmittel, die z.B. Texte vorlesen oder den Text in Brailschrift (Blindenschrift) unterhalb der Tastatur lesbar machen für den blinden Benutzer. Hilfsmittel (egal ob Hard- oder Software oder sonst was) werden vom Versorgungsamt finanziert, wenn dadurch ein Arbeitsplatz gesichert oder möglich gemacht wird.

LG Aggie

Hallo Frank

ich kenne sehr viele „Mitstreiter“ die im IT Bereich arbeiten und da auch kompetent sind. Dazu gehört z.B. ´Computer reparieren, Programmierung etc.

Es gibt für Blinde und Sehbehinderte einige Hilfsmittel auch im PC Bereich mit denen man einige Sachen machen kann. Es gibt sicherlih Anwendungen mit denen einige Vorlese Programme etc. nicht funktionieren. Das ist auch jedem Sehbehinderten und Blinden klar, daß es da immer etwas schwierig ist.

Das man als Behinderter Mensch nicht immer auf Verständnis stößt, ist auch einem selber klar und daher düfte deinem Kollegen das auch bewußt sein.
Allerdings würde ich an seiner Stelle den Wunsch haben es doch mal ausprobieren zu dürfen, wie weit meine eigenen Möglichkeiten mit meinen Hilfsmitteln gehen.
D.h. ist es nicht möglich mit ihm eine längere Testphase zu machen und die Arbeit so aufzuteilen, daß jemand praktisch mit ihm zusammenarbeitet und die Aufgaben, wie Paßwörter vergeben etc., die er nicht machen kann, übernimmt?

Da es ja verschiedene Anfragen bei euch geben dürfte, wird es da eine ganze Menge geben, die er machen kann.
Z.B. kann ich dir als Sehbehinderte im Windows Bereich und fast alles Programmen mit denen ich zu tun habe auswendig sagen, was du wo findest und das so, daß jeder es schnell findet.
Z.B. Links unten am Bildschirm, 6 Menüpunkt von unten, Menü recht, dritte Menüpunkt von oben etc. Die meisten Blinden kennen die ganzen Tastenkombinationen.
Soll ein Beispiel dafür sein, daß wir noch mehr Windows Anwendungen, Programme etc. auswendig können müssen als ihr, ganz einfach weil wir mit unserer Umwelt mithalten müssen und auch zügig arbeiten müssen.
Wenn ich alles nachlesen müßte, wenn ich was suche, dann würde ich vermutlich kaum am PC sitzen, weil ich selber für mich kein Verständnis hätte.

Ich will damit sagen, daß ihr vielleicht mal länger austesten solltet, für was er alles bei euch geeignet ist (wenn es euren Arbeitsablauf nicht zu sehr belastet) und welche Aufgaben er übernehmen könnte.
WEnn sich herausstellt, daß meistens Anfragen kommen, die er nicht bearbeiten kann, dann wird das für ihn auch eine Qual und er wird es auch selber noch eher einsehen, daß es nichts für ihn ist.
Aber er durfte es zumindest selber ausprobieren und bekam eine Chance.

Was ihr noch tun könntet, ist euch an eine Firma zu wenden, die PC Anwendungen bzw. Hilfsmittel Programmiert und Herstellt.
Die Firma (mir fällt gerade ihr Name nicht ein) bei der ich mein Zoom Text Programm gekauft habe, hat mir mal erklärt, daß sie auch individuelle Software für bestimmte Zwecke Programmiert, so das man sie an andere Systeme anpassen kann.
Das ist natürlich etwas, wo der technische HIlfsdienst vom Arbeitsamt nicht dienen kann.
Vielleicht könnt ihr mal bei einer solchen Firma anfragen, ob es möglich ist, da eine Individuallösung zu finden und wie es mit der finanzierung aussieht etc.

Hört sich nach einigem Aufwand an, aber wenn es ein wertvoller und kompetenter Mitarbeiter ist und er vermutlich auch länger in dem Unternehmen bleibt, dann wird es sich sicherlich bald bezahlt machen.

Hoffe ich konnte dir etwas helfen.

Grüße
Novalee

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Nachtrag
Habe gerade mal nachgeguckt.

Die Firma heißt IPD und dort wo ich war (in Hannover) haben sie selber einen Blinden Mitarbeiter und daher kennen die solche Probleme :smile:

Sie waren jedenfalls sehr nett und haben ihre Hilfe angeboten, wenn ich irgendwann mal mit einem System Probleme habe.
Vielleicht hilft euch der Tip ja was.