Hallo Jule,
danke für deine Meinung.
religiöser Eifer wird dich nicht weiterbringen - wenn auch
dein Glaube dich sicher unterstützen kann.
Wieso siehst du gleich einen Eiferer, wenn es ums Beten geht?
Eine Begleiterscheinung der Depression ist die
Antriebslosigkeit. Da mag die Vorstellung, man müsse nur beten
und alles wäre wieder gut, durchaus verlockend sein
Daß ich „nur bete und ALLES wird wieder gut“, habe ich nicht erwähnt.
Ich denke man kennt heute nicht mehr so die Vielzahl der Gebete. Mir waren sie auch zu lange unbekannt.
Ich meinte eigntlich den gesamten Ritus der Kirche mit eben Liedern, Gebeten, Abendmahl, Beichte, Gemeinschaft, Trost, Vergebung,…
- bewahrt
sie dich doch davor, dich selbst zu überwinden, dir in den
eigenen Allerwertesten zu treten und denselben aus dem Haus
und zu einem Psychotherapeuten zu bringen.
Ich habe schon oft versucht „mich zu überwinden“. Zuerst falsch verstandene „Nachfolge Christi“. War in Lourdes…
Später habe ich aber auch eine Gruppentherapie gemacht. Habe gegen einige Widerstände noch eine Einzeltherapie gemacht.
Gelernt habe ich, daß das nicht der richtige Weg ist, wenn er ohne „Gott“ stattfinden soll.
Praktischerweise
könnte das Gebet dann auch noch die Mühe einer Therapie
überflüssig machen. Ich schätze, dass Gott solch bequeme
Lösungen nicht akzeptiert.
Das wäre ja dann „wegbeten“, eher ein Zauber als Beistand.
Ich habe schon erlebt "befreit zu sein IN meiner „Zelle“.
Wenn du der Übezeugung bist, dass Gott dir diesen Zustand
auferlegt hast, könntest du darüber nachdenken, was du dabei
lernen sollst.
Davon bin ich nicht überzeugt. Wenn Gott der gelangweilte Schuljunge mit sadistischer Ader wäre, der seine Ameisen quält, möchte ich nicht eine davon sein.
Ich suche den Beistand, der mich nicht verlässt. Wie die Stammväter und Propheten schon. Und alle Leidgeprüften. Dabei ist es glaub ich die Kunst daran, eben nicht diesen Gott mit dem eigenen Alter-Ego zu verwechseln und trotzdem „jemanden“ zu haben, der „größer“ ist als mein sterbliches Ich.
Die Redensart „Hilf dir selbst, dann hilft dir
Gott“ könnte dabei vielleicht einen Impuls liefern.
Deshalb: Beten UND Arbeiten. Heißt: Raff’ dich auf und geh zum
Psychiater, besser: Zum medizinischen Psychotherapeuten. Das
Medikament kann dir helfen, dich aus deiner Antriebslosigkeit
zu befreien - gehen und dich bewegen musst du ohnehin selbst.
Ja, es gibt tatsächlich wohl „nichts Gutes ausser man tut es“.
Die Nebenwirkungen vergehen weitestgehend nach einer Weile.
Weitestgehend. Ich habe von „irreparablem Libidoverlust“ gehört.
Aber der Pabst ist ja auch ein asexueller Mensch. 
Wenn du ein gläubiger Mensch bist, bitte um Kraft, denn die
wirst du brauchen können. Und wenn du dich mit göttlicher und
ärztlicher Hilfe wieder ans Sonnenlicht gearbeitest hast,
vergiss das Dankesagen nicht.
Ich würde mich nicht als „gläubiger Mensch“ bezeichnen. Was soll das sein? Jeder, der eimal „beten“ gesagt hat? Ich bin genau so verloren in eigener Eitlekeit und „Logik“ wie viele andere.
Auch bin ich kein Mensch, über den du dich lustig machen musst. Ich leide und sterbe vielleicht, damit andere leben können. Im gleichen Maß, wie ich Kraft verloren habe, hat mein Bruder gewonnen.
Das klingt für die „aufgeklärte“ Welt irre, ich weiß. Vergleiche zu dem Thema aber mal René Girards „Opfertheorie“. Er ist gläubiger Katholik.
Seit ich das verstanden habe, kann ich den „Opfertod“ Jesu besser annehmen. Dagegen hab ich mich lange gewehrt, daß Jesus „für mich“ gestorben sei. Das wollt ich nicht.
Es steht symbolhaft für die eigenen Ambitionen, die „den Nächsten“ eher übervorteilen, wenn ich mich versuche „ans Sonnenlicht zu arbeiten“.
Nach meiner Überzeugung ist das
der bessere Weg, als in Straf- und Sühnegedanken zu versinken.
Ich versinke nicht in irgendwelchen Wahnvorstellungen, daß Gott mich straft. Der Mensch straft sich selbst - und andere - durch seine Abwege. Das „Gesetz“ bleibt.
Näher zu Gott bringen die dich nicht.
Du scheinst dir ziemlich sicher zu sein. Ich glaube hier ist mit „Gott“ mehr das erfüllte Leben gemeint. Aber wo wären wir, wenn Leute wie (der historische) Jesus, Geschwister Scholl, Stauffenberg,…oder jede Mutter… auch nur auf ihren Vorteil geschaut hätten?
Buße - wenn du denn glaubst, dass du eine solche leisten musst
- muss man leisten. Nicht aussitzen und auf ein Wunder warten.
Ja, das glaube ich. Die Menschen lassen es dich schon spüren, wenn du „den rechten Weg“ verlässt. Sturheit hat mich darauf nur nicht hören lassen. Das „büße“ ich jetzt.
Aussitzen ist dabei, ja. Aber mein Wille ist weg. Und ich glaub das ist auch grad die „Lektion“. Lange hab ich meinen Willen durchgesetzt…
Und zum Abschluss:
Zwei Freunde gehen im Moor spazieren. Plötzlich sinkt einer
bis zur Brust in den Morast. Schnell eilt der andere, die
Feuerwehr zu holen, die auch prompt eintrifft und die Leiter
ausfährt, um den Versinkenden zu retten. Dieser winkt aber ab:
„Ich bin nun 50 Jahre Christ und immer treu und brav in die
Kirche gegangen. Der Herr wird mich schon retten!“
Also trabt die Feuerwehr wieder ab. Nach einigen Stunden
entscheidet der Feuerwehrchef, doch noch mal ins Moor
auszurücken: „Der Mann geht ja drauf, dem müssen wir einfach
helfen!“ Angekommen sehen sie, dass nur noch der Kopf
herausguckt. Also Leiter raus, retten wollen! „Nix da“, sagt
da der Versinkende, „Ich bin 50 Jahre Christ, habe auch immer
meine Kirchensteuer bezahlt. Gott wird mich schon retten!“
Na ja, da muss die Feuerwehr wieder abziehen. Am kommenden
Morgen kommen dem Feuerwehrchef aber doch wieder die Gedanken
an den Mann in den Sinn und er lässt noch einmal ausrücken. Im
Moor angekommen sehen sie aber nur noch, wie die letzten Haare
versinken! Nix mehr zu machen!
Der gute Verstorbene kommt nun im Himmel an und ist
stinksauer: „Sofort her mit dem Chef“, brüllt er Petrus an,
der diesen auch sofort holt. Zu dem meint er: „50 Jahre bin
ich nun Christ, immer habe ich brav meine Kirchensteuer
gezahlt, keinen Gottesdienst habe ich versäumt - und nun so
was! Hättest Du mir nicht ein wenig unter die Arme greifen
können?“
„Was regst Du Dich auf, mein Sohn?“ spricht Gott. „Habe ich
Dir nicht drei Mal die Feuerwehr geschickt!?!“
Ergreif’ die Leiter, die sich dir in Gestalt eines
Psychotherapeuten bietet!
Aber wie konnte Abraham wissen, daß die drei Besucher in seinem Zelt „Engel“ sind? Nur durch Glauben…oder Vertrauen.
Da hab ich auch eine Geschichte. Gestern erst gesehen, vom Prof. Lütz aus Köln:
(wieder) Zwei im Flugzeug. Der eine reicht dem andern einen Fallschirm. „Ist der richtig gepackt?“. „Ich glaube schon.“ „-“.
Der dritte und der vierte im Flugzeug…gleiche Geste, selbe Frage:„Ist der sicher gepackt?“ Sein Freund sagt: „Ja, du kannst mir glauben (vertrauen).“
Soll die doppeldeutigkeit von „glauben“ im Deutschen zeigen.
Ähnliches Problem übriges mit „Opfer“. Meistens wird es doch negativ verstanden. Victim nicht sacrifice…
Ich weiss einfach nicht, ob ich diese Tabletten nehmen soll. Gott ist in Menschengestalt zu uns gekommen, sagen Christen. Aber nicht alle Menschen meinen es immer gut mit einem. Das am schwersten zu Ertragende war und ist für mich, daß diese Leute es grösstenteils auch noch unwissend tun. Und mir nichts anderes übrig bleit als ihnen vergeben zu müssen, um nicht das selbe zu tun.
Die „Psychologie-Bewegung“ ist doch im Grunde gegen die Gottesvorstellung. Das ist mir jetzt erst klar geworden. Ich will einfach nicht nochmal Opfer eines „falschen Propheten“ werden, der beweisen will Probleme ohne Gott zu lösen. Mein erster Psychologe hat im Kirchenchor gesungen. Aber geoutet hat er sich nicht. Aber andere sollten es? Er erzählte von ganz harten Kerlen, die dann in tränen vor ihm lagen. Ok, die Eiche bricht im Sturm der Grashalm nicht. Schon klar. Aber wenn man das nicht will vor 10 fast fremden Leuten?
Mein jetziger Therapeut ist oberflächlich und „gottlos“. Und hat selbst gesagt, daß er mir nicht so helfen kann, wie ich es bräuchte. Ich hab das Gefühl er sammelt nur Infos für sein nächstes Buch…
Mein Wunsch wäre ein gläubiger Psychologe, aber das gibt es in meiner Nähe nicht (daß ich wüsste).
Ist es nicht das, was man seit Jahrhunderten Beichtvater nennt?
Muss ich nicht aufpassen, daß ich nicht zwischen die Fronten von gläubigen und „ungläubigen“ Seelsorgern gerate? Ich denke ja.
Seit Anfang an bin ich zwischen dieser Kampflinie. Beide Seiten habe ich als erbarmungslos dem andern gegenüber erlebt. Ich wünsch mir die Verbindung.
Und ich denke die ist mit dem Glauben besser zu machen, da der sich mit „Umkehr“, „Buße“ usw. schon lange beschäftigt. Die Pfade sind oft erprobt.
Zu meinem Therapeuten muss ich alleine gehen. Natürlich nur mit Überweisung und auf den Termin habe ich Monate gewartet. Wirklich! Wenn ich dann die 50 Minuten bekomme, findet Gott keinen Platz und ich werde manipuliert. Je nach dem wie das Gespräch war bekomme ich dann früher oder später Termine…Das kann es nicht sein.
Wenn ich aber die Medis nehme, was mir nicht total abwegig erscheint, sollte ja eine begleitende Psychotherapie stattfinden.
Danke für die Möglichkeit hier (so lange!
) zu schreiben.
Schöne Grüße
Christoph