Berufsziel Pilot,Pilotenschulen

Guten Tag und frohe Weihnachten liebe Gemeinschaft,

ich bräuchte Unterstützung bei der Suche nach der „besten“ Pilotenschule, die - wenn ich es ´mal überspitzt ausdrücken darf - Deutschland/Europa(England) zu bieten hat.

Zur Zeit bin ich 19, stehe kurz vor dem Abitur (Rheinland-Pfalz) und möchte früher oder später unbedingt in ein Cockpit steigen.

Nach umfangreicher Informierung bin ich auf vier Ausbildungswege gestoßen:
-Lufthansa
-Studium + ATPL an FH Osnabrück
-Vorweg privat zu bezahlende Pilotenschule (Deutschland, England oder USA)
-Bundeswehr

Wie schon erwähnt habe ich nun noch eine Menge Fragen zu den zahlreich existierenden Pilotenschulen (->3. Punkt).
Mich würde es sehr reizen irgendeine Pilotenausbildung in den USA zu beginnen, nur weiß ich dabei so gut wie gar nichts, was das „Leben“ dort betrifft.
Damit meine ich Unterkunft…, aber vor allem die insgesamt auf einen zukommenden Kosten.
USAmerikanische Fluggesellschaften scheinen kein Ausbildungsangebot wie die Lufthansa zu besitzen, was mir die Suche nach einer vernünftigen Pilotenausbildung ernorm erschwert.
Weiß von jemand von Euch sehr gut über das Verhältnis „USA + Pilot“ Bescheid, so wäre ich für ein paar Information sehr sehr dankbar !
Die Ausbildung in den USA habe ich vor dem jetzigen Punkt erwähnt: „Ausbildung in Deutschland/England“ , weil ich vom Hörensagen weiß, dass die USA einmal preiswerter sind und die Schüler einfach besser zum Piloten ausgebildet werden…
(Stimmt das ?)
Was mich nun eigentlich interessiert ist: Welche Schule in Deutschland macht den „perfekten“ Zivilflugzeugführer aus einem ?
Es wäre sehr lieb von Euch mit einem kurzen Kommentar zu begründen, wieso die jeweilige private Pilotenschule so gut ist.
Im Interessenmittelpunkt stehen: Preis-Leistung, Ausbildungsdauer, QUALITÄT, Popularität

Ich würde mich schon über den geringsten (,gut gemeinten) Beitrag freuen und wünsche noch eine schöne Zeit !

Bis bald,

Mark

Huhu Mark,

aaalso mal der Reihe nach :wink:

Du hast ja die 4 Hauptwege schon gefunden, und natürlich hat ein jeder so seine Vor- und Nachteilchen. Ich quetsche einfach mal meinen Senf rein.

-Lufthansa

Vorteil: Finanziell wohl die beste Lösung und passt ziemlich gut zum „Klischee“ Pilot. So Ausbildung in Bremen und USA, Kreditrückzahlung in den ersten Copi-Jahren. Nachteil: Du musst den DLR-Test bestehen und Dich dem Kranich ein paar Jährchen verpflichten :wink: Während letzteres wahrscheinlich nicht das Probelm ist, stellt ersteres wohl die grössere Hürde dar. Sprich, da fallen so 90-95% durch [Punkt]. Bis zu einem Teil kannst Du das sicher „trainieren“, zum anderen Teil musst Du aber in das vielzitierte „Persönlichkeitsprofil“ von Hansens passen. Und da passt Du halt entweder oder auch nicht :wink: Aber: wenn Du Dir das vorstellen kannst, solltest Dir auf jeden Fall mal die FAQs vom Luft- und Raumfahrtbrett durchlesen, da findest Links zu den entscheidenden Seiten, wo Du auch Anforderungen und Testaufgaben runterladen kannst.

Ergänzung: Nicht nur die Lusthansa bildet aus, ähnliches tun auch andere Fluggesellschaften. Sprich, hier lohnt es sich, Infos zu sammeln und gegebenenfalls auch dort zu bewerben. An dieser Stelle empfehle ich auch gerne immer http://www.pilots.de, allerdings bin ich dort nimmer aktiv.

-Studium + ATPL an FH Osnabrück

Sorry, keine Ahnung wie das läuft. Wer zahlt denn die praktische Ausbildung? Wenn Du im Anschluss ein „normales“ Ingenieursdiplom hast, wäre das eine überdenkenswerte Alternative falls zum Zeitpunkt Deines Diploms grad (mal wieder) luftfahrerische Flaute herrscht :wink:

-Vorweg privat zu bezahlende Pilotenschule (Deutschland,
England oder USA)

Vorteil, ganz klar: Du brauchst keinerlei Eignungstests oder sonstwas bestehen und wahrscheinlich wird Dir der Schulleiter auch allerlei phantastisches über Deine Berufsaussichten in der Zukunft erzählen. Nachteil, ebenso klar: Du musst die ganze Sache privat zahlen. Und wenn man nicht grad Rockefeller mit Familiennamen heisst, gestaltet sich das unterschiedlich schwer das zu zahlen. Und da Du ja jetzt gerade Abi machst, bist Du da sicher auf Unterstützung von aussen (Omma, Eltern, Kredit) angewiesen. Ob Du Hilfe von ersteren beiden möchtest bzw. bekommen kannst ist die eine Sache, ob Du einen Kredit aufnehmen (und bekommen!) würdest ne ganz andere. Und selbst wenn das finanzielle geklärt ist, blieben ja noch zwei Kleinigkeiten: erstens „die beste“ Flugschule zu finden und zweitens danach dann nen Job :wink:

„Die beste“ Flugschule zu finden ist nämlich gar nicht so leicht. Da spielen recht viele Faktoren rein: So kann der rennomierteste Laden ausgerechnet Dir einen Fluglehrer zuweisen, mit dem Du einfach nicht klarkommst und schon isses doof. Zudem: was ist „beste“? Die Ausbildungsrichtlinien sind ziemlich einheitlich genormt. Die Schulflugzeuge unterscheiden sich auch eher in Details.
Generell würde ich Dir raten, eine Schule zu nehmen, wo Du

  1. alle Ausbildungsabschnitte „am Stück“ machen kannst, bringt ja nix, wenn Du das erste mal nach dem PPL und dann nochmal nach dem CPL wechseln musst
  2. Dich „wohl“ und gut aufgehoben fühlst
  3. mit den Zahlungsmodalitäten klarkommst (100.000 Euro im Voraus ist vielleicht etwas doof)
    An anderer Stelle habe ich mal gelesen, dass Schulen, die eine „Cockpitgarantie“ anbieten, eher mit Vorsicht zu geniessen sind. Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen, ich war an keiner :wink: Aber man muss schon sagen, dass ein Flugschulbesitzer sicher die Zukunft der Fliegerei sehr viel rosiger sieht als der seit 4 Jahren arbeitslose ATPL-ler.

Zum Thema USA, England oder hier? Nun, Flugzeuge fliegen netterweise hier wie dort gleich. Und auch die wichtigen Dinge sind die gleichen :wink: Aber die Schwerpunkte liegen natürlich etwas anders, ob Du auf einer Graspiste mitten im tiefsten Wisconsin fliegst oder ob Du Deine Soloflüge in Stuttgart machst. Ich würde mal sagen, dass es hier wie dort gute und schlechte Lehrer und Schulen gibt. Auch hier wird nur helfen, wenn Du Dich vor Ort oder über Empfehlungen informierst. Wobei auch hier wieder die Empfehlungen mit Vorsicht zu geniessen sind. Erzählt vielleicht der Hugo, der bei Aero-Dingsda seinen ATPL gemacht und dann sofort nen Job bei Hansens gefunden hat ganz anders als Harri aus der gleichen Schule, dem sein Lehrer nach 500 Landungen ohne Alleinflug nahegelegt hat doch Leistungsboccia zu spielen :wink: Und wiederum anders Susi, die nun den ATPL hat und wo sich die „Cockpitgarantie“ auf die Fluglehrertätigkeit in einer 150er beschränkt. Also auch hier musst Dir Deine eigene Meinung bilden, es hilft lediglich aus den Erfahrungen anderer zu profitieren.

-Bundeswehr

Das ist ähnlich wie bei Hansens, nur dass hier noch die ideologische Seite dazu kommst. Sprich, zum einen garantiert Dir vorab keiner, ob Du auch wirklich mal mit den netten Jets fliegen darfst oder ob Du die nächsten 12 Jahre Kanonen putzst und zum anderen solltest Dich da auch mit dem Gedanken angefreundet haben, dass die Jets auch Waffen dabei haben, die im Zweifelsfall einzusetzen sind. Hier musst Du einfach Deine Meinung und Einstellung finden.

Vergessen hast Du noch Polizei, die bilden ihre Hubschrauber-Piloten auch selber aus. Hier gilt analoges zur Bundewehr :wink:

Und jetzt noch zu Deinen Fragen:

Mich würde es sehr reizen irgendeine Pilotenausbildung in den
USA zu beginnen, nur weiß ich dabei so gut wie gar nichts, was
das „Leben“ dort betrifft.
Damit meine ich Unterkunft…, aber vor allem die insgesamt
auf einen zukommenden Kosten.

Hier würde ich Dir raten, mal den Anzeigenteil der einschlägigen Fliegerzeitschriften (Aerokurier, Fliegermagazin und Co) durchzublättern und Dir Angebote von den Flugschulen hier wie dort einzuholen. Mit Unterkunft und Co. sind Dir sicher Flugschulen in USA gewöhnt zu helfen, denn da kommen dauernd irgendwelche Deutschen vorbei die das gleiche Problem haben. Auch hier hilft anfragen :wink:

Weiß von jemand von Euch sehr gut über das Verhältnis „USA +
Pilot“ Bescheid, so wäre ich für ein paar Information sehr
sehr dankbar !

Es gibt da übrigens auch einiges an Literatur zu diesem Thema, das findest Du ebenfalls im Anzeigenteil besagter Fliegerzeitschriften. Schau Dir einfach mal so ein paar Bücher an.

Hörensagen weiß, dass die USA einmal preiswerter sind

Das ist richtig :wink:

und die
Schüler einfach besser zum Piloten ausgebildet werden…
(Stimmt das ?)

Siehe oben :wink: Es gibt hier wie dort weisse und schwarze Schafe…

Was mich nun eigentlich interessiert ist: Welche Schule in
Deutschland macht den „perfekten“ Zivilflugzeugführer aus
einem ?

*grins* Der musst Du schon selber werden :wink: Wenn Du so gar kein bisschen Talent zeigst, dann hilft die beste Ausbildung nichts. Und bist Du ein „Natural“ dann kann Dich eh niemand versauen…
Generell würde ich Dir folgendes raten: mach doch mal den PPL auf privater Basis im Verein oder der Flugschule um die Ecke. Dann kannst Du abchecken ob Dir die Fliegerei überhaupt taugt und ob Du eine gewisse Begabung für die Sache zeigst. Kann ja sein, dass Dir beim besten Willen speiübel wird, wenn Du nur in die Kiste kletterst oder dass Du die Landerei einfach nicht lernst. Für beides ist die Wahrscheinlichkeit nicht wirklich hoch, aber es ist gut, sowas rechtzeitig zu wissen bzw. auszuschliessen :wink: So ein PPL ist bei den üblichen Eingangstests kein Problem, eher sogar ein Vorteil, weil Du Dich in der Materie schon ein wenig auskennst. Naja, und nebenher lernst Du ein paar Leute kennen, die schon in den diversen Flugschulen waren und kannst die interwieven…

Sodele, und zu Deiner nicht vorhandenen Frage: angenommen, Du findest die perfekte Flugschule, finanzierst die Sache irgendwie und hast Deinen ATPL - finde ich dann einen Job? Das kann Dir keiner sagen (wer Dir doch was sagt, lügt *fg*). Es kann sein, dass Piloten in 2 Jahren Mangelware sind, es kann aber genauso gut sein, dass Du die Nummer 18354 auf der Warteliste bist. Ich ganz persönlich würde die Sache mit dem ATPL nur dann machen, wenn ich entweder Rockefeller heisse und mit der Fliegerei nicht meinen Lebensunterhalt verdienen muss oder wenn ich einen „zivilen“ Beruf für’s Brot habe, so dass ich jederzeit umsteigen kann aber nicht muss :wink: Ich glaube, für mich wäre es der SuperGAU mit 21 Jahren, 100.000 Euro Schulden, ATPL und ohne Pilotenjob oder sonstige Ausbildung dazustehen. Aber es gibt Leute, die das anders sehen, es gibt welche, die’s auf dem privaten Weg bis ganz vorne links geschafft haben und es gibt andere, die’s eben nicht geschafft haben und die jetzt Koffer verladen, um in der Nähe der Flieger zu sein.

Ich hoffe, dass Dir das ein wenig weiterhilft

*wink*

Petzi

Hi Mark,

dem perfekten Artikel von Petzi ist ja nichts mehr hinzuzufügen.

Insofern kann ich nur nochmal unterstreichen was ich an Deiner Stelle tun würde: Versuch es erstmal bei Hansens weil die nicht nur eine Flugschule betreiben, sondern die Schüler später auch gleich im Lufthansa-Konzern übernehmen und die Frage der Ausbildungsfinanzierung dort kein Problem ist.
Damit hast Du nämlich gleich eine der momentan größten Hürden, eine Stelle zu finden, bewältigt. Ansonsten ist der Markt nämlich im Augenblick absolut überfüllt mit ausgebildeten ATPLern, die den Schein haben aber keinen Job finden - während die Bank ihren Kredit zurückgezahlt haben möchte. Vor allem gehen viele der ab und zu frei werdenden Stellen an Leute mit Berufserfahrung sodaß Rookies keine Chance haben einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ist ja auch klar: Warum sollte eine Airline X einen Jungspund ohne Flugstunden und Typerating einstellen wenn gleichzeitig praxiserfahrene Leute mit Typerating verfügbar sind? Und es gab viele Pleiten, man denke an Swissair, Aero Lloyd… es sind also viele Leute mit sehr guten Referenzen auf dem Markt.

Es gibt (ich glaune sogar in den FAQ des Luft- und Raumfahrt-Brettes) Links zu Lufthansa Flight Training in Bremen und zur DLR, außerdem Seiten, auf denen man sich über den DLR-Test informieren kann. Mit etwas Übung kannst Du die BU (Berufsgrunduntersuchung) vermutlich hinkriegen. Die eigentliche Hürde ist immer die FQ (Firmenqualifikation) weil da aussortiert wird ob man der Typ Mensch ist, den sich die Lufthansa als Piloten wünscht. Niemand weiß so recht welche Kriterien dort gelten, es geht auch immer mit einer unverkennbaren LH-Arroganz zu, mal ganz unabhängig davon daß man eh nicht schauspielern könnte weil die Beobachtung zu perfekt ist und jeder Blender auffliegt.
In der FQ fallen Viele durch, was aber nicht heißt daß man kein guter Pilot sein kann. Sehr viele Leute, die bei LH nicht durchkamen, fliegen jetzt sehr erfolgreich anderswo.

Hier würde ich zuerst mal mein Glück versuchen weil das der „einfachste“ Weg ist, im Hinblick auf die Finanzierung und die Berufsaussichten.

Die privaten Flugschulen erzählen natürlich immer sehr viel über den angeblichen Bedarf an Piloten in ein paar Jahren. Man muß aber immer sehen daß niemand weiß wie es sich entwickelt und diese freien Schulen sind eben immer Wirtschaftsunternehmen, die Kunden brauchen um davon zu leben. Fest steht nur daß Du erstmal extrem viel Geld haben mußt und niemand Dir garantiert daß Du später einen Job findest. Es gibt viele Leute, die diesen Weg gegangen sind und nun regelmäßig schlaflose Nächte haben weil man sich da als Normalvermögender finanziell extrem weit aus dem Fenster lehnt.

Gruß,

MecFleih