Hallo Babs,
Beste Grüße und nix für ungut:smile:, du weisst, ich schätze dich
sehr, aber hier hab ich jetzt mal zugelangt,
keine Sorge, ich kann´s verkraften.
Und glaub man ja nicht, ich würde jetzt einfach nur zitternd in der Ecke sitzen. Nix da, hier kommt die Antwort, bitte anschnallen 
Das ist ein völlig falsch rezipiertes Verständnis sowohl vom
Judentum als auch vom Christentum, sorry.
- Du hast die Entscheidungsfreiheit, aber eben bestimmte
„ethische“ Richtlinien für dein Handeln, die hast du aber
überall! In unserem Staat ist deine volle
Entscheidungsfreiheit im übrigen auch
eingeschränkt…
M.E. muß aber erlaubt sein, diese Richtlinien in Frage zu stellen. Und Beschneidung gehört für mich auch nicht zu den ethischen Rahmenbedingungen. Die permanente Bedrohung durch die ewige Verdammnis macht das Christentum in seiner strengen Auslegung zu einer sehr bedenklichen Angelegenheit. Das läuft in etwa auf den schwarzen Mann hinaus.
M.E. sollten die Vorschriften einer Religion so genommen
werden, wie sie m.E. letztlich gemeint waren: Regeln für ein
besseres Zusammenleben in der Gemeinschaft.
Auch hier: du hast nur teilweise Recht. Es geht zum einen um
das Zusammenleben, aber eben auch um den einzelnen Menschen
und seine Beziehung zu G’tt, seinem Schöpfer.
Naja, ich denke, das ist Auslegungssache. Wie man Bibel, Koran oder Thora interpretiert, hängt vom eigenen Religions-Verständnis ab. Auch das BGB ist interpretationsbedürftig, obwohl es in seiner Klarheit und Strukturierung (zugegebenermaßen in der neuen Fassung sieht das wohl anders aus) weltberühmt ist. Letztlich wird immer hinterfragt, was der jeweilige Paragraph eigentlich wollte. Und das ist für mich bei der Religion nicht anders.
nur mal ein Gedankenspiel: Nimm einfach mal an, dass deine
Religion des skeptischen „Ich will Herr über mich selbst sein“
nicht der Realität entspricht, sondern es wirklich einen G’tt
gibt, der ein Zeichen fordert, einen Bund [keinen Ehebund,
sondern viel tiefer und existentieller] schließen will mit den
Kindern seines auserwählten Volkes…und du hinderst deine
Kinder an diesem Bund…
Diese Argumentation ist die erste, die ich nachvollziehen kann. Aber letztlich steckt da auch wieder eine Form der Angst als Motivation dahinter. Angst, dem Kind im Sinne der Religion was falsches angetan zu haben. Wieder eine Form von Druck, den ich einer Religion nicht zubillige.
und wer bin ich eigentlich, anderen vorzuschreiben, was in
ihrer Kultur „unwissenschaftlicher“ Humburg ist und eh zu nix
nütze…
Mir geht’s schlicht darum, daß dem Kind diese Entscheidung nicht abgenommen werden sollte.
… das wäre typisch westlicher Kulturimperialismus - um
mal ne Phrase zu dreschen *grins*…aber wir westlich
aufgeklärten Europäer wissen natürlich immer am allerbesten,
was gut ist für alle anderen, weil wir ja so aufgeklärt sind
und eh als einzige den Durchblick haben und die Menschenrechte
gepachtet…
Tja, ich weiß nicht, ich bilde mir ein, daß das Recht auf Selbstbestimmung (auch und gerade in religiöser Hinsicht) universell ist und nicht vom Kulturkreis abhängt.
btw…:Ich würde in so privaten Dingen wie Religion auch Eltern
nicht reinreden wollen in die Erziehung. [Ich rede überhaupt
Eltern nicht in ihre Erziehung rein, das wäre ziemlich
vermessen als kinderlose Frau, meine ich]
Reinreden hin oder her. Ich bin der Ansicht, daß die wenigsten Eltern a) alles richtig machen und b) alles richtig machen können. Dafür gibt´s nämlich keine Ausbildung. Und leider muß ich sehen, daß viele Eltern mit ihren Kindern etwas machen, was primär ihrer eigenen Selbstverwirklichung dient, als vielmehr dem Wohl des Kindes.
Gruß
Christian