Beschneidung: Sitte, oder Unsitte

das ist die Frage. Meine Eltern haben mich erzogen, das man
sich mit allem zunächst vorurteilsfrei beschäftigen sollte.

darf ich dich was fragen?

hast du weihnachten geschenke bekommen?
am 31. dezember böller geschossen und sekt getrunken?
grußkarten mit hasen und eiern zu ostern bekommen?
warst du schonmal bei hochzeiten in einer kirche?
bist du getauft worden?

wenn du irgendwo ja sagst, dann entspricht das derselben selbstverständlichkeit, mit der jüdische jungs beschnitten werden.

gruß!

Hallöchen

Christentum und Judentum arbeiten nach dem Prinzip
der Bestrafung: Wenn Du dies nicht das tust, dann passiert Dir
jenes. Und wenn Du Dich zu Lebzeiten artig benommen hast,
winkt die Möhre in Form des Paradieses. Das ist schlicht und
einfach nicht fair.

leider, das ist schlicht und einfach blödsinn. sorry daß ich
so hart bin…

genau das ist ja das Problem mit Religion. Nur sehr schwer diskutierbar. Eins möchte ich noch erwähnen: Ich bemühe mich hier permanent (und ich hoffe, ich halte mich daran) darzustellen, daß das ganze meine persönliche Einschätzung ist. Absoluter Kommentare wie „das ist Blödsinn“ versuche ich mich zu enthalten. Das ist in etwa der Unterschied zwischen „das schmeckt nicht“ und "das schmeckt mir nicht.

Gruß
Christian

Hallo,

darf ich dich was fragen?

immer.

hast du weihnachten geschenke bekommen?
am 31. dezember böller geschossen und sekt getrunken?
grußkarten mit hasen und eiern zu ostern bekommen?
warst du schonmal bei hochzeiten in einer kirche?
bist du getauft worden?

wenn du irgendwo ja sagst, dann entspricht das derselben
selbstverständlichkeit, mit der jüdische jungs beschnitten
werden.

Ja, auch da ist was dran. Allerdings haben sich meine Eltern dafür entschuldigt, daß sie mich haben taufen lassen und finden das im Nachhinein auch nicht mehr richtig (das Taufen, nicht die Entschuldigung). Nun haben wir aus Kirchendingen, Weihnachten und Ostern nicht wirklich ein Gewese gemacht. D.h. im Gottesdienst waren wir nach meiner Erinnnerung nur ein einziges mal. Ich bin sogar konfirmiert, aber nicht, weil ich es wirklich wollte, sondern weil es alle gemacht haben, und diese „alle“ mir erzählt haben, was für tolle Geschenke sie bekommen haben. Als ich mit der Sache durch und ein bißchen älter war, haben bei mir die Zweifel eingesetzt und ich bin schließlcih aus der Kirche ausgetreten. Genau genommen, ist meine Konfirmation genau der Augenblick gewesen, an dem ich angefangen habe, über Glaubensdinge Gedanken zu machen.

Weihnachten oder gar Ostern waren bei uns nie christliche Feste, sondern Ereignisse, in denen die Familie zusammenkam. Seit ich selber meine Entscheidungen treffe, gibt es den Heiligabend bei uns nicht mehr. Man trifft sich am 1. Weihnachtstag mit Omas, Onkel und Tante und freut sich darüber, daß es was leckeres zu essen gibt und sich mal wieder sieht.

Eine körperliche Veränderung habe ich bei mir dabei nicht bemerken können.

Gruß
Christian

Hallo Chris,

M.E. muß aber erlaubt sein, diese Richtlinien in Frage zu
stellen. Und Beschneidung gehört für mich auch nicht zu den
ethischen Rahmenbedingungen.

Nun aber wenn du Jude bist und es deinen ethischen Rahmenbedingungen entspricht, deinen Kinder eine Leben im Bunde mit G’tt zu gewährleisten, ist das schon ethisch im Sinne dieser Vorstellung. Klar, du als hm…Agnostiker (??) musst das ja nicht tun [wir Christen haben da sowieso eine andere Erklärung dafür, warum wir die Beschneidung „nicht mehr“ brauchen btw]…aber das verlangt hier ja auch keiner von dir. Nur solltest du nicht anderen empfehlen, wie sie die Bibel zu lesen haben, dann machst du nämlich nichts anderes als Rahmenbedingungen abzustecken, die dir richtig erscheinen.

Die permanente Bedrohung durch

die ewige Verdammnis macht das Christentum in seiner strengen
Auslegung zu einer sehr bedenklichen Angelegenheit. Das läuft
in etwa auf den schwarzen Mann hinaus.

Papapa…ewige Verdammnis ist doch Pillepalle für liberale Christen ;-D…man kann nun gerade das Christentum wirklich nicht über einen Kamm schweren…das Judentum übrigens auch nicht.

Naja, ich denke, das ist Auslegungssache. Wie man Bibel, Koran
oder Thora interpretiert, hängt vom eigenen
Religions-Verständnis ab. Auch das BGB ist
interpretationsbedürftig, obwohl es in seiner Klarheit und
Strukturierung (zugegebenermaßen in der neuen Fassung sieht
das wohl anders aus) weltberühmt ist. Letztlich wird immer
hinterfragt, was der jeweilige Paragraph eigentlich wollte.
Und das ist für mich bei der Religion nicht anders.

Eben. Und deine Lesart ist ja auch nicht unbedingt die allein seligmachende:smile:.

nur mal ein Gedankenspiel: Nimm einfach mal an, dass deine
Religion des skeptischen „Ich will Herr über mich selbst sein“
nicht der Realität entspricht, sondern es wirklich einen G’tt
gibt, der ein Zeichen fordert, einen Bund [keinen Ehebund,
sondern viel tiefer und existentieller] schließen will mit den
Kindern seines auserwählten Volkes…und du hinderst deine
Kinder an diesem Bund…

Diese Argumentation ist die erste, die ich nachvollziehen
kann. Aber letztlich steckt da auch wieder eine Form der Angst
als Motivation dahinter. Angst, dem Kind im Sinne der Religion
was falsches angetan zu haben. Wieder eine Form von Druck, den
ich einer Religion nicht zubillige.

Na, du hast ja auch Ängste…dass dem Kind in irgendeiner Form körperlich oder seelisch geschadet wird oder es nicht den freien Willen entwickeln kann, den du ihm wünschst…ich würde es hier auch weniger Angst nennen als Fürsorge und Liebe der Eltern…

… das wäre typisch westlicher Kulturimperialismus - um
mal ne Phrase zu dreschen *grins*…aber wir westlich
aufgeklärten Europäer wissen natürlich immer am allerbesten,
was gut ist für alle anderen, weil wir ja so aufgeklärt sind
und eh als einzige den Durchblick haben und die Menschenrechte
gepachtet…

Tja, ich weiß nicht, ich bilde mir ein, daß das Recht auf
Selbstbestimmung (auch und gerade in religiöser Hinsicht)
universell ist und nicht vom Kulturkreis abhängt.

Erstens ist diese Sache mit den universellen Selbstbestimmung des Individuums eine „Erfindung“ des europäischen Humanismus [mal gaaanz grob gesagt] Und zweitens kannst du es ja auch umdrehen und sagen, du hast mit deiner Erziehung einen Menschen daran gehindert, sich geborgen zu fühlen in seinem Glauben. Ist das unbedingt selbstbestimmt? Selbstbestimmung ist so ein großes Wort mit oft nicht viel dahinter als Beliebigkeit und Desinteresse …was ich dir sicher nicht unterstellen will…aber schau dich mal um…

Reinreden hin oder her. Ich bin der Ansicht, daß die wenigsten
Eltern a) alles richtig machen und b) alles richtig machen
können. Dafür gibt´s nämlich keine Ausbildung. Und leider muß
ich sehen, daß viele Eltern mit ihren Kindern etwas machen,
was primär ihrer eigenen Selbstverwirklichung dient, als
vielmehr dem Wohl des Kindes.

Ja, aber das würde ich gerade in diesem Fall keinen Eltern unterstellen. Da tust du ihnen Unrecht, meine ich.

Viele Grüße,

babs:smile:

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noch was vergessen…
hierauf wollte ich ja noch eingehen…

und wer bin ich eigentlich, anderen vorzuschreiben, was in
ihrer Kultur „unwissenschaftlicher“ Humburg ist und eh zu nix
nütze…

Mir geht’s schlicht darum, daß dem Kind diese Entscheidung nicht :abgenommen werden sollte.

nun, es gibt Entscheidungen, die musst du als Eltern treffen, wenn das Kind krank ist, ob es zum Arzt muss, ich würde z.B. mit 4 Jahren an meinem Ohr operiert, weil das auf der einen Seite von Geburt an angewachsen war. Sicher ein eher kosmetischer Eingriff, das Ohr hätte halt etwas verkümmert ausgesehen, so ist es noch mitgewachsen. Eine Entscheidung meiner Eltern.

Auf welche Schule gibst du dein Kind? Auch eine wichtige Entscheidung. Das machen die Eltern. Und Eltern raten und sagen ihre Meinung [deshalb habe ich z.B. mit Englisch, statt mit Latein angefangen] Du bist von deinen Eltern geprägt in vielen Dingen: was hast du lesen dürfen, welche Zeitungen und Bücher lagen zu hause rum…was wurde im TV geguckt…ich durfte z.B. keine Reklame gucken früher oder Tatort - weil zu gruselig, fanden meine Eltern damals…

Und jemand, der religiös erzogen wurde, findet es eben normal, sein Kind auch religiös zu erziehen und du findest es eben besser, dein Kind nicht so zu erziehen. Was dein gutes Recht ist, wenn du mal welche hast. Das heißt aber nicht, dass du für andere entscheiden kannst, ob eine religiöse oder nichtreligiöse Erziehung besser ist für deren Kinder. Eine nichtreligiöse Erziehung ist genauso von der inneren Überzeugung der Eltern geprägt, wie eine religiöse - nur eben auf andere Weise. Das zu werten, scheint mir nicht richtig zu sein.

viele Grüße,

barbara

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*einmisch*
Hallo nochmal, und nochmal *einmisch*:smile:) [les das grad erst],

Ja, schon klar, die Religionsausübung unterliegt der
Selbstbestimmung, das beschnittene Kind nicht. Ist zwar alles
ein bißchen scheinheilig, aber gut. Solange eine Religion
starre Regeln setzt, die den Menschenrechten, wie wir alle sie
kennen und offiziell achten, entgegentreten, muß sie sich
Kritik gefallen lassen.

Das finde ich nämlich schon starken Tobak. Beschneidung als Menschenrechtsverletzung? Ich glaube, gut die Hälfte aller amerikanischen Männer [unabhängig von ihrer Religion] ist beschnitten, weil es nämlich lange Zeit medizinische Meinung war, dass das aus verschiedenen Gründen eine gesunde Sache sei: Hygiene, Krebsrisiko verringert uswusf…

Nun hat Thomas Miller einen Link gepostet, der dieser medizinischen These wiederspricht. Naja, zwei Ärzte drei Meinungen, sagt mein Hausarzt immer ;-D…


Weiter oben diskutieren wir ja schon einen Schritt weiter, meine ich. Ich denke, wichtig ist, sich klar zu machen, dass man selbst immer zu einem großen Teil ein „Produkt“ der Erziehung und Überzeugungen der Eltern ist: im positiven wie im negativen. Eltern sind Vorbild aber manchmal auch Negativbild i.S. S. So will ich nie werden…Wenn du hier auf jedenfall innerhalb deines rationalen Weltbildes argumentierst, bist du nicht weniger geprägt von deinen Eltern, wie z.B. Eli. Das kannst du für dich ja auch gerne so halten wie du willst, anderen aber vorzuhalten, sie wären nicht „zeitgemäß“, weil sie nicht dein Weltbild teilen, ist nicht gerade tolerant. Und Toleranz in religiösen wie in weltanschaulichen Dingen ist eines der ältesten Menschenrechte.

Liebe Grüsse,

babs:smile:

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verklemmte usa ?
Hallo Babs! *auchkurzeinmisch*

Das finde ich nämlich schon starken Tobak. Beschneidung als
Menschenrechtsverletzung? Ich glaube, gut die Hälfte aller
amerikanischen Männer [unabhängig von ihrer Religion] ist
beschnitten, weil es nämlich lange Zeit medizinische Meinung
war, dass das aus verschiedenen Gründen eine gesunde Sache
sei: Hygiene, Krebsrisiko verringert uswusf…

Hier will ich nur anmerken, dass zuerst die These vertreten wurde, beschnittene Jungen masturbieren nicht, oder seien vor sonstigen sexuellen 'Unkeuschheiten’gefeit.
Da sich diese These im Verlauf unserer Zeit nicht mehr halten konnte, schob man gerne diese hygienischen Gründe vor.
Und somit tritt wieder eine Art Verdrängung ein, es wird schon Jahrzehnte so gemacht, und solange es nicht in frage gestellt, sei doch alles in Ordung.
(hier sei jetzt nicht von religiöser Beschneidung die Rede!)
Na ja, meines Erachtens haben, oder hatten die usa ein eher verklemmtes Verhältnis zur Sexualität.
Warum muss sich ein Elfjähriger, der zufällig seine Schwester nackt gesehen hat, Filme über Vergewaltigungen anschauen, unter staatlicher Verordnung? *krank*
Da gab es einige solcher Fälle, die genauso verrückt scheinen, wie einige Gesetzte, aber das wäre hier o.T.

Gruss,
Nicole

Hallo Haegar,

Das kann ja bei unserem Sohn heiter werden. Er musste aus
medizinischen Gründen beschnitten werden. Unter Vollnarkose!

Tut mir leid, ich wollte Dir natürlich keine Angst machen. Meine Antwort bezog sich auf die umgekehrte Äusserung, das ein nicht Beschnittener „Probleme“ bekommt - umgekehrt wird eben auch ein Schuh draus. Wenn die Eltern vernünftog mitmachen/reagieren, sollte das eigentlich kein Problem werden.
Aber leider ist es nun mal so in unserer Gesellschaft (in allen Gesellschaften!), dass die die irgendwas Besonderes haben, angeguckt werden … ich bedauere das auch.

Gruss, Stucki

Hallo Christian.

ja, die Religion. Preisfrage: Sollten wir auch das Ausleben
alter mittelamerikanischer Religionen gestatten? Ich meine die
Jungs, die den Opfern bei lebendigem Leibe das Herz
herausgeschnitten haben? Ich will das ja gar nicht
vergleichen,

Du hast es aber hiermit gemacht.

aber: Wenn ein Teil einer Religion eben den
moralischen Grundsätzen oder meinswegen Gesetzen widerspricht,

Dann benenne diese doch endlich einmal.

inwieweit eine Religion mit derartigen Vorschriften zeitgemäß
ist.

Diese Frage stellt sich?

Ja, schon klar, die Religionsausübung unterliegt der
Selbstbestimmung, das beschnittene Kind nicht. Ist zwar alles
ein bißchen scheinheilig, aber gut. Solange eine Religion
starre Regeln setzt, die den Menschenrechten, wie wir alle sie
kennen und offiziell achten, entgegentreten, muß sie sich
Kritik gefallen lassen.

Hiermit hast Du dich ja wohl entgültig disqualifiziert. Die Brit widerspricht den Menschenrechten? Und wo ist denn die Kritik? Bisher kamen nur unkonkrete Vorwürfe (s.a.o.)?

Also was unter dem Deckmäntelchen der Religion
alles erlaubt sein soll.

Hier geht es um keine Deckmäntelchen, da das Judentum dieses schon immer öffentlich gehandhabt hat und sich bisher immer Kritik gestellt hat. Voraussetzung ist natürlich, dass die Kritik sachlich ist. Und diese sehe ich nach wie vor nicht. Wenn Du also wirklich etwas zu kritisieren hast, dann benenne es endlich einmal. Ansonsten bleibt der Eindruck stehen, dass es dir hier nur um Antijudaismus geht.

Schalom,
Eli

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Hallöchen

Christentum und Judentum arbeiten nach dem Prinzip
der Bestrafung: Wenn Du dies nicht das tust, dann passiert Dir
jenes. Und wenn Du Dich zu Lebzeiten artig benommen hast,
winkt die Möhre in Form des Paradieses. Das ist schlicht und
einfach nicht fair.

genau das ist ja das Problem mit Religion. Nur sehr schwer
diskutierbar

Es tut mir leid, aber diese Schlussfolgerung ist einfach falsch. Es wird hier ja sehr wohl über Religion diskutiert, nur bringst Du immer wieder falsche Behauptungen ins Spiel. So ist obige Unterstellung von dir einfach falsch.

Die Mitzwot werden nicht erfüllt, weil wir dafür einmal einen Lohn erhalten. Es ist uns noch nicht einmal bekannt, ob und welchen Lohn wir dafür erhalten könnten. Nein, wir tun dieses aus reiner Liebe zu G’tt. In diesem Sinne entscheiden wir uns hier sehr frei dafür, genau dieses zu tun. Es war meine freie Entscheidung meine Kinder beschneiden zu lassen. Ich hätte es auch nicht tun können. Aber für uns ist es eine Freude. Hinterher veranstalten wir ein Fest und Möhren habe ich da bisher noch nie gesehen :wink:

Schalom,
Eli

bist du Mediziner?
Hallo Nicole,

zweifellos haben die Amerikaner eine lange puritanische Tradition, das ist nun ja nicht besonders neu.

Jetzt aber auch noch den amerikanischen Ärten zu unterstellen, sie hätten sich das mit der Hygiene so zurecht gelegt, finde ich ja immer abstruser, ehrlich gesagt.

Ich bin kein Mediziner und maße mir nicht an, da so große kausale Zusammenhänge mal rasch eben festzustellen: contra Masturbation [gibts da eigentlich Quellen für? Hatte ich nämlich noch nie als Begründung gehört]- sexfeindlich, puritanisch [übrigends damit definitiv nicht jüdisch] - *Schniedel der Jungs beschneid* - medizinische Argumente vorschieb…ich will das natürlich auch nicht ausschließen, sehe das aber nur als eine Hypothese von dir an, der ich sehr skeptisch gegenüberstehe. Ich habe hier von Studien gehört, die besagen, dass Frauen weniger häufig Gebärmutterkrebs bekommen, wenn sie mit beschnittenen Männern zusammen sind. Weiß nicht, ob das alles Humbug ist und nur ein modernes Märchen. Müsse man mal nachforschen…

Wie auch immer, all das ist m.E. nach nicht das Thema: Für mich geht es hier um Grenzen der religiösen Toleranz.

Fakt ist: Die Beschneidung schadet nicht gesundheitlich. Die Lebenserwartung von beschnittenen Männer ist soweit ich weiß nicht geringer als die von unbeschnittenen. Die Juden die ich kenne, wirken auf mich auch nicht besonders verklemmt oder sexuelle unbefriedigt oder was auch immer deiner Meinung nach das Fehlen der Vorhaut bewirken könnte.

Religiöse Praktiken, die dir archaisch erscheinen, müssen deshalb noch lange nicht illegitim oder gar gegen die Menschenrechte sein.

=> Religionsfeindlich oder doch zumindest -kritisch zu sein ist keine Garantie dafür, anderen Menschen mit ihren Weltanschauungen und ihrer Religion den nötigen Respekt zu zollen oder wenigstens tolerant zu sein- was wenig genug ist.
Das ist der Punkt, den ich hier „einklage“.

Beste Grüße,

barbara

Hallo Christian,

ich hoffe, dass ich mittlerweile verstanden habe, dass es dir um das Recht auf Selbstbestimmung geht. Erstaunlicherweise hat sich bisher niemand dagegen ausgesprochen, auch ich nicht. Die Frage ist jetzt nur, wie ein Kind das Lernen soll, wenn ihm die Eltern keine Entscheidungen vorgeben oder vorwegnehmen? Du unterstellst, dass die Eltern keine Eingriffe machen dürfen, welche später einmal sich darauf auswirken, dass dem Kind nicht mehr alle Entscheidungsmöglichkeiten offen sind. Diese Idee läuft aber auf Barbarei hinaus und dessen solltest Du dir bewusst sein. Erziehung zu Selbstbestimmung funktioniert so nicht, sondern in dem die Eltern auch selbstbewusst sind und ihre Entscheidungen auch im Namen des Kindes vertreten und umsetzen, was sie für sinnvoll halten. Diese müssen sie nun nur dem Kind gegenüber vermitteln und vertreten. Da dieses bei uns geschieht, habe ich damit kein Problem, dass sich unsere Kinder später einmal anders entscheiden. Aber erst durch unsere Erziehung habe sie die Möglichkeit dazu bekommen. Würden wir nicht unsere Religion leben, könnten sie später auch nicht mehr sich dafür entscheiden, diesen Weg fortzusetzen, da wir ihn schon verlassen hätten.

Wie stellst Du dir also vor, soll ein Kind selbstbewusst werden und freie Entscheidungen trefen, wenn es dieses nie gelernt (bei seinen Eltern) hat?

Schalom,
Eli

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alle die meinen, die beschneidung sei eine barbarische
unsitte, mögen sich dann daran erinnern, wenn sie am 31.
dezember das gläschen zur ehre der beschneidung eines 8 tage
zuvor geborenen berühmten juden heben. :wink:

ist das irgenwo Brauch am 31.? *wunder*

Nur weil keiner mehr weiss, worauf der Brauch zurückgeht, ist es doch so, dass genau am Tag der Beschneidung das neue christliche Jahr beginnt, welches weltweit gefeiert wird oder gibt es dafür eine andere Begründung? *g*

Eli

unreligös betrachtet
Huhu, nochmal!

Was die Quellen anbetrifft, siehe mein Posting hier unter: ‚kleine Geschichte der Beschneidung‘, oder Thomas Millers Link (was die hygienischen Aspekte betrifft).

Gebärmutterkrebs…jawoll, da glaube ich schon, wenn der Mann sich überhaupt nicht wäscht, und das Zeugs (abgestorbene Hautschuppen, Schweiss, Sekrete)an die empfindliche Stelle kommt.
Aber sacht mal Männers: könnt ihr Euch nicht waschen??
Ich seh, auch jetzt im Laufe dieser Diskussion, immer, dass dieser Grund einfach vorgeschoben wird, um den armen Männchen ein ‚Leid‘ zu ersparen, nämlich sich mal zu reinigen.
Sollen wir Uns jetzt etwa auch was abschnippeln lassen, weil sich da womöglich was festsetzen könnte?

Nein, ich seh die Beschneidung (unreligiös) nicht als zwingend nötig, ich bemängele einfach nur, dass den Babys jegliche Entscheidung abgenommen wird, selber über ihren Schniedel zu entscheiden.
Wie sollen sie auch wissen, für was sie sich entscheiden, wenn der entsprechende Part niemals bewusst wahrgenommen wurde?

Von der religiösen Seite distanziere ich mich, denn damit idendifiziere ich mich nicht.
Und verurteilen tu’ ich deshalb keinen.

Ich teile Christians Meinung.

Mal ein lapidarer Vergleich: meine Mutter wollte immer, dass ich ihre Ohringe trage. (Erbstück)
Ohrlöcher wollte ich aber nicht. (obwohls ja nicht weh tut…)
Tja, Pech, habe trotzdem welche bekommen auch wenns mir nicht passte. Habe einen dieser Ohringe mal verloren, seither musste ich nie wieder unter Zwang Ohringe tragen :smile:
Wenn so auch einige Männer denken,hm, was wäre wenn ich noch hätte…?
Aber so sind sie gleich damit aufgewachsen, und wissen nicht, wies ‚ohne‘ ist.

Religiöse Praktiken, die dir archaisch erscheinen, müssen
deshalb noch lange nicht illegitim oder gar gegen die
Menschenrechte sein.

Hm…die Beschneidung ist noch ein harmloses Beispiel.
Ich steck nicht drin in dem Glauben, deshalb distanziere ich mich davon.
Wenn ich aber sehe, wie afrikanische Mädchen verstümmelt werden, bloss weil irgendein Allah zu den holden Männern gesagt hat, die Frauen dürfen keine Lust empfinden, dann geht mir die Hutschnur hoch!
Ist das etwa keine Menschenrechtsverletzung?

Gruss,
Nicole

Kirchenjahr/gregorianischer Kalender?
Hallo Eli,

das christliche Kirchenjahr beginnt aber doch am 1. Advent und endet mit dem Ewigkeitssontag (Totensonntag]…alle Feiertage richten sich nach dem Termin des Osterfestes.

Meines Wissens ist unser säkulares Jahr doch begründet auf dem julischen/greogorianischen Kalender?

Wie stehen die miteinander in Bezug würd mich mal interessierne. - was das wer hier?

  1. Dezember/Silvester: Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, dass sich das mit dem Beschneidungstermin deckt. *andenKopfschlag*…

Übrigens hindert eine Beerdigung bekanntlich nicht an der Himmelfahrt…das wäre jetzt noch kein ausreichender Hinweis über den Verbleib *grins*…

beste Grüße,

barbara

Verweis nach oben.
Hi Nicole,

ich verweise auf meine Diskussion weiter oben mit Christian und die Anmerkungen von Eli zu „Erziehung“ darauf, sonst muss ich hier nochmal alles wiederholen.

Wie gesagt: Deine säkulares Weltanschauung ist nicht die allein eligmachende…

Nein, ich seh die Beschneidung (unreligiös) nicht als zwingend
nötig, ich bemängele einfach nur, dass den Babys jegliche
Entscheidung abgenommen wird, selber über ihren Schniedel zu
entscheiden.

ad Erziehung: siehe hierzu die Dikussion weiter oben. Muss ja nicht alles zweimal schrieben und Harald nur einmal lesen:smile:…

Von der religiösen Seite distanziere ich mich, denn damit
idendifiziere ich mich nicht.
Und verurteilen tu’ ich deshalb keinen.

Aber HALLO tust du das hier die ganze Zeit *lach*…

Mal ein lapidarer Vergleich: meine Mutter wollte immer, dass
ich ihre Ohringe trage. (Erbstück)
Ohrlöcher wollte ich aber nicht. (obwohls ja nicht weh tut…)
Tja, Pech, habe trotzdem welche bekommen auch wenns mir nicht
passte. Habe einen dieser Ohringe mal verloren, seither musste
ich nie wieder unter Zwang Ohringe tragen :smile:

da hab ich ebenfalls eine Ohrengeschichte weiter oben beschrieben:smile:. Nämlich meine. Zudem: Es geht hier nicht um gutes Aussehen und Kosmetik. Falscher Vergleich also.

Religiöse Praktiken, die dir archaisch erscheinen, müssen
deshalb noch lange nicht illegitim oder gar gegen die
Menschenrechte sein.

Hm…die Beschneidung ist noch ein harmloses Beispiel.
Ich steck nicht drin in dem Glauben, deshalb distanziere ich
mich davon.

Ja, aber hier haben wir es eben von der Beschneidung der Männer! Bitte beim Thema bleiben. Ich schrieb auch ausdrücklich, dass es sich hier um einen Brauch hadnelt, der gesundheitlich keine Schäden nach sich zieht. Das ist bei der von Euch erwähnten Verstümmelung von Frauen was völlig anderes.

Und es geht: nochmal:smile:): es geht um die Grenzen der religiösen Toleranz, die ich hier zunehmend feststelle.

Gruss,

barbara

Eins noch…

Von der religiösen Seite distanziere ich mich, denn damit
idendifiziere ich mich nicht.
Und verurteilen tu’ ich deshalb keinen.

Aber HALLO tust du das hier die ganze Zeit *lach*…

*hüst* Wenn ich jemanden verurteile, da bringe ich meine Meinung zum Ausdruck „Äh, was sind das für Spinner, die sich beschnippeln lassen??!“
Das habe ich allerdings nicht gesagt.
Eli hat eine Erkläung geliefert warum der ganze Prozess gemacht wird und für den jüdischen Glauben so eine wichtige Rolle spielt.
Gut. Das wollte ich auch wissen, siehe Ursprungsposting.
Wohlgemerkt: das ist die RELIGIÖSE Seite.

Wenn sich amerikanische Ärzte eine kleinen Obulus an einer Beschneidung verdienen wollen, oder die Eltern nicht mal gefragt werden (alles da gewesen!), dann frage ich mich allerdings, was da schief läuft…

Was den Ohrlochstecher Vergleich angeht:
Schöhneitsmerkmal mag sein, aber ich fühlte mich einfach in einem Recht hintergangen, so das auf meinen Körper ungewollt Einfluss genommen wurde.
Ich zog den Vergleich deshalb zu Rande, weil ebenso die Beschneidung wie das Ohrlochstechen wohl kaum gesundheitliche Auswirkungen hat, es deshalb als trivial erscheint, und mit Handwink abgetan wird. ‚Stell Dich doch nicht so an…‘

Aber ob das nun jeder so sieht, wage ich zu bezweifeln.

Herrje, wusste gar nicht, dass so ein Monster-Thread draus werden würde! :smile:

Gruss,
Nicole

auch noch eine Winzigkeit…*grins*
…wenn du und andere die Beschneidung eines Jungen mit der Verstümmelung von Mädchen auf eine Stufe stellt oder es doch zumindest in einem Atemzug nennt, ist das in meinen Augen sehr wohl eine beträchtliche Verurteilung!

Gruss,

barbara

jetzt bin wohl etwas baff…
Ich hatte Dich wohl etwas missverstanden, als Du mir unterstelltest, ich würde religiöse Riten in Frage stellen, weil ihren deren Bedeutung nicht verstehe.
So, dies fasste ich als ALLGEMEIN auf, und nicht nur unbedingt auf dieses Bescheidungsthema passend. (wie auch eine Teilantwort lehitraot’s)
Deshalb antwortete ich auch mit dieser Verstümmelung die an Frauen vorgenommen wird, auch wenn ichs nicht verstehe, aber barbarisch finde ich es trotzdem.

Ich würde NIE NIE NIE die harmlose Beschneidung des Jungen mit diese Entstellung an Mädchen gleichsetzen!

Also bitte unterstell mir sowas nicht!!

Das es im gleichen Atemzug genannt wurde, habe ich versucht oben zu erklären.

säuerlich,
Nicole

nunja.
Hallo Nicole,

nu ja, du hast selbst gesagt, du teilst Christians Meinung. Christian erklärte hier in diesem Teilstrang des Threads, dass Beschneidung an Jungen eine Menschenrechtsverletzung sei und genau hier begann ich mich dann einzumischen. Das war mein Zusammenhang. Du hast dich ausdrücklich mit Christians Meinung, der ja sogar noch Menschenopfer mit ins Spiel brachte, solidarisch erklärt. Von daher war für mich der Zusammenhang in dem wir diskutieren klar.

Die Themen Verstümmelung an Mädchen und Menschenopfer kamen doch immer wieder von der beschneidungskritischen Seite - wenn ihrs anders meint, auch gut. Aber es in einem Atemzug nennen und dann gleich darauf hinweisen, das man das natürlich auf gaaar keinen Fall vergleichen will finde ich etwas heuchlerich. Für mich ist das so der Alibinachschubsatz. Aber ihr habts mal geschickt in den Raum gestellt…

M.E. nach haltet Ihr Euch als religionskritische Menschen für per se tolerant. Das wollte ich hier aber dochmal sehr deutlich in Zweifel ziehen:smile:)…

Grüssle,
barbara
nicht säuerlich :smile:)