Huhu Carlos, fein dass du wieder da bist, hast mir schon gefehlt,
Ja, das ist offenbar immer so. Ich habe
hier im Expertenbrett einen als ZJ
erkannt und danach gefragt, warum er sich
nicht deklariert,
Ja dies passiert und die Ursache ist sehr
menschlich. Die folgende Logik ist
allgemeingut in unserer Bevölkerung:
Jehovahs Zeugen sind eine Sekte ->
Sekten sind böse und gefährlich &
Sektenmitglieder sind fanatisch und
keinen Argumenten zugänglich ->
Man darf sich nicht mit einem
Sektenmitglied einlassen.
Praktisch bedeutet dies, daß viele
Menschen jedes Wort von mir ablehnen,
sobald ich mich als ein Z.J. zu erkennen
gebe (Scheuklappenreflex).
Deshalb gibt es auch Glaubensbrüder, die
zunächst einmal ein Argument vorbringen
oder Literatur abgeben um abzuwarten ob
jemand positiv reagiert.
Nun ja, das ist natürlich ein stichhältiges Argument. Es geht freilich nicht nur den ZJ so, sondern den meisten weltanschaulichen Gruppen, weil das Gegenüber „Eh schon weiß, wie die denken!“ Ich muss auch gestehen, wenn mich z.B. ein Scientologe ansprechen würde, wäre ich auch nicht gerade offen und zugänglich, weil ich mir von diesen Leuten einfach nichts Gutes erwarte.
Andererseits bestätigt es einem doch gerade das eigene Misstrauen, wenn jemand als Dunkelmann agiert, nicht sagt, wo er eigentlich herkommt usw. Ich erinnere mich noch an die freundliche Einladung: „Wir sind eine überkonfessionelle Gruppe junger Christen, die über Religion diskutieren!“ Das erste Mal wurde diese Einladung von den Moonies ausgesprochen (die mich dann mit Gewalt nicht aus der Wohnung lassen wollten!), das zweite Mal von Operation Mobilisation, wo sich die „Diskussion“ als Bekehrungsgehirnwäsche dritten Grades herausstellte.
Ich meine, was mich hier im Brett bewegt, deine Postings immer mit Interesse zu lesen, ist das Gefühl deiner persönlichen Integrität und die Tatsache, dass du auch durchaus bereit bist, einmal (siehe oben) einen Fehler einzugestehen - was uns allen nicht erspart bleibt. Ich habe mich letzthin mit einem Katholiken unterhalten, dessen Ansichten wirklich so ziemlich alles umfassten, was ich an Rom verabscheue, aber der Mann war offenbar persönlich integer und sehr menschlich, und so konnten wir zuletzt ganz gut miteinander reden, auch wenn ich nie seinem Verein beitreten werde.
wenn
sektierer aller schattierungen eines
nicht leiden können, dann sind es Leute,
die Bescheid wissen.
Ich würde eher vermuten, daß du die
beiden überfordert hast.
Ich meine, es gibt in allen religiösen gruppierungen so gewisse „Schmäh“, die eindeutig unwahr sind - erzählte mir doch letzthin ein Katholik, die Kirche habe sich immer strikt an die Bibel gehalten und außerdem habe sie nie die sexualität schlecht gemacht. Nun, beides lässt sich mit einfacher historischer Bildung widerlegen. Oder wenn Fundamentalisten sagen, sie seien „keiner Kirche oder Sekte angehörig“ und „überkonfessionell“, was hierorts als „ökumenisch“ verstanden wird, aber wohl eher als „hoch über allen anderen Konfessionen stehend“ zu interpretieren ist.
Solche Schmäh ärgern mich.
Nun, bisher gab es in der investigativen
Presse noch keinen Bericht von Gurus bei
den Z.J., die in Rolls Royce fahren, über
Villen und Millionen verfügen und sich
mit Prostituierten vergnügen.
Von Villen und Millionen hab ich schon gehört, von Prostituierten zugegebenermaßen noch nicht.
Es gibt
auch keinerlei Führerkult. Es gab
durchaus Berichte im Wachturm, wer in der
„leitenden Körperschaft sitzt“, aber ich
konnte mir keinen Namen merken.
Das stimmt sicherlich, dass es keinen Personenkult im Sinne eines „irdischen Messias“ oder gottähnlichen Pontifex gibt, davon habe ich allenfalls bei Nathan Knorr gehört, der ein sehr autoritärer Mann gewesen sein soll - allerdings auch dieser eher im Sinne eines Firmendirektors als eines Guru.
Im übrigen meine ich nicht, dass „sekte“ automatisch „liederliches Pakt“ heißt. Dass der weltanschauliche Gegner außergewöhnlich lüstern und sexuell verderbt ist, ist ein ebenso altes wie dummes Vorurteil. Auch beim Opus Dei und bei den Scientologen sind keine Orgien angesagt. Das Kennzeichen der Sekte ist ihre totalitäre Machtausübung, ob mit oder ohne Orgien (auch den Papst sieht man ja nur selten mit leichten Mädchen).
Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die WT aus reiner Gottesliebe und ganz unneigennützig diese Tonnen von Literatur produziert, schon aus dem Grund, weil Bethel und diese ganze Literarmaschine ja irgendwie finanziert werden muss. Irgendwo muss also Geld hereinkommen, und so ein Großverlag ist nicht billig, selbst wenn die Mitarbeiter kostenlos arbeiten.
Im übrigen werde ich mir die erwähnten
Links noch ansehen.
Bin schon gespannt, was du dazu sagst. Es war eigentlich nicht meine Absicht, auf diese Links hinzuweisen, erst nachdem mir mehrmals vorgeworfen wurde, ins Blaue hinein anschuldigungen ohne Hintergrund zu erheben, habe ich es doch getan. Soll kein Startschuss dazu sein, sämtliche Läuse der letzten hundert Jahren aus dem Pelz der WT zu knacken.
))
gruß,
bb