Hallo!
Ich als angesprochene Zielgruppe
will mich auch mal äußern.
Zuerst einmal: Solche Aussagen nehme ich mir wirklich nicht zu Herzen. Schon Stolpe hat damals so etwas ähnliches geäußert, und es geht auch das Gerücht, dass das gemeinsame Urinieren auf dem Töpfchen in der Kinderkrippe uns alle zu kleinen Neonazis machte, und überhaupt sind wir ja alle frustriert (Zitat!) und bindungsunfähig.
Ehrlich, das sind Aussagen von Leuten, die jenseits ihres Zenits sind und irgendwie auf sich aufmerksam machen müssen.
Dennoch denke ich, dass es einen Werteunterschied zwischen der DDR und der BRD gab. Dabei schließe ich aber aus, dass die Menschen in der DDR das Leben weniger wertgeschätzt haben als die Bürger der BRD. Ich denke (und fühle) diese Unterschiede in ganz anderen Bereichen. Mittlerweile verschwimmen diese aber, man kann nicht mehr sagen „Typisch Ost oder West“. Es gibt konfessionelle, regionale, ethnische, altersbedingte Unterschiede der Wertvorstellungen (und die gab es auch schon immer, auch innerhalb der BRD). Und ein arbeitsloser Jugendlicher aus dem Erzgebirge hat sicherlich ganz andere Vorstellungen von Werten und Normen als ein erfolgreicher Unternehmer in Leipzig. Meiner Meinung nach werden Wertvorstellungen und Normen schon durch die Sozialisation bedingt, aber sie sind nicht unveränderlich. Wenn ich mich erinnere, wie ich vor einigen Jahren nach Bayern kam, da war ich richtiggehend schockiert von der konservativen Einstellung zu Erziehung und Familie hier. Mittlerweile würde ich sagen, habe ich ein gemäßigteres Bild, von beiden Seiten wohlgemerkt.
Natürlich sind die jungen Frauen, die ‚heute‘ ihre Kinder töten, durch ihre Eltern sozialisiert worden. Aber natürlich sind diese Werthaltungen der Eltern in den vergangenen 18 Jahren auch durch „westlichen“ Einfluss determiniert. Ich kann heute keine ‚reine‘ DDR-Mentalität mehr feststellen - aber ich kann auch nicht leugnen, wo ich herkomme.
Ich finde es schlichtweg falsch, diese grausamen Verbrechen auf eine so ‚einfache‘ Lösung zu schieben. So verdeckt man eigene Versäumnisse und findet einen Schuldigen, den man nicht mehr fassen kann. Und natürlich hat das ganze einen Beigeschmack der persönlichen Beleidigung.
Die Frauen, die in jüngster Zeit in den Medien waren, hatten sicherlich weit mehr Probleme als eine DDR-Mentalität. Sie kamen zumeist aus armen, zerrütteten Verhältnissen und waren mit sich und ihrer Situation überfordert. Natürlich brauchen solche Frauen (und Familien) die Hilfe des Staates. Das hat m.M. nach nichts mit „Und jetzt müssen wir uns darum kümmern“ zu tun, sondern mit einer Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber seinen hilflosesten Mitgliedern. Und manchmal ist halt auch eine 20jährige in dieser Situation wahnsinnig hilflos.
Und ein Zusammenhang von Abtreibung und Kindstötung?! Naja, das wurde ja unten schn eingehend diskutiert.
LG
Sonne
P.S.: Kurz vor Weihnachten gab es einen Fall in meiner alten Heimatstadt (nicht bundesweit in den Medien). Ein Kleinstkind war ums Leben gekommen. Natürlich wurde der Fall untersucht. Es fiel gerade in die Zeit, als in Plauen und Darry und Regensburg all diese Sachen passierten. In unserer Region war die Aufregung groß, sofort war von Kindstötung und der bestialischen Mutter die Rede. Es wurde in unseren Lokalmedien extrem aufgeschaukelt. Nach ca. 1 Woche stellte sich heraus, dass das Kind auf natürliche Weise verstorben war. Es hat sich nie jemand bei der trauernden Mutter entschuldigt.
Die Wirkung der Medien ist in solchen Fällen auch zu hinterfragen (Wobei ich nicht sagen will, dass über ‚echte‘ Fälle zu berichten ist.)