Bundesregierung völlig verantwortungslos

Es gibt noch einige andere Einkommensarten, die nicht rentenpflichtig sind.

Das ist doch selbstverständlich. Über diesen einen Punkt brauchen wir nicht diskutieren.

Ja. Gewerbebetrieb (betrifft Personengesellschaften), Land- und Forstwirtschaft, selbstständiger Arbeit und sonstige Einkünfte, was insbesondere Unterhaltsansprüche, Renten und private Veräußerungsgeschäfte betrifft. Für all jene gilt auch das Äquivalenzprinzip.

Gut. Und wo genau siehst Du dann den Befreiungsschlag für die Rentenkassen, wenn wir noch andere Einkünfte in die Rentenkasse einbeziehen? Es entstehen neue Ansprüche bei Beitragspflichtigen, die keine substantiell günstigere Altersverteilung aufweisen als „normale“ Arbeitnehmer (eher im Gegenteil, siehe unten). Mal abgesehen davon, dass ein Gutteil der „neuen“ Rentenbeitragspflichtigen Mitglieder in anderen, berufsständischen Versorgungswerken und Kassen ist, die teilweise eine schlechtere, teilweise eine bessere Absicherung für Alter und Erwerbsunfähigkeit bieten.

Natürlich kann man das alles regeln, aber ich sehe nicht den Vorteil, wenn bspw. Landwirte, Schauspieler oder Ärzte nun in die gesetzliche Rente umgesiedelt werden und die dann zwar neue Einzahler hat, aber eben auch neue sofortige oder zukünftige Rentenbezieher. Gerade bei Landwirten, Anwälten und Ärzten habe ich aufgrund der branchentypischen Demographie ernsthafte und begründete Zweifel daran, dass der Deutschen Rentenversicherung damit irgendwie geholfen wäre. Das Gegenteil wäre der Fall.

ok

Das ist der Punkt, an dem ich mir wünsche, dass Du erklärst, worin Du den Vorteil siehst. Möglicherweise übersehe ich etwas, möglicherweise übersiehst Du etwas. Kann man ja beides nicht ausschließen. Ich habe mich bemüht, auf Deine Beiträge, in denen Du ohne unnötige Spitzen (um „unterkomplex“ mal so zu bezeichnen und nicht als das, was diese Formulierung im Allgemeinen besagt) einzugehen und an den passenden Stellen Fakten und Einschätzungen beigesteuert.

Ich bin mit Dir völlig einer Meinung, dass wir große Probleme bei der Altersvorsorge haben, die sich insbesondere auf die auswirkt, die nicht privat oder anderweitig neben der gesetzlichen Rentenversicherung vorsorgen konnten oder wollten (meist ja ersteres). Der Staatshaushalt geht schon jetzt zu einem nicht unerheblichen Teil in die staatlichen Zuschüsse der Rentenversicherung und dass Menschen, die einen Großteil ihres Lebens gearbeitet haben, am Ende von ihrer Rente nicht ansatzweise leben können bzw. auf zusätzliche staatliche Hilfe zurückgreifen müssen, ist völlig indiskutabel und unwürdig.

Ich bin mir recht sicher, dass wir bei dieser Situationsanalyse einer Meinung sind und auch darin, dass daran etwas geändert werden muss. Bleibt also „nur“ die Frage, mit welchen Maßnahmen das gelingen kann. Auf diese Frage gibt es Antworten mit einem wirtschaftlichen Aspekt und Antworten mit einem politisch-ideologischen Aspekt. Ich bin für alle Antworten offen, die wirtschaftlich Sinn machen. Der politisch-ideologische Aspekt ist mir mittlerweile völlig gleichgültig. Anders, als Du mich einzuschätzen scheinst, bin ich inzwischen weitaus linker als Du möglicherweise in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrgenommen hast.

Wir können gerne alle Einkunftsarten verpflichtend in die Rentenversicherung aufnehmen, wir können Vermögensteuer zur Querfinanzierung einführen oder die Beitragsbemessungsgrenzen bei gleichzeitiger Reduzierung der maximalen Rente erhöhen. Mir ist alles recht, was uns ermöglicht, das oben formulierte Ziel zu erreichen, aber das muss mit den Maßnahmen auch erreichbar sein. Rein politisch-ideologisch motivierte Maßnahmen, die zur Zielerreichung voraussichtlich nicht beisteuern, lehne ich allerdings ab.

Beim Thema (teilweise) anlagefinanzierte Rente möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass die Vermögensakkumulation vor allem dort stattfindet, wo Geld mit Unternehmen bzw. Anlage in Unternehmen verdient wird (also Aktien u.ä.). Natürlich gibt es kurzfristige Rückschläge, gegen die man sich aber absichern kann. Dass so etwas volkswirtschaftlich-gesellschaftlich Sinn macht, beweisen auch diverse Staatsfonds wie bspw. der norwegische. Wie gesagt: die Leute, deren Vermögen am schnellsten wachsen, bekommen das Geld aus Anteilen an Unternehmen. Die Menschen, deren Anteil am gesellschaftlichen Vermögen sinkt, gehen arbeiten und partizipieren an diesen Gewinnen nicht oder allenfalls im Einzelfall und in homöopathischen Dosen. Das finde ich bedauerlich. Wir schauen zu, wie Milliardäre Geld in unvorstellbarer Höhe anhäufen und dabei immer schneller reich werden, während wir hier darüber sprechen, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, noch mit 75 arbeiten müssen oder ihren ohnehin schon niedrigen Lebenstandard deutlich reduzieren bzw. auf weitere staatliche Hilfe zurückgreifen müssen. Finde ich schwierig.

Das ist aber beileibe nicht der einzige Weg, auf den ich mich einlassen würde. Wir können auch gerne darüber sprechen, ob man bspw. nicht auch schon Buchgewinne besteuern könnte, worüber Trevor Noah mal einen ganz hervorragenden Beitrag verfasst hat.

Wie gesagt: ich bin für alles offen, das am Ende zum Ziel führt oder zumindest führen könnte.

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Dann frage doch einfach offen! Zudem will ich mich nicht ins klein-klein mit anderen Vorschlägen begeben. Mir ging es hauptsächlich nur darum, dass eine aktien- oder sonstwie marktfinanzierte Rente eine Luftnummer sein wird. Mit dem Thema hat man sich in den 1950er Jahren eingehend beschäftigt, mehr Nach- als Vorteile erkannt und sich deshalb, evidenzbasiert, auf die Umlagerente geeinigt.

Ich finde das Argument seit mindesten 30 Jahren unterkomplex. Es wird in der Regel als alternativlos in den Raum gestellt, gerne unterlegt durch einen „ihr-seid-alle-doof-Tonfall“ wie gerade neulich bei Merz.

Für die nächsten 30-50 Jahre würde es nach derzeitiger Studienlage die Renteneinzahlung zu Beginn ein wenig senken können, bei gleichzeitiger und gleichbleibender geringer Erhöhung der Auszahlung.
Ja, nur 30 bis 50 Jahre nach derzeitiger Studienlage. Aber das ist zumindest langfristiger als das derzeitige Modell, dass immer nur, ganz vorsichtig und mit Vorbehalt für 3-5 Jahre als sicher erklärt wird.

Aber wie ich auch oben schon schrieb, ist auch das nur ein Teil der Lösung. Man wird unter anderem tatsächlich, je nach Alterserschöpfungsgrad, einen späteren Renteneintritt akzeptieren müssen.
Auch eine Anhebung des Satzes scheint mir nicht völlig ausgeschlossen - aus irgendwelchen (mir scheint ideologischen) Gründen hat man 20% als maximale Belastungsgrenze definiert.
Auch eine Anhebung mit Blick auf die Löhne muss man überdenken. Vielleicht wird eine Anhebung nur anhand der Inflation aushalten müssen.
Vielleicht muss man auch alle Möglichkeiten zum früheren Renten- und Pensionseintritt hinterfragen und nur für einige, wenige Berufe möglich machen.

Es gibt keine einfache Lösung. Nur eine Kopplung wird nachhaltig sein. Aber dass es keine einfache Lösung gibt, gilt eben auch für eine Aktienrente. Und genau das halte ich Propagandisten wie Merz vor: sie haben leicht verständliche, gut klingende, vereinfachte Lösungsmodelle. Oder wie kurz gesagt: unterkomplexe Vorschläge.

Und wie sich Industrie und Dienstleistungen und damit die Arbeitslage in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ändert wird, wie sich klassische Berufe durch Technologien ändern werden, wie sich die Produktivität ändern wird, wo und durch wen sie erarbeitet werden wird, steht noch nicht mal in den Sternen.

„Voraussagen sind schwierig - vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.“

Ich musste mal nachsehen., wie es um dieses Argument steht:

… der, parallel zur umlagefinanzierten Rente, hauptsächlich durch Steuern und Dividenden der staatlichen Ölförderung aufgebaut wurde. Deutschland hat solche Rohstoffreserven nicht. Möglicherweise gewinnbringende Staatsunternehmen wurden privatisiert. Zudem dient der Staatsfond in Norwegen als ergänzendes Stabilisierungsinstrument.

Womit wir noch immer ein Problem für Deutschland haben: entweder wir belasten die Einzahler doppelt oder der Staat verschuldet sich enorm.

Norwegen hat wohl etwa 2 Billionen € angelegt, 327 T€ pro Einwohner, für Deutschland würden das (falls ich mich nicht völlig verrechnet habe) knapp 27 Billionen sein, Dank Lindner will Deutschland bis 2036 200 Milliarden investieren, 0,7%. Black Rock, als weltweit größter Vermögensverwalter verwaltet etwa 14 Billionen. Der Deutsche Staatsfond, 1:1 nach dem norwegischen Modell aufgebaut, würde also knapp doppelt so groß werden wie Black Rock. Was würde das für die Märkte bedeuten, wenn der Staatsfond innerhalb 20-30 Jahren zum, mit Abstand, größten Anleger wird? Wie würde der deutsche Staatsfond Einfluss auf die Unternehmen nehmen? Würden politisch verantwortliche es sich wirklich verkneifen können, die wirtschaftlich verantwortlichen nicht zu bedrängen? Ich denke an Trump und Powell. Aber ich wage mich mit diesem Absatz sehr weit in Gebiet, von dem ich mehr Vorurteile als Ahnung habe.

Doch wenn die Einzahler doppelt belastet werden können, oder der Staat für Soziales starke Schulden machen kann, warum dann nicht das derzeitige System beibehalten?

Und wie hoch werden die Staatsausgaben sein, um stabile Renten zu ermöglichen, damit Marktveränderungen sich nicht auf die Rentner auswirken? (der schwedische Staatsfond verlor 2008 35% an Wert, andere Fonds 20-25%; was passiert mit Menschen, die genau in so eine Krise in Rente gehen? Haben die dann Pech gehabt und bekommen statt 1.500 € nur 1.000 €?)

Ich bleibe dabei: ein Allheilmittel, wie seit 40 Jahren propagiert, ist die Aktienrente nicht - schon gar nicht kurzfristig und als Lösung des „Demographieproblems“. Funktionierende Modelle anderer Staaten lassen sich nicht 1:1 auf Deutschland übernehmen sondern können maximal als Inspiration dienen. Und die potentiell möglichen Probleme könnten dafür sorgen, dass weiterhin viel Geld aus dem Staatshaushalt in Rente und Pensionen fließen müssen. Und bei einem schlimmen Crash mit Totalverlust, wie es die Bismarcksche Aktienrente zweimal erlebte, wird man vielleicht wieder auf die reine Umlage zurückgehen müssen - wie 1952.

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Jede Versicherungsgesellschaft, jede Pensionskasse, jede größere betriebliche Altersvorsorge usw. lebt davon, dass sie zumindest Teile der ihr anvertrauten Beiträge in Aktien, Anleihen, Immobilien und andere Wirtschaftsgüter steckt und damit Gewinne erzielt, die zum Erhalt bzw. zur Steigerung des Kapitalstocks und der zubringenden Leistung im Schadensfall (inkl. Eintritt des Rentenalters) beitragen. Hunderte von Milliarden sind in Spezialfonds (also nur für einen Auftraggeber angelegten Fonds) für Unternehmen, Kirchen und Privatpersonen angelegt und wachsen da still und leise vor sich hin.

Nur bei der staatlichen Rente, die die Altersvorsorge der gesamten Bevölkerung finanzieren soll und nicht nur von ein paar Millionen privilegierten Menschen zu Gute kommt, erwarten wir von einer Generation zur nächsten, dass sie einen erheblichen Anteil ihres Einkommens nicht für ihre eigene Absicherung abgibt, sondern für die der vorherigen Generation, die sowieso schon (über Schulden) auf Kosten der nachfolgenden Generationen gelebt hat. Und das wohlgemerkt in dem Wissen, dass sie selber voraussichtlich länger arbeiten muss und eine geringere Absicherung erhalten wird als die vorherigen Generationen.

Ich finde das unfair.

Natürlich gibt es das Risiko eines plötzlichen und/oder dauerhaften Wertverlustes an Aktien- oder Anleihemärkten. Aber dagegen kann man sich absichern, was die großen Anleger natürlich auch machen. Das frisst einen kleinen Teil der Rendite, aber stellt sicher, dass der eigentliche Kapitalstock nicht angegriffen wird.

Natürlich ist das Konzept der anlagefinanzierten Rente nicht alternativlos. Offensichtlich. Wir leben seit Jahrzehnten in einem alternativen Konzept, nur hat das halt Schwächen, die immer mehr offenbar werden.

Die Studien kenne ich nicht. Vermutlich kommt es auf die Ausgestaltung an, aber angesichts des Äquivalenzprinzips und der Altersstruktur in den erwähnten Bevölkerungsgruppen, erwarte ich da keinen großen Wurf. Aber klar: wenn die Beibehaltung des aktuellen Zustandes bzw. eine leichte Verbesserung das Ziel ist, dann mag das funktionieren.

Das Bundesverfassungsgericht hat mal geurteilt, dass sich der Staat nicht mehr als 50% der Einkommen unter den Nagel reißen darf. Wir sind an einem Punkt, an dem der Staat sich entweder weniger Steuern nehmen darf oder eben bei den KV- und RV-Beiträgen eingreifen muss. Das Problem ist, dass er die Steuereinnahmen braucht, um die Lücken in der RV auszugleichen.

Ich erwähnte den Staatsfonds als Beispiel dafür, dass man mit entsprechend verwalteten Vermögen ohne substantielle Wertverluste auch durch Zeiten mit rückläufigen Aktienkursen kommen kann.

Es ging ja nie darum, dass System komplett auf Anlagefinanzierung umzustellen. So ein System fährt m.W. kein Land der Welt, sondern die Anlagefinanzierung ist eine Säule.

Aber wo wir nun schon gerade bei dem Thema sind: wir zahlen aus öffentlichen Haushalten jährlich ungefähr 120 Mrd. in die Rentenkasse ein bzw. über Grundsicherung, Wohngeld usw. direkt an die Rentner. Von den 120 Mrd. werden zudem noch etliche Milliarden auch noch von den Rentnern über Umsatzsteuer usw. erbracht, die im Gegenzug wieder direkte Hilfe brauchen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wären die 120 Mrd. nicht erforderlich, weil sich das System selbst trägt, dann könnten Steuern gesenkt werden oder man könnte das Geld in die anlagefinanzierte Rente investieren bzw. aufgenommene Kredite/Anleihen für die Anfangsfinanzierung bedienen. Zur Finanzierung eines anfänglichen Kapitalstocks könnte man auch eine Vermögenssteuer erheben, die Erbschaftssteuer erhöhen oder anderswo hingreifen, wo mehr als genug Geld vorhanden ist.

Ich habe das nie als Allheilmittel verstanden, sondern als einen Baustein, der die Probleme entschärfen kann, die u.a. durch die demographischen Veränderungen entstanden sind. Zusätzlich sehe ich halt, wie sich in den letzten 15 Jahren ohnehin schon riesige Vermögen entwickelt haben und das eben dadurch, dass die Vermögen angelegt waren und nicht dadurch, dass andere ultrareiche Menschen für die Versorgung anderer ultrareicher Menschen geschuftet hätten.

Wie ich schon am Rande erwähnte, habe ich neben meiner gesetzlichen Rente noch die ein oder andere private bzw. z.T. arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge laufen. Deren Rendite übersteigt die der gesetzliches um ein Vielfaches und auch in den Zeiten schlecht laufender Kapitalmärkte hat sich an den Hochrechnungen und Renditen praktisch nichts geändert. Wenn ich mich recht entsinne, wurde um 2010 mal vorsorglich die garantierte Rendite um 0,5 Prozentpunkte (also um etwa 12%) reduziert, aber am Ergebnis hat sich dadurch nichts geändert, weil die Rendite dennoch erzielt werden konnte.

Möglicherweise sollte ich noch erwähnen, dass es auch nicht nur um die Anlage in Aktien oder Anleihen geht, sondern auch bspw. in Immobilien. So gehören Versicherungsgesellschaften und andere Kapitalsammelstellen zu den größten Investoren in allen Immobiliensegmenten. Und ja: auch bei den Immobilien gibt es negative Veränderungen bei den Marktbedingungen (also Rendite und Wert), aber diese Risiken werden eben nicht blind eingegangen, sondern beobachtet und es wird darauf reagiert und deshalb sind es eben auch nicht diese Kapitalsammelstellen, die in der jüngsten (und immer noch anhaltenden) Immobilienkrise Geld verloren haben, weil sie mit dem Geld nicht spekulieren und auf den nächstgrößeren Idioten hoffen, der die Immobilie am besten noch in der Bauphase kauft, sondern die auf langjährige Vermietung setzen und so Vermögen einsetzen, um Einkommen zu erzielen.

Mein Wunsch ist, dass davon alle im Alter profitieren können und nicht nur vor allem die Superreichen und Privilegierten. Aber klar: gegen einen Weltkrieg, der zur Rentenreform von 1952 führte, können wir uns nicht absichern. Ein wichtiger Punkt ist allerdings, dass wir das umlagefinanzierte System auch nicht an einem Weltkrieg getestet haben und ich zweifle sehr daran, dass in den Jahren 1943-1950 ein umlagefinanziertes System funktioniert hätte.

Ich glaube, wir werden uns im Kreis drehen. Du hast Deine Meinung, von der Du nicht abrücken wirst, ich meine, von der man mich nur schwer abbringen kann. Es hat den Anschein, als könnten die Argumente des jeweils einen den jeweils anderen nicht umstimmen.

Daher sollten wir diese Unterdiskussion hier vielleicht beenden. Bevor wir noch weiter vom Stock aufs Stöckchen kommen.

Kennt jemand dieses links-links-versiffte Käseblatt:

Man hat den Eindruck, dass so gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz langsam sogar ein Teil der deutschen Konservativen darüber nachdenkt, ob die Unabhängigkeit von Putin, Trump und anderen Öl/Gas-Diktaturen und der Ausbau der günstigsten Energie-Systeme unabhängig von emotionalen Befindlichkeiten nicht gewisse Vorteile mit sich bringt.
Allerdings müsste man dann ja Habecks Wärmepumpe, Windräder und Sonnenenergie akzeptieren, und das ist halt verdammt schwer…

Überschrift: „Sprechzettelministerin“ Reiche: Warum die Industrie sich Habeck zurück wünscht

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Das stimmt. Meine Meinung lautet, dass der aktuelle Zustand der gesetzlichen Rentenversicherung insbesondere im Hinblick auf die Absicherung von Menschen, die zwar ihr Leben lang gearbeitet haben, aber dennoch in Altersarmut leben müssen, absolut indiskutabel und einer selbsternannten sozialen Marktwirtschaft unwürdig ist. Ich bin auch der Ansicht, dass die Last der Versorgung alter Menschen nicht nachrückenden Generationen aufgebürdet werden sollte, die einen zunehmenden Teil ihres Einkommens dafür aufbringen müssen und gleichzeitig länger arbeiten werden müssen.

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass es absurd ist, dass wir dabei zusehen, dass nicht nur ein immer größerer Teil von Einkommen und Vermögen und Einkommen auf immer weniger Personen entfallen und dort der sprichwörtliche Teufel immer größere Haufen produziert. Dort könnte und sollte man zugreifen.

Ich ging eigentlich davon aus, dass Du das ähnlich siehst, habe aber von Dir kein diesbezügliches Signal erhalten.

Stattdessen lese ich bei Dir, dass es ausreichend ist, das Problem geringfügig über zwei Generationen zu reduzieren, indem wir die Zahl der Pflichtversicherten der gesetzlichen Rentenversicherung erhöhen und damit zwar neue Einzahler, aber auch gleichzeitig neue Anspruchsberechtigte produzieren.

Diese Idee spielt mir aufgrund meiner persönlichen Situation in die Karten, weswegen ich damit gut leben kann. Ich persönlich würde halt eher den Reichen und Superverdienenden in die Tasche greifen und auch die Normalbevölkerung an deren Geschäftsmodell partizipieren lassen, aber wie gesagt: ich persönlich fahre mit dem Status Quo mit Abstand am besten.

Ich bin von meiner Meinung über die Jahre schon ganz extrem abgewichen und nun an einem Punkt angelangt, an dem es linker kaum noch geht. Mein Gedanke, die Rente zumindest teilweise anlagefinanziert zu gestalten, entspringt übrigens nicht einer wie auch immer gearteten Meinung, sondern wirtschaftlichen Überlegungen und der Beobachtung der Entwicklung von Einkommen und Vermögen.

Ach, das geht schon. So lange man hartnäckig vor sich und der Welt leugnet, dass es sich bei manchem, was man so umsetzt, um Ideen von Habeck handelt.

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Ich Danke Dir, dass Du Deine Meinung nochmals so ausführlich dargestellt hast. Ich war der Ansicht, dass ich genügend beschrieben habe, in welchen Punkten und warum ich eine andere Meinung habe und wollte deshalb nicht erneut auf die Argumente eingehen, in denen wir unterschiedliche Standpunkte haben.

Da Du mich aber dazu dediziert aufforderst…

Zustimmung

Gegenteilige Meinung. Ich halte eine solche Ansicht für extrem egoistisch. Aus meiner Sicht ein Wesensmerkmal der heutigen Marktwirtschaft. Als politisch Linker halte ich sozialen Ausgleich für eines der wesentlichen Eigenschaften einer Gesellschaft, in der die Menschen gern miteinander leben. Die Abkehr vom Sozialstaat halte ich für eine der Triebfedern des Aufstiegs rechter Kräfte.

Zustimmung.

Vor allem hast Du bei mir lesen können, dass ich nicht sehe, wie eine Kapitalmarktrente das Problem dauerhafter lösen könnte, und vor allem, dass ich noch viele weitere Probleme sehe, auf die mir bisher niemand eine hinreichend gute Antwort geben kann. Aus diesem Grunde halte ich das Modell für eine Luftnummer und werfe den Vertretern, die es immer wieder als alleinige Lösung propagieren vor, dass es ihnen nur darum geht, Gelder in und durch die Märkte zu pumpen.

Wer kann denn sicher voraussagen, wie sich die welche Änderungen Gesellschaft, Industrie und Wissenschaft in 30-70 Jahren möglich sind. 30-70 Jahre voraus zu denken ist zumindest deutlich weiter, als bis zur nächsten Wahl in einen Bundesland oder dem Bund.

Das verstehe ich nicht. Es spricht nichts gegen ein solidarisches System - im Gegenteil -, nur halte ich es nicht für besonders solidarisch, wenn im Zeitverlauf zunehmende finanzielle und soziale „Herausforderungen“ nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden und auch kein erkennbarer bzw. zielführender Versuch unternommen wird, die Lasten für die nachfolgenden Generationen zu mildern.

Eine in Teilen anlagefinanzierte Rente hätte den Vorteil, dass das Geld nicht von Generation jung zu Generation alt umgeschaufelt wird, sondern dass zusätzlich eine Renditefaktor in die Kasse fließt, um den die nachfolgenden Generationen entlastet werden bzw. die Renten aufgestockt werden.

Wenn Du Kursverluste meinst: dagegen kann man sich absichern. Wie gesagt: auch, wenn es einem so nicht ohne weiteres auffällt, funktionieren alle Versicherungen, private und betriebliche Altersvorsorgemodelle so. Sie bedienen Forderungen im Schadens-/Todesfall nicht nur aus den laufenden Beiträgen, sondern in Teilen auch aus durch Anlage der Beiträge erzielte Gewinne. Andernfalls wären bspw. Lebensversicherungen, betriebliche und private Altersvorsorgen genauso unrentabel wie die gesetzliche Rentenversicherungen bzw. im Grunde - nach Inflation und Verwaltungskosten - sogar defizitär.

Ich kann über die Motive von irgendwelchen Leuten nichts sagen und bezweifle, dass man ein Modell so kreieren kann, dass in irgendwelche Märkte gepumptes Geld bei bestimmten Leuten ankommt.

Mal ganz einfach formuliert: man könnte einen Teil der Rentenbeiträge für öffentlichen Wohnungsbau verwenden. Damit kann man eine stabile Rendite von ein paar Prozent erzielen und gleichzeitig die in vielen Gegenden bestehende Bedarf nach „bezahlbarem“ Wohnraum befriedigen. Eine zusätzliche Rendite könnte man dadurch erzielen, dass man einen kleinen Teil (z.B. 10%) der so gebauten Immobilien zu marktüblichen Preisen an wohlhabende Personen verkauft. Genau diesen Ansatz verfolgen kommunale Wohnbaugesellschaften schon heute, nur halt ohne die Rentenkomponente.

Genauso könnte man einen kleinen Teil der Rentenbeiträge dazu verwenden, Kredite bspw. über die KfW an Städte, Bundesländer und den Bund zu vergeben. Die Kosten für Banken und Kapitalmärkte könnte man sich so sparen und die zu zahlenden Zinsen kämen bei praktisch Nullrisiko der Rentenversicherung zu Gute.

o.k. Darf ich annehmen, dass wir über diesen Punkt nicht weiter diskutieren müssen und dass wir einfach akzeptieren, dass der jeweils andere eine andere Ansicht hat? Ich sehe keinen Sinn darin, wenn man immer wieder nur seine Argumente wiederholt.

Genau das ist aus meiner Sicht ein Trugschluss. Entweder

  • baut der Staat einen Kapitalstock auf, wie es derzeit für den Linder-Plan vorgesehen ist, der aus Schulden bezahlt wird → wir alle und auch unsere Nachkommen werden für diese Schulden bezahlen oder
  • wir alle, die wir einzahlen, zahlen doppelt: für die derzeitige Umlage und den Aufbau des Kapitalstocks → wir alle, auch unsere Nachkommen, bezahlen so mehr Geld als heute oder
  • wir lassen die Umlage auslaufen oder mindern sie zumindest stark (wie es Merz mutmaßlich vor der Bankenlobby ankündigte) und bauen den Kapitalstock durch die Einsparungen auf → die Last bleibt die Gleiche, nur dass sich der Topf ändert; alle, die bisher Ansprüche aus dem Umlageverfahren erworben haben (inkl. der 16-jährigen Azubis), werden parallel einzahlen und parallel Geld erhalten - für die nächsten etwa 70 Jahre oder
  • wir machen ein Cut - Rente nur noch aus Steuern (wie schon geschrieben, für die nächsten etwa 70 Jahre (mit abnehmender Tendenz)) und wir bezahlen alle nur noch in den Kapitalstock → Einzahlungen bleiben gleich, Steuerlast steigt massiv an

Wie dem auch sei. Alle Varianten des Aufbaus des Kapitalstocks belasten die heutigen und die zukünftigen Generationen für Jahrzehnte zusätzlich und verschaffen weder mehr Stabilität, noch höhere Renten, noch geringere Lasten. Und das Demographische Problem bleibt: 2,1 rentenbeitragspflichtigen, wirklich einzahlenden, steht 1 Rentner gegenüber.

Dieses ist eines der Kerndilemmata, dass zumindest in meiner Wahrnehmung noch niemand wirklich aufgeklärt hat.

Wenn es einem wirklich darum geht, den Anteil der BIP, den die Kapitalmärkte erarbeiten, stärker der Gesellschaft, statt nur wenigen zugute kommen zu lassen, könnte man andere Mittel ansetzen: echte Umsatzsteuer auf den Handel mit Finanzprodukten; Wiedereinführung einer Vermögenssteuer; Abschaffung von Schlupflöchern in der Erbschaftssteuer; stärkere Kontrolle bei Steuereinnahmen; Abschaffung von Schlupflöchern bei der „Steuervermeidung / Steuergestaltung“. Einen deutlichen dreistelligen Milliardenbetrag könnte Deutschland so jährlich zusätzlich einnehmen. Statt dessen sollen große Vermögen bitte nach wie vor unangetastet bleiben (Neid!!1!!Ellf!) und kleine Vermögen oder gar keine Vermögen einen Großteil der gesellschaftlichen Lasten tragen.

Oder wir beginnen damit, dass ein Teil der Beiträge neu rentenversicherungspflichtiger Menschen von Anfang angelegt wird. Die dadurch entstehende Lücke in der aktuellen Umlagefinanzierung könnte man tatsächlich - und auf einmal gefällt mir der Integration aller Berufstätigen in die DRV Gedanke etwas besser - zum Teil aus den Beiträgen der berufsständischen Versorgungen nehmen, die zum Teil anlagefinanziert sind. Bei denen, die über 50 sind, fällt der Wegfall beim anlagefinanzierten Teil der Versorgung nicht mehr groß ins Gewicht.

Das sehe ich anders und das ist auch keine Meinung, sondern simple Finanzmathematik.

Natürlich bleibt das Problem bestehen, aber es wird dadurch abgemildert, dass neben den umgelegten Beiträgen auch die Gewinne aus der Anlage fließen und sich damit die Belastung für die beitragszahlenden Menschen reduziert bzw. die Rentenauszahlung höher sein kann als das, was die Beitragszahler erwirtschaften.

Was ich ja beides buchstäblich bzw. in ähnlicher Form schon vorschlug. Nur eben nicht mit dem Ziel, die laufenden Ausgaben des Staates zu decken, sondern um damit ein Vermögen aufzubauen, aus dem dann wieder Gewinne an die Versicherten fließen.

Was ja ziemlich genau das Gegenteil von dem ist, was ich hier vorschlage. Darüber, dass Merz in praktisch jeder Hinsicht indiskutable Vorschläge unterbreitet, brauchen wir - glaube ich - nicht zu streiten und darüber, dass aus jeder seiner Fasern und Worte eine tiefe Abneigung und Verachtung für das gemeine Volk tropft, wohl auch nicht.

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Wir dürfen nicht vergessen, dass die Regierung auch von der SPD gestellt wird. Die tragen für alle Entscheidungen Mitveranwortung.

Ich habe mal Perplexity Pro rechnen lassen. Folgende Bedingungen / wünsche

  • Senkung des Betragssatzes um einen Prozenpunkt
  • Kapitalstock wird wie bei Lindner aus Schulden aufgebaut
  • Zinssatz Bundesanleihen 3,5%
  • Netto-Ausschüttungsquote 3 % (so, wie gesetzlich beim norwegische Fond; historisch (1998-2025) wären bis zu 4,3 % möglich gewesen; also weit weg vom 5%-Satz von Lindner)

Das ergibt ein nötiges Anlagevolumen von 550 Milliarden Euro. Wenn man die Rendite und damit die Ausschüttung konservativer mit nur noch 6% bzw. 2,5% berechnet, bräuchte man schon 660 Mrd. €.

Auf diesen Berechnungen beruht der Vorwurf an Lindner, dass sein 200 Mrd. Paket gerade mal 0,3-0,4 Prozentpunkte Entlastung beim Beitragssatz gebracht hätten.

Wollte man statt dessen das Rentenniveau von 48% auf 60% anheben, bräuchte man 3-4 Billionen Euro als Fond. (Bei den 70%, die die Phantasten von der AfD neulich vorschlugen, entsprechen 5-6 Billionen). Wenn man den deutschen BIP dagegensetzt (etwa 4,3 Billionen), müsste man also ein gesamtes Jahreseinkommen der deutschen Wirtschaft anlegen.

Ein bis zwei Prozentpunkte weniger Beitrag sind beim Median-Arbeitnehmer 19-38€ netto mehr pro Monat. Das selbe spart natürlich der Arbeitegeber - bei großen Firmen kommt da ein Bisschen was zusammen.

Aber nochmal: der Lindner-Fond (200 Mrd.) sollte über 10 Jahre hinweg angelegt werden, der norwegische Fond läuft seit 28 Jahren (1,8 Bil. €), ein Ansparen aus Anleihen von vielleicht 600 Mrd. € würde vielleicht 20 Jahre laufen (also grob eine Generation). Erst dann wären wir bei einer Beitragssatzsenkung von 1 Prozentpunkt. Das meinte ich damit, dass das die aktuellen Probleme nicht löst. Aber genau so wird es immer verkauft.

Und es enthält immer noch viele Unwägbarkeiten: wie entwickeln sich die Zinssätze, wie die Renditen? Wird es bald auch in Deutschland Dark Factorys geben, und man muss ohnehin über ganz andere Modelle der Finanzierung der Gesellschaft und der Abschöpfung von Gewinnen nachdenken?

Aber ja, ich habe erkannt: wenn alles positiv läuft, die Märkte und Zinsen über Jahrzehnte stabil bleiben, man viel Geld (gewonnen durch Anleihen) anlegt, und sich darauf vorbereitet, Maßnahmen parat zu haben, falls es mal nicht wie gewünscht an den Märkten läuft kann man in einer Generation entweder den Beitragssatz minimal senken oder die Auszahlung minimal erhöhen. Also heftig viel Aufwand und genügend Risiko für einen kleinen Erfolg.

Ich habe weder etwas mit Herrn Lindner noch mit Herrn Merz zu tun und ich werde bestimmt nicht anfangen, deren Ideen (wenn man das mal so nennen will) zu rechtfertigen, zu erklären oder schönzurechnen.

Wer will denn das?

Das ist keine Voraussetzung für irgendetwas von dem, was ich vorschlug. Nebenbei: die Zinssätze sind einigermaßen irrelevant. Relevant ist der durchschnittlichen Realzinssatz.