Hallo Christian!
Bei den
Verbraucherzentralen kann per :se niemand sitzen, der von :der Materie mehr Ahnung hat :als ein durchschnittlicher :Bankazubi.
Ein paar Unterschiede sehe ich aber doch: Die Angestellten einer Bank, jedenfalls all die Leute, die Tresen und Schreibtische der Filialen bevölkern, bekommen angesagt, was sie zu verkaufen haben. Der Verkäufer im BMW-Autohaus sagt seinem Kunden schließlich auch nicht, er möge zu Audi gehen, weil die das bessere Antriebskonzept haben. Der gemeine Bankangestellte singt selbtverständlich das Lied seines Arbeitgebers. Das ist überhaupt nicht vorwurfsvoll gemeint, es ist vielmehr die Aufgabe des Angestellten, das angestimmte Lied zu singen. Es ist jedenfalls nicht die Aufgabe eines abhängig Beschäftigten, die eigene Komposition zum Besten zu geben. Im Gegensatz dazu ist ein Mitarbeiter einer Verbraucherzentrale deutlich unabhängiger. Verkauf ist nicht seine Aufgabe.
Was die Sachkunde anbelangt, mag es sein, daß bei einer Verbraucherzentrale nicht unbedingt Koryphäen des Finanzwesens sitzen. Möglicherweise bleibt deren Wissen im speziellen Fall sogar deutlich hinter dem eines Bankazubis zurück. Das ist in diesem Zusammenhang aber eher von nachrangiger Bedeutung. Im Grunde reichen zur Beurteilung des Immo-Marktes die eigenen Augen und Ohren. Dazu die Kenntnis, daß in einem Marktsegment Geld nur dann mit Renditeerwartung anzulegen ist, wenn dort auch Geld verdient wird.
Ich verstehe z. B. nichts vom Immobilienmarkt. Ich kann zwar eine kleine Hütte technisch und bauphysikalisch beurteilen und ich bekomme es gewiß auf die Reihe, ein Einzelobjekt, in das ich selbst viel Zeit investiere, auch in schwierigem Umfeld gegen den Trend zu vermarkten. Aber ein größeres Portfolio ist nicht meine Welt. Dennoch traue ich mir in Gegenden, die ich kenne, eine Einschätzung der Marktsituation zu. Das bekommt jeder unabhängige Kopf mit ein paar elementaren Kenntnissen von Marktmechanismen zustande. Die Leute am Kreti&:stuck_out_tongue_winking_eye:leti-Tresen einer Bankfiliale mögen Kenntnisse gleich welcher Art haben, sie sind aber nicht unabhängig. Diese Leute haben im Verkauf nur sehr begrenzte Möglichkeiten, ihren eigenen Sachverstand (falls vorhanden) einzubringen. Sonst müßten sie manchen Kunden zur Konkurrenz schicken, statt der Parole zu gehorchen, dieses und jenes Produkt zu verkaufen.
Ein Mitarbeiter einer Verbraucherzentrale kann genau wie ich durch Schwerin, Hamburg oder Bremen fahren (besser noch mit offenen Augen gehen) und hat dann zusammen mit Ortskenntnissen einen durchaus differenzierten Überblick über die Situation am Büro- und Gewerbeimmobilienmarkt. Dafür braucht man keine Studien und keine Prognosen von Instituten. Hingucken und Bedienen des Taschenrechners reichen.
Als sich die Stadt Bremen und die Dresdner Bank mit 3stelligen Mio-Beträgen im „Space-Park“ engagierten, war schon vor dessen Eröffnung offenkundig, daß das Konzept nicht tragfähig war und mit Kenntnis der örtlichen Immo-Situation war absehbar, daß nichts vermietbar sein würde. Daß der ganze Laden an die Wand fahren wird, schrieb ich schon vor der mit Presse und Fernsehen stattgefundenen Eröffnung. Wer das nicht sieht und mit allgemein zugänglichen Zahlen sowie Anwendung der Grundrechenarten ermitteln kann, dem hilft auch keine Banklehre mehr weiter.
Wer nicht nur auf die Ampeln guckt, sondern auch in die Fenster ab 1. OG aufwärts sieht, muß die vielen toten Löcher und Vermietungsschilder bemerken. Allein in HH stehen Millionen qm leer. In Schwerin sind ganze Straßenzüge ab 1. OG aufwärts mausetot. Etliche Passagen in feinster Lage mit bester Ausstattung entstanden und stehen zum großen Teil leer. An manchen schick gemauerten Säulen finden sich auch edle Messingschilder, denen zu entnehmen ist, wer dort sein Geld Anlegergeld am Markt vorbei verbraten hat. Jeder unvermietbare Quadratmeter drückt das Preisniveau in der Region und macht Renditeversprechen zu Makulatur.
Mehr muß der Mensch von der Verbraucherzentrale gar nicht wissen. Dann braucht er bloß noch die Freiheit, das auch sagen zu dürfen. Genau dadurch unterscheidet er sich vom „Berater“ in der Bankfiliale.
Dabei hält sich mein Mitleid mit enttäuschten Anlegern in engen Grenzen. Das gleiche gilt für Anleger, die sich von Vermögensberatern und Bankern Schrottimmobilen azfschwatzen ließen. Ich werde wohl nie verstehen, wie man auch nur einen einzigen Cent ausgeben kann, weil man dem Geschwätz anderer Leute blind vertraut, statt mit eigenen Augen zu gucken und selbst zu denken.
Es ist lang geworden, aber dies muß noch sein: Ich habe den Eindruck, daß manche Leute in großen Banken inzwischen ausgeblendet oder vergessen haben, wo und auf welche Weise nachhaltig Wertschöpfung zu erzielen ist, so daß sie auf Dauer ihr eigenes edles Ambiente bezahlen können. Allein aus der Finanzierung immer neuer Verwaltungsetagen und Eventparks jedenfalls nicht.
Gruß
Wolfgang