Hallo Susanne,
Vorab: wir reden die ganze Zeit über ein Buch und ich habe es noch nie genannt. Also es geht um „Das Erbe des Bösen“ und der Verfasser ist einen finnischen Schriftsteller namens Ilkka Remes (dtv-Premium- Verlag) Übersetzt von Stefan Moster.
Es ist durchaus möglich, kommt drauf an,
Mittlerweile habe ich zwei hochinteressnte Links lesen können und offenbar es ist tatsächlich so vorgekommen, daß deutsche Wissenschaftler und Techniker, der sich in der Nazi-Zeit sich schuldig gemacht hatten, bekamen ein straffreies Leben mit Arbeit und alles drum und dran und im Gegenzug mußten sie alles ausplaudern, was sie an Kenntnissen hatten.
wurden in dem Roman reale Namen genannt
Also man lies im Buch:
"Anmerkung des Verlags zu den im Roman vorkommenden Figuren
Alle Wissenschaftler auf deutscher Seite sind historische Persönlichkeiten -ausser die Hauptfiguren Ingrid, Rolf, Katharina und Hans. Viele der Nazis sind authentisch und finden sich zum Beispiel in Ernst Klees Nachschlagewerk „Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945“ (Frankfurt am Main, 2005). Alle Angaben zu diesen Personen sind überprüft. Es wird nichts behauptet, was nicht durch mehrere historische Quellen belegt wäre. Das gilt auch für die Wissenschaftler sowie verschiedene Institutionen. Der Autor geht an keiner Stelle über längst Dokumentierte hinaus."
oder irgendwelche Fakten (welche Art von
Experiment genau, einige sind ja durchaus bekannter und andere
weniger), nach denen man die Namen rausbekommen könnte.
Es werden, am Anfang des Buches, recht anschaulich, zwei oder drei Experimente beschrieben (z.B. Mit Luftdruck-Kammern).
Dies
würde wirklich nur einzelne Ärzte betreffen. Vielleicht
bezieht sich der Autor aber auch nur auf den großen Nürnberger
Ärzteprozess, dem diese womöglich entrannen,
Nein. Bis jetzt keine der Figuren ist Arzt.
sondern wie alle
höherrangigen Staatsbediensteten lediglich einige Befragungen
im Rahmen der Entnazifizierung.
Mir scheint es nicht so zu sein.
Ausserdem kann es auch sein, das einige von denen als
Kriegsgefangene behandelt wurden und deshalb quasi als Beute
mit nach USa genommen wurden.
Ja, auch bestimmt möglich.
Ja aber die muss auch jeder für sich ziehen, und diese Art von
„Aufarbeitung“ finde ich ziemlich mangelhaft.
An diese Stelle muß ich etwas betonen: ich kann mir durchaus vorstellen, daß dieses Krankenhaus auch andere Aktionen unternommen hat, um das alles aufzuarbeiten. Ich war rein zufällig Zeuge von einer.
Denn damit ist
doch gar nichts gesagt, ausser dass diejenigen zu jener ZEit
die Klinik leiteten. Die schwarze Querstreife (Trauerflor)
erzeugt sogar eher noch den Eindruck, dass dies womöglich
vertriebene Klinikdirektoren waren…oder waren es doch
Täter… wer sagt das dem unbedarften Betrachter?
Ich vermute (weiß ich nicht), daß allein durch die Nennung der Jahren, in denen diesen Herren seinen Dienst taten, schon auffällig für jederman sein müßte, daß diese Trauerflor (danke für das Wort!) kein Zeichen der Trauer ist. Und wenn man ein bißchen von der Lebenseinstellung der Nazis weiß, wird klar, daß auch wenn diese Direktoren „nur“ Mitläufer gewesen sein mögen -weiß man ja als Betrachter nicht-, sich schon deshalb schüldig gemacht haben, dies nicht zumindest versucht haben, etwas zu unterbinden/mildern (z.B. indem sie vielleicht nicht alle Kranken genannt haben und somit ein paar gerettet werden könnten.)
Die Frage bleibt, haben wir wirklich daraus gelernt?
Da bin ich ganz Deiner Meinung. Wir lernen offenbar nichts von der Geschichte. „Kaum“ ist eine Mauer gefallen (Berlin), schon steht die nächste im Bau (Mexiko-USA); „Kaum“ verbieten wir uns Folter, schon wieder erfahren wir von ebensolche Aktivitäten;…
Für mich ein sehr beeindruckendes Beispiel davon war der Film „Das Experiment“, indem es um einen wahren Experiment ging, wobei unter 20 Menschen 10 gewählt wurden, die man für (ich glaube) insgesamt 10 Tage alle Rechte entnommen wurden. Und die andere 10 dürften auch noch Gesetze bestimmen, egal welcher Art. Zum Schluß waren die alle 20 zusammen in einem dunkeln Raum für die ganze Zeitraum untergebracht. Echt, sehr beeindrückend. Ich weiß nur, daß der Hauptdarsteller war Moritz Bleibtreu. (Evtl sind ein paar Details nicht haargenauso wie ich sie beschrieben habe, aber die Grundlagen waren diese) Als ich aus dem Kino raus kam, war mein erster Gedanken: „Wir Menschen lernen nie“.
Und wenn die Ergebnisse der Studien ignoriert worden wären,
wäre dann die Genetik heute da wo sie nun ist?
Bestimmt nicht. Aber evtl kÖnnte das manche zu der grundlegend falschen Schlußfolgerung leiten lassen: „Also dann wenigstens war es nicht alles für die Katz“ oder „So schlimm kann es ja nicht gewesen sein, daß man jetzt diese Experimente noch nutzt“ oder gar „Mit diesen Experimente und deren Ergebnissen haben sie nicht nur eine Menge an Geld verdient, sondern auch das Leben andere gerettet. Also…“ Alles im allem extrem gefährlich und schlimm.
Aber es geht ja nicht darum, ob wir uns heute noch daran
bereichern, sondern darum ob das Wissen damals von den Amis
als lohnenswerte Kriegsbeute angesehen worden sein kann.
Ich glaube man kann das so auffassen: Sie haben ihren Nutzen davon bekommen.
Und
da es eine Menge Wissen gab, dessen sie habhaft werden
wollten, kann es auch sein, dass sie erst mal gar nicht so
genau schauten, was sie sich da eigentlich einhandelten.
mMn. hast du vollkommen recht.
Und nur dass da ja keine falschen Ideen aufkommen, mir waren
die älteren Studien zur Genetik auch lieber,
Da bin ich mir ganz sicher. Ich vertrete der Meinung, daß es nichts auf der Welt gibt, das mehr Wert ist als ein Menschenleben. Egal was. Egal wo.
bei denen
geschaut wurde, ob Mutationen zB. durch Erschütterungen
hervorgerufen werden, da wurden Eier tagelang bebrütet mit der
neuen Eisenbahn durch die Gegend geschunkelt und geschaut ob
die schlüpfenden Küken dann missgebildet waren. Solche Ideen
erscheinen uns heute genauso schwachsinning, nur nicht ganz so
pervers.
Mehr als schwachsinnig, süß, nett und naiv. Aber so sind imemr alle Grundlagen, bis man davon etwas gelernt hat und eine Stufe weiter hinaufklettert.
Aber man kann halt noch nicht allzulange an isolierten
lebenden Zellen Genforschung betreiben
Mir ist bekannt, daß dies sehr umstritten ist.
(und selbst dafür
müssen heutzutage noch jede Menge Tiere sterben bzw. werden
extra nur dafür gezüchtet)
Ja. Das kenne ich. Aber wie mein Dozent für Urologie sagte: „Wo soll man sonst all diese (später heiss) ersehnten Medikamente probiert werden?“
oder denk nur an Transgene Mäuse
(da werden Gene eines Tieres verändert, damit sie etwas für
den Menschen nützliches produzieren, was für ein Umweg)
Da erinnere mich an ein Bild, das ich mal sah, von einem weißen Maus, alles ganz normal, bis auf der Tatsache, daß der eine menschliche Ohr hatte. Und nur eine und genauso groß wie unsere auch. Und das mußte er schleppen, da angewachsen durch Mutation.
anstatt dass man sich direkt die Kranken Gene des Patienten
vornimmt (also nicht nur schaut, was ist da falsch, sondern
auch schaut wie mans ändern kann, ohne Umweg).
Das wäre natürlich auch was…
Ich mein ich weiß nicht um Welche Versuche es konkret in dem
Buch geht,
Also eben um den o.g. mit Luftdruck und andere. Aber ich habe sie nicht so richtig lesen wollen, da zu grausam.
aber ich vermute mal dass durchaus ähnliche heute
zumindest im Tierversuch stattfinden (bei der eigenen Art ist
man da vorsichtiger geworden, egal wie das Experimemt aussieht
oder wie die Alternative aussieht, zB. Stichwort Embryonale
Stammzellen von überzählichen IVF-Embryos, deren Alternative
die Tonne ist, wenn die Eltern sie nicht aufbewahren wollen)
Soviel ich weiß, in USA wollen diese Experimente mit den embryonalen Zellen doch zulassen. Schauen wir mal, was daraus wird…
Es lohnt sich jedenfalls von der damaligen Situation aus auch
die heutige zu betrachten und sich wirklich mal zu fragen, ob
wir heute in der Wissenschaft wirklich immer ethisch
verantwortungsbewusster sind als damals.
Immer bestimmt nicht. Aber seitdem haben wir auch Menschenrechte und wissen daß das Leben anderer zu respektieren ist.
Aber da sprengt hier dann auch das GEschichtsbrett 
Stimmt! ;o))
Und trotzdem sehr interessant. Dafür vielen Dank!
Schöne Grüße,
Helena