Also: Die „Persönlichkeit (lat. für Maske; Verkleidung, die ‚Leute‘ macht)“ stellt nicht das SELBST („ES“) dar
Das „Selbst“ mit dem „Es“ gleichzusetzen, ist ein ziemlich schlimmer Fehler.
Lieber Branden!
Das müsste davon bedingt sein, wie die beiden Begriffe definiert sind. ‚Das Selbst‘ als erheblichen Fehler zu bezeichnen, deutet vorerst nur darauf hin, dass hier offenbar 2 verschiedene oder gar unvereinbare Definitionen bestehen - mehr ist mir bislang, was die Deine anbetrifft, nicht bekannt. Anschließend also ein Versuch, dem abzuhelfen,und bitte ich Dich, die Betrachtungen, wo möglich, zu korrigieren.
1- Du erklärst den Begriff des „Selbst“ als
eminent wichtig für eine authentische Selbst(!)verwirklichung im Sinne (…) der Jungschen Individuation.
2- bist Du der Ansicht, dieser Prozess lasse sich anhand eines ontologischen Arguments illustrieren/ s. „Werde der du bist!“), das u.a. dem Kontext der nietzeansischen Philosophie (Lehre vom Übermenschen) entstammt.
Gegen Nietzsche bestehen von meiner Seite keine prinzipiellen Bedenken, hinsichtlich Jung kann ich nicht folgen. Dessen Auffassung vom Sein (+ Individuation) scheint mir inkompatibel mit instinktiven Urgrund des Menschen( aller Lebewesen), Nietzsches hingegen nicht, im Gegenteil!
Nietzsches „Werde der du bist!“ - seinerseits der heraklitischen Eu-dämonie/ Lehre vom Glücklich-Sein) entlehnt, läßt sich also sehr gut in Analogie zu einem Worte Freuds setzen: „Wo ES war soll ICH werden/ = das Unbewusst-‚Sein‘ prozessual ‚werdend‘ erlöst aus seiner pathologischen Verdrängung)!“, und dies wiederum deckt sich nun ganz ausgezeichnet mit dem, was ich unter SELBST-verwirklichung verstehe. Das ES (bzw. Selbst nach meiner Definition, nicht der von Jung) bedarf dafür der Mitarbeit durch das ICH…
3-
Ich habe den Eindruck, du verwechselst das SELBST mit dem ES. Deine Beispiele hier führen eher zum ES als zum SELBST. Das ES ist ein weitaus primitiverer Anteil des Menschen als das SELBST.Im ES stecken auch eher die von dir genannten Instinkte.
Das macht nochmals etwas deutlicher, wie unvereinbar Deine ‚Jung’sche‘ und meine ‚Freud’sche‘ Auffassung bezüglich des SELBST sind, wobei ‚Freud‘ (wie) selbstverständlich als „schlimmer Fehler“ erscheinen muss, wenn man ‚ihn‘ aus der Perspektive seines ja nicht ohne Grund dissidenten Schülers betrachtet. Sich geegnseitig Irrtümer vorzuhalten, ohne nähere Begründungen zu liefern, ist frelich infantil, und leider bin ich mit Jungs Lehre bei weitem nicht vertraut genug, seine Aversionen bezüglich Freud zu verstehen. Haben sie mit dem „ozeanischen Gefühl“ zu tun, das - wenn ich mich richtig erinnere - Jung in allen Menschen veranlagt wissen wollte, während Freud gefühlsmäßig keinen rechten Zugang dazu gewann, als Analytiker jedoch im Ozeanischen eine regressive Tendenz des von seinen intrauterinen Wunschphantasien faszinierten ICHs vermutete?

