Ich bin sicher, das das Selbst nicht gemeint sein kann.
Ja, davon ging ich aus.
Folglich meinst Du mit Häuflein Elend wohl die Figur (Person) an sich.
Mit der Person meinte ich die Maske oder Rolle andressierter Selbstsicherheit, die Du dann analog eines bei jeder erstbesten Krise zusammenbrechenden Kartenhauses gesetzt hattest; demnach dürfte das, was bei dessen Zusammbruch als erstes zum Vorschein kommt, zumindest nicht für identisch mit der ganzen Figur/ Person; Maske, Rolle) erklärt werden. Wie fändest Du es, wenn wir das im Zusammenbruch unmittelbar sichtbar - und somit bewusst gewordene Elend als das Fundament der hernach eventuell wieder neu errichteten Selbstsicherheitsrolle definieren würden? Z.B. im Sinn der Minderwertigkeitsgefühle, die Du erwähntest?
Hat diese kümmerliche Figur ein hohes Selbstbewusstsein (Ich, Körper, Seele (-> Gefühle), usw. sind mit dem Selbst verbunden, d.h. unser Protagonist hat auch gleichsam hierüber ein hohes Bewusstsein), so wäre es ihm möglich, trotz seiner vermeintlichen Mängel und Defizite selbstsicher (echt) aufzutreten. Ja! Und das ist gar nicht so abwegig: Der Prozess der Individuation ist ja eben genau der, sich nicht nur über seine Unzulänglichkeiten, Schwächen und Defizite bewusst zu werden, sondern vor allem auch über seine Fähigkeiten und Stärken. Das führt zu der ultimativen Selbstsicherheit (auch wenn Du z.B. körperlich schwerbehindert bist). Öffnen, bewusst machen, zulassen, annehmen. Auch Schwerbehinderte können sehr selbstsicher auftreten und wirklich überzeugen! Das Geheimnis ist tatsächlich, dass sie sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind. Selbstsicherheit meint dann aber wohl noch, dass Du mit all dem, dessen Du Dir bewusst bist, auch sicher umgehen und es einsetzen kannst. Das ist also nochmal eine Stufe weiter.
Könnte man also mit solcher sagen, dass der von einer Krise begleitete Zusammenbruch der Scheinselbstsicherheit ein Art Chance oder Entscheidungsmöglichkeit beinhalte, aus den vorherigen Fehlern zu lernen? So weit ich sehe, gäbe es nämlich für unseren mit genügend Selbstbewusstsein (einschl. Mut) ausgestatteten Protagonisten wenigstens 2 Optionen:
A - befasst sich mit den tatsächlichen Ursachen sowohl des Kartenhauses als auch des durch dessen Zusammenbruch sichtbar gewordenen Elends, so dass in der Tat machbar wäre, sich aufzurappeln/ eine echte Stufe höher zu kommen.
B - strebt an, das alte Spiel erneut zu beginnen, lediglich darüber grübelnd, wie das nächste Kartenhaus krisenfester zu errichten wäre. (Hierebei würde das Selbstbewusstsein mißbräuchlich eingesetzt. Ebenso beim hochintelligent vorbereiteten Suizid - eine scheinbar 3. Option. Sie gehört aber unter [B], so lohnt es wohl nicht, hier weiter zu überlegen…)
Ich glaube wirklich, dass die Seele und das Selbst bei jedem von uns vollkommen ist. Der Körper jedoch nicht. Ebensowenig der Geist und das Ich. Ebensowenig Wesen, Charakter, Persönlichkeit. Und genau hier werden wir bemängelt und kritisiert: Zu dumm (Intelligenz), zu dick (Körper), launisch (Charakter), usw. Aber noch nie ist jemand für sein Selbst oder für seine Seele beleidigt oder gar gemobbt worden: „Dein Selbst ist zu langsam.“ oder „Deine Seele ist aber unförmig.“ - Nein, das gibt es nicht! Ist das nicht schön?
Die Gleichsetzung des Selbst mit der Seele gefällt mir an sich sehr gut, auch scheint die Kritellei an Leib und Geist wohl zu jenem Phänomen gehören, von dem die Minderwertigkeitsgefühle samt ihrer überkompensatorischen Kartenhäuser bedingt sein sollten. Frage wäre nun lediglich, wie die SEELE von Dir definiert wird. Nach dem was Du sagst könnte man meinen: als etwas, das vom Geist und Leib getrennt existiere und/oder betrachtet werden könnte(sollte).
Da die Naturphilosophie - um die Errichtung von Luftschlössern zu vermeiden - darauf besteht, dass Begriffen wie z.B. „die Seele“ etwas Empirisches, Leibhaftiges zugrunde liegen muß, würde ich Dir hierbei, wenn ich solch ein Philosoph wäre - nicht folgen mögen, aber vielleicht verstehe ich Dich nur falsch.