Hi Thomas,
Nur um ein verblüffendes Beispiel zu nennen:
Wenn man z.B. sagt, dass ein radioaktiver Kern innerhalb der
nächsten Stunde mit 50% Wahrscheinlichkeit zerfällt, dann ist
das eine naturwissenschaftliche Aussage.
Wenn man aber sagt, dass er in 35 Minuten zerfällt, dann ist
das eine Glaubensaussage, die nicht mit
naturwissenschaftlichen Mitteln bestätigt oder widerlegt
werden kann.
Beide Sätze sind nicht wirklich naturwissenschaftlicher Natur. Erst wenn ein (im Sinne der Naturwissenschaften anerkannter) Beweis geführt wird, ist es eine gültige Aussage. Wenn also belegt wird, warum der Zerfall mit dieser Wahrscheinlichkeit in dieser Zeitspanne eintritt, dann ist das Naturwissenschaftlich. Ansonsten sind beides Gleubensaussagen.
Aber viele naturwissenschaftliche Aussagen führen einen dahin,
dass man sich fast zwangsläufig mit Philosophie oder Religion
beschäftigen muss.
Die Aussagen selbst führen einen nicht unbedingt dahin. Es ist der Kontext, in den die Ergebnisse der Naturwissenschaft gesetzt werden, die zur Philosophie oder Religion führen. Naturwissenschaft ist neutral.
Ich kenne keinen Naturwissenschaftler, der nicht auch noch
zusätzlich irgendeine Weltanschauung gehabt hätte, aber ich
kenne einige, die denken, dass ihre Weltanschauung
naturwissenschaftlich begründbar wäre.
Meine These ist, dass jede Weltanschauung mit irgendeiner Art Glauben einhergeht. Reines naturwissenschaftliches Denken ist nicht die menschliche Art, weil wir Menschen (glücklicherweise) auch noch Gefühle haben.
Gruss,
Herb

