ich befürchte, man wird wird es
wirklich vielleicht die Zeit der Wegseher nennen.
lol…vielleicht…ok…
ich nehme an, su möchtest unser militärisches „engagement“
erhöhen. dann wird man in zukunft nicht mehr schlecht über die
vergangenheit reden so wie man es heute über die vergangenheit
tut.
ich meine, schließlich kann man 3000 jahre zurückschauen und
sagt immer: nur gut, dass die damals nicht weggeschaut haben.
Oft genug ja, oft genug nein. Ich propagiere gar nicht den Krieg als Mittel zur Lösung aller Konflikte. Wie mehrfach, auch in den anderen Threads erwähnt, ist es a.) eine Frage der Verhältnismäßigkeit und b.) der Optionen. Nur Ignoranz ist keine Option.
Oder, falls
genügend Leute wegsehen wird man es vielleicht auch irgendwann
den Anfang vom Ende der westlichen Kultur nennen.
keine sorge, das schaffen wir auch ohne wegzusehn. imperien
fallen nicht, weil sie pazifistisch werden, sondern weil sie
zu viel geld für kriege ausgeben und das volk dafür zahlt.
Ach ja? Erlaube mir, Dein Geschichtswissen etwas aufzuhellen. Das altsumerische Reich endete mit der Eroberung durch die Gudäer. Eine der Hauptursachen dieser Niederlage war, dass sich die innerhalb des sumerischen Reiches vereinten Stadtstaaten eben nicht einig waren. Ein paar kämpften gegen den Angreifer, der Rest sah weg weil man sich doch wegen der Entfernung recht sicher glaubte. Das Ende sah für alle gleich aus und sowohl die Städte der Verteidiger als auch der Wegseher sind heute Ruinenfelder mit wunderbaren Ausgrabungsmöglichkeiten.
Das Neusumerische Reich, das sich zweigundert Jahre später noch einmal erhob (nachdem die Gudäer aus Uneinigkeit schwach wurden), endete dann durch Einfall der Gudäer, weil es die Sumerer wieder fertig brachten, sich nicht zu verteidigen.
Das zweite Babylonische Reich fiel durch Verrat. Mit anderen Worten, da hatte sich die politische Uneinigkeit soweit fortgesetzt, dass die Perser von einer erbosten Priesterschaft in die Stadt gelassen wurden. Erst mit der Eroberung Alexanders wurde Babylon wieder frei (jedenfalls empfanden das wohl die Babylonier so, denn de facto gehörten sie jetzt einfach zu Alexanders Reich). Unter den Seleukiden verlor die Stadt sukzessive an Bedeutung und wurde irgendwann verlassen. Das Ende kam also nicht durch Krieg sondern einfach dadurch, dass Babylon den Anschluß verpasst hatte und aus dem Dämmerschlaf nicht mehr erwachte.
Ägypten ist ein weiteres nettes Beispiel. Ägypten war unter Tutmosis I zum Neuen Reich erwacht und hat erstmal eine Blütezeit produziert, die in erster Linie durch kulturelle Errungenschaften und erst in zweiter Linie durch militärischer Macht glänzete. Obwohl die Ägypter auch auf diesem Gebiet erfolgreich waren. Aber ab der zweiten Hälfte der Regierungszeit Amenophis III begann sich bereits eine Politik des Friedens um jeden Preis durchzusetzen (vergl. u.a. den Fridenshymnus und den Sonnenhymnus). Das Ganze kulminierte unter Amenophis IV, besser bekannt als Echnaton. Der führte keine Kriege, der kümmerte sich nicht um Wirtschaft, der war eigentlich nur an Religion interessiert. Tut-Ench-Amun und Eje waren dann das Ende der echten 18.Dynastie. Haremhab zählte sich zar dazu, aber das war ungerechtfertigt. Er war in Teilen erfolgreich (sinnigerweise durchaus auch militärisch), zeigte aber auch durch seine Haltung, traditionelle Verbündete im Gefahrenfall im Stich zu lassen an, dass man nicht mehr mit Ägypten rechnen musste. Es ging weiter in den Keller. Erst unter Ramses II gab es noch einmal eine kurze Blüte, aber ab da ging es, ab Ramses III ständig weiter bergab. Die Verwaltung funktionierte, ein Militär existierte nur noch rudimentär. 525 wurde Ägypten, dessen Militär inzwischen nahezu nicht existent war und das seit zwei Jahrhunderten überhaupt keinen Krieg mehr geführt hatte, von den Persern überrollt und Provinz.
Die griechischen Stadtstaaten. Wenn es ein Beispiel dafür gibt, wie sich Uneinigkeit auswirkt, dann wohl Griechenland. Man kämpfte untereinander, man kämpfte mit und gegen Makedonien und oftmals (mit Ausnahme Spartas, das aber in der Endphase keine Rolle mehr spielte) kämpfte man auch gar nicht. Man widmete sich der Philosophie, kümmerte sich um seinen eigenen Kram und vergaß´eigentlich völlig, dass alle Griechen waren. Man war so auf sich selbst konzentriert, dass die Expansion des römischen Reiches gar nicht ins Bewußtsein drang. 200 v.Chr. standen die Römer dann vor der makedonischen Haustür und wurde nach drei Jahren Krieg geschlagen. Trotzdem, es gab an dieser Front noch erheblichen Widerstand und die Römer bekamen das Land bei Weitem nicht unter Kontrolle. Andererseits rief Makedonien vergeblich um griechische Hilfe. Es hielt sich alleine bis 168, als es so vernichtend geschlagen wurde, dass damit die makedonische Geschichte einfach endete. Die anderen griechischen Stadtstaaten, die sich die Militärausgaben gespart hatten und so fleißig weggesehen hatten, wurden danach bis 147 mehr oder weniger widerstandslos in das römische Reich eingegliedert. Weswegen wir 147 v. Chr. als das Ende des Hellenismus in den Geschichtsbüchern finden.
Rom, da wir gerade dabei sind. Mit Marcus Aurelius gab es einen Kaiser, dem es nach einem längeren Frieden und Reduzierung des Militärs in dieser Zeit trotzdem noch gelang, sich Feinden an mehreren Fronten zu erwehren. Das römische Militär hatte zwar an Größe verloren, jedenfalls gegenüber früheren Zeiten, aber es hatte immer noch einen hohen Qualitätsstandard. Vor allem war sich Marcus Aurelius der Tatsache bewußt, dass man im Krieg die Dinge ganz oder besser gar nicht macht. Mit Commodus jedoch begann der Niedergang. Wieder haben wir das Bild einer funktionierenden Verwaltung, eines Innenfokus und eines zerfallenden Militärs (Commodus finanzierte u.a. seine Brot und Spiele Porpaganda mit Kürzungen beim Militär und Besteuerung der Senatorenklasse. Das Militär wurde einfach nur schlechter, die Politiker haben ihn dafür dann später umgelegt). Pertinax tat gar nichts, Didius Julianus spielte Planspiele als der Bürgerkrieg ausbrach. Erst mit Severinus kam wieder ein starker Mann an die Macht. Dessen militärische Basis bestand aber aus Ostlegionen, war also schon gar nicht mehr so richtig an Rom gebunden sondern an die Person des Severinus. Die Bürger in Rom, die seit Commodus schon weggesehen hatten und sich an Brot und Spielen erfreut hatten, mussten feststellen, dass die Republik zu einer Diktatur geworden war. Dennoch, keine vollständige Diktatur, es gelang nie ganz, den Senat zu entmachten. Aber die Senatoren arbeiteten ja auch nicht für Rom sondern für die eigenen Tasche. Es folgen Caracalla, Geta, Macrinus (der Caracalla umlegte und später seine Herrschaft verlor, als er sich als unfähiger Militärführer erwies), Marcus Aurelius Antoninus (auch Elagabel, der Rom zu seiner Partyhauptstadt machte, bemerkenswert durch abosluten Innenfokus und ein paar neue Details in den von ihm geplanten Orgien. Er war es auch, der den syrischen Sonnengott Elagabal zu Sol Invictus latinisierte und so für später schon einmal eine wichtige Grundvoraussetzung für das Chrisntentum schuf - freilich ohne es zu wissen). Mit Severus Alexander wird es richtig putzig, aber der hatte immerhin das Glück gepachtet. Er wagte zwar nicht, seiner Mutter zu widersprechen, aber seine Regierungszeit war weitgehend von Frieden, Verzicht auf Expansion und durchaus auch Verzicht auf jede Einmischung anderswo gekennzeichnet. Das er schwach und ein Muttersöhnchen war, führte zwar dazu, dass sich ein Gegenkaiser (Taurinus) ausrufen ließ, aber der ertrank dann auch prompt beim Beden in einem Fluß. Und als die Perser einfielen, schlugen die Armeen tagelang aufeinander ein, bis so viele Soldaten auf beiden Seiten gefallen waren, dass weder Perser noch Römer sich danach noch offensiv bewegen konnten. In Germanien allerdings, wo er versuchte, die Soldaten gleichzeitig schlecht zu bezahlen, die Ausrüstung zu kürzen und sie in den Kampf zu schicken, weil die Germanen sich angewöhnt hatten, römische Provisnz zu plündern, erwischte es ihn dann. Das Muttersöhnchen hatte sich trotzdem vielleicht noch als der Beste bisher erwiesen weil er nur einfach dumm und rückgratlos war, aber zumindest nicht egoistisch.
Es folgen die Soldatenkaiser, die es schaffen, das Reich noch für einen Weile zu sichern. Aber kulturell ist es zu diesem Zeitpunkt schon tot. Auch wenn es gerade die zum Teil durchaus nicht hoch gebildeten Soldatenkaiser waren, die versuchten, Rom wiederzubeleben, es interessierte sich einfach kein Römer mehr für Rom. Jeder interessierte sich genau nur für sienen eigenen Kram. Mit Philippus Arabs saß zum ersten Mal ein arabisch stämmiger Kaiser auf dem Thron, mit Valerian kam noch mal ein Kaiser an die Macht, der den Zerfall eine Weile aufhalten konnte, aber umkehren konnte er auch nichts mehr. Spätestens ab Aurelian wurden nur noch reine Verteiudigungskriege an den eigenen Grenzen geführt. Diokletian schlug nochmal Wellen, aber das war bereits der letzte Kampf gegen das Christentum, dass danach seine Unausrottbarkeit endgültig unter Beweis gestellt hatte. Konstnatin der Große kämpfte vor allem im Inneren darum, das Reich wieder stark zu machen. Seine Verschmelzung des Christentums mit dem Sol Invictus Kult kann als eine Meisterleistung eines Herrschers gelten, der zwar durchaus die Macht hatte, aber auf einem hohlen Staatswesen saß. Schon Konstnatin II verlagerte die Hauptstadt in den Osten nach Konstnatinopel und die Rolle Roms war zweitrangig geworden. Mit Julian Apostata scheitert nicht nur der letzte Versuch die expandierenden Perser zu stoppen, sondern auch der letzte Versuch, das Christentum zurückzudrängen. Mit Theodosius I war die Macht der Kaiser bereits soweit durch das Christentum eingeschränkt, dass ihn Ambrosius, der Bischof von Mailand zu einem öffentlichen Bußakt zwingen konnte. Bemerkenswert ist hier, dass das Militär seit dieser Zeit weitgehend aus Hilfstruppen bestand, die nur noch teilweise von Rom bezahlt wurden. Das war Folge davon, dass einerseits Römer nur noch spärlich in den Militärdienst gingen, andererseits, dass diese Truppen billiger waren. Sie waren aber auch nicht so diszipliniert und neigten schon mal zu dem einen oder anderen spontanen Blutbad. Mit Theodosius I endet die Einheit Roms. Auf dem Papier bestand das Imperium weiter, aber es gab einen Kaiser in Rom und einen in Konstantinopel. Konstantinopel hielt sich noch lange an der Macht, Rom versank mehr und mehr im Durcheinander, auch wenn es oft genug noch von dem militärisch stärkeren Bruder im Osten verteidigt wurde. Rom war nicht durch seine Kriege gestorben, es starb einen langsamen Tod dadurch, dass über eine sehr lange Zeit hinweg Egoismus und Wegsehen bei Problemen eine Lösung verhinderte. Es starb auch daran, dass es nicht mehr fähig war (eben weil jeder wegsah und sich nur um seinen eigenen Kram kümmerte) eigene Macht zu entwickeln und immer mehr in Abhängigkeit zu Hilfstruppen, wie z.B. Goten geriet, die sich auf römischem Gebiet ansiedelten.
So, das war jetzt sehr lang, aber es zeigt eines. Weltreiche, Kulturen, nicht einmal einzelne Staaten, die sich für wichtig halten, sterben an den Kriegen die sie führen. Nicht einmal an denen, die sie verlieren. Deutschland hat die beiden verheerensten Kriege der Menschheitsgeschichte verloren, aber kulturell entstand nahezu kein Bruch. Den gab es erst, als es politisch unkorrekt wurde, zu sagen, dass man Deutscher ist und dazu zu stehen. Als man, weil es angeblich so unmodern und nationalistisch-revanchistisch war, auf sein eigenes Land stolz zu sein. In der Zwischenzeit ist der Zerfall an vielen Punkten dann so groß geworden, dass es schwer fällt, etwas zu finden, worauf man stolz sein könnte. Ich habs aufgegeben und bin ausgewandert. Deutschland zeigte zu viele Parameter, die wir von anderen sterbenden Kulturen kennen. Überbürokratisierung, Innenfokus Auflösung der Identifikation und eine furchtbar weise Haltung, die alles als böse verurteilt, was der eigenen Bequemlichkeit schaden könnte.
Gruß
Peter B.