Hallo,
doch, so langsam glaube ich tatsächlich, daß die Welt an ihrem Irrsinn untergehen wird.
Denn es geht ja nicht um Frau Ludin, beim Verfassungsgericht und auch bei einer eventuellen Gesetzgebung geht es um Abstraktion, Anwendbarkeit.
Warum, so frage ich mich, glauben auch in diesem Forum einige, weltanschauliche Neutralität bedeutet nicht religiös. Als erstes müßte man wohl anfangen, zu definieren, was denn Religion überhaupt ist. Tatsächlich könnte doch jemand mit seinem unten erwähnte Coca-Cola-Sticker eine Weltanschauung ausdrücken, denn schließlich könnte das ja für den Glauben (!) an den American Way of Life stehen…
Was ist eigentlich, wenn Mode und religiöse Symbolik sich überschneiden. Die jungen Mädchen tragen ja heute an den unpassendsten (so finde ich) Stellen Kreuze zu Schau…
Warum wird gerne mit dem hinter den Kopftuch stehenden Frauenbild argumentiert? Da frage ich mich wirklich, ob alle verrückt geworden sind. Das Kopftuch wird als Unterdrückung angesehen, aber wehe, es sagt mal einer, er findet Bauchnabefrei nicht gut. Was steht hinter dieser Mode für ein Frauenbild? Wenn junge Mädchen, die auf Schulhöfen interviewt werden, erklären, sie bräuchten ihren freien Bauchnabel, um ihre Individualität auszudrücken, wird mir wirklich Angst und Bange! Ich kenne auch Lehrerinnen, die so rumlaufen. Meinen Kindern bringen die also bei, daß die Individualität einer Fau in ihrem Bauchnabel liegt! Was für eine Weltanschauung! Ab zum Gericht!
Irre an dem ganzen ist, daß man niemals verhindern kann, daß Kinder in der Schule mit den Weltanschauungen ihrer Lehrer konfrontiert werden, religiös oder nicht. Das Kopftuch wird mir fast sympathisch, denn da habe ich - vielleicht - wenigstens eine Ahnung, welche Weltanschauung dahinter steht. Selbst hinter Erziehungsmaßnahmen von Lehrern stehen Weltanschauungen.
Machen wir jetzt Gesetze, die per se irgendwas verbieten, können die nur derartig fehlerhaft sein, daß die Hexenjagd freigegeben ist.
Es ist sicher richtig, daß ein Lehrer in besonderem Maße auf dem Boden des Grundgesetzes stehen muß. Ob aber seine Religion ihn daran hindert, kann nur im Einzelfall geprüft werden.
An meiner Schule gab es einen Lehrer, der ganz normal aussah, aus seinem Kirchenaustritt keinen Hehl machte, also weltanschaulich völlig neutral. Trotzdem war er Nazi. Und Geschichtslehrer! Und es war sehr schwer, ihn loszuwerden…
Kurz: Die Welt geht wirklich unter, wenn sie glaubt, Werte (!) wie ds Grundgesetz durch Äußerlichkeiten absichern zu können.
Grüße,
Taju

