Hallo Idomeneo,
Diese Eingangsfrage habe ich nicht als Vorwurf gemeint,
sondern ganz ernsthaft als Frage. Denn Du hast
geschrieben, Du seist mit Deiner gerade heraus gesagten
Meinung bei anderen Menschen bereits öfters „angeeckt“. Du
hast also bereits einige Menschen verletzt und dies in Kauf
genommen.
Nein, Gott sei Dank habe ich niemanden verletzt. Unter angeeckt ist zu verstehen, dass man mich als hirnwixerischen Phantasten abgetan hat, der sich um Dinge den Kopf zerbricht, die absolut nicht relevant sind. Der Mensch bestehe hauptsächlich aus Kopf und alles, was ich mir sonst noch einbilde, ist Spinnerei. Vielleicht ist „angeeckt“ nicht das richtige Wort gewesen.
Und ich finde es schade, wenn Du Dich so schnell zurückziehst.
Du hast weiters geschrieben, jeder hätte die Freiheit, zu
entscheiden, ob er Kinder will oder nicht. Ob er will, das
vielleicht noch. Aber auch abgesehen von den Fällen
medizinischer Unmöglichkeit bestreite ich, daß jemand
tatsächlich so frei darüber entscheiden kann, ob er Kinder
bekommt oder nicht. Was man beobachten kann, deutet nicht
unbedingt darauf hin.
Das Gewicht hat sich leider nach und nach auf die Entscheidung verlagert. Natürlich gehört zu dem ganzen Denkprozess auch die Entscheidung dazu, aber ein wesentlicher Bestandteil meiner Fragen-Denkerei ist: gibt es einen Unterschied am Ende des Lebens (nicht jetzt am Sterbebett sondern am Ende seiner Fruchtbarkeit z.B.) zwischen Menschen, die Nachkommen haben und Menschen, die keine Nachkommen haben.
Eine weitere Frage: wie kommst Du zu der Annahme, kinderlose
Menschen würden gegen Ende ihres Lebens die Tatsache ihrer
Kinderlosigkeit als Defizit erleben?
Durch Beobachtung.
Aber nun weiter:
Nein, sie erleben es nicht als Defizit. Meine Überlegung ist: gibt es ganz insgeheim die Haltung, die Ahnung, das Gefühl: etwas ist nicht ganz, etwas ist nicht rund, was ist es nur? Es ist in den Raum gestellt.
Schau, ich bin umgeben und Menschen, die jenseits der Fruchtbarkeit sind und keine Kinder haben. Ich höre so oft: wenn meine Eltern einmal tot sind, dann komme bald ich. Was bleibt von mir? Der Durchschnittsmensch hat nun mal keine Werke komponiert, Bücher geschrieben oder die Welt verändert.
Andere, die Kinder haben, sagen: und? was habe ich davon?
Dann kenne ich auch genug Menschen, die an der Grenze zum Elternwerden stehen und sich fragen: in diese Welt Kinder setzen? Zahlt sich das aus? Bei steigenden Scheidungsraten? Lasse ich mich überhaupt auf so etwas ein?
Welchen Rat gebe ich den Jungen? Wie tröste ich die Alten?
Um das zu können, muss ich mir erst einmal klar werden: Was macht es mit dem Menschen, ob er nun Kinder hat oder nicht? Macht es wirklich so viel? Was sage ich einer jungen Frau, um die 40, ohne Partner, die ihr Leben davonlaufen sieht? Welche Denkansätze kann ich anbieten? Wie hole ich sie da raus?
Grüße
Irene
Grüße,
I.