Genitiv und christliche Mythologie

Hallo zusammen!

Warum eigentlich werden bei Eigennamen der christlichen
Mythologie andere Genitivendungen benutzt als bei allen
übrigen Namen aus Mythologie und Antike?

Also z.B.

  • „das Leben Jes u“ statt „das Leben des Jes us
    aber nicht „der Aufstand Spartac u“ sondern „der
    Aufstand des Spartac us
  • „Mari ae Himmelfahrt“ statt „Himmelfahrt der
    Mari a“ aber nicht „der Tempel Minerv ae“ sondern
    „der Tempel der Minerv a

Gibt es hierfür eine feste Regel?

Fragt sich Hartmann.

Hallo, Hartmann!

Warum eigentlich werden bei Eigennamen der christlichen Mythologie andere Genitivendungen benutzt als bei allen übrigen Namen aus Mythologie und Antike?

Dem ist nicht so! Man folgt den Gepflogenheiten der Ursprungssprache im Falle ´von Iesus und Spartacus.

Also z.B.

  • „das Leben Jes u“ statt „das Leben des Jes us
    aber nicht „der Aufstand Spartac u“ sondern „der
    Aufstand des Spartac us

Weil der Genitiv von Iesus: Iesuuu (langes u) ist; der Genitiv von Spartacus aber Spartaci. Ich bin sicher, es gab mal Lateinlehrer, die sagten: der Auftand Spartaci versetze die Römer in Panik. => Kubrick, Douglas.

  • „Mari ae Himmelfahrt“ statt „Himmelfahrt der
    Mari a“ aber nicht „der Tempel Minerv ae“ sondern
    „der Tempel der Minerv a

Hier hat es einen anderen Grund. Wenn Genitive der Namen vorgestellt sind, haben sie keinen Artikel; deswegen bekommen sie die Genitivendung, die sie hinter dem Bezugswort, wo normalerweise auch der Artikel steht, (der Tempel DER Minerva) nicht haben.

Die kluge Antwort des Fritz(ens) => Fritzens kluge Antwort!

Das merkt man eigentlich nur bei den Maskunlina.

Bei den Namen aber werden auch die Frauen genitiviert:

Lisas Mutter, Petras Tante aber: die Mutter der Lisa, die Tante der Petra.
Lässt man den Artikel weg, heißt es wieder: die Mutter Lisas, die Tante Petras, aber diese Variante wird nicht oft gebraucht.

Und der Genitiv von Maria ist für einen klassisch gebildeten, lateinsprechenden Humanisten naturlich nicht „Mariens“, sondern „Mariae“. Eben dieser klassisch gebidete Humanist würde sich auch noch was darauf einbilden, wenn er spräche: Minervae Templi sunt alle wunderschön!

Gibt es hierfür eine feste Regel?

Ja! Ich versuchte, sie anzugeben.

Fritz

Hallo Fritz!

Erst einmal meinen herzlichen Dank.

Dem ist nicht so! Man folgt den Gepflogenheiten der
Ursprungssprache im Falle ´von Iesus und Spartacus.

…/…

Ich bin sicher, es gab mal
Lateinlehrer, die sagten: der Auftand Spartaci versetze die
Römer in Panik. => Kubrick, Douglas.

Was nach Deinen Ausführungen dann aber auch genauso richtig wäre wie etwa die „Himmelfahrt Christ i“.
Nur die letzgenannte Form ist gang und gäbe, der "Aufstand Spartac i , selbst bei humanistisch gebildeten Marxisten eher unüblich :wink:
Gibt es da möglicherweise doch einen Zusammenhang zwischen der die Gesellschaft (zumindest historisch über einen sehr langen Zeitraum) prägenden Ideologie/Mythologie/Religion und dem daraus bis heute resultierenden Sprachgebrauch?

  • „Mari ae Himmelfahrt“ statt „Himmelfahrt der
    Mari a“ aber nicht „der Tempel Minerv ae“ sondern
    „der Tempel der Minerv a

Hier hat es einen anderen Grund. Wenn Genitive der Namen
vorgestellt sind, haben sie keinen Artikel; deswegen bekommen
sie die Genitivendung, die sie hinter dem Bezugswort, wo
normalerweise auch der Artikel steht, (der Tempel DER Minerva)
nicht haben.

…/…

Bei den Namen aber werden auch die Frauen genitiviert:

Lisas Mutter, Petras Tante aber: die Mutter der Lisa, die
Tante der Petra.
Lässt man den Artikel weg, heißt es wieder: die Mutter Lisas,
die Tante Petras, aber diese Variante wird nicht oft
gebraucht.

Und der Genitiv von Maria ist für einen klassisch gebildeten,
lateinsprechenden Humanisten naturlich nicht „Mariens“,
sondern „Mariae“. Eben dieser klassisch gebidete Humanist
würde sich auch noch was darauf einbilden, wenn er spräche:
Minervae Templi sunt alle wunderschön!

Was ja aber dann - zumindest formal - ebenfalls korrekt wäre, nur halt genauso unüblich ist, wie die Teilnahme an einer Orgie Messalinae :wink:
Womit ich wieder zu obiger Fragestellung gelange.

Auch wenn Du mir also die Grundstruktur insgesamt klarer gemacht hast, bleiben somit noch ein paar Fragezeichen.

Gruß, Hartmann.

Hallo, Hartrmann.

Du siehst das richtig.

Was nach Deinen Ausführungen dann aber auch genauso richtig
wäre wie etwa die „Himmelfahrt Christ i“.

Das betrachte ich als eine gewollte, stilisierte Alternativbildung. Die übliche ist „Christi Himmelfahrt“.

Nur die letzgenannte Form ist gang und gäbe, der "Aufstand
Spartac i , selbst bei humanistisch gebildeten Marxisten
eher unüblich :wink:

Du triffst den Kopf mit dem Nagel!

Gibt es da möglicherweise doch einen Zusammenhang zwischen der
die Gesellschaft (zumindest historisch über einen sehr langen
Zeitraum) prägenden Ideologie/Mythologie/Religion und dem
daraus bis heute resultierenden Sprachgebrauch?

Sicher hat die stark konservative Grundhaltung der Kirche einen großen Anteil am Gebrauch der antiquiertwn Formen.

Ein anderes Beispiel:
Das „Pater noster“ hieß - entgegen aller deutschen Sprachregeln und obwohl die Lutherischen das längst umgestellt hatten - bis zum Zweiten Vaticanum auf Deutsch „Vater unser“.
Und noch eins:
Im Ave Maria hieß es: „Du bist gebenedeit unter den Weibern …“ als es sonst kaum noch welche gab.

Womit ich wieder zu obiger Fragestellung gelange.

Wenn du mit dem bisher Ausgeführten nicht zufrieden zu stellen bist, kann ich nicht mehr für dich tun.

Auch wenn Du mir also die Grundstruktur insgesamt klarer
gemacht hast, bleiben somit noch ein paar Fragezeichen.

:frowning: Schade. Aber kein Weltuntergang! :wink:

Gruß, Fritz

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Mythologie und Antike?

Eben dieser klassisch gebidete Humanist
würde sich auch noch was darauf einbilden, wenn er spräche:
Minervae Templi sunt alle wunderschön!

Hoppla!
Minervae templa sunt alle wunderschön!
Templum war doch bisher ein Neutrum ?? Wie hiesse der Plural des femininen Tempels „aedes sacra“ ?
Erich

Sorry, Erich,

mein Fehler.
Es muss natürlich „templa“ heißen.

Danke für deine Aufmerksamkeit.
Fritz

Warum eigentlich werden bei Eigennamen der christlichen
Mythologie andere Genitivendungen benutzt als bei allen
übrigen Namen aus Mythologie und Antike?

weil das christentum die „ingroup“ ist und die römer die „outgroup“. für die „eigenen“ götter wird die alte werschätzung natürlich über jahrtausende hinweg beibehalten. die kirchensprache ist das latein. daher haben sich formen wie „mariae“ und „jesu“ bis heute erhalten.

AFAIK gilt: wer diese formen schreibt, drückt damit eine wertschätzung aus. wenn jemand neutral darüber berichtet, würde er es nicht schreiben. vergleiche diese beiden sätze: „… die kirche ist an jenem ort gebaut, wo sich jesu grab befand.“ und „die kirche ist an jenem ort gebaut, wo das grab von jesus christus vermutet wird.“ erster sprachgebrauch innerchristlich, zweiter religionswissenschaftlich.

gruß
dataf0x

christlichen Mythologie

Wieso Mythologie??