Hallo Martin,
Ja, ich meine das so: Die Inkonkretheit der Angst
erzeugt ja ein Verlorenheitsgefühl wie von Dir beschrieben (so
hatte ich die „erste Angst“ dank Deiner Erläuterungen zu
Heidegger auch verstanden!)
das deutet aber auch auf einen Verlust des Gegenteils hin:
d.h. Heidegger muss also sozusagen eine „konkrete
Geborgenheit“ gekannt/wahrgenommen haben.
ja, das ist so. Diese Geborgenheit fand Heidegger für sich selbst in der Natur und dem Heimatgefühl (ein Punkt, den ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, aber das ist ja gleichgültig). Er war - wie gesagt - Professor in Freiburg. Als er 1933 einen Ruf auf einen Lehrstuhl an der Universität Berlin bekam, lehnte er diesen Ruf ab, und zwar öffentlich mit einem Zeitungsartikel „Warum bleiben wir in der Provinz?“, in dem er darlegte, dass die Welt seiner Heimat aus seiner Sicht für ihn und seine Art zu denken notwendig sei. (Die genauen Daten habe ich im Moment nicht im Kopf, aber ich meine - aus der Erinnerung - dass es so gewesen ist, kann es aber im Moment nicht nachschlagen - sorry!). Letztendlich führte diese merkwürdige Naturmystik wohl auch zu seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus, aber das alles kann ich im Moment nicht darlegen. Im Übrigen ist der Streit um Heideggers Rolle im Nationalsozialismus weder entschieden noch überhaupt wirklich angedacht. Dafür müssten erst alle Fakten auf dem Tisch liegen. In der Gesamtausgabe sind aber erst in diesem Jahr wichtige Texte aus dieser Zeit erschienen. Der Streit wird weitergehen. Die Einen werden sagen, er sei Nationalsozialist gewesen, weil seinem System das schon innewohnte, und die Anderen werden sagen, sein Eintreten für den Nationalsozialismus sei ein Irrtum gewesen. Für beides gibt es Argumente. Ich selbst bin der Meinung, dass er mit dem Nationalsozialismus gebrochen hat, indem er 1934 (als Rektor der Universität) seine Ämter zur Verfügung stellte. Aber das ist (m)eine Meinung - mehr nicht. Es bedarf da - wie gesagt - der Untersuchung der Fakten, und die sind wohl noch nicht alle veröffentlicht.
(Vorläufige Standardliteratur: Victor Farías, Heidegger und der Nationalsozialismus, Frankfurt/M. 1989, franz. 1987)
Es bleibt mir noch mitzuteilen, dass ich Anfang nächster Woche
in Urlaub fahre. Vielleicht schaue ich gelegentlich (aber
bestimmt höchst selten) in ein Internetcafé. Wenn nicht, bin
ich erst ab dem 06. Juni wieder erreichbar (für Nachfragen
oder Diskussionen).Danke nochmals und
einen sehr schönen und erholsamen Urlaub wünscht
Vielen Dank für die guten Wünsche.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
))