Hi Malte,
- man glaubt an Gott und es gibt Gott, aber er legt völlig
andere Maßstäbe zur Beurteilung an, als man dachte (= Man hat
leider an den falschen Gott geglaubt)
Das wäre in der Tat eine weitere Möglichkeit gewesen, wenn ich nicht im letzten Posting „Gott“ folgendermaßen spezifiziert hätte:
Wenn man aber -und nur diese Variante ist für eine solches
Modell überhaupt sinnvoll- davon ausgeht, dass die Leitfrage
nicht einfach ist:
Soll ich an Gott glauben?
sondern
Soll ich an einen Gott glauben, der mir Lohn oder Strafe
danach auferlegt, ob ich an ihn geglaubt habe?
Dadurch aber kann diese angeführte fünfte Möglichkeit aus meiner Sicht reduziert werden auf die Kombination von
Möglichkeit 2), wenn diese „anderen Maßstäbe“ bzw. dieser „andere Gott“ mich nicht dafür bestraft an den falschen Gott geglaubt zu haben (dann habe ich geglaubt, was mir aber weder schadet noch nutzt)
und
Möglichkeit 4), wenn dieser „andere Gott“ mich dafür bestraft, an den falschen Gott geglaubt zu haben (dann habe ich zwar an den falschen geglaubt, an den richtigen aber nicht, was mir schadet).
Wenn also Gott dahingehend spezifiziert ist, dass der Glaube an ihn Maßstab seines Entscheidens ist, dann sehe ich keine irreduzible fünfte Möglichkeit.
Davon ab halte ich
- so what; (der Glaube war umsonst, hat aber nicht geschadet)
etwas anders. Ich persönlich finde ein Leben, das am Glauben
ausgerichtet ist - sofern wir das mal auf die herkömmlichen
Varianten beschränken - für einen großen Verlust und sehr
trostlos. Aus meiner Sicht wäre Konsequenz 2 also
„Glaube war umsonst, man hat sich die Zeit auf Erden selbst
versaut“.
Das ist wiederum ein anderer (selbstverständlich berechtigter) Kritikpunkt, nämlich dass -um es ökonomisch auszudrücken- Möglichkeit 2) mit Opportunitätskosten belastet ist.
Aber:
a) es ist wohl eine schwierige Frage, ob ein Leben im Glauben wirklich ein „versautes Leben“ ist (das mag für den einen zutreffen, für den anderen nicht)
und
b) wer nicht von der Nicht-Existenz Gottes zweifelsfrei überzeugt ist, der wird das „versaute (irdische) Leben“ einer möglichen „versauten Ewigkeit“ gegenüberstellen müssen, also letztlich die Opportunitätskosten von Möglichkeit 2) mit möglichen Kosten von Möglichkeit 4) verrechnen müssen.
Diese Kritik mit den Opportunitätskosten ist also keine, die das Schema selbst widerlegen würde, sondern „lediglich“ für die Festlegung der Kosten-Nutzen-Werte in den vier Feldern berücksichtigt werden müsste.
Übrigens: Es dürfte klar sein, dass dieses Schema immer nur demjenigen als Rechenhilfe dienen kann, der immer schon in gewisser Weise gläubig ist (noch bevor er sich also überlegt, ob er glauben soll!), weil er ja damit die Tatsache der Ab-Rechnung bereits voraussetzt;
Viele Grüße
franz
P.S.: Ich habe Pascal aus zwei Gründen hier in die Diskussion eingeführt (abgesehen davon, dass es mir Spass gemacht hat):
- Weil ich zeigen wollte, dass man die Ausgangsfrage auch diskutieren kann, ohne seine eigenen Haltungen zum Glauben heranzuführen und ohne auf Bibelstellen, etc. zu rekurrieren
- Weil ich zeigen wollte, dass man die Ausgangsfrage: „Gibt es Gott“ auch mit der Frage: „Soll ich an Gott glauben“ diskutieren kann, dabei vielleicht sogar die interessanteren Aspekte in den Blick nehmen kann.