Vielleicht nicht ganz unwichtig (etwas lang)
Hallo Armin,
Fazit: Für mich ist, wie es (glaub ich) Marx sagte, Religion
Opium fürs Volk - und dient zur Manipulation der Menschen.
das Zitat heißt nicht „Religion ist Opium für das Volk“, sondern Religion ist „das Opium des Volkes“. Das scheint mir nicht unwichtig zu sein, und ich muss hier - ganz gegen meine sonstiges Gewohnheiten
- Marx in Schutz nehmen. Denn so wie dieses Zitat heute verwendet wird, ist es falsch.
Siehe: http://members.aol.com/ehsdober/reli/marx.html !
Satz I impliziert nämlich, dass dem Volk etwas gegeben wird, um es ruhig zu stellen. Das aber hat Marx gar nicht gemeint. Liest man das Original-Zitat, dann ist Religion bei Marx keineswegs an sich verwerflich:
„Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.
Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“
Hier ist keine Rede von Manipulation durch Religion, sondern hier wird Religion als Ausdruck von Hilflosigkeit begriffen. Ich denke, dass man dass unterscheiden sollte.
Natürlich finde ich es auch positiv wenn sich Leute aus dem
Glauben Trost und Hoffnung holen aber was wird mit denen deren
Hoffnungen sich nicht erfüllen. Die irgendwann mal dastehen
und sich fragen: Wo ist mein Gott eigentlich? Und dann erst
langsam kapieren das sie einer Illusion aufgesessen sind.
In der Regel richten sich religiöse Hoffnungen auf ein Jenseits. Das Diesseits wird als Übergang gesehen. Daher ist die Frage der Theodizee, also der Verteidigung der Religion angesichts der Übel in der Welt, eigentlich eine Frage mit einem falschen Ansatz. Die Antwort von Leibniz, dass nämlich diese bestehende Welt zwar nicht die beste, wohl aber die beste aller möglichen Welten ist, meine ich also als pädagogische Antwort auf eine eigentlich falsch gestellte Frage lesen zu können. Kurz: Wer auf Verbesserungen im Diesseits hofft, fragt eigentlich nicht religiös, sondern eben politisch oder sogar philosophisch.
Jegliche Art von Manipulationen halte ich für gefährlich(ich
denke da auch ans Fernsehen und die Werbung…) Da wir
heutzutage nicht mehr auf die Informationen einzelner oder
weniger angewiesen sind(wie z.B. im Mittelalter) und uns aus
der Vielzahl der Informationen selbst ein Bild machen können,
sollten wir diese Möglichkeiten auch nutzen und uns nicht
irgendwelchen „Führern“ ausliefern.
Es wundert mich, dass du das als Argument bietest. Es zeigt aber meiner Meinung nach nur, dass du das Vorurteil der Religion als Machtinstrument einfach mitschleppst, ohne zu sehen, dass das gar keine religiöse Frage ist. Zudem habe ich das gar nicht behauptet, sondern ich finde es natürlich ebenso selbstverständlich, dass man selbst denkt. Hier sind wir also eigentlich derselben Meinung.
Dennoch überlasse ich es jedem gerne selber wie er/sie es hält
wobei sich mein Respekt(ist nicht ganz das richtige Wort aber
mir fällt kein besseres ein) diesen Menschen gegenüber doch in
Grenzen hält.
Kann man das, was du meinst, vielleicht dadurch ausdrücken, dass du religiöse Menschen für „dumm“ hältst? Das würde mich interessieren, denn wenn das so wäre, könnte man vielleicht denken, dass du von ihnen nicht wirkliches Denken forderst, sondern im Grunde nur ein Nachbeten deiner vorgefassten Meinung über Religion forderst. Das würde mir dann aber nicht berechtigt erscheinen, da du eben aus meiner Sicht wichtige Unterscheidungen einfach ignorierst.
Damit dass ich gesagt habe, dass das Thema eigentlich in die Philosophie gehört, wollte ich den Dialog nicht abbrechen, sondern eigentlich nur auf das Wesentliche beschränken. Ich würde mich also über eine Antwort von dir durchaus freuen.
Herzliche Grüße
Thomas Miller