Hat die Religion das nötig?

Nun ja, Geris, war das jetzt mehr ein Statement in meinem
Sinne?
fragt

Ich weiß nicht, Branden, sags mir. Ich wollte einfach mal völlig menschlich offen sein. Ist das ok für dich?

Hallo Branden,

Mich würde mal interessieren, wie Ihr das seht:
Könnte die christliche Religion auf naturwissenschaftliche
Absurditäten wie die jungfräuliche Empfängnis Mariä und (jetzt
wirds ne Nummer härter:smile: die Auferstehung Jesu Christi
verzichten und allein durch die Werke und Reden Jesu Christi
(weiter)existieren?

kannst Du näher definieren, welche Werke und Reden Jesu Du da im Auge hast?

Sind es Werke wie die Vermehrung von Fisch und Brot?
Das Wandeln auf dem Wasser hast Du ja abgelehnt.
Wie wäre es mit der Auferweckung des Lazarus?

Und seine Reden?
„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit.“ (Joh.6,51)

Ich nehme an, das widerspricht Deiner naturwissenschaftlichen Sicht.

Man kann also entweder alles glauben, was die Evangelien berichten, oder alles ablehnen. Nur das herauslesen, was gefällt, ist unredlich.

Braucht sie die Naivität der ungebildeten
Massen, die nach Magie verlangen oder kann sie allein durch
christliche Werte bestehen?

Die christliche Religion braucht weder Naivität noch Magie. Diese Gruppen sind eher bei den Esotherikern zu finden.

Gruss Harald

Hallo Harald, ich bins, darf ich auch?

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer
von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit.“

Man kann also entweder alles glauben, was die Evangelien
berichten, oder alles ablehnen. Nur das herauslesen, was
gefällt, ist unredlich.

Och, man kann sich das raussuchen, was andere nicht böswillig hinterher reingefieselt haben.

Die christliche Religion braucht weder Naivität noch Magie.
Diese Gruppen sind eher bei den
Esotherikern :smile:
zu finden.

Gar überhaupt nicht sind sie dort, weil es die nicht gibt.
Nicht beleidigt sein! Geris

Moin, moin Branden,

zwar habe ich alle Antworten auf Deine Anfangsfrage gelesen, aber ich komm erst jetzt dazu, selber zu antworten - der Garten war mir an diesem schönen Sommertag wichtiger.
Ich hoffe, trotz meines christlichen Hintergrunds und obwohl meine Antwort von Theologie getränkt sein wird, nicht auf Wohlwollen oder Gnade, sondern ganz einfach auf genaue Lektüre.
Die Theologie ist eine Wissenschaft wie die Psychologie, die Soziologie, die Germanistik oder die Medizin. In dieser Wissenschaft gibt es Standards, die man nicht ungestraft mißachtet. Diese Wissenschaft hat Voraussetzungen, die sie von vornherein benennt; Du mußt diese Voraussetzungen nicht teilen, aber ich hoffe, Du kannst als wissenschaftlich Gebildeter den Schlüssen folgen, die diese Wissenschaft von ihren Voraussetzungen her zieht.

Zur Jungfrauengeburt ist das Wichtigste schon gesagt worden. Sie ist nicht konstitutiv für die christliche Religion, sondern ein antiker Ausdruck für eine bestimmte Qualität, die die frühen Christen Jesus von Nazareth beigemessen haben. Von der Jungfrauengeburt erzählen im übrigen nur Matthäus und Lukas; alle anderen Autoren des Neuen Testaments sind daran nicht interessiert oder kennen sie nicht. Wie diese Vorstellung zustandegekommen ist, wurde in diesem Brett schon mehrfach verhandelt. Dem muß ich nichts mehr hinzufügen.

Die Auferstehung hingegen ist für das Christentum konstitutiv. Ohne sie wäre - da gebe ich Elemelech unumwunden Recht - das Christentum eine Gruppe im Judentum geblieben. Daß Jesus Jude war und vollständig im Judentum gedacht und gelebt hat, hat die Kirche zu ihrem Schaden leider immer wieder vergessen oder verdrängt. Aber das nur am Rande.

Selbstverständlich ist die Auferstehung nicht beweisbar, oder in Deinen Worten „eine naturwissenschaftliche Absurdität“. (Auf das „Credo, quia absurdum“ des Augustin gehe ich jetzt mal nicht ein, obwohl Fritz es ja wieder zitiert hat. Darüber habe ich in diesem Brett auch schon mal was geschrieben; ich tue es bei Bedarf aber immer wieder gern!)
Gleichwohl steht hinter dem Ausdruck „auferstanden“ eine Erfahrung der ersten Jünger. Wir können diese Erfahrung nur noch sehr undeutlich ausmachen, sie wir immer wieder beschrieben als „er wurde gesehen“ oder „er erschien“. Jedenfalls hat diese Erfahrung ausgereicht, in diesen Jüngern die Gewißheit (nicht Sicherheit; oder auf Latein certitudo, nicht securitas!) erstehen zu lassen, daß Jesus nicht tot geblieben ist. Alle Berichte vom leeren Grab und dem Umständen seiner Auffindung sind Illustrationen dieser Erfahrung, denn beweisen konnten auch die Jünger die Auferstehung nicht; sie konnten sie mit den verschiedenen Erzählungen allenfalls illustrieren. Deswegen wäre es auch vollkommen neben der Sache, diese verschiedenen Erzählungen als angebliche historische Berichte gegeneinander auszuspielen.
Damit bin ich schon beim Nächsten: Da die Auferstehung nicht beweisbar war, haben die Jünger sie geglaubt. Diesen Glauben haben sie weitergegeben, haben ihn also erzählen müssen. Solche Erzählungen mußten aber, da es sich ja eben nicht um eine beweisbare Tatsache handelte, eine eigene Sprache finden. Weil die Auferstehung aber ein bis dahin nie erlebtes Ereignis war, hatten sie entsprechende Schwierigkeiten das auszudrücken. Sie hatten ja nur die Worte, die sie kannten. Und deswegen sind die Dinge, die wir im Neuen Testament finden, Deutungen, Deutungen dieser einen Erfahrung. Weil aber die Bibel Gottes Wort (auf welche Art auch immer) ist und Gott sich nicht irren kann, sind diese Erzählungen dann (ich könnte Dir jetzt die geistesgeschichtlichen Hintergründe in epischer Breite dartun, aber das lasse ich mal) als solche historischen Berichte angesehen worden. Als solche sind sie natürlich anfechtbar, und sie sind ja auch schon bald - von Kelsus und anderen - angefochten worden.
Dem gegenüber bleibt aber eins festzuhalten: Es sind Berichte des Glaubens. Der Glaube hat eine eigene Sprache, so wie alle Aspekte der Wirklichkeit - und hier kommen wiederum die Wissenschaften ins Spiel, die diese verschiedenen Aspekte der Wirklichkeit beschreiben und alle eine eigene Sprache haben - eine eigene Sprache erfordern. Die Theologie als die „Wissenschaft des Glaubens“ spricht mithin ebenfalls ihre eigene Sprache. In dieser Sprache sind die Dogmen verfaßt. Dogmen, nicht Axiome, wie ich verschiedentlich gelesen habe, denn Axiome sind voraussetzungslos und selber Voraussetzung. Das sind Dogmen aber nicht; sie sind Folgerungen, sprachlicher Ausdruck gedachter und gedanklicher Wirklichkeit. (Komm jetzt bitte nicht mit dem Gegensatz „gedachte“ und „wirkliche“ oder „wissenschaftliche“ Wirklichkeit - das wäre unter Deiner Würde!)
Ich habe jetzt schon sehr viel geschrieben, deswegen mache ich für’s erste Schluß. Aber nicht, ohne Dir die „Naivität der ungebildeten Massen, die nach Magie verlangen“ in den Hals zurückzustoßen. Deine Frage ist gut, sinnvoll und verlangt eine ernsthafte Antwort - warum qualifizierst Du jede Antwort, die Deinen Erwartungen nicht entspricht (denn Deine Haltung hast Du ja mit diesen Worten mehr als deutlich ausgedrückt!) als dämlich, dümmlich, vorwissenschaftlich, eines gebildeten Menschen nicht würdig ab?
Ich werde meine Antwort bei kleinem fortsetzen: don’t despair!

Gruß - Rolf (der immer noch wissenschaftlich denken kann)

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Jein

Hallo Leuts
Mich würde mal interessieren, wie Ihr das seht:
Könnte die christliche Religion auf naturwissenschaftliche
Absurditäten wie die jungfräuliche Empfängnis Mariä und (jetzt
wirds ne Nummer härter:smile: die Auferstehung Jesu Christi
verzichten und allein durch die Werke und Reden Jesu Christi
(weiter)existieren?Braucht sie die Naivität der ungebildeten
Massen, die nach Magie verlangen oder kann sie allein durch
christliche Werte bestehen?

Worauf sollen dann deine christlichen Werte beruhen?

Nein, sie kommt zumindest nicht ohne Auferstehung aus.
Die Auferstehung ist hierfür auch nicht als stand-alone zu sehen, sondern in der Gesamtheit der Kreuzigung (das Warum!) incl. der Auferstehung.

Zentrale Frage im Christentum ist quasi das „Stellvertretertum“ Jesu für jeden Einzelnen, der dies für sich annimmt.

mipiace

weil es sich ja ganz offenbar um ein gezielt

aufgeblähtes Gerücht handelt.

Na, weil es nach Jesus Tod natürlich sofort Interessengruppen
gab, die seine/ihre Sache weiter voran treiben wollten. Und da
hilft das alte „Er lebt“ immer am besten. Egal, ob es sich um
Jesus oder Che Guevara handelt.

Moin, moin Branden,

eigentlich hatte ich ja die Fortsetzung meines langen ersten Antwort an Dich weiterschreiben wollen, dann aber stieß ich auf diese Debatte hier.

Daß es sich um ein gezielt aufgeblähtes Gerücht gehandelt habe, meine ich oben widerlegt zu haben. Es ist der Ausfluß einer Erfahrung gewesen.
Aber das andere scheint mir bedenklicher (nicht bedenkenswerter!), nämlich daß Du sofort „Interessengruppen“ verantwortlich machst. Dies ist auch eine Art, den Gegner mundtot zu machen: ihn als Agenten irgendwelcher „Interessen“ hinzustellen, und diese Interessen sind natürlich - aber das wird nicht ausgesprochen, sondern nur insinuiert - immer ungut. Das erinnert mich (ich sage nicht, daß Du so strukturiert bist oder dies intendierst) an alle möglichen Verschwörungstheorien, die die Kirche, und hier vorzugsweise die katholische, im Visier haben und ihr nichts anderes zutrauen als das Bestreben, jede wissenschaftliche Wahrheit - und die muß, weil sie wissenschaftlich ist, der Kirche eo ipso unbequem sein - zu unterdrücken. Da ich nicht katholisch bin und auch nie einer „Gehirnwäsche“ (ich sage nicht, daß das zweite aus dem ersten folgt!) unterzogen wurde, weise ich dies für meine, die evangelische, Kirche in aller Form zurück. Es gibt eine erkleckliche Anzahl von evangelischen Theologen, die sich um die gedankliche Durchdringung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse mit theologischen Mitteln und Kategorien bemüht. Anders als theologisch können ihre Mittel nicht sein, denn sie ist als Theologie Wissenschaft und nicht Physik, Chemie, Paläoastronomie oder Ähnliches. Wer allerdings immer noch auf dem erkenntnistheoretischen Stand von Theo Löbsack verharrt, der weder von Theologie noch von den Naturwissenschaften und ihrem Sinn und ihrer Absicht eine Ahnung hat, der schlägt auf ein Phantom und einen Popanz ein. Der sollte sich dann allerdings auch nicht wundern, wenn er weder von der einen noch von der anderen Seite ernstgenommen wird. (Fein, jetzt habe ich endlich mal meinen Seitenhieb gegen Th. L. unterbringen können, der mich schon lange ärgert. Lebt der überhaupt noch?)

Freu Dich, Branden, Du wirst etwas tiefer denken müssen, doch deshalb kein Unfriede! - Rolf

Theologie ist KEINE Wissenschaft.
Hi,
zunächst möchte ich betonen, dass ich deinen Text 2X gelesen habe.
(…)

Die Theologie ist eine Wissenschaft wie die Psychologie, die
Soziologie, die Germanistik oder die Medizin.

Da fängt es schon mal an:
Wissenschaft ist grundsätzlich von neutraler Seite nachprüfbar und auf dem jeweiligen Gebiet „exakt“ und mit definierten Einschränkungen vollständig.

In dieser
Wissenschaft gibt es Standards, die man nicht ungestraft
mißachtet.

Also wirklich! Noch so Einer, der sich sein Viertelwissen über Wissenschaft angelesen hat.

Diese Wissenschaft hat Voraussetzungen, die sie von
vornherein benennt; Du mußt diese Voraussetzungen nicht
teilen,

Rolf, das ist das übliche Ablenkungsmanöver etlicher Kirchenleute, die verzweifelt versuchen, der Theologie in der heutigen Zeit eine inhaltliche Daseinsberechtigung zu geben:
Die „Verwissenschaftlichung“ von Glauben.

aber ich hoffe, Du kannst als wissenschaftlich
Gebildeter den Schlüssen folgen, die diese Wissenschaft von
ihren Voraussetzungen her zieht.

Eben nicht. Wie bei Beat sage ich nur „Ex Falso Quod Libet“.
Die Theologie ist nun mal keine Wissenschaft.
Das wortreiche Gesülze, das nun kommt, kenne ich aus meinem kirchlichen Lebensabschnitt schon von anderen Leuten.
Die hatten zum Teil das Problem, in eine Gedankenwelt jenseits der alltäglichen Realität hineinzulaufen.
Ich habe keine Lust, mich je wieder darauf einzulassen.
Gruss,

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Ich habe keine Lust, mich je wieder darauf einzulassen.

Nun, dann laß es doch!
Aber Deine Vorstellung von Wissenschaft scheint mir doch eine ziemlich enge zu sein. Kann es sein, daß Du nur die Naturwissenschaften zu den Wissenschaften zählst? Wo blieben dann Philosophie, Psychologie, Jura - um nur die paar zu nennen?

Daß Du meinen Text zweimal gelesen hast, finde ich löblich; freilich bin ich nicht ganz sicher, ob ich daraus schließen darf, daß Du ihn verstanden hast.

Auch Gruß

Hi Branden!

Ich halte es für eine der schlimmen Techniken bestimmter
Interessengemeinschaften (dazu würde ich die Kirchen zählen),
Junktor, Phänomene, die man als Metaphern sehen soll, nicht
als solche zu kennzeichnen, sondern im Gegenteil als Dogmen zu
„verkaufen“.

Da stimme ich dir natürlich zu! Außerdem scheint es fraglich, ob sich wirklich Metaphern hinter solchen Dogmen verbergen und dies nicht nur Ausflüchte, Immunisierungsstrategien sind. Was man allerdings differenziert untersuchen sollte. Wenn Dogmen allerdings auf Realrepugnanzen aufgebaut sind, entlarven sie sich früher oder später eh selbst.

Aber WAS für Antworten sind das! Ist es nicht ehrenwerter,n
zuzugeben, man weiß über bestimmte Sachverhalte nicht genug,
als unredliche Dinge zu verkünden?

Natürlich ist das ehrenwerter, aber ist es legitim einem Ertrinkenden den Strohhalm zu entreissen, an dem er hängt? Ich denke da ein gewisses paritätisches Maß, das sich analog zur individuellen Entwicklung bildet, welches den Menschen einen Sachverhalt kritisch überprüfen oder aber „blind“ vertrauen läßt. Wenn du verstehst, was ich meine. Das erschafft sich wie Schlüssel und Schloß!

Gruß
Junktor

Ende und aus.
(…)

Aber Deine Vorstellung von Wissenschaft scheint mir doch eine
ziemlich enge zu sein. Kann es sein, daß Du nur die
Naturwissenschaften zu den Wissenschaften zählst?

Wieso propagierst du so vehement dein Unwissen über Wissenschaft?

Wo blieben
dann Philosophie, Psychologie, Jura - um nur die paar zu
nennen?

Ersteres ist (k?)eine Wissenschaft, wird aber von der Wissenschaft zumindest als „ebenbürtig“ oder „ergänzend“ betrachtet.
2. und 3. sind Wissenschaften.
Das würdest du schon allein daran merken, wenn du mal ein Lehrbuch zu diesen Gebieten oberflächlich durchblättern würdest.

Mich stören 2 Dinge:

  1. Du versuchst unterschwellig, einen Zusammenhang zw. Theologie und Wissenschaft herzustellen,
  2. Deinen Ausführungen „versachlichen“ Glaubensinhalte.
    Das schadet vielen Gläubigen und wirkt lächerlich auf Nichtgläubige.
    Es nutzt also niemandem.
    Ende und aus.

zum Urknall

Die Wissenschaft kann nicht erklären was vor dem Urknall war.

Der Urknall ist der Anfang der Zeit. Den Naturwissenschaftler vorzuwerfen, sie könnten nicht erklären, was vor dem Urknall war, ist geauso albern wie einem Geographen vorzuwerfen, er könne nicht erklären, was nördlich des Nordpols liegt.

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Kontextualisierung…
Hallo Branden,

wie es scheint, hast Du hier in ein ziemliches Wespennest gestochen und es tun sich viele Nebenkriegsschauplätze auf…
Ich habe nicht alle Antworten an Dich gelesen, es sind bereits zu viele und ich glaube kaum, dass der nun folgende Gedanke schon angeführt wurde. Falls doch, entschuldige die Wiederholung.

Mich würde mal interessieren, wie Ihr das seht:
Könnte die christliche Religion auf naturwissenschaftliche
Absurditäten wie die jungfräuliche Empfängnis Mariä und (jetzt
wirds ne Nummer härter:smile: die Auferstehung Jesu Christi
verzichten und allein durch die Werke und Reden Jesu Christi
(weiter)existieren?Braucht sie die Naivität der ungebildeten
Massen, die nach Magie verlangen oder kann sie allein durch
christliche Werte bestehen?

Deine Fragestellung verrät Deinen Beruf, mein Lieber… nicht, dass dies etwas Nachteiliges wäre, doch, es zeigt, dass Du im Moment der Apperzeption einer Frage bereits mit vordefinierten Kategorien der Psychologie an die Sache/den Umstand herantrittst um dann Deine Frage zu formulieren.
Jeder tut das, und manchmal kann daraus eine fruchtbare Fragestellung herauskommen. Doch gerade bei der Theologie führt es meist zu Verwirrung. Und vor allem zu unbefriedigten (oder sehr befriedigten) Fragestellern, die von Theologie Dinge erwarten, die sie nicht liefern kann. Das ist genauso, wie wenn ich von der Psychologie erwarten würde mir zu erklären, warum Adrenalin Herzrasen auslösen kann.

Die Auflösung Deiner Frage (nicht Beantwortung, denn auf diese spezifische Antwort gäbe es nur in einer der Parallelwelten eine Antwort) liefert die historische Kontextualsierung.
Wie sind denn die Dogmen (Unbefleckte Empfängnis, Dreieinigkeit, Transubstantiation etc) entstanden?
Grob gesagt geht es immer um Glaubensstreite, um eine Unzahl an philosophischen und theologischen Streitereien, bis dann schliesslich die katholische Kirche Grundsätze des Glaubens zum Dogma (also zum sine qua non) des katholischen Glaubens erhebt. Dieser Grundsatz gilt bis 1950 (Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel). Es bestand immer ein Anlass oder eine ‚Not‘ für ein Dogma. Und meist gab es dann auch Absplitterungen, von Glaubensgemeinschaften, die dieses Dogma nicht anerkennen wollten.

Was vorher vielleicht Teil des schriftlich überlieferten Mythos war, wird schliesslich zum unumstösslichen Glaubensgrundsatz erklärt und daher auch zu einem Identifikationsmittel (etwas klinisch ausgedrückt). (A)
Mit der ‚Naivität der ungebildeten Massen‘ und ihrem Wunsch nach ‚Magie‘ hat dies wenig zu tun. Denn die ungebildete Masse ist an der Schaffung der Glaubensdogmen nicht beteiligt. (B)
Ob nun der christliche Glauben ohne diese Glaubens-grund-sätze, nur über die Taten und Reden Christi bestehen könnte? Nun, die versammelten Glaubenskongregationen, Konzilsväter und Kirchenväter gingen davon aus, dass dem nicht so sei. ©
Als Thomist gäbe es auf das ‚Warum denn nicht?‘ sogar eine Antwort. Dies würde hier aber zu weit führen.

Abschliessend möchte ich festhalten, dass man über A, B und C im Rahmen des menschlichen Verstandes und sogar losgelöst von der Theologie diskutieren kann. Für Deine Frage allerdings gilt dies nur bedingt: sie zeigt bereits in der Formulierung eine Grundhaltung und weist darauf hin, dass Du bereits eine Antwort für Dich gefunden hast. Wozu brauchst Du also noch die Theologie?

Herzliche Grüsse

Y.-

Christliche Religion ohne Religion?
Hallo Branden,

ich denke, es handelt sich hier wieder mal um eine beliebte Mißinterpration.
Beim Christentum handelt sich NICHT um eine Ethik oder oder eine Philosophie, die beschreibt, wie Menschen besser miteinander leben können. Es ist eine Religion.
http://de.wikipedia.org/wiki/Religion

Es geht um die Anbetung eines höheren Wesens, welches diesen Planeten und das Leben auf ihn geschaffen haben soll.
Wenn dieses höhere Wesen dazu in der Lage war, warum es dann nicht zu solchen „Kleinigkeiten“ wie eine künstliche Befruchtung oder eine Wiederauferstehung in der Lage sein.
Wenn du von natuwissenschaftlicher Absurdität sprichst, meinst du in Wirklichkeit ein Dogma, welches so in den Naturwissenschaften nie formuliert wurde:
„Es gibt keinen Gott, der in diesem Universum eingreift.“

Was die Wiederauferstehung betrifft, so ist sie ein fundamentaler Bestandteil des Christentums. Paulus beschreibt dies hier gut.
1.Korinther 15:32
Wenn ich nach Menschenweise in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft habe, was trägt mir das Gutes ein? Wenn die Toten nicht auferweckt werden, so „laßt uns essen und trinken, denn morgen werden wir sterben“.

Sicherlich gibt es christliche Werte ohne den christlichen Glauben. Der Humanismus dürfte dem nahekommen.
Es ist aber keine Religion mehr, sondern eine Ethik.
Ein Auto ohne Motor, Chassis, Rädern, Radaufhängung, Getriebe, Innenverkleidung, Scheiben und Armaturen ist kein Auto…es ist eine Sofagarnitur.

Insofern lässt sich deine Frage klar beantworten, eine christliche Religion ohne die „Absurditäten“ ist nicht möglich.

Gruß
Carlos

Hallo Geris

Hallo Harald, ich bins, darf ich auch?

aber immer doch :smile:

Man kann also entweder alles glauben, was die Evangelien
berichten, oder alles ablehnen. Nur das herauslesen, was
gefällt, ist unredlich.

Och, man kann sich das raussuchen, was andere nicht böswillig
hinterher reingefieselt haben.

Wie willst Du beweisen, dass dieser oder jener Satz nachträglich böswillig reingefieselt wurde?

Gruss Harald

Weltuntergangsaussagen bei Jesus
Hallo Elimelech.

Nu, ich mag mich irren, aber der findet sich bei Jesus? Wo?

Jeweils das ganze Kapitel.
Matthäus 24
Markus 13
Lukas 21

By the way, glaubst du eigentlich dem Propheten Daniel?

Gruß
Carlos

Hallo Branden

Da haben wir wieder ein klassisches begriffliches Mißverständnis. Ich habe ja nicht „die Wissenschafter“ gemeint, sondern „die Wissenschaften“. Also die Art der Organisation, welche vollkommen analog den kirchlichen Organisationsstrukturen Meinungen als Vermutungen laufend hervor bringen, kurz danach sagen: ab jetzt ist das so und über ihre „Hintermänner“ in der Politik allen anderen diese Vermutungen als „Gesetze“ aufzwingen. Die werden nicht gefragt, ob sie ihr Geld freiwillig z.B. für den Bau von Atombomben abliefern wollen. Das wird ihnen über diese Strukturen genau wie von den Kirchen per Strafandrohung aus der Tasche gezogen.
Und das kreide ich genauso massiv an.
Ich bleibe dabei aber trotzdem, sagen wir, humorvoll.
Grüße
Gert

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Branden,

seit ich über deine Frage nachdenke, komme ich auf keinen grünen Zweig.
Glauben heißt ja, nichts zu wissen. Sobald ich was weiß, glaube ich es nicht mehr, ich weiß es.
Wenn jetzt der Glaube, als Wissen vermittelt wird, wird es sehr schwer, diesen Glauben aufrecht zu erhalten, sobald Wissen eintritt.

Wenn ethnische Grundsätze über den Glauben an einen Gott definiert werden, sind es keine Grundsätze sondern Glaubensfragen.

Mich würde mal interessieren, wie Ihr das seht:
Könnte die christliche Religion auf naturwissenschaftliche
Absurditäten wie die jungfräuliche Empfängnis Mariä und (jetzt
wirds ne Nummer härter:smile: die Auferstehung Jesu Christi
verzichten und allein durch die Werke und Reden Jesu Christi
(weiter)existieren?Braucht sie die Naivität der ungebildeten
Massen, die nach Magie verlangen oder kann sie allein durch
christliche Werte bestehen?

Der Unsinn einer Religion fängt doch dort an, wo man Grundwerte als Glaubenswerte verkauft.
Ich denke jede Religion wird unglaubwürdig, wenn sie sich über Mystik ihr Machtstreben aufbaut. Der Mensch will Wissen, das ist sein bestreben, um möglichst wenig Glauben zu müssen.

Grüße
Kerbi

Hi Yseult!

Mit der ‚Naivität der ungebildeten Massen‘ und ihrem Wunsch
nach ‚Magie‘ hat dies wenig zu tun. Denn die ungebildete Masse
ist an der Schaffung der Glaubensdogmen nicht beteiligt.

Ist sie das nicht? Ich meine doch, passiv zwar, aber immerhin.
Jede Hierachie bedingt apriorisch ein Zulassen oder sogar ermuntern!
Einer gebildeten, kritischen Gesellschaft würde es niemand wagen, einen
„Bären“ aufzubinden!

Im übrigen lese ich deine Beiträge immer wieder mit viel Vergnügen!

Herzliche Grüße
Junktor

Es könnte sehr gut sein, daß diese Absurditäten erst durch die Mißinterpretationen der Nachfolger eines spirituellen Lehrkörpers hineingekommen sind.

Das ist nahezu allen Religionen passiert.

rolf

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Hi Junktor,

Mit der ‚Naivität der ungebildeten Massen‘ und ihrem Wunsch
nach ‚Magie‘ hat dies wenig zu tun. Denn die ungebildete Masse
ist an der Schaffung der Glaubensdogmen nicht beteiligt.

Ist sie das nicht? Ich meine doch, passiv zwar, aber immerhin.
Jede Hierachie bedingt apriorisch ein Zulassen oder sogar
ermuntern!
Einer gebildeten, kritischen Gesellschaft würde es niemand
wagen, einen
„Bären“ aufzubinden!

Sicherlich: in der Realisierung ‚jede Hierarchie‘ trifft Deine Affirmation zu. Im spezifischen Fall der Dogmenbildung allerdings ist der zweite Teil Deiner Affirmation nicht gegeben [---->hier alle Vorurteile über die mittelalterliche Gesellschaft einfügen