Hallo Branden,
nochmal zurück. Deine Frage war, ob Religion „das“ nötig habe. Du hast mir vorgeworfen, unbewiesene Axiome aufgestellt zu haben. Ich will wiederholen, daß ich Religion (im Gegensatz zur Lehre im allgemeinen) als eine menschliche Institution verstehe, die ihre Normen etc. auf einer transzendenten Begründung aufbaut. Dies ist kein theologisch vergiftetes „Axiom“, sondern eine auch von Religionswissenschaftlern anerkannte Minimaldefinition (und ansonsten gibt es dazu eine geradezu unübersichtliche Forschungsdiskussion).
Wenn man Deine Frage also mit „ja“ beantwortet, handelt es sich streng gesehen doch um christliche Lehre, nicht um christliche Religion. Ich habe in meinem ersten Posting betont, daß es durchaus Anhänger der christlichen Lehre gibt. Einer der berühmtesten Kritiker eines „erhöhten“ JEsus, Reimarus (18.Jh.), seines Zeichens Orientalist und ev. Theologe, hat übrigens im Sinne einer „vernünftigen Verehrung Gottes“ die Vorstellung der Auferstehung Jesu abgelehnt. Seine Arbeiten untermauern Deine unten aufgestellte These, denn nach ihm haben die Jünger den Leichnam Jesu gestohlen, um seine Auferstehung zu behaupten, weil sie ein gutes (finanzielles) Auskommen als Wanderprediger gehabt haben.
Es ist lediglich meine Ansicht, daß das Christentum ohne eine transzendente Begründung keine Religion mehr ist.
Ich weiß nicht, was an dieser Feststellung Dich derart in Aufregung versetzt.
Weiter habe ich versucht, aus einer innerchristlichen Perspektive zu erläutern, welche Funktion der Glaube an die Auferstehung hat.
Das hat mir (s.u.) unter anderem den Vorwurf der „schwarzen Theologie“ eingebracht (und ich würde gerne wissen, was das ist).
Habe ich nicht von Anfang an dargelegt, unter welchen Voraussetzungen ich argumentiere? Ich halte es persönlich in einer Diskussion z.B. für angemessen, die Axiome des Denkens deutlich klar zu machen. Ich würde z.B. von Dir gerne wissen, aufgrund welcher Axiome ich von Dir mit einem derartigen Kreuzzug überzogen werde.
Halte ich für völlig aus der Luft gegriffen - zugegeben, aus
der christlichen Luft.
Was doch bedeutet, daß Du diese Annahmen nicht teilen kannst. Das heißt aber nicht, daß sie bei der Frage nach dem Christentum als Religion empirisch falsch sind. Soweit ich weiß arbeitet aber auch die Religionswissenschaft bei der Erfoschung einer Religion zunächst deskriptiv und empirisch. Wenn Du also die lutherische Vorstellung des Zusammenhangs von Tod und Sünde ablehnst, ist das das eine, aber es ändert doch nichts daran, daß das nunmal eines der wichtigsten Axiome lutherischer Konfession ist.
Wenn Du mir jetzt noch erklären könntest, was ein solcher
Gedanke mit „Gehirnwäsche“ zu tun hat, tue das bitte.
Das wird mir mit jedem Posting von Dir eigentlich noch klarer.
Ich habe lange niemanden mehr gehört/gesehen/gelesen, der
dermaßen theologisch indoktriniert war/ist. Ich bin
beeindruckt. Du erinnerst mich an gewisse politisch geschulte
Leute oder Sekten-Angehörige.
Sage ich: Nur wenn Du das glaubst, wirst Du gerettet / bist Du ein guter Mensch / lebenswert o.ä. Mache ich Dir den Eindruck, als wolle ich Dich davon überzeugen, Christ lutherischer Konfession zu werden?
Dann sei geklärt, daß ich das nicht möchte. Du hast eine Frage nach einer bestimmten Weltanschauung gestellt. Du hast oben eine Antwort akzeptiert, nach der „die Kirche“ an ihrer Unfehlbarkeit festhalte. Auch dies ist eigentlich ja eine Argumentation aus der Binnenstruktur der Kirche selbst heraus, auch wenn es von jemanden außerhalb behauptet wurde. Warum hast Du diese Antwort als richtig akzeptiert, meine aber nicht.
das, was wir gängig als wissenschaftliche Beweisführung
ansehen), den Sinn des Ganzen nicht verstanden haben.
Eine der üblichen frontalen Abschmetter-Methoden, wenn einem
nix mehr einfällt. Hier bei www auch schon ein „Klassiker“.
Dich darüber zu beschweren, erscheint mir absurd. Ich habe mich mit obiger Aussage sicherlich frontal gegen Versuche aus christlicher Perspektive gewandt, den Glauben naturwissenschaftlich begründen zu wollen. Die, die das tun, sind dann übrigens i.d.R. der Meinung, daß jeder aufgrund dieser Beweisführung entweder Christ sein muß oder aber dumm/verloren/des Teufels ist. Die Auferstehung Jesu ist weder naturwissenschaftlich noch historisch beweisbar, für mich tatsächlich eine der wenigen unumstößlichen „Fakten“ innerhalb der wissenschaftlichen Theologie. Das ausgerechnet Du mir das vorwirfst, erstaunt mich zumindest.
hilft das alte „Er lebt“ immer am besten. Egal, ob es sich um
Jesus oder Che Guevara handelt.
Elvis nicht zu vergessen:wink:
Ich habe niemand persönlich damit angegriffen. Ich kann ja
wohl noch nach meinem gusto die Gebildeten von den
Ungebildeten trennen.
Sicher kannst Du das. Allerdings fühle ich mich persönlich bei den Vorwürfen der Gehirnwäsche und Indoktrination angegriffen. Eigentlich versuche ich, mit Dir einen „Dialog“ zu führen.
Von meinem ursprünglichen Ziel, zu erläutern, daß m.E. aus der Binnenstruktur des Christentums als Religion heraus der Glaube an die Auferstehung Jesu eine existentielle Funktion hat, bin ich mittlerweile dazu gekommen, lediglich den Versuch zu machen, mit Dir eine Ebene des Dialogs zu finden. Dazu gehört (frei und verkürzt nach Gadamer - kein Theologe!), die eigenen Voraussetzungen und damit Subjektivität offen zu legen und so zu versuchen zu argumentieren, daß der andere den Gedankengang nachvollziehen kann. Wogegen ich mich mit aller Entschiedenheit wehre, ist jedoch der Vorwurf der Indoktrination.
Grüße,
Taju