Hallo Datafox,
das gilt nur für die Dogmatik, in der sich die beiden
christlichen Kirchen eben unterscheiden.
das ist genug für mich
den rest habe ich nie angetastet.
Dogmatik ist nicht gleich, sondern Teil der Theologie. Wenn du die Theologie schlechthin als unwissenschaftlich bezeichnen willst, dann tastest du auch den Rest an, denke ich. Alternativ bliebe nur die Lösung, dass du sagst, dass der Rest aus anderen Wissenschaften besteht. Das wäre zwar zum Teil richtig, aber eben auch nur zum Teil.
Außerdem ist die Konfessionsgebundenheit nicht zwingend.
dann stimmt es also nicht, was ich zitiert habe?
Es ist nicht in erster Linie eine Frage der Fakten, sondern auch eine Frage, der Wertung dieser Fakten.
ökumene von christen war ja auch nicht betroffen, sondern der
taufschein.
Ökomene geht über die christlichen Konfessionen hinaus. Wenn sie sich nur in der Annäherung von kath. und ev. Kirche erschöpfen würde, wäre nicht viel getan. Ökomene zwischen christlicher und jüdischer Religion etwa wäre ein weitere Schritt, der nächste würde dann den Islam mit einbeziehen. Zu fernöstlichen Religionen wäre der Weg noch weiter, aus der Ansicht einiger Ökomene-Theoretiker aber sehr wohl möglich. Wie gesagt: Dass ein Mediziner Professor für Physik wird, ist auch unwahrscheinlich.
Auch das ist nicht ganz richtig, denn ich z. B. habe ja kath.
Theol. studiert, obwohl ich ev. bin
das stand ja auch nicht da, sondern es stand
taufschein. stimmt es nun was da stand oder nicht? ich
habe keine ahnung davon.
Ich weiß es nicht genau, ich vermute einmal, dass es stimmt. Aber es stimmt, wenn es stimmt, nicht aus religösen Gründen, sondern aus quasi „verwaltungstechnischen“ Gründen, wenn ich einmal so sagen darf.
zahnmedizin und psychiatrie sind an der uni selbst erworbene
qualifikationen, während die mitgliedschaft bei einer kirche
ein weltanschauliches bekenntnis ist!
Die Zugehörigkeit zur Kirche ist ja auch nicht die Qualifikation, mit der man Professor wird, sondern es sind die wissenschaftlichen Leistungen, die das möglich machen. Die Konfessin ist zusätzliche Bedingung.
- daß für die zulassung zur professur ein taufschein notwendig ist.
Das mag eben sein, ist aber mehr Verwaltungsakt als Qualifikation. Du machst es nur in deiner Sichtweise zu einer Qualifikation. So ganz kann ich mir das auch nicht vorstellen, denn soweit ich mich erinnere, gab es auch formale Nichtchristen unter den Lehrenden, freilich wenige. (Aber das kann ich nicht genau sagen.)
- ein ungetaufter darf nicht examiniert werden. stimmt’s oder
stimmt’s nicht?
Das ist meiner Erinnerung nach auch fraglich. Jedenfalls kann ich mich an Moslems erinnern, die mit mir zusammen studiert haben. Ob sie examiniert wurden, weiß ich freilich nicht.
es ist absolut in ordnung, wenn kirchen oder sonstige
glaubensgruppen ihre positionen aufwerten, ihren interessen
nachgehen und und und. aber warum theologie an der uni
unterrichten, noch dazu auf kosten der steuerzahler - auch
jener, die nicht getauft worden sind und dort gar nicht
zugelassen wären? das widerspricht sogar dem grundgesetz, das
sagt, daß niemand aufgrund seiner religion diskriminiert
werden darf.
Die Verbindung von Staat und Kirche ist in der Tat ein Problem, allerdings ein anderes, weshalb ich dazu im Moment nichts sagen will, um das Posting nicht aufzublähen. Wichtig aber scheint mir hier zu sein, dass du nicht unterscheidest zwischen Theologie und Kirche. Die Steuerung der Fakultät durch die Kirche ist freilich ein Missstand, der auch der akad. Selbtsverwaltung entgegen steht und der Freiheit der Lehre auch. Aber diese Freiheit der Lehre ist innerhalb gewisser Grenzen durchaus gegeben. Und so wird immerhin gewährleistet, dass zumindest ein gewisser Prozentsatz der Theologen, die dann später in der Kirche arbeiten, wissenschaftlich ausgebildet ist. Das was an der Uni gelehrt wird, ist ja nicht die Priesterausbildung, sondern die schließt sich an das Studium erst an. Das ist wie bei den Diplompsychologen. Die haben zwar schon die eine oder andere Therapie gesehen, aber therapieren dürfen sie erst nach Zusatzausbildung.
nein, dass die Bibel wahr ist, ist kein theologisches Axiom.
warum liest man dann dieses buch und nicht moby dick?
Weil Moby Dick wenig religiöse Aussagen enthält. Die Bibel freilich gilt den wenigsten Theologen als wahr, jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem du das verstehst. Die Bibel gilt den meisten Theologen als historisches Buch, als historische Grundlage ihrer Religion. Evangelikale Gemüter (also Bibelfanatiker) sind vom theol. Studium in der Regel abgeschreckt).
wohl aber etwa für solche Dinge wie
Jungfrauengeburten etc. (wohlgemerkt: dafür UND dagegen, also
diskutierbar, mithin intersubjektiv).
allein die voraussetzung, daß es eine diskutierenswerte frage
sei, ob es jungfrauengeburten gibt oder nicht, ist bereits so
eine konfessionelle und somit unwissenschaftliche bedingung
für das betreiben von theologie 
Die Frage der Denkbarkeit einer Jungfrauengeburt würde in religionswissenschaftlichen Studien gar nicht berührt werden, sie würde nur als Behauptung registriert werden.
Übrigens berufst du dich ja auch auf Kirchenkritiker …
sicher nicht. sondern auf allgemein anerkannte bedingungen für
eine wissenschaft.
Solche allgemein anerkannten Bedingungen gibt es nicht. Die Frage, wo man die Grenze zwischen Wissenschaft und Nichtwissenschaft ziehen will, ist fließend und zwar mit Gründen, aber nur willkürlich gewählt entscheidbar. Ich denke jetzt gerade an den Streit in der Psychologie, ob Psychoanalyse eine Wissenschaft sei oder nicht. Die Psychoanalytiker bejahen das natürlich, andere bestreiten das. Und je nachdem, welches Kriterium man anlegt, steht man auf der einen oder auf der anderen Seite. Genauso ist es bei der Theologie, je nach angelegtem Kriterium ist sie eine Wissenschaft oder eben nicht.
mit kirche hat das nichts zu tun. dieselbe
„kritik“ kriegen von mir auch alle anderen theologien.
Das ist nun wieder erstaunlich, denn deine Kritik trifft eigentlich vor allem die Kirche, nicht aber die Theologie.
Das sehe ich nicht so, denn die Bibel ist ja kein
philosophisches Buch.
sondern? 
Ein Buch, das sich aus sehr verschiedenen Teilen zusammensetzt: Israelitische Geschichte, Prophetengeschichten, Liedersammlungen etc. Philosophisch ist es vor allem nicht, weil es hauptsächlich lehrt und kaum begründet. Begründungen aber sind notwendig, um ein Buch philosophisch zu machen. Ausnahmen sind gewisse fernöstliche „Philosophien“, die dann aber eben keine Philosophien sind, sondern lediglich „philosophie-ähnlich“.
Nein? Hast du schon mal versucht, in einem mathematischen
Seminar die Grundaxiome (Kommunikativgesetz etc.) zu leugnen?
zumindest darf man dran teilnehmen, wenn man das tut.
Du kannst jederzeit an Seminaren der Theologien teilnehmen. Niemand wird dich hinauswerfen, denke ich. Ich vermute, man würde deine Erfahrungen sogar begierig aufnehmen (von Fanatikern spreche ich hier natürlich nicht). Der interreligiöse Dialog ist auf den Universitäten nach meiner Einschätzung sogar auf dem Vormarsch (trotz JP II).
Herzliche Grüße
Thomas Miller