Hitler und seine harte Kindheit

Inwiefern kann man die Tatsache dass Hitler als Kind verpruegelt und geschlagen wurde als „Entschuldigung“ dafuer sehen was fuer ein Mensch er spaeter wurde?

garnicht owT

Moin Helga
Das erinnert mich an den Sketch von „Adolf Tegtmeyer“ alias Jüren von Manger aus den 60er Jahren, wo er vor Gericht sagt, dass er den Mord „mit seiner Hände Arbeit da irgendwie wieder geradebiegen“ möchte. :wink:
Ich meine, du finest natürlich bei allen extremen Persönlchkeiten (Massenmörder etc.) irgendwelche Psychopathologie; oftmals die sogenannten frühen Störungen (also die, die in den ersten 6 Monaten des Säuglings zustande kommen), as da sind: Borderline-Persönl., narzisstisch gestörte Pers., antisoziale Pers.
Gruß,
Branden

Es gibt keine Entschuldigung dafür
Suchst Du eine?

Hallo,

Inwiefern kann man die Tatsache dass Hitler als Kind
verpruegelt und geschlagen wurde als „Entschuldigung“ dafuer
sehen was fuer ein Mensch er spaeter wurde?

Sind zu der Zeit nicht so ziemlich alle Kinder noch verprügelt worden?

Gruß
Didi

Hi,

Inwiefern kann man die Tatsache dass Hitler als Kind
verpruegelt und geschlagen wurde als „Entschuldigung“ dafuer
sehen was fuer ein Mensch er spaeter wurde?

egal um welches Thema es geht: Eine „harte Kindheit“ kann nur als Erklärung, aber nie als Entschuldigung dienen.

Gruß
Cess

Entschuldigung und Erklärung
Hi Cess

egal um welches Thema es geht: Eine „harte Kindheit“ kann nur
als Erklärung, aber nie als Entschuldigung dienen.

Wenn jemand nur sehr langsam gehen kann und sein Fuß gebrochen ist, dann ist der gebrochene Fuß doch sicher eine Erklärung für die Langsamkeit. Ist er aber auch ein Entschuldigung?

Klingt vielleicht wie eine Troll-Frage, aber ich möchte gerne deine Unterscheidung zwischen Entschuldigung und Erklärung verstehen und glaube, dass mir die Analogie helfen kann.

Viele Grüße, Tychi

Hallo Helga,

Inwiefern kann man die Tatsache, dass Hitler als Kind
verpruegelt und geschlagen wurde als „Entschuldigung“ dafuer
sehen was fuer ein Mensch er spaeter wurde?

in ihrem Buch „Am Anfang war Erziehung“ widmet die Autorin Alice Miller (Suhrkamp Taschenbuch, ISBN 3-518-37451-4 Buch anschauen) sich nicht nur der sog. schwarzen Pädagogik (also einer gewalt-orientierten Erziehung), sondern geht auch ausführlich auf die Kindheit von Adolf Hitler ein. Wenn Du Dich also intensiver mit der Thematik auseinandersetzen willst, empfehle ich die Lektüre.

Ich denke, dass die Erziehung (mit Demütigung und Gewalt) leider in damaliger Zeit üblich und weit verbreitet war - in schwächer werdender Form vermutlich bis weit in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Mir ist gottlob kein weiteres Opfer dieser schwarzen Pädagogik bekannt, welches sich so entwickelt und das auch ausgelebt hätte wie Hitler. Insofern mag man die Kindheit Hitlers als Hintergrund und Teil seiner Persönlichkeit (-sentwicklung) betrachten, eine wie auch immer geartete Entschuldigung kann es m. E. nicht sein.

Schuld und Klarheit
Hi Tychi

ich möchte gerne
deine Unterscheidung zwischen Entschuldigung und Erklärung
verstehen und glaube, dass mir die Analogie helfen kann.

Entschuldige, dass ich einspringe, ich kann es erklären. :wink:
Ich hab da gerade ne Idee. *g*
Der mit dem kaputten Fuß kann ja ncht schneller vorwärts - es sei denn, er nimmt en Taxi- also würde ich das e h e r als Entschuldigung ansehen, obwohl…wiegesagt: das Taxi…nun ja, aber deine Unterscheidung führt uns philosophisch denkende Menschen natürlich sofort in die berüchtigte Frage, inwieweit wir (immer? meistens?) eine E n t s c h e i d u n g s f r e i h e i t haben.
Die Gutachter und Richter müssen ja auch imme entscheiden: Ist der Täter (noch) zurechnungsfähig oder nicht? Vielleicht wärs ein Grenzfall bei Hitler, da er ja eine ziemlich paranoide Vorstellung von der Macht und der Schädlichkeit des Weltjudentums hatte; letztlich wäre er aber wahrscheinlich von einer Psychose freigesprochen worden und damit eben genau n i c h t freigesprochen worden, denn er hätte ja anders entscheiden können. Er hat ja keine Stimmen gehört, die ihm befahlen: „Lösch das jüdische Volk aus.“
Gruß,
Branden

Hallo,

wenn jeder der als Kind geschlagen wurde, jeder der ein Scheidungskind war, jeder der in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen musste, später ein Massenmörder würde, dann könnte ich das hier nicht mehr schreiben, weil mich schon lange jemand umgebracht hätte.
Vielleicht wäre ich dann selbst schon zum Mörder geworden.

Es ist mir durchaus bewußt, dass Kindheitserlebnisse traumatisch werden können, aber jeder ist seines Glückes Schmid.

Die „unglückliche Kindheit“ ist ein beliebtes Argument von Strafverteidigern.

Ich bin aber der Meinung,dass jeder mit einem bestimmten Grundcharakter geboren wird. Erziehung kann dann sowohl gute wie auch schlechte Eigenschaften fördern.

Das Gegenmodell ist für mich das, in besten Verhältnissen aufgewachsene Pfarrerstöchterlein Gudrun Ensslin.
Warum wurde die zur Terroristin? Bestimmt nicht wegen der unglücklichen Kindheit.

Gruß
Lawrence

Hi,

Wenn jemand nur sehr langsam gehen kann und sein Fuß gebrochen
ist, dann ist der gebrochene Fuß doch sicher eine Erklärung
für die Langsamkeit. Ist er aber auch ein Entschuldigung?

nur, wenn der Betroffene sich nicht darauf ausruht und nicht daran arbeitet, den Fuß wieder gesund zu bekommen. Sobald er aber den gebrochenen Fuß nutzt, um dauerhaft langsam zu sein und daraus Vorteile zu ziehe, ist es keine Entschuldigung mehr.

Klingt vielleicht wie eine Troll-Frage, aber ich möchte gerne
deine Unterscheidung zwischen Entschuldigung und Erklärung
verstehen und glaube, dass mir die Analogie helfen kann.

Vielleicht konnt ich es ein bisschen klären?

Ich meine, dass es viele Menschen gibt, die das eine oder andere Schlimme in ihrem Leben erlebt haben. Die einen „nutzen“ das Erlebte, um selber anderen Schlimmes zuzufügen, andere erkennen ihr Problem und arbeiten daran, um es besser zu machen.

Nicht jeder, der eine Kindheit wie Hitler oder möglich eine schlimmere hatte, wird wie Hitler. Weil der Mensch einen freien Willen hat, den freien Willen, wie er mit seinen Erfahrungen umgeht.

Gruß
Cess

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Er hat ja keine Stimmen gehört, die ihm
befahlen: „Lösch das jüdische Volk aus.“

Hallo Mr. Branden,

das wissen wir ja nicht.

So eine ungeheure Absicht, (wer „Mein Kampf“ gelesen hat oder die Kerninhalte kennt, weiß, wie dies von Anfang an geplant und ersehnt war) kommt doch nicht von alleine. Das wächst hingegen in fixen Ideen und Visionen, die sich gegenseitig befruchten. Mit dem Zutun von externen weiteren Meinungsbildnern. Und auch dann greift irgendwo ein Mechanismus ein, der einem Menschen sagt „Hey, das kannste doch einfach nicht bringen!“, um es salopp zu formulieren.

Selbst wer z.B. mal von einem Rumänen oder Russlanddeutschen zusammengeschlagen oder beraubt wurde, und eine Zeitlang einen Groll gegen alle Mitglieder dieser Gruppen hegt, kommt doch irgendwann zu der vernunftgesteuerten Aufassung, dass 99,9% der Rumänen und Russlanddeutschen rechtschaffende Bürger sind.

Ferner ist die Figur „Hitler“ stets nicht alleinstehend zu betrachten.
wer ihn

  • aufgebaut
  • gefördert
  • hofiert
  • bezahlt
  • in seinen Ideen bestärkt
  • geduldet
  • nicht gebremst oder zurückgepfiffen
  • nicht beizeiten kaltgestellt

hat, ist mindestens genauso schuldig.

M

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Hallo,

war Hitler denn eine schlechter Mensch?
Die Frage mag provokativ sein, aber von seinen Zeitgenossen in Deutschland wurde er nicht als böser Mensch gesehen sondern stattdessen glorifiziert, fast als eine Art Gott betrachtet.

  • Er war ein fanatischer Nationalist. Das war und ist nichts ungewöhnliches.
  • Er war Rassist. Das war zu seiner Zeit der Normalfall, überall auf der Welt.
  • Er war Antisemit. Auch das war zu seiner Zeit was völlig Normales.
  • Er war ein Militarist und bereit nationale Interesse mit Gewalt durchzusetzen. Wieder etwas völlig Normales.

Was unterscheidet das Hitler-Regime von anderen faschistischen oder kommunistischen Regimen? Es war die Paarung von extremer Radikalität und deutscher Effizienz und Gründlichkeit.

Hitler hatte es vom Obdachlosen zum Oberhaupt eines Industriestaates gebracht. Also ein fantastischer Aufstieg.
Er hat ein Programm zu Papier gebracht und, als er an der Macht war, konsequent an seiner Verwirklichung gearbeitet. Er hat also seine Wähler nicht getäuscht.

Das Problem an Hitler waren die Werte, die er vertrat. Und diese Werte spiegelten die Werte der Bevölkerung wieder. Die Kindheit eines einzelnen Menschen ist dabei irrelevant.

Gruß
Carlos

Hallo Carlos,

Deine Ausführungen mögen im Kern zutreffend sein und sogar manchen logisch erscheinen - kein anderer Mensch (aus Hitlers Generation bzw. aus früheren oder apäteren) hat das so brutal und menschenverachtend (nicht nur bezüglich jener nach seiner wirren Idiologie lebens-unwerten, sondern auch die vermeintlich besseren) rücksichtlos verfolgt, missbraucht und letztlich alle ins Verderben geschickt.

war Hitler denn eine schlechter Mensch?

Was er getan und letztlich zu verantworten hat, war schlecht (sofern es dafür überhaupt Worte gibt).

Das Problem an Hitler waren die Werte, die er vertrat. Und
diese Werte spiegelten die Werte der Bevölkerung wieder.

Herrn Hitlers Probleme sind ungefähr das Letzte, was mich an dem Kerl interessiert: Das „Problem“ der Menschheit war, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihr nicht nur auf diesen Habenichts und Sprücheklopfer hereingefallen ist, sondern ihm mehr oder minder willfährig zu Diensten war und dass andererseits seine Gegner das nicht rechtzeitig und konsequent genug zu verhindern wussten.

Die Kindheit eines einzelnen Menschen ist dabei irrelevant.

Augf jeden Fall taugt sie weder als Entschuldigung, noch als Beschönigung.

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Hi Herr Meyer
Ich hatte jetzt ja nur „streng“ aus der psychiatrischen Gutachtersicht argumentiert. Auch die Gutachter können es ja nie „genau wissen“, sie müssen sich auf ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Intuition verlassen. Das ist jedesmal schwierig. Ich selber würde mir inzwischen auch zutrauen, einen Psychotiker vor Gericht „hinzulegen“, aber es gehört doch schon einige Efahrung und schaispielerusches Talent dazu. :wink:
Es ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass Hitler zwar paranoide Anteile hatte, aber vor Gericht nicht als Psychotiker durchgegangen wäre. Insofern hätte er in Nürnberg auch das Todesurteil erwarten dürfen. Das hat er (geistiug soweit klar) wohl auch einschätzen können und sich bei Kriegsende entsprechend suizidiert.
Gruß,
Branden

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Inwiefern kann man die Tatsache dass Hitler als Kind
verpruegelt und geschlagen wurde als „Entschuldigung“ dafuer
sehen was fuer ein Mensch er spaeter wurde?

Wo steht das denn, dass er geschlagen und geprügelt wurde??

und dass
andererseits seine Gegner das nicht rechtzeitig und konsequent
genug zu verhindern wussten.

Wollten.

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Ja, Mr. Branden, dazu, dies einzuschätzen, fehlt mir nun der fachliche Hintergrund.

Auch unter damaligen Bedingungen solchen Völkermord (und andere Dinge) zu planen, zeugt von erheblich gestörter Psyche.

Ich glaube nicht, dass es ausreicht, ab und an mal von Erziehungsberechtigten eine hinter die Löffel zu kriegen, um so zu werden. Prügel von Eltern und Lehrern war damals gang und gäbe, um zum Ausgangsthema zurückzukehren.

Schöne Grüße

M

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Pfarrerstöchterlein .
Bestimmt nicht wegen der
unglücklichen Kindheit.

das Wage ich jetzt aber stark zu bezweifeln.
Pfarrer sind nicht unbedingt Gutmenschen. Und religiöse Knebel sind nicht harmlos. Da kann man sehr wohl sehr darunter leiden.

TM

Hi Cess,

danke für deine Erläuterung. Sie war tatsächlich hilfreich. Jetzt wirst du vielleicht denken, dass es ja ziemlich banal sei, was du als Erläuterung geschrieben hast und dich vielleicht wundern, weshalb ich da nicht selbst drauf gekommen sei.
Mir fällt fast reflexartig auf diese Aussagen

nur, wenn der Betroffene sich nicht darauf ausruht und nicht
daran arbeitet, den Fuß wieder gesund zu bekommen. Sobald er
aber den gebrochenen Fuß nutzt, um dauerhaft langsam zu sein
und daraus Vorteile zu ziehe, ist es keine Entschuldigung
mehr.
Ich meine, dass es viele Menschen gibt, die das eine oder
andere Schlimme in ihrem Leben erlebt haben. Die einen
„nutzen“ das Erlebte, um selber anderen Schlimmes zuzufügen,
andere erkennen ihr Problem und arbeiten daran, um es besser
zu machen.

die nächste Frage ein: Was, wenn die Motivation, Gutes zu tun, bzw. die Hemmung, Schlechtes zu unterlassen, genauso gebrochen werden können, wie Füße?

Nicht jeder, der eine Kindheit wie Hitler oder möglich eine
schlimmere hatte, wird wie Hitler.

Es gibt keine zwei gleichen Kindheiten. Manchmal reicht ein Schlüsselerlebnis aus, um einen Menschen in eine ganz andere Richtung zu lenken. Hinzu kommen genetische Prädispositionen und Zufälle.

Weil der Mensch einen
freien Willen hat, den freien Willen, wie er mit seinen
Erfahrungen umgeht.

Hmm, ich fand diesen Beitrag vor einiger Zeit sehr bemerkenswert: /t/wie-wirken-medikamente-gegen-zwaenge/4846626

Aber eigentlich will ich mich ja beherrschen und keine neue Diskussion zum freien Willen anzetteln.

Viele Grüße, Tychi

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