Hallo Nicole,
(Btw. sehe ich das richtig, dass zwischen Schuldmedizinern und
Heilpraktikern ein Schlachtfeld liegt?
Tja, Du wirst lachen, meine liebste Kollegin ist gelernte Heilpraktikerin. Sie weiß jedoch um die Grenzen beider Fächer, und daß sich analytische („Welche Pille macht den Blasenhals weit?“) und ganzheitliche („Wie gehts ihnen denn überhaupt?“) Zuwendung optimal ergänzen.
Probleme tauchen dann auf, wenn die ganz natürlichen Grenzen der jeweiligen Bereiche von den Therapeuten nicht erkannt werden.
Das kann einerseits der Schulmediziner sein, der nicht einsehen will, daß das öffnen des Patienten für die Frage „Wie gehts ihnen denn“ zuwendende Verfahren voraussetzt, wie z.B. das alternativmedizinische Anamnesegespräch oder (das in der Homöopathie übliche) Zusammenstellen eines Mittels ganz speziell für den Patienten. Hier hat die Schulmedizin ganz klar große Defizite (-> Die naturheilkundlicherseit auch kritikwürdig wären).
Andererseits ist durch wirklich hunderte von Studien klar, daß diese Mittel keine Wirkungen im pharmakologischen Sinne haben - hier ist dann eben ergänzenderweise noch eine Pille nötig. Genau dies wird aber alternativmedizinischerseits oft unmöglich gemacht, denn alle „schulmedizinischen“ Medikamente werden abgelehnt, ja oft wird sogar noch eine „Entgiftungstherapie“ durchgeführt. Da denke ich vor allem an eine junge Patientin mit einer Colitis ulcerosa, die keine Entzündungshemmer mehr nehmen „durfte“ und aufgrund der chronischen Entzündungsreaktion im Darm einen Krebs entwickelte - typisch für die Colitis, vor allem wenn eben nicht therapiert.
Ärgerlich, daß man sich alternativmedizinischerseits zu biologisch-mechanistischen Themen wie Impfungen und HIV äußert, von denen man ja gar nichts wissen kann, weil der Ausbildungsansatz ja eben genau in die entgegengesetzte Richtung geht. Man schaue sich einmal folgende Website an (ein rein willkürliches Beispiel):
http://www.melhorn.de/Strophanthin/index.htm?yes
Ich denke, hier wird deutlich, daß es nicht um eine optimale Patientenbehandlung geht, sondern darum, sich gegen die Schulmedizin (gegen den Bundestag, das Rechtssytem, unsere ganze Gesellschaft -> siehe hierzu die Homepage dieser Site) abzugrenzen. Dabei geht der Vorschlag, Herzinsuffizienz mit einem schon längst verlassenen Medikament wie Strophantin (steigert die Sterblichkeit!) zu therapieren, klar auf Kosten der Gesundheit der Patienten. Amüsant, daß Glykoside abgelehnt, Strophantin jedoch befürwortet wird (Strophantin ist ein Glykosid).
Ich habe den Link übrigens von einem Kollegen, der kürzlich einen bekanntermaßen naturheilkundlich orientierten Patienten mit akuter Digitalisintoxikation aufnahm, welcher dann ins Kammerflimmern kam und verstarb (Defibrillationen unter Digitalis sind oft erfolglos). Ein Einschalten der Staatsanwaltschaft ist in diesen Fällen wohl müßig - denn es ist nicht belegt, ob der „Tip“ überhaupt durch einen Naturheilkundler kam, und besorgt hat er sich das Medikament wohl selbst aus dubiosen Quellen und ist damit für die Einnahme selbst verantwortlich.
Achtung: Die Website dient nur als Beispiel, dieser spezielle Therapeut sitzt in einer ganz anderen Ecke Deutschlands. Er ist jedoch bei weitem kein einzelner Digitalis-Irrläufer, siehe Google.
Patienten kann ich nur raten, sich einen Therapeuten zu suchen, der beide Seiten versteht. Ohne fundiertes Wissen um die menchliche Biologie ist nun mal keine seriöse Behandlung möglich.
viele Grüße,
Oliver