Ich finde es eine Frechheit

… wir erheben jetzt einmal hübsch die Anamnese, dann kannst
Du ihn meinetwegen mit Valium vollpumpen. Du bist ja der Doc.
*kicher*

Die Anamnese ist ja schon längst erhoben, liebe Tessa. Unter anderem findet sich folgendes in der Vorgeschichte:

  • Z.n. Pyelonephritis ca. 9/01, Abbruch der antibiotischen Therapie nach Entlassung gegen Unterschrift;
  • familiäres kardiovaskuläres Risikoprofil, fragliche Hypercholesterinämie, CSE-Hemmer abgelehnt;
  • atopische Weißkitteldisposition;
  • v.A. intermittierende Alexie;
  • dringender V.a. rezidivierende Vakuositis cerebri.

Summasummarum: Crux medicorum; schlechte Prognose. Also, her mit dem Valium, Schwester! :wink:))

Sag, was Du willst, Oliver… Die Med-Studis werden doch wie
Zivis bzw. wie Aushilfen behandelt. Es kümmert sich keiner
wirklich um sie. Woher zum Teufel sollen sie es dann können???

Da haben sich die Zeiten anscheinend geändert, vor allem deshalb, weil der ärztliche Nachwuchs langsam knapp und knäpper wird. Manche Häuser stellen ihren PJlern nicht nur freie Kost und Logis (mit gratis Internet *g*) zur Verfügung, sondern zahlen auch noch die Dienste (mit ordentlichen 120-150 €/d). Und des Tages über kommt es mancherorts durchaus vor, daß der PJler die Station alleine schmeißt, sofern die Kollegen krank sind, Notarzt fahren oder Funktion machen. Dann schaut nur noch zweimal pro Tag der OA vorbei, ansonsten macht man eben Aufnahmen, Entlassungen, und schreibt Briefe. Und die Schwestern müssen dann halt nett sein auf der Visite, sonst haben sie ja niemanden, der Valium aufschreibt, wenn ein Patient nervt :wink:

viele Grüße,

Oliver

(komm ich jetzt auf deine schwarze Liste?)

Nee, natürlich nicht, so was hab ich gar nicht :wink:
Aber verlaß dich drauf, dubiose Produkte und Praktiken werde ich hier nicht zulassen, das ist Unsinn und reine Geldschneiderei.
Die Leser hier haben einen Anspruch darauf, seriös informiert zu werden, dafür setze ich mich ein.
Gruß
Rainer

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‚Biester‘ in weiss?
Oh, Danke für das Beispiel, Oliver :smile:)
Habe übrigens noch bis September 2mg/Tag bekommen, Symptome sind besser geworden, aber da der Restharn noch knapp über den Richtwert lag, und es mich bei 4 mg/Tag aus den Socken haut, jetzt nochmal die alte Dosis - dann schon fast ein Jahr, hoffe, ich behalte keinen ‚Schaden‘, und die Entzündungen gehen wenigstens weg im Winter.

Na ja, so verbiestert wie K.H. sehe ich die Sache nicht, dann hätten wir ja gar keine fähigen Ärzte mehr im Lande - die Bemerkung von Dir kam bloss salopp rüber, und den kurzen Satz kann man schonmal in den falschen Hals kriegen.
Mir gings nur darum, dass eine KS hier wohl kaum was gesundheitsgefährdendes verbreitet - so fern kompetent - sondern sich auf ihr (angelerntes ) Wissen stützt, während Leute mit ferneren Berufen (ich nenn jetzt keine Namen) aufgeschnappte Thesen in die Runde streuen.
(Tessa ist doch auch gel. KS, raspelt die hier Süssholz um die Leber zu entschlacken? *g*)

(Btw. sehe ich das richtig, dass zwischen Schuldmedizinern und Heilpraktikern ein Schlachtfeld liegt? Lieber Himmel…wenn sich auch in der Praxis so angefaucht wird, muss sich der Patient ja wie ein Scheidungskind vorkommen? *mutmass*)

Wie dem auch sein, friedfertigen Gruss,
Nicole

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Hallo Nicole,

(Btw. sehe ich das richtig, dass zwischen Schuldmedizinern und
Heilpraktikern ein Schlachtfeld liegt?

Tja, Du wirst lachen, meine liebste Kollegin ist gelernte Heilpraktikerin. Sie weiß jedoch um die Grenzen beider Fächer, und daß sich analytische („Welche Pille macht den Blasenhals weit?“) und ganzheitliche („Wie gehts ihnen denn überhaupt?“) Zuwendung optimal ergänzen.

Probleme tauchen dann auf, wenn die ganz natürlichen Grenzen der jeweiligen Bereiche von den Therapeuten nicht erkannt werden.

Das kann einerseits der Schulmediziner sein, der nicht einsehen will, daß das öffnen des Patienten für die Frage „Wie gehts ihnen denn“ zuwendende Verfahren voraussetzt, wie z.B. das alternativmedizinische Anamnesegespräch oder (das in der Homöopathie übliche) Zusammenstellen eines Mittels ganz speziell für den Patienten. Hier hat die Schulmedizin ganz klar große Defizite (-> Die naturheilkundlicherseit auch kritikwürdig wären).

Andererseits ist durch wirklich hunderte von Studien klar, daß diese Mittel keine Wirkungen im pharmakologischen Sinne haben - hier ist dann eben ergänzenderweise noch eine Pille nötig. Genau dies wird aber alternativmedizinischerseits oft unmöglich gemacht, denn alle „schulmedizinischen“ Medikamente werden abgelehnt, ja oft wird sogar noch eine „Entgiftungstherapie“ durchgeführt. Da denke ich vor allem an eine junge Patientin mit einer Colitis ulcerosa, die keine Entzündungshemmer mehr nehmen „durfte“ und aufgrund der chronischen Entzündungsreaktion im Darm einen Krebs entwickelte - typisch für die Colitis, vor allem wenn eben nicht therapiert.

Ärgerlich, daß man sich alternativmedizinischerseits zu biologisch-mechanistischen Themen wie Impfungen und HIV äußert, von denen man ja gar nichts wissen kann, weil der Ausbildungsansatz ja eben genau in die entgegengesetzte Richtung geht. Man schaue sich einmal folgende Website an (ein rein willkürliches Beispiel):

http://www.melhorn.de/Strophanthin/index.htm?yes

Ich denke, hier wird deutlich, daß es nicht um eine optimale Patientenbehandlung geht, sondern darum, sich gegen die Schulmedizin (gegen den Bundestag, das Rechtssytem, unsere ganze Gesellschaft -> siehe hierzu die Homepage dieser Site) abzugrenzen. Dabei geht der Vorschlag, Herzinsuffizienz mit einem schon längst verlassenen Medikament wie Strophantin (steigert die Sterblichkeit!) zu therapieren, klar auf Kosten der Gesundheit der Patienten. Amüsant, daß Glykoside abgelehnt, Strophantin jedoch befürwortet wird (Strophantin ist ein Glykosid).

Ich habe den Link übrigens von einem Kollegen, der kürzlich einen bekanntermaßen naturheilkundlich orientierten Patienten mit akuter Digitalisintoxikation aufnahm, welcher dann ins Kammerflimmern kam und verstarb (Defibrillationen unter Digitalis sind oft erfolglos). Ein Einschalten der Staatsanwaltschaft ist in diesen Fällen wohl müßig - denn es ist nicht belegt, ob der „Tip“ überhaupt durch einen Naturheilkundler kam, und besorgt hat er sich das Medikament wohl selbst aus dubiosen Quellen und ist damit für die Einnahme selbst verantwortlich.

Achtung: Die Website dient nur als Beispiel, dieser spezielle Therapeut sitzt in einer ganz anderen Ecke Deutschlands. Er ist jedoch bei weitem kein einzelner Digitalis-Irrläufer, siehe Google.

Patienten kann ich nur raten, sich einen Therapeuten zu suchen, der beide Seiten versteht. Ohne fundiertes Wissen um die menchliche Biologie ist nun mal keine seriöse Behandlung möglich.

viele Grüße,

Oliver

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Aber verlaß dich drauf, dubiose Produkte und Praktiken werde
ich hier nicht zulassen, das ist Unsinn und reine
Geldschneiderei.
Die Leser hier haben einen Anspruch darauf, seriös informiert
zu werden, dafür setze ich mich ein.

Hallo Rainer,
Wenn ich sage, du hast dich als Moderator disqualifiziert, dann deshalb, weil du deine
Rolle als Moderator verlassen hast und dich persönlich mit dem Fritz angelegt hast.
Wenn du nun sagst, dass du auf die Seriösität der Beiträge achtest, dann stellt sich mir die Frage, wer denn nun bestimmt, was seriös ist und was nicht und nach welchen Kriterien diese
Selektion vorgenommen wird.
Natürlich sollte hier Werbung für bestimmte Produkte nicht stattfinden, aber auch das ist schwierig einzugrenzen. Ist der Rat Kamillentee zu trinken Werbung für Kamillentee?

Vor ca. 1 Jahr gab es hier einen Vorfall, da hätte ich mir gewünscht, dass der MOD
eingreift, aber da hat er es nicht getan. Eine Ärztin hatte sich im Medizinbrett eingefunden und Interesse an einem Mitwirken gezeigt. Prima, dachte ich. Endlich mal wieder eine kompetente Person, die mit ihrem Wissen dieses Forum bereichern kann. Ein hier immer noch agierender Medizinstudent hat sie sofort aufs übelste angepöbelt und erfolgreich vetrieben.
Das wäre nun wirklich ein Grund für eine Intervention des MOD gewesen, aber nichts passierte.
Demgegenüber empfinde ich deine Reaktion auf Süßholz etc. völlig überzogen.
Gruß
KH

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Armer Oliver,
Jetzt fällt ihm nichts Besseres ein als übelste persönliche Verunglimpfung.
Mal abgesehen davon, dass in deiner sogenannten Anamnese grobe Fehler sind, hast du uns Allen in den letzten 24 Stunden einen tiefen Einblick in deine Pesönlichkeit gegeben.
Ob Menschen mit derartigen Charaktereigenschaften für den Arztberuf geignet sind möge der Leser entscheiden.

KH

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Hallo K.H.,

das war jetzt wirklich nur als Spaß gedacht, bitte nicht übel nehmen :wink:

wünsche Dir einen schönen Tag,

Oliver

(Btw. sehe ich das richtig, dass zwischen Schuldmedizinern und
Heilpraktikern ein Schlachtfeld liegt? Lieber Himmel…wenn
sich auch in der Praxis so angefaucht wird, muss sich der
Patient ja wie ein Scheidungskind vorkommen? *mutmass*)

Hallo Nicole,
Ja das ist leider oft so, daß sich Ärzte und Heilpraktiker unversöhnlich gegenüberstehen.
Den Ärzten ist es sogar standesrechtlich verboten, mit Heilpraktikern zusammenzuarbeiten.
Es gibt natürlich auch Ärzte, die sich da anders verhalten, aber das ist eine Minderheit.
Wegen der ablehnenden Haltung der meisten Ärzte verschweigen auch viele Patienten ihrem
Arzt eine Behandlung beim Heilpraktiker, um ihn nicht zu verärgern.
Ärzte haben nun mal ein sehr empfindliches Seelchen und können es meist nicht ertragen,
wenn ein Patient „fremdgeht“ oder eigene Vorschläge macht.
Beispiel: Eine meiner Patientinnen, die 20 Jahre unter starker Migräne gelitten hat und nun
weitgehend beschwerdefrei ist, suchte wegen einer anderen Störung, zwecks Diagnose,
ihre Neurologin auf, von der sie vorher erfolglos behandelt worden war.
Sie berichtete der Ärztin von der erfogreichen Migränebehandlung bei mir und war
ziemlich irritiert, das dies von der Ärztin einfach ignoriert wurde, sie wollte es einfach nicht hören (verletzte Eitelkeit?).
Wenn Patienten zu mir kommen, dann erzählen sie oft von erfolglosen ärztlichen Vorbehandlungen. Diese Berichte sind oft dermaßen „haarsträubend“, dass, selbst dann,
wenn ich 50% streiche immer noch eine ziemlich üble Geschichte übrig bleibt.
Nun habe ich hauptsächlich mit chronisch Erkrankten zu tun, die vermutlich ihre Ärzte wegen der erfolglosen Behandlungsversuche frustrieren und ihnen nur noch auf die Nerven gehen.
Sie bekommen dann den Status „Unheilbar“ und müssen sich Sprüche wie: „Damit müssen Sie leben“, anhören.
Viele dieser „Unheilbaren“ sind aber erfolgreich zu behandeln, wenn man sich etwas Mühe gibt.
Wenn es dann der Heilpraktiker schafft, den „Unheilbaren“ zu heilen, dann war es aus Sicht
der Schulmedizin ein Zufall, der Placeboeffekt etc.
Dass Heilpraktiker unter solchen Voraussetzungen eine kritische Haltung zu den Schulmedizinern haben, ist sicherlich nachvollziehbar.
Das müsste so nicht sein, wenn Jeder seine Grenzen erkennen und den Patienten
entsprechend überweisen würde. Ich gehe davon aus, dass die meisten Heilpraktiker ihre Grenzen kennen und dann die Patienten zum Arzt schicken. Ich würde mir wünschen, dass es
bei den Ärzten genau so wäre und sie ihren Patienten sagen, „ich bin hier mit meiner Kunst am Ende, versuchen Sie es doch mal mit einem Heilpraktiker“ anstatt immer mehr chronisch
Kranke zu produzieren.
Wenn sich Schulmedizin und Naturheilkunde ergänzen würden, anstatt gegeneinander zu arbeiten, dann wäre das nicht zuletzt für die Patienten ein großer Gewinn.
Gruß
KH

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Hallo KH!
Ja, genau so sollte es sein; es sollte doch weniger um Stolz und Eitelkeit gehen, gerade in diesem Berufszweig (ich sag mal: ‚Heiler‘ zusammengefasst).

Wenn sich Schulmedizin und Naturheilkunde ergänzen würden,
anstatt gegeneinander zu arbeiten, dann wäre das nicht zuletzt
für die Patienten ein großer Gewinn.

Es gibt auch auf beiden Seiten schwarze Schafe.
Gruss,
Nicole

(Btw. sehe ich das richtig, dass zwischen Schuldmedizinern und
Heilpraktikern ein Schlachtfeld liegt?

@Nicole: Interessanter Freudscher Tippfehler in Deinem obigen Absatz :wink:

Hallo K.H.,

schön, daß Du auf die Grenzen der jeweiligen Ansätze zu sprechen kommst. Wie vielleicht in dem einen oder anderen Posting von mir zu lesen war, bin ich durchaus nicht abgeneigt, dem einen oder anderen chronisch erkranktem zu einem alternativmedizinischen Ansatz zu raten. Jedoch bin ich dabei in letzter Zeit etwas zögerlich geworden. Warum? Stichwort „Grenzen“: Wenn der Alternativmediziner wider allen objektiven Daten behauptet, Schutzimpfungen insgesamt seien Unsinn, HIV würde nicht existieren, Kortison sei Gift, und Antibiotika nutzlos, so braucht man sich nicht wundern, wenn man im klinischen Betrieb täglich Fälle erlebt, welche aufgrund unsachlicher Ratschläge Therapien aussetzen und in kritischer gesundheitlicher Lage zur Behandlung kommen. In diesem Thread habe ich ja zwei willkürliche Beispiele geposted, weitere könnte ich praktisch täglich nennen. Ausnahmen sind das längst nicht mehr, man braucht sich nur mal die an die Patienten gerichteten „Informationen“ auf den Seiten der Heilpraktiker-Standesorganisationen anschauen. Nochmals, eine Meinung wird nicht dadurch richtig, daß sie von vielen vertreten wird, sondern nur durch schlüssige Argumentation.

Wie Du schreibst, gehört Dein Klientel zu jenen x%, denen die Schulmedizin keine Hilfe bieten konnte. Deine Schlußfolgerung daraus ist, Schulmedizin insgesamt sei unsinnig, wobei Du aber eben jene y% ignorierst, die unter Standardtherapie gesundeten. Das wäre ungefähr genauso, als wöllte man der Alternativmedizin jeglichen Zuwendngseffekt absprechen, nur aufgrund der Tatsache, daß jener Ansatz nicht bei jedem Patienten funktioniert.

viele Grüße,

Oliver

Hallo Oliver,

Wie Du schreibst, gehört Dein Klientel zu jenen x%, denen die
Schulmedizin keine Hilfe bieten konnte. Deine Schlußfolgerung
daraus ist, Schulmedizin insgesamt sei unsinnig, wobei Du aber
eben jene y% ignorierst, die unter Standardtherapie
gesundeten. Das wäre ungefähr genauso, als wöllte man der
Alternativmedizin jeglichen Zuwendngseffekt absprechen, nur
aufgrund der Tatsache, daß jener Ansatz nicht bei jedem
Patienten funktioniert.

Wie kommst du darauf, dass ich zu dem Schluß komme, daß Schulmedizin insgesamt unsinnig sei???
Das habe ich nie gesagt oder geschrieben und das ist auch nicht meine Meinung, denn sonst würde ich ja nicht gelegentlich Patienten zum Arzt schicken.
Gruß
KH

Hallo KH,

dann stelle ich Dir mal folgende Frage:

Wenn ein Patient, der aus primär anderen Gründen zu Dir kommt, Dir eine Wunde zeigt, die er sich am Vortag an einem rostigen Nagel zugezogen hat, und Dich nebenbei um, sagen wir mal, Globuli o.ä. zur Beschleunigung der Wundheilung bittet, was machst Du dann?

Da Du Impfungen ablehnst, würdest Du ihn doch logischerweise eben nicht nach seinem Impfschutz fragen und ihn eben nicht zum Hausarzt schicken. Oder sehe ich das falsch?

Eben jenes meine ich, wenn ich von den Grenzen der verschiedenen Ansätze spreche.

Auf Deine Antwort auf obige Frage bin ich wirklich gespannt!

viele Grüße,

Oliver