Ich fühl mich zu infantil für eine Ehe

Guten Morgen.

Ich bin Peter, Lehrer und habe morgens endlich einmal Zeit, denn für mich haben die Ferien schon angefangen.
Ich möchte mich an euch Menschen hier wenden, denn ich brauche dringend einen Rat, es geht um meine Ehe und ich wollte endlich mal Meinungen anderer Menschen dazu hören, denn ich schäme mich sehr, was dieses Thema betrifft.

Ich habe eine wundervolle Frau, die liebevoll, emotional, offen, klug und dazu auch noch sehr schön ist, sie ist einfach klasse. Das kann ich so sagen, ich hatte mich in sie verliebt und sie ist auch heute noch das bezaubernde Geschöpf, das sie für mich immer gewesen ist. Sie ist einfach eine tolle Frau, und ich schäme mich sehr, denn ich habe aufgehört, sie zu lieben. Es muss so in den letzten beiden Jahren passiert sein. Ich hatte auf einmal dieses Gefühl nicht mehr. Manchmal bin ich morgens aufgewacht, da wusste ich, fühlte ich : Ich liebe sie, und ich war unendlich erleichtert und froh. Und am nächsten Morgen war es wieder fort, weg. Ich hab das Gefühl für sie in den letzten zwei Jahren so nie mehr wiedergefunden. Manchmal habe ich gewartet und gehofft, wodurch es natürlich ganz und gar wegblieb, manchmal habe ich es versucht so zu nehmen, aber ich fühle mich wie ein Verräter an ihr. Sie liebt mich nämlich sehr und sie meint selbst, dass nichts sie glücklicher macht als mit mir zu sein.

Ich weiß kaum, was mit mir los ist. Ich verstehe mich nicht. Ich habe auch keine Lust mehr auf sie, sexuell, meine ich. Ich finde sie wunderschön und habe auch manchmal noch ein zärtliches Hefühl, wenn ich ihre Schultern sehe oder was immer - aber ich empfinde keine Erregung mehr, absolut nicht.

Ich habe es ihr erzählt. Sie war so verständnisvoll, dass es mir fast das Herz zerrissen hat. Ich habe alles versucht ihr zu erklären, dass ihr nichts fehlt, dass sie wunderbar ist - aber dass mit mir irgend etwas los ist. Dass es keine andere Frau gibt. Sie versucht, auf mich einzugehen und ich fühle mich sehr schuldig dabei - sie ist es doch, die sich so schreckliche Dinge von ihrem Mann anhören muss.

Mein großer Schampunkt ist: Das mit der anderen Frau - das ist nicht gelogen aber auch nicht wahr. Ich habe meine Frau kennen gelernt, als wir beide 18 Jahre alt waren, zu der zeit fing unsere Beziehung an. Heute sind wir beide dreißig, und ich hatte niemals anderen Kontakt als normale Freundschaft zu einer anderen Frau - vor ihr nicht, und während der Ehe auch nicht. Sie ist die einzige, die ich je geküsst, inning umarmt und alles andere habe.
Ich bin dreißig, und die Vorstellung, vielleicht noch vierzig Jahre lang niemals Herzklopfen für eine andere Frau bekommen zu dürfen, niemals eine andere Frau küssen zu dürfen - niemals, nie noch einmal Verliebtheit… empfinden zu dürfen - das ist nicht zu ertragen. Es gibt keine andere Frau in meinem Leben, nach der ich mich sehne, die ich begehre, deren Persönlichkeit ich kennen lernen möchte. Aber ich sehne mich danach, es zu dürfen, es noch irgendwo in meinem Leben vielleicht wartend zu haben.

Diese Gedanken finde ich bei jeglicher Betrachtung verwerflich und pubertär, lächerlich und undankbar. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte meiner Frau nicht wehtun, sie hat nichts falsch gemacht und hat nur Liebes verdient. Ich schaffe es nicht. Ich verletze sie, wenn ich bleibe, weil ich weiterhin mich zwingen muss, sie zu lieben, und ich verletze sie, wenn ich gehe, weil ich - ja, was? Freiheit ersehne?

Ich weiß nicht, was tun. Bitte helft mir - jede Stellungnahme, die von Herzen kommt, wird mir ein Stückchen weiterhelfen, egal, welche Position ihr habt.

Ein Gruß von
Peter

Hallo,

da gibt es eine tiefe Sehnsucht in uns allen,
man verliebt sich und glaubt diese Sehnsucht
durch den anderen Menschen erfüllt.
Nach einigen Jahren tritt der Gewöhnungseffekt
ein. Die Sehnsucht aber bleibt. Die Vorstellung
die erfahrene Befriedigung nie wieder zu erleben,
deprimiert einen, man konfontiert sich mit der
eigenen Endlichkeit. Denn solange noch Unbekanntes
auf uns wartet, solange hat man noch Zukunft.
Die Konsequenz, man delegiert die Befriedigung
der Sehnsucht an neue Lieben.
Das ist völlig normal und jeder der aufrichtig ist,
wird das zugeben. Es gibt keine Beziehung ohne
Krise/n. Der Mensch ist Individuum und nicht nur
abhängige Hälfte eines anderen.
Viele die ich kenne haben den Schritt der Trennung
getan und bitter bereut, denn die neue Beziehung
geht dieselben Mechanismen. Der nächste Partner
aber ist nicht besser, man idealisiert gar den
verlorenen, das verlorene Paradies. Man kommt
vom Regen in die Traufe.
Andere haben sich glücklich getrennt…
Eine Pauschalantwort gibt es also nicht by the way.
So wie du deine Frau beschreibst, wirst du keine
bessere finden, bestenfalls eine gleichwertige.
Die Lösung, die ich dir vorschlage ist aber
unabhängig von deiner Partnerschaft:
Versuche die Sehnsucht in dir zu stillen,
zu befriedigen. Mach dich auf die Suche nach
dir selbst. Das hört sich jetzt vielleicht
ein wenig pathetisch und nullachtfünfzehn
an. Genau aber diese nullachtfünfzehn-Vorstellung
ist ein Äquivalent unserer Selbsteinschätzung.
Deshalb überfordern wir unsere Partner, erwarten
von ihnen Fähigkeiten oder Eigenschaften, die
wir selbst uns nicht zu nehmen wagen.
Ich kann dir nicht sagen, wer du bist, das mußt
du schon selbst herausfinden. Dein Artikel hier
aber hat mich sehr berührt…

Gruß
Walden

Hallo Peter,

ich kann mich meinen Vorredner nur anschließen, Dein Artikel berührt sehr.

Aus dem, was du schreibst kommt so viel Gefühl für deine Frau, so viel Zuneigung, dass ich nicht glauben kann, dass du sie nicht mehr liebst. Kann es sein, dass du dieses Gefühl für dich einfach nur nicht wahrnehmen kannst, es aber - gerade wenn du anderen erzählst - geradezu verströmst…?

Die Erleichtung, morgens aufzuwachen und zu spüren, ich liebe diesen Menschen neben mir, kann ich gut verstehen. Ich hätte furchtbare Angst davor, irgendwann festzustellen, dass ich das nicht mehr tu, obwohl ich so viel Glück mit ihm erlebe.

Von daher kann ich auch dein Erschrecken verstehen, aber ich kann dir leider gar keinen Rat geben… Der einzige GEdanke, der mir spontan kommt: könnt Ihr Euch vielleicht eine gewisse zeitlang eine - räumliche - Auszeit gönnen? Vielleicht würde das zu einer gewissen Klärung bzw. „Ordnung deiner Gedanken und Gefühle“ führen. Nur so eine Idee halt…

Liebe Grüße
Demenzia

Ich bin dreißig, und die Vorstellung, vielleicht noch vierzig
Jahre lang niemals Herzklopfen für eine andere Frau bekommen
zu dürfen, niemals eine andere Frau küssen zu dürfen -
niemals, nie noch einmal Verliebtheit… empfinden zu dürfen -
das ist nicht zu ertragen. Es gibt keine andere Frau in meinem
Leben, nach der ich mich sehne, die ich begehre, deren
Persönlichkeit ich kennen lernen möchte. Aber ich sehne mich
danach, es zu dürfen, es noch irgendwo in meinem Leben
vielleicht wartend zu haben.

Hallo Peter,
Dein Posting hat mir sehr berührt. Aber wer sagt denn, dass Du Dich nie wieder verlieben darfst? Gefühle kann man doch nicht erzwingen. Mir hat auch ein Mann mal gesagt, dass er mich einfach nicht mehr liebt. Da ist man zwar erstmal ziemlich geschockt, weil man vielleicht selber noch sehr tiefe Gefühle hat, aber man lernt damit umzugehen.
Und Du hast Dich ja schon mit Deiner Frau ausgesprochen.
Ansonsten kommt es mir so ein bisschen vor, als hättest Du Angst was zu verpassen. Das kann aber auch nur so ein Gefühl sein.
Grüße
Almut

Hallo Peter

Du hast sehr schoen und anschaulich beschrieben, wie die Gefuehle
eines Menschen sich aendern koennen und vor welche Pruefungen das
Leben uns stellt.

Natuerlich habe ich auch keine Loesung fuer dein Problem. Keiner kann
dir sagen, was du tun sollst. Diese Situation zwingt dich zur
Weiterentwicklung. Sie kann der Anfang einer neuen Liebesqualitaet
sein oder sie kann der call of the wild sein.
Bedenke, dass Entscheidungen im Feuer der Affekte geschmiedet werden,
die man manchmal lange aushalten muss, bis man die Kraft zur
Entscheidung, in welche Richtung auch immer, gefunden hat.

Es gibt ein empirisch gestuetztes Modell, nach dem eine
Liebesbeziehung ueber die Jahre sieben Phasen durchlaeuft. Leider
kann ich dir keinen Link angeben, wo dies ausfuehrlicher beschrieben
waere. Jedenfalls, und das ist die Kernaussage, sind Talfahrten und
schwere Zeiten normal und vielleicht sogar notwendig, um eine hoehere
Ebene erreichen zu koennen. Manch ein altes Ehepaar sagt, dass es
diese Liebesqualitaet nicht haette, wenn es damals, als die Liebe
verloren schien, aufgegeben haette.
Leider laesst sich daraus nicht ableiten, dass jede Krise in ein
Happy End fuehrt.

Worum du dich bemuehen solltest, ist Gelassenheit.
Du leidest sehr daran, dass du dir nicht erlaubst, keine Liebe zu
fuehlen. Bei dir ist ungefaehr folgender Prozess wirksam:
Du erwachst und merkst: „Heute liebe ich meine Frau nicht“.
Das ist erstmal ein ziemlich neutraler Fakt, der nicht mehr Aufregung
bedeuten muss als die Feststellung „Heute regnet es“.
Was dich fertig macht, ist deine Bewertung deiner Beobachtung:
„Verdammt nochmal, ich habe meine Frau immer geliebt und jetzt nicht
mehr? Das ist schrecklich! Ich muss meine Frau doch
lieben! Sie ist so toll und schliesslich bin ich ein Verraeter
wenn ich so weiterlebe wie bisher. Was soll ich nur tun? Ich bin
total verzweifelt! Meine Liebe muss zurueckkehren!“
Diese Bewertungen sind es, die dich eigentlich fertig machen.
Und natuerlich kommt die Liebe nicht zu dir, wenn du sie in dir
erzwingen willst.
Die Liebe kannst du nicht direkt herbeifuehren, sie ist immer
Nebenwirkung.
Deshalb nimm hin, dass du im Moment ohne Liebe bist und lebe
so weiter wie bisher. Sieh diesen Zustand als Vorboten einer frohen
Zukunft, so, wie die unangenehmen Wechseljahre Vorboten eines
unbeschwerteren Sexlebens sein koennen.
Lache mit deiner Frau, habe Sex mit ihr (wenn es geht), unternimm all
das, was du tun wuerdest, wenn du sie liebtest. Vielleicht kehrt die
Liebe dann in dein Herz zurueck. Eine Seele jedoch, die voll ist von
Imperativen und Katastrophen (siehe fettgedruckte Woerter oben) kann
keine Liebe entwickeln.
Jetzt habe ich doch Ratschlaege gegeben. Vielleicht beruhigen sie
dich ein wenig.
Du hast jetzt Hindernisse in deinem Weg. Du wirst sie irgendwie
ueberwinden, aber mach dich darauf gefasst, dass du die naechsten
Monate in Unruhe leben wirst. Sollte dies nicht zutreffen, umso
besser. Der Tag wird kommen, an dem du klar siehst und weisst, was
richtig ist.

Gruss, Tychi

Hm…das glaube ich ganz und gar nicht.
Lieber Peter!

Zunächst einmal: wunderschönes Posting… Ich habe mir erlaubt, mal ein paar Dinge, die Du gesagt hast, zusammenzustellen:

Ich habe eine wundervolle Frau, die liebevoll, emotional,
offen, klug und dazu auch noch sehr schön ist, sie ist einfach
klasse. Das kann ich so sagen, ich hatte mich in sie verliebt
und sie ist auch heute noch das bezaubernde Geschöpf, das sie
für mich immer gewesen ist.
Ich finde sie wunderschön und habe auch manchmal noch ein
zärtliches Hefühl, wenn ich ihre Schultern sehe oder was immer

Es gibt keine andere Frau in meinem
Leben, nach der ich mich sehne, die ich begehre, deren
Persönlichkeit ich kennen lernen möchte.

Was ist das, wenn nicht tiefe Liebe, die da durchklingt?

…und vielleicht als Anregung: Ich würde eher meinen besten Freund heiraten als meine große Liebe, denn: Freundschaft bleibt immer, Leidenschaft vergeht irgendwann. Deine Gedanken sind ganz und gar nicht infantil, sondern eher völlig normal. Das Gefühl, „irgendwas zu verpassen“, haben viele Menschen, die heiraten bzw schon länger verheiratet sind. Ich denke, das ist eine Entwicklung, die viele Paare durchmachen.

Wenn man allerdings weiterdenkt und -sieht, dann habt Ihr das erreicht, was viele Paare nicht schaffen: Über zehn Jahre zusammenzusein und immer noch liebevolle Gefühle, eine tiefe Verbindung und Nähe füreinander zu empfinden, ehrlich zu sein und sich gegenseitig mit Achtung und Respekt zu begegnen.

Was kann es bessere Voraussetzungen für eine glückliche Ehe geben?

Laß Dir Zeit, nimm Dir den Druck, dem Du Dich selbst aussetzt, zwing Dich nicht. Stell Dir vor, sie wäre nicht mehr da: Du würdest sie mehr als vermissen, oder?

Alles Gute und einen lieben Gruß,

Smiri

Hallo Peter,

ich glaube auch, das was Du fühlst ist eine andere Form der Liebe! Nicht mehr das Kribbeln im Bauch, das Verrücktsein, sondern eine tiefe Zuneigung. Du hast vielleicht nur Angst, es könne keine Liebe mehr da sein,weil es nicht mehr kribbelt?!
Ich gebe den anderen Recht, wenn sie sagen, das was Du beschreibst IST Liebe!

Schafft Euch neue Höhepunkte- fahrt mal nur Ihr Zwei zusammen weg!

Und Sex ist nicht das Wichtigste!

Nur Mut zum Weitermachen!
LG Doreen

am Topic geschrabbt
Hallo,

Und Sex ist nicht das Wichtigste!

?? Sagt wer??

Alte Weisheit: wenn Sex funktioniert, dann macht das
etwa 10% der Beziehung aus. Wenn Sex nicht funktioniert,
dann macht das etwa 90% der Beziehung aus.

Gruß
Elke

PS: Es kribbelt mit der Zeit anders als zu Anfang,
aber kribbeln kann man sich erhalten. Man muss aber
aktiv was dafür tun.

6 „Gefällt mir“

Hallo Elke,

nun, ich widerspreche Dir mal einfach.
Wenn man durchgemacht hat, was wir durchmachen mußten!
Mein Mann ist schwer herzkrank und nimmt Medikamente, deren Nebenwirkung es ist, nicht mehr so zu können und zu wollen, wie man es gerne hätte.
Und es geht eben auch fast ohne!
Ich bin dankbar und froh, daß es ihn überhaupt noch gibt! Und ich liebe ihn nach wie vor! Aber anders!

(Wir feiern in diesem Jahr unseren 20. HT und fast nicht geglaubt, daß es den noch geben wird!)

Und deshalb bin ich überzeugt, wenn man in einer solchen Phase steckt, ist der Sex erst mal hintergründig! Das kommt von alleine wieder!
Bzw. kann man den wiederbeleben, wenn man weiß, in welche Richtung man geht!

Vielleicht stehe ich alleine da mit dieser Überzeugung! Aber es ist eben meine!

Nichts für ungut!
LG Doreen

1 „Gefällt mir“

Burn out der Gefühle
Guten Abend Peter,

Daß du auf sehr feinsinnige Weise deine Situation schilderst, dem schließ ich mich an. Es berührt, ja, das stimmt.

Worin das Problem besteht, schilderst du auch … aber ganz anders als du meinst. Du schilderst eine Beziehung voller Zartheit, Zärtlichkeit, Bewunderung, Verehrung, Dankbarkeit … bezaubernd, schön, verständnisvoll, daß es einem das Herz zerreißt – ja – im wörtlichsten Sinne: Das Herz hat keinen Puls, der mal auf 180 geht: Auf keinen Fall wehtun!

Wunderbar, Alles. Zweifellos. Nichts macht euch glücklicher, als mit euch zu sein. Rührend, wirklich! Ein Traum. Ein Garten voller Orchideen: Ein Paradies von Zärtlichkeit! Nur nichts anfassen! Es könnte wehtun! Ein Garten ohne Brennessel, ohne Ilex! Staunenswert engelhafte Wesen in einer ätherischen Welt!

Aber:

Ätherische Wesen brennen nicht vor Begierde! Engel ficken nicht!

Da fehlt es an Substanz, an Körper, an Fleisch. Wo ist der geile Geruch von regennassem Erdreich? Wo macht ihr euch mal die Hände schmutzig aneinander?

Was passiert zwischen euch, wenn ihr gegenüber am Tisch sitzt? Verständnisvolle Blicke? Bewunderndes Seufzen? Gibt es Auseinander setzungen? Gibt es spannende Gespräche? Kontraste? Auch mal Streit? Gibt es außer Erdbeersahne auch mal scharfe Pepperoni, daß euch das Feuer nur so aus dem Hals spuckt?

Diese unendliche Harmonie zwischen euch, die aus deinen Worten klingt: Wohlklang tut wohl, nur, wenn er Entspannung von Spannung ist. Du verehrst sie zuviel! Bewunderung, Verehrung, Verständnis unlimited ist begierdetötend. Pralinen ohne Nachgeschmack. Hätte sie, statt „verständnisvoll zu sein, daß es dir das Herz zerreißt“, dich wütend „Scheißkerl“ genannt, daß dir der Puls aus dem Hals springt, dann wüßtest du, was gemeint ist: Ihr habt versäumt, den Unterschied zwischen Verliebtheit, Bewunderung, Zärtlichkeit einerseits und Ausleben einer Beziehung herauszuarbeiten.

Nicht du bist möglicherweise infantil (wie du selbst sagst), sondern eure Beziehung ist - zumindest noch, falls ihr den Dreh noch kriegt - infantil. Das ist nicht abfällig gemeint. Beziehung als Aufgehen im Verehren des Anderen. Nein, Beziehung braucht ZWEIE, zweie mit eigener, einander fremder Substanz, und dafür braucht es Kontraste, Gegensätze, Auseinandersetzung. Um ein Gummiband zu spannen, braucht es Gegenbewegung. Du verehrst die Dame in einer Ausschließlichkeit, so, daß das eine Ende des Gegensatzes dem anderen unterwürfig nachschlabbert - schlapp - nur gezeichnet und gefärbt von Gebärde der Verehrung. Da ist keine Chance für Spannung, für wirklich heftige Gefühle, die aus den Schuhen kippen läßt.

Deine Frau IST aber auch ein Körper. Sie hat Fleisch und Blut. Schultern, die gepackt werden wollen mit obszönem Griff und nicht nur „zärtlich angeschaut“. Schmeiß sie auf den Küchentisch statt zärtlich ihre Schultern anzuschauen („oder was auch immer“ - wie jungfräulich scheu deine Rede ist!). Unbd „packend“ sein, das mußt du TUN, MACHEN - statt in dir selbst nach dem Fühlen der Gefühle zu suchen.

Bringt Fleisch, Erde in eure ätherische Welt. Bringt Inhalte, Auseinandersetzung, echauffierte Diskussion, Nervenkitzel in eure Welt, die von der nervtötenden Maxime des Verständnishabens dominiert und dämonisiert wird. Verständnis haben ist das Gegenteil von Verstehen! Eure Empathie für einander ist leer, ihr fühlt nur euch selbst statt das Andere im Anderen.

Die wirkliche Berührung mit dem Anderen beginnt da, wo er eben anders ist, als man selbst. Das Fremde, das man riecht, WEIL es anders riecht als man selbst. Das macht die Begierde! DAS macht die Spannung, die sich nach Erlösung sehnt. Ihr seid aber einander nicht Andere, eine gute Prise Fremdheit fehlt euch, kein Salz, kein Pfeffer in der Suppe. Euer 10-Meter-Brett dümpelt auf der Wasseroberfläche dahin. Rosen ohne Stacheln.

So ist es kein Wunder, daß du auf der Suche nach deinem Gefühl bist. Und es nicht findest, weil du es in DIR suchst. Ja wo isses denn? Ich möchte wetten, daß es ihr im Grunde genauso geht, daß sie es dir nur nicht sagt, weil auch sie fürchtet, dir wehzutun.

Tut euch doch mal weh! Dann spürt ihr einander auch wieder!

Statt sie zu fühlen, das greifbare Objekt, das Objekt der Begierde, nicht den körperlosen Engel, sucht du nach dem Gefühl deines Gefühls in deinem eigenen Körper. Dort ist es aber nicht, weil es dir an Eigensubstanz fehlt. Du gehst völlig auf in der submissiven Verehrung des Anderen. Es KANN keine Begierde sein, wo der einzige Inhalt des Denkens das „bloß nicht wehtun“ ist. Und „ich liebe dich wie nichts anderes auf der Welt“ kann nicht der Inhalt des Sonntagsfrühstücks sein.

Da fließen keine Säfte! Da liegen die lebendigen Gefühle in einer Glasvitrine herum und verstauben. Da kokelt eine zimperliche Sparflamme, da gibt es keine je eigene Substanz, die sich zu verbrennen lohnt. Laß mal was anbrennen! Statt den burn out auch noch mit völlig unangebrachten Schuldgefühlen egozentrisch zu heroisieren.

Mit andern Worten: Fang an, eure Bewunderungsbeziehung zu einer Lebensbeziehung zu machen. Zieh sie runter auf die Erde, deine Frau. Begeistere SIE, statt in dir selbst kleinkrämerisch nach DEINEN Geistern zu suchen. MACH ihr Gefühle, statt kleingeistig in dir selbst nach DEINEN Gefühle zu kramen.

Es ließe sich auch kürzer sagen: Werde ein Mann!

Bitte helft mir - jede Stellungnahme, die von Herzen kommt, wird mir ein Stückchen weiterhelfen, egal, welche Position ihr habt.

Und auch wenn diese Stellungnahme wehtut - sie kommt von Herzen :wink:

Gruß

Metapher

1 „Gefällt mir“

Hallo ihr alle,

ich finde es wunderbar, klasse, wie ihr und dass ihr mir alle geantwortet habt. Ich danke euch für eure offenen und tollen Worte und für die Hilfe, mich nicht wie ein mieser Kerl zu fühlen.

Metapher - an Dich ganz besonders… ich hab nicht mal die Hälfte Deiner Antwort bisher lesen können, weil mir schon die Tränen gelaufen sind. Da trifft mich wohl was innen drin…

Herzlich
Peter

Wow…
Toller Text. Der liest sich wie Poesie. Und ist sooo wahr!

Liebe Grüße,
Nike

Hallo Metapher,

meinst Du nicht, daß eher er derjenige ist, der von seiner göttlichen Gatting gepackt, geschmissen oder vielleicht sogar verhaut werden müßte?
Aus gutem Grund wird aber von Sadomaso zur Ehestabilisierung oft abgeraten, wegen gefährlich.

Gruß

Ze

1 „Gefällt mir“

Hallo,

nun, ich widerspreche Dir mal einfach.

darfst du.
Nur:
Du stellst eine These auf:

Und Sex ist nicht das Wichtigste!

und lässt das so stehen. Allgemeingültig, zu allen
Zeiten und für alle.
Dem habe ich widersprochen.
Dann lenkst du ein:

Vielleicht stehe ich alleine da mit dieser Überzeugung! Aber
es ist eben meine!

Ja, ist deine.
Aber selbst du schreibst:

Das kommt von alleine wieder!
Bzw. kann man den wiederbeleben, wenn man weiß, in welche
Richtung man geht!

Das sind ganz schön viele Einschränkungen zu deiner
ersten Behauptung.

Du erklärst nun in deinem zweiten Posting auch,
wieso du in deiner jetzigen Situation zu dieser Aussage
kommst. Das ist nachvollziehbar (das sage ich nicht
nur, das meine ich: meine Situation ist nicht so unähnlich,
mein Mann kämpft sich gerade durch alle möglichen blutdruck-
senkenden Mittel und versucht das zu finden, was mit den
akzeptablesten Nebenwirkungen das beste Resultat in Bezug auf
seinen Blutdruck bringt) -
nur hat es so überhaupt nichts mit der Situation des Ausgangs-
posters zu tun. Da gibt es keine Krankheit u.ä. (weshalb
er ja auch nicht im Medizinbrett sondern im Psychobrett fragt,
nehme ich mal an). Und sich mit 30 zu sagen: Sex ist nicht
so wichtig! verkennt total die Situation in der er sich befindet.

Gruß
Elke

4 „Gefällt mir“

Labyrinth
Hallo Peter,

dem beeindruckenden Posting von Metapher ist nichts mehr hinzuzufügen!

Vor langer Zeit habe ich ein Gedicht geschrieben. Ich erlaube mir, es hier zu posten. Vielleicht entlockt es dir ein Lächeln, vielleicht bringt es dir einen neuen Gedanken … vielleicht …

Ich wünsche dir Begeisterung und Mut bei allem, was du in Zukunft tust.

Gruß
Birgit

das leben - ein erotisches labyrinth

auf uns’rem erotischen weg durchs leben
sind nicht alle straßen eben.
so manche hürde türmt sich auf,
zwingt uns zu einem zickzacklauf.

auf der suche nach dem glück
blicken wir nicht oft zurück.
es scheint, als ob die unsichtbare macht
uns vorwärts treibt und drüber lacht.

wenn dann die sterne günstig stehn,
verweilen wir im vorwärtsgehn.
der liebe zauber wird zur fessel,
vielleicht sogar zum hexenkessel.

und wieder ist dem seelenfrieden
kein rettend ufer mehr beschieden.
wir fallen tief und tiefer nun,
’nem irrlauf fast gleicht unser tun.

so ohne halt und ohne liebe,
stürzen wir uns auf die triebe.
welch liebesspiel wir auch studieren,
es bleibt zuletzt nur ein probieren.

der tanz der herzen setzt sich fort,
sie ziehen jetzt von ort zu ort.
kaum wollen sie sich niederlassen,
kommt das gefühl, was zu verpassen.

so leben wir gemeinsam einsam
und irgendwann mal einsam zweisam.
und glauben fest, dass es gelingt,
dass das jetzt die erfüllung bringt.

enttäuschung sucht uns wieder heim,
so langsam wird es echt gemein.
da muss es doch, bei aller liebe,
mehr noch geben, als nur hiebe.

da ist er nun, der scheideweg,
nicht breiter als ein schmaler steg.
es wird auch nicht der letzte sein,
doch wann er kommt, das bleibt geheim.

sie ist über uns hereingebrochen,
die suppe, die wir täglich kochen.
wir wissen nun, so geht’s nicht weiter
wir drehn sie um, die abwärtsleiter.

jetzt suchen wir die einsamkeit,
die uns von mancher qual befreit.
gedanken fließen - nicht vergebens,
wir nähern uns dem sinn des lebens.

wenn wir erkennen, was wir brauchen,
kann der frust in uns verrauchen.
wissen wir dann, was uns fehlt,
fühlen wir uns ganz beseelt.

neue wege, große schritte,
mit dem kopf durch jede mitte.
tatendrang, schwung und elan,
treiben uns zum leben an.

älter sind wir und auch weiser,
allerdings kein stückchen leiser.
eher heftiger und wilder,
überall ganz viele bilder.

funktioniert nicht oder doch?
fällst du wieder in ein loch?
vielleicht hast du jetzt gefunden,
was dich lässt total gesunden?

wer weiß schon, was das leben bringt,
erotik oder labyrinth.
ich wünsche dir von beidem was,
denn dann macht das leben spaß.

scheint dir das bild zu sehr im dunkeln,
dann sorg doch für ein kleines funkeln.
es liegt bei dir, was draus zu machen
und das feuer zu entfachen.

erotik lässt uns leben spüren,
drum lassen wir uns gern verführen,
von bildern und von poesie,
wehe, wenn du jetzt fragst: wie?

Abstumpfung und Resensibilisierung
Hallo Peter!

Ich kann zu dir nicht aus Erfahrung sprechen, lies meine Gedanken deshalb besser mit Skepsis. Wie der Titel andeutet, hatte ich beim Lesen deines Postings den Gedanken, dass du dich zu sehr an dein Glück gewöhnt haben könntest. Nach 12 harmonischen Beziehungsjahren bist du möglicherweise gegen die Reize deiner Frau und eurer Beziehung abgestumpft und reagierst deshalb emotional nur noch sehr schwach auf sie. Zwar hast du das Wissen bewahrt, mit einer wundervollen Frau verheiratet zu sein und kannst dies auch leicht überprüfen, aber deine Empfindungen sind schwächer geworden, weil du dich daran gewöhnt hast.
Angenommen sie träfe zu, was könntest du dann aus dieser Beobachtung mitnehmen? Ich glaube es wären drei Dinge:

  1. Du solltest versuchen, sie und eure Beziehung bewusst zu erleben und bewusst zu genießen. Dein Erleben könntest du wieder intensivieren, indem du deine Aufmerksamkeit gezielt auf die vielen schönen Dinge richtest, welche dir inzwischen schon gar nicht mehr auffallen. Wenn du bewusst wahrnimmst, wirst du alles mit anderen Augen sehen und dadurch hoffentlich neu erleben.
  2. Abwechselung wäre förderlich: neue, bisher nicht gemachte Erfahrungen könntest du eventuell ähnlich intensiv empfinden, wie die ehemals neuen zu Beginn eurer Beziehung. Durch neue Erfahrungen mit deiner Frau wirst du möglicherweise wieder intensiv für sie erfinden können. Abwechselung sort aber auch dafür, dass man das bis dahin gewohnte wieder als (im Vergleich zur Abwechselung selbst) anders und dadurch neu erlebt. Wenn dieser Versuch nicht erfolgsversprechend verläuft, könntest du möglichst mit Einverständnis deiner Frau auch außerhalb eurer Beziehung Abwechselung finden. Durch diese idealerweise nur kurze Abwechselung könntest du eure Beziehung und deine Frau wieder neu erleben.
  3. Sollte sich eure Beziehung verschlechtern, zeitweise verebben, oder die Gefahr bestehen, dass sie zerbricht, dann wirst du möglicherweise hinterher erkennen, was du verloren hast und ein erneutes Aufblühen wieder intensiv erleben können. Krisen sind oft notwendig, um den Wert der Harmonie zu begreifen. Verlust und Verlustängste, lassen uns die bedrohten Werte besonders wertschätzen.

So wie ich dich verstehe, möchtest du eure Beziehung in jedem Fall erhalten– kannst aber nur schwer auf deine Gefühle verzichten. Vielleicht helfen dir meine Gedanken dabei, Wege zu beschreiten, um neu zu empfinden.

Viele Grüße
Falk

Ich kann leider noch keine Sternchen geben, deshalb: ***

hallo peter,
(vorsicht, es handelt sich nur um meinen Eindruck)
ich habe fast das gefühl, dass deine eheprobleme mit einer persönlichen Identitätskrise einhergehen. so ne art frühe midlifecrisis. du hast Angst etwas zu verpassen, hast das Gefühl, deine Männlichkeit in der Vergangenheit nicht richtig ausgelebt zu haben und tendierst dazu das jetzt evtl. nachzuholen.
dazu kommt, dass sich deine Gefühle zu deiner Frau verändert haben. So wie du allerdings von ihr sprichst, ist das in erster linie keine quantitative sondern eine qualitative Veränderung. es gibt mehrere arten oder Stile von liebe, das steht in jedem psychobuch. Doch offenbar bist du damit nicht zu frieden. dann würde ich - wenn dir deine frau wirklich so wichtig ist - dich überwinden und eine Paartherapie machen. da deine frau sehr verständnisvoll ist, wird sie da gerne einwilligen. ich weiß, dass solche Therapien oft belächelt werden, doch ich kann es nur empfehlen. des geht nicht darum, was die leute denken, sondern darum, dass Du dein Glück wieder findest.
Vielleicht hilft dir das auch darüber klar zu werden, wer du bist. Das ist sehr wichtig für dich - gerade als lehrer - herauszufinden, denn ich glaube, wenn du deine Identitätskrise überwunden hast (davor musst du sie erkennen) dann siehst du auch in der Ehe klarer. Ich glaube, dass ihr dann eine gute chance habt, neue leidenschaft aufflammen zu lassen. aber auch wenn du dich für eine Trennung entscheidest, tue das erst mit gefundener Identität und nicht als blinder Lösungsversuch, um aus deiner krise herauszukommen.
Du schreibst hauptsächlich, was du nicht willst, doch was willst du überhaupt?
würde gerne wissen wie es weiter geht mit euch und wie es dir dabei geht.

Ich bin dreißig, und die Vorstellung, vielleicht noch vierzig
Jahre lang niemals Herzklopfen für eine andere Frau bekommen
zu dürfen, niemals eine andere Frau küssen zu dürfen -
niemals, nie noch einmal Verliebtheit… empfinden zu dürfen -
das ist nicht zu ertragen.

Wer sagt daß du das nicht darfst? Eine Ehe oder Beziehung ist keine Sache mit einem Vertrag auf Lebenszeit, wie ein Haus, das du kaufst. Jedes Jahr, jeden Tag, an dem du dich neu für sie entscheidest, ist ein Beweis eurer Liebe. Und es kann immer passieren, sowohl dir als auch ihr, daß sie zu Ende geht. Das kann auch passieren, ohne daß einer sich in jemanden anderen verliebt. Liebe ist kein Garantiefall. Menschen kann man nicht auf Lebenszeit leasen. Man entscheidet sich für sie, immer wieder. Bei euch hat das geklappt seitdem ihr 18 seid. Das ist traumhaft. Warum sollte es nicht weitere Jahre klappen? Warum willst du jetzt schon die Flinte ins Korn werfen, wo doch ein Problem sich noch nicht einmal abzeichnet? Es scheint so, als ob allein die Möglichkeit eines Problems dich schon aus der Bahn wirft.

Das Versprechen „bis daß der Tod euch scheidet“ ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die Unmöglichkeit dieses Versprechen als normaler Mensch (und nicht als Engel) zu geben führt dazu, daß es auch tatsächlich so oft und immer wieder gebrochen wird.

Gruß
dataf0x

du bist sowas von normal…
hi peter,

ich kann dich echt verstehen, und ich gebe dir vielleicht hilfreiche tips:

-mit der einstellung „eine andere frau darf ich nicht…“ setzt du dich selbst unter druck. lass es. du darfst! du kannst auch als verheirateter mann im besten alter von 30 einfach mal herumflirten. erzähl deiner frau nix davon, aber lächele jeden tag drei wirklich sehr schöne frauen an und zieh dir rein, wie sie dein lächeln erwiedern. das darfst du und sei sicher, deine frau tut es auch. wo es dann eine entscheidung erfordert, ist dann der punkt, an dem du vielleicht eine handfeste affäre beginnen möchtest, aber das darfst du auch, mußt du nur bewusst entscheiden.

-dass du deine frau noch so innig liebst (das liest man heraus), ist etwas ganz besonderes. frage sie mal, was sie für andere männer empfindet. wenn sie ehrlich antwortet, bist du vielleicht gar nicht mehr alleine mit deinen gefühlen. skepsis ist auch bei dem großen verständnis deiner frau angesagt. warum ist sie so einverstanden mit dem ausbleiben von sex? wo bekommt sie denn ihren her?

-erlaube dir auch phasen der emotionalen verunsicherung. geht oft vorbei.

-tue, was du für richtig hälst, aber tue es, ohne schlechtes gewissen, tue es.

zum schluß: ich finde deine zeilen zu den grundsätzlichen gefühlen zu deiner frau sehr rührend und schön. das ist die basis, auf der man solche krisen schafft!