Hallo Bine,
Deine Argumente gegen die Kinderkrippe basieren auf lauter Negativsituationen, die aus einem anderen Blickwinkel gesehen eine andere Auswirkung der Meinungsbildung erzielen können:
Es weinen nicht immer alle Kinder beim Abschied, wenn sie den Erzieherinnen überlassen werden. Weinen aufhören heißt nicht automatisch Resignation, es könnte auch an der Ablenkung liegen, oder an der Bereitschaft sich auf die neue aussichtsreiche Situation einzulassen. Nicht jede junge Erzieherin ist überfordert. Wäre eine Kinderkrippe nur mit zu jungen und überforderten Erzieherinnen besetzt, würden Eltern ihre Kinder dort nicht abgeben…usw.
Ich glaube, dass Du Dein Bild über Kinderbetreuung durch Fremde überdenken solltest, denn es steckt bei dieser Betreuungsform allerseits viel Verantwortungsbewußtsein dahinter. Es fällt nicht allen Eltern leicht, ihr Kind zu Fremden in Obhut zu geben - dass sie es dennoch tun, hat meist berufliche Gründe, die unvermeidbar sind. Gerade wegen ihrer Sorge um ihr Kind suchen sie die Krippe sorgfältig aus. Die Erzieherinnen, die ich kenne, vorallem und vielleicht gerade die kleine Kinder betreuen, sind sehr tüchtig in ihrem Beruf, bemühen sich bewußt dem Vertrauen der Eltern gerecht zu werden.
Außerdem möchte ich zu bedenken geben, dass unsere Gesellschaft sich entscheidend gewandelt hat. Aus verschiedensten Gründen besteht eine Lebensgemeinschaft immer weniger aus nur einem Verdiener; über die Problematik bei Alleinerziehenden müssen wir wohl nicht diskutieren. Wenn keine Oma oder Tante im Haus ist, dann bleibt oft nur die Kinderkrippe oder der Kindergarten, außer die Kinder werden sich selbst überlassen, was leider noch zu oft vorkommt. Verwahrlosung geschieht nicht durch Fremdbetreuung sondern durch die fehlende Betreuung von Kindern (nicht selten auch, obwohl die Mutter Zuhause ist).
Ich gebe Dir insofern recht, dass es für Kinder ein wohlig schönes Kinderleben sein kann, wenn sie von Baby an rund um die Uhr betreut werden. Aber dieses Ideal hat einige Kehrseiten, die ich personifiziert an ein paar Negativbeispielen in meinem Umfeld erlebt habe. Sei es, dass gut ausgebildete Frauen gerne ins Berufsleben zurückwollen, aber der Arbeitsmarkt schiebt den ab 30jährigen den Riegel zur Rückkehr vor. Oder die Kinder wegen Übertreuung durch die Mutter andere (Freunde,Schule) mit Staralüren nerven. Ich störe mich an Frauen, wenn sie vor lauter Kinderglück freundlich ausgedrückt weltfremd werden, weil ich es als Vorbild meiner Kinder wichtig finde, nicht nur mit Wissen sondern auch mit von ihnen Nichtgewußtes mithalten zu können. Klar, Wissen kann man sich Zuhause aneignen - unendlich viel - aber das reicht nicht, weil Wissen nicht gleich Bildung ist und das Leben von Elternteilen nur Zuhause sehr einseitig ist.
Ich weiß, es geht Dir vorallem um die erste Zeit eines Kindes, da sollte nach Deinem Ideal lieber ein Elternteil als eine fremde Person präsent sein. Aber manchmal geht es nicht anders aufgrund von Sachzwängen, manchmal soll es nicht anders sein, weil der Mensch (Mutter oder Vater) sich psychisch eingesperrt fühlt wenn er nur beim Kind bleibt, manchmal muss es sein, weil das eine Form von gelebter Normalität ist, die eben anders ist, also Du es für richtig hältst.
Schau Dir lieber die Kinderkrippen ganz genau an, und sei da kritisch, wo schlechte Arbeit geleistet wird. Gott-sei-Dank gibt es viele gute Kinderkrippen, und ohne sie ging es vielen Kindern gar nicht gut.
Mit Grüßen
Reni
PS: ich habe übrigens auch einmal so gedacht, wie Du. Vermutlich liegt es daran, dass die Sorge übergroß ist, je kleiner das Kind. Aber es lohnt sich, der Sorge nicht zu viel Spielraum zu lassen, weil Du engst Dich dann selbst ein. Dein Kind kann eine ganze Weile ohne Dich gesund und glücklich sein. Wenn eine Oma da ist, prima für Euch alle.