Wer hat den Krieg „erfunden“?
Wahrscheinlich Thomas A. Edison.
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Die ganze Evolution ist Krieg, also ein Naturgesetz
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Die ganze Evolution ist Krieg, also ein Naturgesetz
Schmarrn
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Wie definierst Du „Krieg“
Literaturtip dazu
Keegan, Die Kultur des Krieges
ISBN: 978-3499602481 Buch anschauen
Gruß
Mike
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Wie definierst Du „Krieg“
war eine frage meiner kleinen schwester… wie kann ich eine kindergerechte antwort geben?
gruß,
mareike
Schmarrn
Interessant… Begründung?
Servus,
nicht von einem Militärhistoriker, sondern von einem Universaldilettanten, der einmal ein paar Semester Agrargeschichte gehört hat:
Krieg gibt es, seit vor ungefähr 15.000 Jahren Ackerbau und Viehzucht erfunden worden sind. Mit Ernte, Ackerland und Viehherden gab es erstmals Dinge, die man gemeinsam und mit Gewalt anderen wegnehmen konnte, die sie gemeinsam erzeugt hatten.
Falls Deine Schwester mit biblischen Geschichten was anfangen kann, die die Dinge sozusagen mit Personen versehen, kann man die Erfindung des Krieges in Zusammenhang mit einer der ältesten Geschichten von tödlichem Streit zwischen einem Ackerbauern und einem Viehzüchter stellen und etwa sagen: Kain und Abel haben den Krieg erfunden. Übrigens einigermaßen aktuell, wenn man Kain und Abel mit den Namen ihrer heutigen Nachfahren Hutu und Tutsi nennt.
Schöne Grüße
MM
Gegenprobe:
Ein Kopf Wirsing im Krieg mit Kohlweißlingen…???
MM
.
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Hallo, liebe Mareike!
Zunächst ginge es darum, sich um eine Vorstellung zu einigen, was „Krieg“ sein könnte.
Danach könnte man, dürfte man, sich Gedanken um die sogenannte kindgerechte Antwort machen.
Trotzdem eingangs, bevor wir zu „echten Kriegführenden“ werden, ein Grenzgeplänkel zum „Kindgerechten“.
Das Konstrukt „Kindheit“ geht mir ziemlich auf die Nerven. So eine „Kindheit“ ist das kranke Fantasieprodukt einer kranken Kultur. Wenn wir von den gigantischen interindividuellen Unterschieden absehen und einfacheitshalber bei „normierten fiktiven Mittelwerten“ bleiben, ist es ein hypergalaktischer Unterschied, ob hier eine 4jährige, eine 6jährige, eine 8jährige, eine 10jährige, eine 12jährige, eine bald 14jährige fragt.
So ein „Kind“ als „Kind“ per se gibt es nicht, existiert nicht. Darüber hinaus gibt es logischerweise die erwähnten persönlichen Unterschiede, die aus einer 6jährigen eine winzige - aber sehr ernstzunehmende - philosophisch Fragende, und aus einer 12jährigen eine verzogene an gar nichts außer an Oberfächlichkeiten „interessierte“ (?) Göre machen können.
Dies streitsüchtelnd geklärt, fangen wir nun an, uns im weiteren ernsthaft zu bekriegen.
Folgende Kategorien schienen mir hilfreich:
Organisierte Streitigkeit gegen unorganisierte.
Ewige Ausrottungskonfrontation bei jedwedem Kontakt gegen punktuelle (ob sporadisch oder enorm langfristig, bis generationenübergreifend) Feindseligkeit, von Streitruhe befolgt.
Spontanes Losschlagen gegen abwägendes vorausgehendes (und es sei noch so kurz) Zögern.
Persönliche Fehde gegen, zumindest prinzipiell, strukturierte Gruppen betreffende/involvierende Fehde.
Krieg hätten wir demnach lediglich dann, wenn
Das Streiten einem Mindestmaß an Durchorganisiertheit gehorchen würde.
Den Feindseligkeiten Perioden der Streitruhe folgen würden, unabhängig davon, wie häufig oder wie durchdauernd die Perioden der Feindseligkeit und die Perioden der Streitruhe wären. Sehr außergewöhnliche Umstände müßten auf beiden Seiten für ein Einsetzen der Streitruhe sorgen können.
Jeder organisierten Feindseligkeit (das betrifft also nicht das Geplänkel als solches) müßte ein Mindestmaß an zögernder Abwägung vorausgehen.
Letzlich strukturierte Gruppen stritten untereinander, auch wenn Anlaß/Auslöser in persönlichen Fehden gewurzelt hätte.
Wenn man diese Kriterien nimmt, entfallen aus der Kategorie „Krieg“ die durchorganisierten Gruppenbekriegungen in der Ameisen- und Termitenwelt, obwohl die dortige Durchorganisiertheit es zur Schaffung von _ Kriegern _ als biologisch prädestinierte Kämpfer gebracht hat: Die „Streitparteien“ bekriegen sich unentwegt bei jedwedem Kontakt bis zur Ausrottung; dem Streiten geht keinerlei zögernde Abwägung voraus: Das Streiten erfolgt stereotyp.
Erst bei Kämpfen unter einigen Caniden-Gruppen fängt man an, Vorstufen von Krieg zu erblicken.
Die Durchorganisiertheit ist allerdings noch zu gering, obwohl in Ansätzen durchaus vorhanden.
Von den lebenden Tieren kennen den Krieg die Paviane, die Gorillas (im viel geringeren Grad freilich als die Paviane), etwas ausgeprägter die Schimpansen, sehr ausgeprägt die Bonobos, noch ausgeprägter die Menschen.
Primate haben also den Krieg erschaffen; der Krieg ist im wesentlichen ein kulturelles Phänomen; wobei wir den ausgestorbenen gemeinsamen Primaten-Vorfahren, mit dem _ „es“ _ im eigentlichen Sinne angefangen hat, der den Krieg eingeführt hat, nicht genau kennen.
Der Mensch hat den Krieg am weitesten entwickelt.
Er hat versucht, rechtfertigende, rein beobachtende, verurteilende Betrachtungen über Kriegsgründe und Kriegsverläufe zu entwickeln. Kriegsregeln zu entwickeln. Den Krieg durch Übereinkommen einzuhegen. Den Begriff und die Realität des Friedensvertrages, somit des Friedens, erschaffen.
Durch die zeitgenössische tendenzielle Pönalisierung des Krieges erfolgt der tendenzielle Rückfall in die vorkulturelle Feindseligkeit, in den Terrorismus.
Merkmale des Terrorismus sind seine Unbedingtheit; das Ablehnen von Regeln und Einhegung, sofern sie den „Anderen“ betreffen könnten; das Beanspruchen von Verohnmächtigung des „Anderen“ durch feindseligsten Regelnbefolgungszwang; das Ablehnen von Kompromissen, bindenden Abmachungen, Friedensverträgen; das völlige Auslöschen des Zu-Bekämpfenden solange er als solcher noch zu erkennen sein könnte; die komplette Verweigerung jeder zu schuldender Gemeinsamkeit mit dem „Anderen“, letzlich die Aberkennung des „Andersein“ dem „Anderen“.
Außerdem die totale Verweigerung jeder jeweiligen potenziell kritischen Abwägung: Der Terrorist ist immer in Recht; er greift nie an, sondern immer verteidigt er sich; er wird provoziert und zur Wehr genötigt. „Er hat keine andere Wahl“. Er ist die geschundene Kreatur, den Naturzustand der „Gerechtigkeit“, das heißt der uneingehegten heiligen Ausrottung betreibend. Er stellt den Sieg des Stallgeruches über die kulturelle Vergesellschaftung wieder her, entspricht somit den Sehnsüchten zum Rückfall in die Barbarei auf der Seite der Vergesellschafteten.
Wer also, fragt ein Kind, hat den Krieg erfunden?
Die Primaten auf ihrem mühseligen Weg zur Kulturgewinnung.
Wer schafft ihn ab? Der Mensch von heute, bestrebt, ihn durch das unbegrenzte unzögerliche Gemetzel rückzuersetzen.
abifiz
.
Wer hat den Krieg „erfunden“?
IMHO die Primaten.
„Krieg“ ist letztlich die organisierte, ziel-
gerichtete und vorhersehbare Beschäftigung der
männlichen Teile einer Gentile (eines „Stammes“) -
ihrem genetisch vorgegebenen Auftrag zu folgen und
a) fremde Keimbahnen (sprich: Frauen anderer Stämme)
als Multiplikatoren ihrer Erbinformation zu benutzen
(umgekehrt „benutzen“ diese „eroberten Frauen“ diese
Männer ja strenggenommen ebenfalls);
b) in tatsächlichen oder vorentworfenen Notsituationen
(wie sie für die frühere ‚human condition‘ selbstver-
ständlich war) benachbarte „fremde“ Ressourcenkonkurrenten
zu beseitigen (zu eliminieren oder liquidieren).
Durch kulturelle Überformung (also für den Menschen
spezifisch) läßt sich beim „Mann“ die vorhandene
Komponente „Stammeszugehörigkeit“ und „Führerloyalität“
so weit hypertrophieren (steigern), daß diese Männer
leicht zum Werkzeug dieses/dieser Führer werden und
an dieser Zugehörigkeit auch vielfach festhalten, wenn
der Augenschein bzw. die ihre Ratio dem eigentlich
entgegensteht oder entgegenstehen müßte.
Aus dieser Mischung, gepaart mit der dem Menschen wieder
eigenen Kreativität bei der Herstellung von Werkzeugen,
entsteht das trostlose Bild der „kriegerischen Menschheit“
welches wir kennen und als " Menschheit überhaupt" verstehen.
Mein Senf
Grüße
CMБ
Schmarrn
Interessant… Begründung?
Die Evolution ist, nach allem was wir wissen, keine Kriegerische Auseinandersetzung. Denn was ist Krieg, wie definiert man Krieg überhaupt.
Zum Krieg führen gehört die willentliche Auseinandersetzung.
da habe ich bei Pilzen und Schwämmen so meine Zweifel.
Die Übertragung der Evolutionstheorie (achtung Themawechsel) auf soziale Fragestellungen (Und Krieg gehört da imho dazu) ist eh eine gewaltige, unzulässige Überdehnung des Theorie, die weit über die in der Öffentlichkeit vorherrschende Ansicht Evolution = Fressen und gefressen werden hinausgeht.
Es mag sein, dass der Drang zu Kämpfen und zu Töten eine dem menschen permanent innewohnende Eigenschaft ist, aber mit der Evolution an sich hat das nichts zu tun!
Gruß
Mike
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Wie definierst Du „Krieg“
war eine frage meiner kleinen schwester… wie kann ich eine
kindergerechte antwort geben?
Wie alt ist deine kleine Schwester?
Frag sie doch mal, was sie unter Krieg versteht…
Gewalt zwischen Gruppen ist schon sehr sehr lange archäologisch und paläoanthropoligisch belegt. Ob man allerdings eine Steinzeitliche Auseinandersetzung zwischen Viehzüchtern oder nomaden (um Weideland oder zugang zu einer wasserstelle oder vieleicht eine Salzquelle) bereits als Krieg bezeichnen kann…
Allgeimen kann man sagen, dass Kriege dann geführt werden, wenn sich die dafür verantwortlichen Vorteile versprechen und die eigentlichen Truppen (also diejenigen, die dann wirklich in diue Schlacht ziehen) ebenfalls Vorteile für sich sehen. Durch Propaganda kann das natürlich verstärkt oder erst erzeugt werden.
Die Frage ist, wie bei Kindern üblich, sehr einfach, aber schwer bis gar nicht zu beantworten, und auch sehr entlarvend.
Gruß
Mike
Hallo,
Die Primaten auf ihrem mühseligen Weg zur Kulturgewinnung.
Ups, hier warst Du schneller als ich … 
Dein Text ist nicht schlecht, auch wenn Du nicht
darauf eingegangen bist, *warum* die Primaten (und
die frühen Menschen) das überhaupt machen *sollten*.
Allerdings:
Wer schafft ihn ab? Der Mensch von heute, bestrebt, ihn durch
das unbegrenzte unzögerliche Gemetzel rückzuersetzen.
liegst Du imho in astronomischer Opposition zu den
landläufigen Begriffen. Wie nennst Du denn dann die
"tatsächlichen Verhältnisse? So z.B. wenn der „Mensch
von heute“ Wasserstoffbomben baut, mit Atombomben die
Städte eines besiegten Gegners niederbrennt
(„out of respect for the tax payer" (Truman 1945)“)
und die Mitglieder des „bedrohlich erscheidnenden Stammes“
in quasiindustriellen Anlagen liquidiert werden, welche durch
Anwendung einer ausgefeilten Logistik bedient (befüllt) werden.
Hmmm …
Grüße
CMБ
Wie alt ist deine kleine Schwester?
gruß
mareike
Wer hat den Krieg „erfunden“?
Liebe Mareike
Einen „Erfinder“ des Krieges gibt es ganz sicher nicht.
Ich glaube, das Phänomen „Krieg“ hat etwas mit der Entwicklung der Begriffe „Eigentum“ und „Macht“zu tun. In grauer Vorzeit war es wahrscheinlich sehr wichtig, dass ein Stamm alles, was er hatte, schützte und sich gegen andere tatsächliche oder vermeintliche Gegner behauptete, indem er sein Territorium in organisierter Form gegen Übergriffe schützte. Als sich Hierarchien herausbildeten, konnten die Machthaber eigene Ziele verfolgen, die nicht unbedingt der Gruppe, wohl aber der Machtposition der Führung nutzte.
Dieser Zeitpunkt ist für mich der eigentliche Beginn des Schlamassels, da das Führen von Kriegen nicht mehr den Kriterien des Überlebens der Gruppe folgte, sondern den Intentionen von Einzelpersonen oder Kleingruppen.
Sieht man sich den Verlauf der Kriege durch die Jahrhunderte hinweg an, so stellt man fest, dass die eigentliche Zahl der Kriege sinkt, nicht aber deren Totalität.
Statt Milliarden und Abermilliarden in Rüstung, also in „totes Kapital“ zu stecken, sollte man sich höheren Ortes mehr mit Fragen wie deiner beschäftigen. Vielleicht kommt man durch Friedens- und Konfliktforschung (meines Wunsch-Ministeriums), den „Erfindern“ auf die Spur. Noch wichtiger als die „Erfinder“ nachzuweisen ist es m. E. aber, Strukturen der heutigen Kriege zu erforschen. Die damaligen „Erfinder“ stünden ratlos da, wenn sie erführen, dass wir heute die Menschen freiwillig wählen, die uns morgen bewaffnet in fremde Länder schicken.
Viele Grüße
Voltaire
Der militante erklärte Wille nicht zu verstehen.
.
Ach, Michailowitsch,
„warum“ ich mich auf haltlose Spekulationen über ein „Warum“ hätte einlassen sollen, darauf gehst du nicht ein. Und wärest Du darauf eingegangen, hättest wahrscheinlich Kopfschütteln beim alten abi ausgelöst (Parkinson??).
Außerdem hab’ ich nichts aber gar nichts über ein „Sollen“, sondern lediglich über Entwicklungs-Realitäten an Hand von (diskutierbaren, und zumindest in meinen eigenen Augen offenkundig sinnvollen) Kriterien beschrieben, aufgrund einer Anfrage nach keinerlei „Sollen“, sondern nach einem „Wer“.
Hätte ich übrigens die Kriterien anders definiert, wären zum Beispiel Termiten und Ameisen freudig und erregt dabei gewesen, ich aber schnöder Rassist hab’ sie entgegen der EU-Richtlinien geschnitten!
Deine weitere Fragen zeigen wie tief und abgerundet das Nicht-verstehn-Wollen sein kann: Genau das von Dir kindlich-staunend Angefragte hab’ ich beschrieben, den Rückfall vom Krieg in das Gemetzel.
Was Deine intelligente Anmerkung angeht, von der ein gewisser Semjon Michailowitsch offenkundig annimmt, sie sei eine kritische, „der olle abi sage öfter Neues, pfeife das eine oder andere Mal auf Konventionen…“, gut daß es dem Michailowitsch langsam auffällt.
Wenn abi nichts auch grundelegend Neues und neu Formendes zu sagen hätte, würd’ er die Klappe nämlich halten, denn am Geräusche-Machen der Geräusche halber liegt es ihm nicht.
Doch schon wieder eine Volte (Dialektik? Inkonsequenz? Kognitive Dissonanz? „Altersflexibilität“?):
Es kocht erstens jeder mit Wasser, zweitens nicht als Erster.
Alles baut aufeinander auf, jeder Sinnschaffender zehrt mit von den Vorangegangenen und Mitgehern.
Abegesehen von, sind meine diesmalige Bemerkungen in diesem Faden ein ziemlich alter Hut, eigentlich geklaute (oder eleganter „teilabgekupferte“) Ware, wenn auch dem Mainstream mit guten Gründen widersprechend.
Was ich von den entsprechenden Konventionen halte, hab’ ich mehrmals angedeutet.
abifiz
.
Hallo,
Es mag sein, dass der Drang zu Kämpfen und zu Töten eine dem
menschen permanent innewohnende Eigenschaft ist, aber mit der
Evolution an sich hat das nichts zu tun!
Mit Evolution hat das für den Menschen insofern was zu tun, als daß die schwächere Gesellschaft (meistens) der Stärkeren unterlegen war und somit der Krieg für die menschlichen Zivilisationen daß ist, was in der Natur z.B. der Habicht für die Hühner ist.
Krieg (Kriegsbedrohung) ist ein entscheidenter Antriebsmotor der menschlichen Evolution.
Gruß
Hallo,
Es mag sein, dass der Drang zu Kämpfen und zu Töten eine dem
menschen permanent innewohnende Eigenschaft ist, aber mit der
Evolution an sich hat das nichts zu tun!
Krieg (Kriegsbedrohung) ist ein entscheidenter Antriebsmotor
der menschlichen Evolution.
Servus
Wir sollten uns als allererstes mal darüber klar werden, van was wir genau reden (Sonst quatschen wir nämlich aneinander vorbei)
Der Ausgangsposter verwendete in seinem Posting des Ausdruck „Naturgesetz“ und „Evolution“ in einem Sinnzusammenhang. Daher beziehen sich meine Aussagen ausschlieslich auf den naturwissenschaftlichen Evolutionsbegriff. Und da ist es nicht zu erkennen, dass Kriege irgendeinen signifikanten Einfluss auf die physische Entwicklung der Art _Homo sapiens hatten oder haben.
(es gibt Leute, die dahingehend andere Ansichten haben, aber die sollten sich mal dringend den Schädel röntgen lassen)
Dass Kriege für die soziokulturelle Entwicklung (=„Evolution“) der Manschheit durchaus von Bedeutung (wenn auch weitgehend negativer) sind, kann man wohl kaum bestreiten.
Aber das Vermengseln von naturwissenschaftlichem und Soziokulturellem Evolutionsdefinitionen, sowie die Übertragung der naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie in die Sozialwissenschaften (Sozialdarwinismus) ist pseudowissenschaftlicher Unfug.
Mit Evolution hat das für den Menschen insofern was zu tun,
als daß die schwächere Gesellschaft (meistens) der Stärkeren
unterlegen war und somit der Krieg für die menschlichen
Zivilisationen daß ist, was in der Natur z.B. der Habicht für
die Hühner ist.
Diese Aussage ist eine unzulässige Verkürzung des gegenwärtigen Forschungsstandes und zeugt von einer bedauerlichen Unkenntnis der naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie.
Ist schon interessant, wie sich die Sozialdarwinistischen Unfugsthesen des vorletzten und letzten Jahrhunderts in den Köpfen festgesetzt haben.
- Wie bereits erwähnt, beschäftigt sich die Evolutionstheorie mit physischen Veränderungen sow8ie der Entwicklung neuer Arten.
- Evolution gem. gegenwärtiger Theorien ist ein nicht zielgerichteter Prozess. (kann man von Kriegen nicht gerade behaupten)
- Evolution beruht auf die Weitergabe von Genen, wie es hier nun zu einer Auswahl kommt, ist relativ belanglos. Tatsächlich scheint sexuelle Attraktivität einen wesentlich bedeutenderen beitrag zu leisten als das Abmurksen einzelner Wesen.
- Die Betrachtung der kriegerischeren Gesellschaften als „stärker“ im Sinne von „höher Entwickelt“ ist durch die Geschichte hinreichend präzise widerlegt, ausser man sieht das Kriegerische als die höchste Entwicklungsstufe an.
(Die Zeiten sollten vorbei sein) - Der Vergleich ist auch dahingehend unzulässig, weil es sich beim habicht-Hihn-Modell um zwei verschiedene Arten handelt, während es sich beim Analogieschluss auf menschliche Gesellschaften um eine einzelne Art handelt.
Man sollte sich alle sozialdarwinistischen Vergleiche sparen, ersten müffelt das, und zweiten ist es schlichwegs pseudowissenschaftlicher Unfug. Eine unzulässige Überdehnung der naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie.
Gruß
Mike_
Servus
Wir sollten uns als allererstes mal darüber klar werden, van
was wir genau reden (Sonst quatschen wir nämlich aneinander
vorbei)
Der Ausgangsposter verwendete in seinem Posting des Ausdruck
„Naturgesetz“ und „Evolution“ in einem Sinnzusammenhang. Daher
beziehen sich meine Aussagen ausschlieslich auf den
naturwissenschaftlichen Evolutionsbegriff.
Nur weil „Natur“ in „Naturgesetz“ vorkommt, kann man hier nicht zwangsläufig davon ausgehen, daß die naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie gemeint ist. Die chemische Evolution unterliegt sicherlich auch Naturgesetzen.
Meiner Aussage lag folgende Definition von Evolution zugrunde:
Evolution [lateinisch] die, langsame, kontinuierlich fortschreitende Entwicklung (im Unterschied zur Revolution) in verschiedenen (v. a. großräumigen) Zusammenhängen und Beziehungen
http://lexikon.meyers.de/meyers/Evolution
Ich sprach von Zivilisation, Staats- und Gesellschaftsformen:
- Wie bereits erwähnt, beschäftigt sich die Evolutionstheorie
mit physischen Veränderungen sow8ie der Entwicklung neuer
Arten.
Bsp. Napoleonische Kriege:
Hätte das fortschrittliche, napoleonische Frankreich 1807 nicht Preußen besiegt, hätten Hardenberg & Co ihre Reformen vergessen können, es hätte keine Bauernbefreiung gegeben und die Industrielle Revolution wäre an Dtl. genauso vorrüber gegangen wie an Rußland. Ohne diesen verlorenen Krieg hätten wir also heute vielleicht eine ganz andere Gesellschaftsordnung.
Bsp. 1. WK:
Ohne diesen Krieg wären Dtl. und halb Europa wahrscheinlich Monarchien.
etc pp usw usf
- Evolution gem. gegenwärtiger Theorien ist ein nicht
zielgerichteter Prozess. (kann man von Kriegen nicht gerade
behaupten)
Der Krieg ist ja nur Katalysator dieser Evolution (er beschleunigt oder bremst gewisse Entwicklungen).
- Evolution beruht auf die Weitergabe von Genen, wie es hier
nun zu einer Auswahl kommt, ist relativ belanglos. Tatsächlich
scheint sexuelle Attraktivität einen wesentlich bedeutenderen
beitrag zu leisten als das Abmurksen einzelner Wesen.
Das ist selbst bei naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie nicht so, oder was denkst Du warum Giraffen so lange Hälse haben? Weil das sexuell attraktiver ist? Nein, weil die kurzhalsigen Verwandten die Hungersnöte nicht überlebt haben. Und genauso gibt es in der Geschichte zig Nationen/Kulturen die untergegangen sind weil irgendwelche Entwicklungen an ihnen vorrüber gegangen sind.
- Die Betrachtung der kriegerischeren Gesellschaften als
„stärker“ im Sinne von „höher Entwickelt“ ist durch die
Geschichte hinreichend präzise widerlegt, ausser man sieht das
Kriegerische als die höchste Entwicklungsstufe an.
(Die Zeiten sollten vorbei sein)
Auch das ist nicht korrekt. Was denkst Du warum manche Völker in der Südsee heute noch leben wie die Europäer vor 10.000 Jahren? Weil die einzige Bedrohung von der Natur ausging und als man diese Gefahr kontrollieren konnte, hörte man auf sich weiterzuentwickeln.
- Der Vergleich ist auch dahingehend unzulässig, weil es sich
beim habicht-Hihn-Modell um zwei verschiedene Arten handelt,
während es sich beim Analogieschluss auf menschliche
Gesellschaften um eine einzelne Art handelt.
Ich glaube nicht, daß es nur eine menschliche Gesellschaft gibt. Vereinfacht dargestellt läßt sich sagen: die Menschheit besteht aus verschiedenen Kulturkreisen, Religions- und Völkergruppen, diese bestehen wiederum aus verschiedenen Nationen (und umgekehrt) und sogar diese lassen sich noch in gesellschaftliche Schichten (mit unterschiedlichen polit. Einfluß) unterteilen.
Gruß