Das Leben ist kompliziert geworden…
Hallo,
Ich stelle immer wieder fest, dass das Leben komplizierter wird. Möglicherweise sind Kleinkinder auf dem Fahrrad besonders gefährdet, aber es gibt nun mal Familien ohne Autos. Hin und wieder muss man grössere Strecken zurücklegen - wie? (Wenn nicht mit dem Fahrrad.)
Wollt Ihr kostenlose Eltern-und-Kind-Taxen einführen? Vermutlich nicht, die Diskussionen in letzter Zeit gehen dahin, dass jeder sich selbst hilft und niemand nach dem Staat ruft. Trotzdem nimmt sich jeder das Recht, sich in die einzelnen Problemlösungen einzumischen.
Nehmen wir an, eine junge Mutter, eine junge Familie lebt ohne Auto. Vielleicht aus Umweltbewusstsein, vielleicht um Geld zu sparen. Die Mutter muss aus irgendeinem Grund in 4-5 km Entfernung etwas erledigen. Vielleicht einkaufen, vielleicht Behördengänge erledigen, ihre Eltern besuchen, Freunde besuchen, sich in eine Weiterbildung eintragen oder was auch immer. Nehmen wir an, Busse fahren nur sehr sporadisch und mit Umwegen und Umsteigen.
Welche Möglichkeiten hat sie? Das Kind alleine zuhause lassen? Ein Taxi bezahlen? 10 km laufen? Einen halben Tag mit dem Bus unterwegs sein?
Ich meine, man muss konsequent sein, und zwar von beiden Seiten. Wenn man den Leuten Sicherheitsvorschriften macht, dann muss man ihnen auch helfen, ihren Alltag zu regeln (in diesem Fall z.B. kostenlose Taxen für Leute mit kleinen Kindern). Solange der Trend dahin geht, dass der Staat sich heraushält und die Leute ihre Alltagsprobleme selbst regeln, dann darf man sich auch nicht zu viel einmischen.
Viele Grüsse, Walkuerax
P.S. Ihr kennt sicher alle den Text, der immer wieder im Internet kursiert:
Kinder von heute werden in Watte gepackt!
Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!
Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.
Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium.
Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.
Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.
Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.
Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.
Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!
Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld, außer wir selbst. Keiner fragte nach „Aufsichtspflicht“ . Kannst du dich noch an „Unfälle“ erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht.
Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.
Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.
Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms. Wir hatten Freunde!
Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur möglich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.
Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.
Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.
Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!
Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen.
Und du gehörst auch dazu.
Herzlichen Glückwunsch