Namensgebung kontrovers

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage, die vermutlich ziemlich in Diskussionen ausarten wird. Es geht um die Namensgebung von Kindern.

Ich habe mich mit meiner Freundin vor einiger Zeit - wie man das halt so tut, wenn man verliebt ist :wink: - darüber unterhalten, wie man ein gemeinsames Kind nennen würde. Ich selber hege seit langem den Wunsch, meinem Sohn den, meiner Meinung nach sehr schönen Namen ‚Judas‘ zu geben. Allerdings ist dieser Namen natürlich nicht gerade mit schönen Assoziationen gespickt, ebenso wie der einfache Name ‚Adolf‘. Ich habe mich auch mittlerweile darauf eingelassen ‚Judas‘ als Zweitnamen zu verwenden, alleine schon deshalb, weil ich meinem Kind eine schöne Kindheit ermöglichen möchte :smile:

Meine Frage ist nun, was ihr davon haltet, mein Kind so zu benennen? Ich höre vor allem gerne Antworten von Menschen die Ahnung mit so etwas haben, da diese Frage einige Unterfragen impliziert:

  1. Inwieweit wird so ein Name von Standesämtern überhaupt akzeptiert?
  2. Wird ein Pfarrer mein Kind überhaupt taufen, wenn es diesen Namen trägt? (wir sind übrigens beide evangelisch, und die sind ja meistens etwas lockerer)
  3. Welche Erfahrungen wird das Kind durchmachen? Ich kenne übrigens einige Menschen, deren Zweit- oder Drittnamen ich erst nach 10 Jahren erfahren habe.

Ich freue mich auf eure Antworten und die anstehende Diskussion.
Also, Standesbeamte, Pfarrer, Pädagogen und jeder andere bei www:

Auf ans Werk,

mfg, Chris

Hallo,
ganz ehrlich, das müsst ihr wissen, was ihr euren Kinder "antun! wollt.
Mir tut es einfach nur leid, wenn man manche Kindernamen hört…

Meine Frage ist nun, was ihr davon haltet, mein Kind so zu
benennen?

Garnichts halte ich davon

  1. Inwieweit wird so ein Name von Standesämtern überhaupt
    akzeptiert?

"Eltern ist es verboten, dem Kind einen lächerlichen oder anstößigen Namen zu geben. Wer seinen Sohn Judas oder Osama nennen möchte, hat in Deutschland schlechte Karten. Selbst ein so einfacher Name wie Rosa kann Scherereien machen, wenn der Nachname beispielsweise Schlüpfer ist. Rosa Schlüpfer ist ein anstößiger Name und deshalb nicht erlaubt. Weitere Namen, die abgelehnt wurden, sind: Borussia, Pepsi, Rumpelstilzchen oder Doornkaat. Pumuckel hingegen wird als Vorname gestattet."Quelle:http://www.wdr.de/tv/service/familie/inhalt/20030813…

  1. Welche Erfahrungen wird das Kind durchmachen? Ich kenne
    übrigens einige Menschen, deren Zweit- oder Drittnamen ich
    erst nach 10 Jahren erfahren habe.

Das kommt wohl auf die Umgebung an.

Manu

Hallo!

Meine Frage ist nun, was ihr davon haltet, mein Kind so zu
benennen?

ich halte das für eine ganz miserable Idee.
Dein Sohn wird wahrscheinlich in der Kindheit brutal drunter leiden müssen… ja Kinder sind brutal.
Und auch später ist ein Name, der nicht vorteilhaft ankommt.

Das alles unter der Vorraussetzung du bekämst das beim Standesamt hin.

Es bleibt zu hoffen, dass du ne Tochter bekommst :wink:

Gruß Ivo

Hallo Chris,

also, wenn Du in ein Land auswandern willst außerhalb des christlich geprägten Kulturkreises, warum nicht?

Andernfalls:
Mit diesem Namen - auch wenn ich verstehe, dass einem die Klangfolge gefallen kann - gibst Du Deinem Kind eine Hypothek mit, die nicht Du, sondern letztlich das Kind einlösen muß.

Wenn ich mir vorstelle, Dein Kind kommt im Grundschulalter zum Spielplatz und irgendeiner ruft dann: „Verräter, Verräter …“

So ist nun mal dieser Name in der christlichen Prägung drin - egal was man dagegen historisch durchaus einwenden kann. Aber selbst wenn: Warum soll Dein Kind sich am christlichen Antijudaismus abarbeiten? Das läßt sich gar nicht vermeiden, denn der Name „Judas“ existiert nicht im luftleeren Raum.

Ich finde eigentlich, dass es schon reicht, wenn Juden sich in ihrem Alltag daran (am christlichen Antijudaismus) immer wieder abarbeiten müssen - ob sie wollen oder nicht. Aus eigener Erfahrung würde ich Deinem zukünftigen Sohn wünschen, daß Du ihn nicht in diese Situation bringst.

Viele Grüße

Iris

Hallo xa.chris,

ich halte, genau wie meine Vorposter, ebenfalls nichts von DEINEM Wunsch deinen Sohn Judas zu nennen. In so einem Fall wäre vorprogrammiert, dass dein Sohn Lästereien und vielleicht noch schlimmerem in seiner Kindheit ausgesetzt ist. Kinder können ziemlich brutal sein. Wie das dein Sohn verkraftet ist Spekulation. Aber musst du es denn unbedingt darauf ankommen lassen, nur um deinen Willen durchzusetzen? Ich würde an deiner Stelle auf deinen innigen Wunsch verzichten und dem noch nicht Gezeugten einen anderen Namen suchen. Einen Namen, mit dem ein Leben ohne Lästereien usw. möglich ist.

Gruß

Phoebe

Hallo Chris,

Ich habe mich auch mittlerweile darauf eingelassen ‚Judas‘ als
Zweitnamen zu verwenden,

Ich sehe mit dieser Vorgehensweise kein Probleme, da der zweitname i.d.R. nur begrenzt bekannt ist.

Ansonsten gehe ich davon aus, das durch die Entchristianisierung und der damit verbundene Verlust von Kulturwissen die Sache eh entschärft. Ich würde fast wetten, dass 50 % der ostdeutschen bis 40 jahre mit dem Namen Judas eher den Namen einer tollen Rockgruppe verbinden als mit der Geschichte aus einem ollen Buch.

Ciao maxet.

Warum
Hallo Chris,
interessieren würd mich wieso Du den Namen so ansprechend findest?

P
Die gerade Tante geworden ist und daher das Thema Namensgebung zur Genüge abgehandelt hat

Dem Kind zuliebe …
… würde ich dieses nicht so nennen. Denn Dein Sohn muss mit dem Namen leben und hat überhaupt nichts davon, dass Dir der Name gefällt.

Hallo,

Hallo zusammen,

  1. Inwieweit wird so ein Name von Standesämtern überhaupt
    akzeptiert?

Als Engländer, könntest Du Dein Kind auch Micky Mouse nennen. In Deutschland liegt in der Tat viel Macht beim Standesbeamten, wobei einige positive Argumente Deinerseits ihn eventuell überzeugen könnten.

  1. Wird ein Pfarrer mein Kind überhaupt taufen, wenn es diesen
    Namen trägt? (wir sind übrigens beide evangelisch, und die
    sind ja meistens etwas lockerer)

Natürlich. Das wäre ja noch schöner, wenn nicht.

  1. Welche Erfahrungen wird das Kind durchmachen?

Hellseher bin ich nicht.

Ich kenne
übrigens einige Menschen, deren Zweit- oder Drittnamen ich
erst nach 10 Jahren erfahren habe.

Was hat das damit zu tun?

Meiner Meinung nach machst Du viel Aufhebens um nichts.

Ich frage mich bloß warum Du Dich noch Chris nennst, wenn Dir andere Namen viel besser gefallen?

Wie wäre es denn mit Maria, paßt auch gut zu Chris *lach* und ist ebenso für Mädchen nutzbar.

Besten Gruß
Mathias

Hallo,

Hallo zusammen,

  1. Inwieweit wird so ein Name von Standesämtern überhaupt
    akzeptiert?

Als Engländer, könntest Du Dein Kind auch Micky Mouse nennen.
In Deutschland liegt in der Tat viel Macht beim
Standesbeamten, wobei einige positive Argumente Deinerseits
ihn eventuell überzeugen könnten.

Hi,

ich finde nicht, dass man von Macht sprechen sollten. Eher von einer gewissen „Sorgfallspflicht“ denn wenn jeder so dürfte wie er wollte dann bräuchten wir wohl eine Vielzahl mehr an Kinder- Psychologen.

Ich für meinen Teil finde es eh, sagen wir mal merkwürdig, wie manche Eltern auf bestimmte Namen kommen, da muss es gar nicht so verrückt sein wie in diesem Fall. Wer heute noch sein Kind z.B. Hubert nennt sollte auch noch einmal hinterfragt werden.

Viele Grüße
Me

1 „Gefällt mir“

In Deutschland liegt in der Tat viel Macht beim
Standesbeamten, wobei einige positive Argumente Deinerseits
ihn eventuell überzeugen könnten.

Hi,

ich finde nicht, dass man von Macht sprechen sollten. Eher von
einer gewissen „Sorgfallspflicht“ denn wenn jeder so dürfte
wie er wollte dann bräuchten wir wohl eine Vielzahl mehr an
Kinder- Psychologen.

Ich für meinen Teil finde es eh, sagen wir mal merkwürdig, wie
manche Eltern auf bestimmte Namen kommen, da muss es gar nicht
so verrückt sein wie in diesem Fall. Wer heute noch sein Kind
z.B. Hubert nennt sollte auch noch einmal hinterfragt werden.

Viele Grüße
Me

Hallo,

Interessant und nicht ganz einleuchtend dabei ist, dass hier alle nur vom Vornamen reden.

Also ich heiße Häring und mußte damit leben ohne dass ein Standesbeamter gesagt hat…Ohh, da brauch er bestimmt einen Kinderpsychologen.

Zugegeben, dass man vielleicht als Fisch oder Rollmops oder sonst was bezeichnet wird in der Schulzeit ist eher lachhaft als „problematisch“, ergo habe ich den Namen auch beibehalten, als ich ihn ablegen konnte.

Namen, die etwas aus der Reihe tanzen, haben auch einige Vorteile. Man bleibt z.B. bei anderen besser im Gedächtnis.

Dagegen gibt es aber genügend Beispiele von noch „unmöglicheren“ Nachnamen, um die sich aber keiner kümmert.

Ich bin jedenfalls, trotz dieses Arguments nicht für mehr Reglementierung sondern für weniger.

Der Standesbeamte sollte in keinster Weise eine Sorgfaltspflicht zugestanden bekommen. Welche Qualifikation hat dieser denn, um entscheiden zu können, wie das Kind heißen darf und wie nicht?

Es ist reine Geschmackssache.

Leider gibt es in Deutschland Bestimmungen die extrem schwammig sind und dem Standesbeamten tatsächlich mehr Macht geben, als er meiner Meinung nach haben sollte:

Der Vorname…

… muss als solcher erkennbar sein.

???

… muss eindeutig männlich oder weiblich sein.

Maria?

… darf dem Kindeswohl nicht schaden.

Britney?

… darf kein Orts-, Familien- oder Markenname sein.

Hagen?

Besten Gruß
Mathias

PS: Weiterführende Infos http://de.wikipedia.org/wiki/Vorname

Hi Chris,

sowohl Standesamt als auch Kirche werden den Namen akzeptieren (würde auch bei Adolf so sein).

Was schwerer wiegt ist das Argument, was Du Deinem Kind damit antust. Ich finde, als Eltern sollte man nicht nur seinen persönlichen (von Mode oder anderen Vorstellungen geprägten) Neigungen nachgeben, sondern auch im Hinterkopf behalten, dass das Kind sich sein Leben lang mit dem Namen „schmücken“ muss.

Wozu sollte man Judas als Zweitnamen verwenden? Wozu überhaupt ein Zweitname, wenn man ihn sein Leben lang eher verschweigen wird? Der Sinn von Zweitnamen - wenn man mal von veralteten Traditionen absieht - ist mir bis heute nicht transparent.

Viele Grüße
Andreas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Maxet,

da ich keine DDR-Sozialisation habe, würde mich Deine Einschätzung dazu näher interessieren.

Ansonsten gehe ich davon aus, das durch die
Entchristianisierung und der damit verbundene Verlust von
Kulturwissen die Sache eh entschärft. Ich würde fast wetten,
dass 50 % der ostdeutschen bis 40 jahre mit dem Namen Judas
eher den Namen einer tollen Rockgruppe verbinden als mit der
Geschichte aus einem ollen Buch.

Die Beobachtung, daß Kulturwissen in diesem Bereich immer „dünner“ wird, teile ich. Trotzdem habe ich den Eindruck gewonnen, daß bestimmte „basics“ weitergegeben werden, d.h. daß nicht unbedingt die Details über Judas und was mit ihm im Neuen Testament verbunden ist, bekannt ist, aber solche Redewendungen wie „Judaslohn“ oder „Du Judas“ im Sinn von „Du Verräter“ durchaus im Alltag von säkularen Leuten verwendet werden.

Und mit diesem Verwenden wird auch etwas Atmosphärisches weitergegeben (abwertende Stimme, Tonfall, Gestik etc.) - auf jeden Fall, daß „Judas“ nichts positiv Besetztes ist.

Wie siehst Du das?

Viele Grüße

Iris

Hallo, MeToo!

  1. Inwieweit wird so ein Name von Standesämtern überhaupt
    akzeptiert?

Als Engländer, könntest Du Dein Kind auch Micky Mouse nennen.

Vor geraumer Zeit habe ich dasselbe von Cuba gelesen. Da kam der Beispiel von ein Mädchen namens „Globulina“ (=rote Blutkörperchen im Blut)
Auch in eine Klassenliste in Spanien lass ich von einem Jung, dessen Eltern die Vornamen gaben „Rubén Dario“ + Nachname.
Und am haaresträubendsten empfand ich bei Eheleute, die nacheinander 3 Jungs zur Welt brachten und jeweils die Namen kriegten: Vladimir; Ilich und Ulianov. Wohl gemerkt diese familie hatte kein „sichtbaren“ Draht zu UdSSR.

ich finde nicht, dass man von Macht sprechen sollten. Eher von
einer gewissen „Sorgfallspflicht“ denn wenn jeder so dürfte
wie er wollte dann bräuchten wir wohl eine Vielzahl mehr an
Kinder- Psychologen.

Ich finde ebenfalls daß dies den Beamten nicht zustehen soll(te).

Hier mehr Beispiele:
Auch in eine Klassenliste in Spanien lass ich von einem Jung, dessen Eltern die Vornamen gaben „Rubén Dario“ + Nachname.
Und am haaresträubendsten empfand ich bei Eheleute, die nacheinander 3 Jungs zur Welt brachten und jeweils die Namen kriegten: Vladimir; Ilich und Ulianov. Wohl gemerkt diese familie hatte kein „sichtbaren“ Draht zu UdSSR.

Ich für meinen Teil finde es eh, sagen wir mal merkwürdig, wie
manche Eltern auf bestimmte Namen kommen, da muss es gar nicht
so verrückt sein wie in diesem Fall.

Ich gebe Dir recht. Nur warum sollen sie nicht eine ungehinderte Nennungsfreiheit haben???

Wer heute noch sein Kind
z.B. Hubert nennt sollte auch noch einmal hinterfragt werden.

Warum? Was ist mit dieser Name??? Wieso ist Hubertus abstössig?

Schöne Grüße aus Nürnberg
Helena *die mindestens 5 Adolfs kennt die nie darunter gelitten haben.* *die einen Mann kennt, dessen Eltern unbedingt ein Mädchen wollten UM die Name „Pilar“ zu geben. Und schließlich liessen sie sich von der Willkür der Natur nicht beirren und nannten ihren Sohn, eben Pilar, ein durch und durch weiblicher Name* :o))

… würde ich dieses nicht so nennen. Denn Dein Sohn muss mit
dem Namen leben und hat überhaupt nichts davon, dass
Dir der Name gefällt.

Ich habe meiner Tochter auch einen Namen gegeben, der mir gefällt und mit dem sie ein Leben lang leben muss. Ist das falsch? Wie soll man denn Namen auswählen wenn nicht danach, ob sie einem gefallen? Das Kind kann man ja nicht fragen, immerhin muss es innerhalb einer Woche nach der Geburt angemeldet werden.

Hello again,

ich wiederhole mich gerne, ich finde es gut, dass der Willkür nicht Tür und Tor geöffnet werden sonder man sich zumindest bei „ausgefallenen“ Namen noch einmal rechtfertigen muss.

Ich bin nicht gerade ein Freund derer die ihren Kindern Modenamen geben und du darfst mir glauben, dass meine Frau und ich uns die Namensgebung unserer zwei Kinder nicht leicht gemacht haben, sondern vielmehr im Vorwege nach bestimmten Kriterien unterschieden haben.

Ich stehe fest auf dem Standpunkt, dass ein Name prägend ist,dabei pflichte ihr dir bei, dass es egal ist ob es der Vor- oder Nachname ist. Wie du aber selbst sagst, kann man auf den Vornamen Einfluss nehmen, bei dem Nachnamen wird es schon schwieriger.

Ein Mensch wird nach vielen Dingen beurteilt, eines dieser Dinge ist aber auch der Vorname, und das bleibt fürs ganze Leben. Wenn du Tausend Leute fragst bekommst du bei vielen Namen mehr Meinungen als dir lieb ist, wir z.B. haben unsere Namensidee niemanden vorher mitgeteilt um nicht ein pro oder contra zu bekommen. Die Suche aber hatte sich sehr schwer gestaltet denn die Namen sollen nicht nur uns sondern auch anderen gefallen.

Viele Grüße
Me

PS: Nur für die die es interessiert, beide Kinder haben zwei Vornamen (keine Doppel Namen) der Grosse heißt Bjarne, Corvin, der Kleine Davin, Semjon und wenn ich mir heute noch einmal Namen aussuchen dürfte würde ich wohl wieder die gleichen nehmen :wink:

Hallo,

zunächst mal würde ich mich an deiner Stelle fragen, woher die Begeisterung für einen Namen kommt, von dem Du selbst ausgehst, dass er auf breite Ablehnung stoßen wird. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es da alleine um den phonetischen Wohlklang geht. Niemand kann sich von bestimmten Assoziationen frei machen, die „kulturelles Allgemeingut“ sind, und wird diese daher so oder so immer in eine entsprechende Überlegung mit einbeziehen. Für den sicher weit überwiegenden Teil der Bevölkerung würden die historisch/religiös festzumachenden eindeutigen Negativmerkmale sicherlich so überwiegend sein, dass kein anderes Argument so gut sien könnte, diesen Namen trotzdem verwenden zu wollen. Stellt sich also die Frage: „Was läuft bei dir anders?“

Und wenn Du dir auf diese Frage eine ehrliche Antwort geben kannst, dann solltest Du dir darüber Gedanken machen, ob es unter diesen Voraussetzungen fair ist, einem Kind diesen Namen zu geben. D.h. ob Du diesen Namen wirklich im Sinne des Kindeswohlen vertreten kannst oder ob Du dich da von Überzeugungen leiten lässt, mit denen sich dein Kind später nicht unbedingt identifizieren muss, und die es über Jahre hinweg nicht einmal verstehen und begreifen kann, deren Folgen es aber unzweifelhaft zu tragen haben wird.

Ganz ehrlich: „Weniger ist oft mehr“, gerade auch bei der Namensgebung der eigenen Kinder. Es müssen und sollen ja nicht alle Kinder Peter oder Susanne heißen, aber die Auswahl an Namen, über die man sich überhaupt keine negativen Gedanken machen muss, ist doch nun wirklich groß genug. Zu viel Individualität kann dagegen schnell nach hinten los gehen, und hat auch gerne ein entsprechendes Labeling zur Folge, von dem die betroffenen Kinder kaum noch loskommen.

So werden besonders exotische Namen nun mal bevorzugt in Kreisen verwendet, die nicht unbedingt über eine umfassende Fremdsprachenbildung verfügen und eher durch wirtschaftliche Schwäche, als durch die durch den Namen vermutlich zur Schau gestellte angebliche internationale Bewandertheit auf sich aufmerksam machen. Größter Brüller in dem Zusammenhang war in meiner Kindheit (ich hatte einige Jahre in Aachen gelebt, wo Französisch durchaus präsent war, und zog dann auf ein kleines Dorf in Niedersachsen) das neue Nachbarsmädchen Nicole, das von seinen Eltern immer „Nikolle“ gerufen wurde.

Um Eltern und insbesondere auch den Kindern solche Peinlichkeiten zu ersparen, würde ich mir wünschen, dass die Standesbeamten sogar viel mehr als bislang das Thema Namensgebung mit den Eltern besprechen würden. Nicht im Sinne von Verboten oder als „unzulässige Einmischung“ in elterliche Autorität, sondern als objektive Instanz mit besonderer Erfahrung auf diesem Gebiet. Und in so einem Gespräch würde man dann hoffentlich auch den Namen „Judas“ mal deutlich hinterfragen auch ohne, das ich hier ein offensichtliches Eintragungshindernis erkennen würde.

Gruß vom Wiz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Na Du,

ich lese deine Zeilen und stelle für mich fest, dass es ein schmaler Grad ist zwischen geht noch und geht nicht mehr. Hubert z. B. war nur ein Name den ich dieser Tage auf dem Spielplatz gehört hatte, die Mutter rief ihre zwei Kinder (den zweiten Namen erinnere ich gerade nicht, war aber genauso „grausam“) und alle umstehenden Eltern sahen erschrocken auf und schauten wer denn da jetzt gerufen wurde.

So eine Situation finde gediegen. Das persönliche Empfinden der verschiedenen Personen war nahezu einhellig und ein Kopfschütteln machte die Runde. Es mag sein das es nicht am Namen lag sondern „nur“ daran das er nicht mehr ganz Zeitgemäß ist.

Genauso sehe ich es beim dem Namen Adolf, er sicht nicht mehr Zeitgemäß. Ich würde einen älteren Herren mit dem Vornamen nicht komisch ansehen (auch nicht wegen A. Hitler) aber ein kleiner Junge mit dem Vornamen würde mir leid tun.

Sicherlich kann man es nie allen Recht machen und das ist auch gut so, Vornamen machen halt auch den „kleinen aber feinen“ Unterschied aus der das Leben so interessant gestaltet aber Eltern sollten nicht so egoistisch sein und nur Ihre Lieben und Vorlieben in die Namensgebung stecken sonder auch einmal überlegen wie das Umfeld auf so Einen reagiert (z.B. im Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschland, zwischen Ost und West).

In unserem Urlaub haben uns einige Süddeutsche komisch angeschaut als wir Bjarne riefen, vermutlich weil der Name dort nicht so geläufig ist, bei uns im Norden aber kennen diesen viele auch wenn er vor 4 Jahren noch nicht so geläufig war. Nebenbei finde ich die Bedeutung, in diesem Fall, der kleine Bär, auch ganz interessant aber das wäre jetzt wieder ein anderes Thema.

Liebe Grüsse
Me

Wie würdest Du denken?
Hallo Chris!

Wie würde es Dir gehen, wenn Dich Deine Eltern Judas getauft hätten? Was ist denn so besonders an diesem Namen? Viele Eltern halten ihr Kind für etwas so Besonderes (was es ja durchaus sein mag), daß Ihnen scheinbar jedes Mittel recht ist, dies durch die Namensgebung auch noch zu unterstreichen.

Als ich in die Schule ging, hießen viele Kinder Franz, Josef, Karl, Peter usw (sind übrigens alles Kaisernamen). Dann kam der Trend auf, daß man nur Namen wählte, die einzigartigartig sind (sein sollten). Meine Tochter hatte 7 (!) Kolleginnen im KiGa, die Nicole hießen, auch Dominik und mein spezieller Favorit, Kevin war mehr als einmal vetreten. Aber es gab keinen Franz, keinen Karl aber dafür einen Kevin Huber. Man sollte bedenken, daß einem die Kinder nicht als Spielzeug, mit dem man machen kann, was man will, gegeben wurden, sondern daß seine Verantwortung schon bei der Namensgebung anfängt.

Wenn Dir Judas so gefällt, dann geh’ doch zum Standesamt und ändere Deinen Namen, aber laß Dein(e) Kind(er) aus dem Spiel, tu’ ihm/ihnen das nicht an.

meint

Gollum

Hallo Chris,

ich persönlich denke, dass Du Deinem Sohn damit keinen Gefallen tun würdest. Der Name ist nunmal automatisch assoziiert mit „Verräter“, „Du Judas“ etc. Komischerweise ist das z.B. bei der englischen Version „Jude“ nicht so (siehe Jude Law, oder der Beatles-Song), da wird offenbar unterschieden zwischen „Judas (Iscariot)“ und eben den anderen biblischen Judassen, die „Jude“ heißen … Andere Länder, andere Sitten. In Lateinamerika ist es ja auch üblich, sein Kind Jesus zu nennen. Das würde man in Deutschland wohl nicht tun.

Natürlich kommt es auch auf den Nachnamen an. Möchtest Du „Rosa Schweinchen“ oder „Kaspar Würstle“ heißen? Kenne ich beides …

Im übrigen gibt es Untersuchungen, dass Menschen mit „gewöhnlichen“ Vornamen oft erfolgreicher sind, gerade weil man mit ihrem Namen nicht gleich etwas ausgefallenes, exotisches assoziiert.

Gruß,
Sibylle aus M *die sich beim Gedanken an „San Diego“ immer noch schüttelt, da hätte das Amt mal einschreiten sollen*

P.S. Ich kann der Liste an seltsamen Namensgebungen im Ausland noch ein paar Brüller hinzufügen. Angeblich haben zwei amerikanische Neurologen ihre Töchter Meningitis und Encephalitis (Hirnhaut- und Gehirnentzündung) genannt. Meine Tante kannte einen Jungen, dessen brasilianischer Name übersetzt „Peter fiel gerade die Treppe hinunter“ lautete. Das grenzt schon an psychische Kindesmißhandlung.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]