Hallo Chris,
Diese ganze Diskussion ist mir
entgangen, aber ich möchte noch kurz
meinen Senf dazugeben …
- Ich denke nicht zwingend, dass die Namensgebung ‚Judas‘ nur
negative Aspekte mit sich bringen würde. Bei einer richtigen
Erziehung, die dem Kind ein gesundes Selbstbewusstsein bringt,
denke ich nicht, dass es durch die Verwendung von ‚Judas‘ als
Zweitnamen Gefahr liefe, Hänseleien hilflos ausgeliefert zu
sein. Ich möchte mein Kind selbstverständlich zu
Selbstbewusstsein erziehen, dazu jedweder Schwierigkeit im
Leben standzuhalten und sich von nichts und niemandem von
einem glücklichen Leben abhalten zu lassen.
Und genau aus diesem Grund spricht - was die Hänseleien
betrifft - nichts dagegen, meinem Kind diesen Namen zu
geben…
Du kannst natürlich philosophisch oder sonstwie
begründen, dass es ‚eigentlich‘ o.k. ist, Kinder
so und so zu nennen. Aus dem selben Grunde könntest
Du auch begründen, Dein Kind ‚Ficken‘ zu nennen,
weil es ja a) dadurch entstand und es ja b) etwas
schönes und wichtiges ist.
Auf der anderen Seite hast Du recht, dass die Idio-
synkrasie gegen bestimmte Namen irrational und auch
‚unlogisch‘ ist.
So ist z.B. ‚Adolf‘ verpönt, dagegen ‚Reinhardt‘ (Heydrich)
oder ‚Martin‘ (Bormann) oder ‚Heinrich‘ (Himmler) o.k.,
obwohl diese Leute die tatsächlichen Entscheidungen
trafen.
Das ist natürlich ein Symbolismus, über den man sich
genausogut hinwegsetzen kann, wenn man möchte.
Ebenfalls halte ich Osama für einen schönen
arabischen Namen und dieser wird ja im
arabischen Raum auch gerne vergeben.
Nur was man nicht übersehen sollte: Jeder dieser
Namen verweist auf seine spezielle ‚Bedeutung‘,
die dieser Name derzeit in unserem Kulturkreis
angenommen hat.
Diese Bedeutung ist eben „einfach da“ und kann
nicht wegdiskutiert werden, selbst wenn diese
Bedeutung idiotisch und unlogisch ist.
So kannst Du guten Gewissens Dein Kind ‚Adolf‘
nennen und der Überzeugung sein, ihm einen
schönen alten deutschen Namen mitgegeben zu
haben. Was Du nicht ändern kannst, ist die
Reaktion der Umwelt, mit der Dein Kind kon-
frontiert wird. Dem Kind nützt es gar nichts,
wenn Du ihm später erzählst, welch hehre
und gute Gedanken Dich zur Namensauswahl ver-
leiteten. Das Kind gewinnt sein Selbstbild aus
der Wertung, die ihm seine Umwelt entgegenbringt.
Mit einem Namen, der eine gewisse Bedeutung
im Kulturkreis des Kindes hat, zeichnest
Du Dein Kind also an. Du tust Dies aus einem
persönlichen Überlegenheitsgefühl: „Ich darf das,
denn ich weiss Bescheid“. Aber Dein Kind wird sehr
leicht zum Sonderling, wo Integration in eine Gruppe
ausschlaggebend für die Entwicklung ist.
Das wolltest Du dann nicht. Schon klar …
Grüße
CMБ