Notre-Dame und was davon übrig blieb

Kurz nach dem Brand der Kathedrale gab es ja u.a. hier heftige Diskussionen, wie man zu den Großspendern steht. Heftige Anfeindungen jene, welche diese Spenden kritisch gesehen haben und sehen, inklusive.

Tatsächlich passiert im Moment genau das, was viele kritische Stimmen vorhergesagt haben: Von den Milliardären, die sich zeitnah vollmundig im Glanz der Öffentlichkeit so großzügig gezeigt haben, hat kein einziger auch nur einen Cent bisher gespendet! Dabei ist JETZT schon Geld nötig, sind mehrere Millionen schon ausgegeben worden. Die komische Sondersituation in Frankreich mit Kathedrale als Staatseigentum führt dazu, dass nicht mal die Arbeiter bezahlt werden können, außer aus Spenden. Bezahlt wird der Spaß bisher ausschließlich von Kleinspendern - übrigens die meisten aus den USA - von denen nicht die Rede war! Deren Engagement war nicht lobwürdig. Man sprach ja nur von den Großspendern.

Nur ist von denen außer PR trächtigen Ankündigungen halt nichts zu sehen. Man knüpft auch Bedingungen an die Spende. Es geht also nicht um Notre Dame des französischen Volkes, sondern die einmalige Gelegenheit, die Zukunft dieses symbolträchtigen Baus maßgeblich mitzubestimmen. Die „Liebe“ zu diesem Symbol ist so groß, dass man in Kauf nimmt, dass es in dieser akuten Phase zu Finanzierungsproblemen kommt. Wahrlich lobenswert.

Seltsamseltsam.

„Die komische Sondersituation in Deutschland mit Straßen im Staatseigentum führt dazu, dass weder Instandhaltung noch Neubau von Bundesstraßen bezahlt werden kann“

???

Übrigens: 80 Mio € von den zugesagten Spenden, das sind knapp zehn Prozent, sind bisher eingegangen, was für die aktuellen Arbeiten, die noch in diesem Jahr ausschließlich der Sicherung des Gebäudes dienen werden - der Wiederaufbau wird irgendwann in 2020 beginnen - völlig ausreicht. Mehr als die zwischen 60 und 120 Arbeiter, die sich derzeit mit der Sicherung beschäftigen, haben dort, wo sie arbeiten, sowieso nicht Platz.

Hierzu Célia Verot im „Parisien“:

Schöne Grüße

MM

Tach.

Und du denkst wohl, die haben die Millionen so mal eben unter dem Kopfkissen liegen?
Der Brand ist zwei Monate her, und Gelder muss man auch erstmal flüssig gemacht kriegen.

  • Beiläufig: Die Vorstellung, die „200 familles“ hätten ihr Vermögen als Sichteinlagen beim Crédit Lyonnais oder bei Julius Bär herumliegen, jederzeit liquide, und bräuchten bloß mal eben ein paar hundert Millionen an Bruno Le Maire zu überweisen, ist nicht so ganz realistisch, deucht mir. Mit Sparbüchern und Festgeld kann man ein Vermögen auch von der Größenordnung, um die es geht, (in Jahrhunderten betrachtet) recht leicht vernichten, aber gar nicht aufbauen.

Und auch wenn die jeweiligen Clan-Chefs kaum mehr im operativen Geschäft aktiv sind, sind sie doch Kaufleute genug dafür, dass sie niemals ein paar zig Millionen „zur Sicherheit“ ein paar Jahre, bevor sie überhaupt gebraucht werden, liquide machen würden.

Schöne Grüße

MM

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Empörend!

Was sagt eigentlich der französische Kulturminister dazu?

Dies sei „normal“, sagte Riester. „Die Spenden werden nach und nach je nach Fortschritt der Bauarbeiten fließen“, betonte er. Derzeit würden Vereinbarungen mit den Großspendern ausgearbeitet. Diese verlangen nach Angaben des Ministeriums detailliert Auskunft, wofür ihr Geld eingesetzt werden soll. Riester appellierte erneut an die „Großzügigkeit“ aller Spender.

Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/notre-dame-spenden-fuer-pariser-wahrzeichen-fliessen-nur-zoegerlich-a-1272595.html

Genau darum ging es. Dass die Großspender Vorgaben machen, was ihre Spenden angeht.

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Tach. Und du denkst, dass die nicht in der Lage sind, wenigstens mal einen Cent locker zu machen in 2 Monaten? Hach bist du naiv.

Wie gesagt - je näher an der Quelle, desto eher hat man die Chance, etwas zu erfahren, was der Wirklichkeit nahe kommt.

Etwa neun Prozent der zugesagten Spenden sind eingegangen, und diese 80 Mio € reichen für die derzeit laufenden Arbeiten völlig aus. Man kann die Arbeiten zur Sicherung des beschädigten Gebäudes nicht beschleunigen, auch nicht mit Geld, weil der Platz auf der Baustelle - wie sich leicht vorstellen lässt - durchaus beschränkt ist.

Sicherung und Wiederaufbau der Notre Dame laufen ab wie zu wünschen ist, und dieser Bau, der zwar sicher nicht der architekturhistorisch Wertvollste in F ist, aber einer, zu dem eine sehr große Zahl von Franzosen eine ganz konkrete persönliche Beziehung hat (von denen, die wir kennen, etwa drei Viertel, wird in neuer Würde und neuem Glanz neu erstehen - so wie der aktuell vom Brand betroffene ja auch nicht die gotische Kathedrale war, sondern die Ende des 19. Jahrhunderts von Violet le Duc gründlich überarbeitete und in vielen Einzelheiten (u.a. der dem Brand zum Opfer gefallenen „Flêche“ auf der Vierung) geänderte und ergänzte, eine romantische Mittelalter-Phantasie (freilich viel eleganter als das, was parallel dazu von der deutschen Wilhelminik hervorgebraucht wurde ).

Aus dem Gequake der deutschen Journalisten spricht nicht zuletzt auch der Neid, dass die Franzosen so etwas haben und die Deutschen eben nicht. Brandenburger Tor? Fehlanzeige. Kölner Dom? Fehlanzeige. Deutsches Eck? Fehlanzeige. Walhalla? Fehlanzeige. Quedlinburger Dom? Fehlanzeige. Göttinger Gänseliesel? Fehlanzeige. Nicht einmal sowas wie der Mummelsee, der Bremer Roland oder der Lindauer Hafen taugen dafür.

Es gilt immer noch, was Nachbars in der angeblichen „Ölkrise“ 1973 sagten: ‚On n’a pas d’essence, mais on a des idées!‘

Schöne Grüße

MM

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Das ist aber nicht der Fall - jedenfalls nicht so, wie Du das unterstellst bzw. implizierst. Die wollen lediglich, daß ihr Geld nicht dafür ausgegeben wird, um überall goldene Türklinken einzubauen - mal so als Beispiel. Daß Spender Vorgaben für die Mittelverwendung machen und diese auch kontrollieren, ist völlig normal. Das hat aber nichts mit der von Dir unterstellten Einflußnahme zu tun, sondern lediglich damit, daß die Gelder halt für den Zweck verwendet werden sollen, für den sie auch vorgesehen sind.

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Interessanter ist ja diese kleine Passage:

Gruß
F.

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Jojo,

Spiegel halt.

Hochinteressant seit 72 Jahren, und dabei immer die selbe Suppe.

Schöne Grüße

MM

Du hast deine Kenntnis, dass es bei den Vorgaben und nicht mehr als das geht, genau woher? Wobei ja interessant selbst bei dieser Formulierung ist, dass du unterstellst, dass man bei einer Renovierung von Notre Dames das alles so leicht sagen könnte. Wann ist eine Türklinke „überflüssig“ oder verschwenderisch golden und wann Kultur?

Letztlich ist doch genau diese Formulierung bereits als kritisch zu sehen, wenn die Entscheidung, was überflüssig ist und was notwendig oder wünschenswert nicht Experten überlassen wird. Bereits in deiner Formulierung steckt die Überheblichkeit, dass das ein L’Oréal schon besser entscheiden kann als dieses unfähige Volk und seine Vertreter.

Wobei mir persönlich letztlich am meisten aufstösst diese Kategorisierung: Derjenige, der diese Spenden kritisch sieht, wird automatisch in die „böse“ Ecke gestellt. Mit der Kritik wird sich kaum auf Sachebene auseinandergesetzt, nicht die kritisierten Punkte kritisch gewürdigt. Nein, dem Kritiker wird Neid unterstellt, Missgunst und selbstverständlich eine gehörige Portion Ahnungslosigkeit und Naivität. Vielleicht auch noch eine Prise „zu blöd“.

Es geht nicht um böse, sondern um Deine unreflektierte Wiedergabe der deutschen Presseberichte und die eigenwillige und unbegründete Interpretation. Daß Spender vorgeben, für was eine Spende genutzt werden darf, ist gang und gäbe. Wenn ein Spender unserem Förderverein vorgibt, daß die Spende für den Martinsumzug oder die IT-Ausstattung der Schule zu nutzen ist, dann muß die Spende auch so genutzt oder zurückerstattet werden. Auf Wunsch ist darüber hinaus natürlich nachzuweisen, daß die Spende vorgabegemäß eingesetzt worden ist. Und wenn es nicht um ein paar hundert, sondern um mehrere Millionen geht, versteht es sich von selbst, daß die Spende für den Wiederaufbau zu nutzen ist und nicht für die extravagante Neugestaltung des Büro des Küsters. Darauf wollte ich hinaus.

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Es ist die normalste Sache der Welt, dass Großspenden nicht einfach auf ein Spendenkonto überwiesen werden, sondern man nach einer ersten Zusagen gemeinsam überlegt, wann welche Mittel benötigt und wie eingesetzt werden. Ganz abgesehen davon, dass man solche Summen erst mal „locker machen muss“, und die nicht unnötig lange miserabel verzinst auf einem Spendenkonto rum liegen lässt, wenn sie aktuell noch gar nicht verwendet werden können. Und wenn ein Spender hierbei Präferenzen haben sollte, kann und darf man ihm dies nicht verdenken. Das machen auch Spender durchaus „überschaubarer“ Summen regelmäßig, indem sie ihre Spenden auf ganz konkrete Projekte und Maßnahmen einer unterstützen Organisation beziehen.

Wenn Oma Meier so einen Spaß am Sommerfest des Kindergartens ihres Enkels hatte, dass sie dem Förderverein dann „für das nächste Sommerfest“ einen Fünfziger zukommen lässt, dann ist das nicht besser oder schlechter, als wenn sie dem Förderverein alleine überlassen würde, wofür er dieses Geld einsetzen möchte. Es ist schließlich extra zur Verfügung stehendes Geld, was sonst eben nicht zur Verfügung stehen würde, und mag es auch sein, dass der Förderverein gerade eher ein neues Spielgerät im Auge hat. Normalerweise geht es übrigens bei dieser „Einflussnahme“ auch eher darum, dass ein Spender eine identifizierbare Teilleistung finanzieren möchte, bei der er dann ganz konkret darauf verweisen kann, was aus dem von ihm gespendeten Geld geworden ist. D.h. man möchte eben nicht als „einer der Spender“ dastehen, sondern auf konkrete Maßnahmen und Gebäudeteile verweisen können, in die das Geld gewandert ist.

In anderen Ländern, die eine etwas großzügigere Spendenkultur kennen, ist es daher ganz üblich und mE auch nicht ansatzweise zu beanstanden, dass es den „Meier-Flügel“ oder die „Müller-Bibliothek“ einer Uni oder eines Krankenhauses, … gibt. Wobei es ausgerechnet hier bei mir in der deutsche 50.000 Einwohnerstadt auch ein recht großes Altenstift gibt, das nach seiner Spenderin benannt ist.

Ergänzend dazu: es gibt auch Spender, die nur für bestimmte Zwecke spenden dürfen - z.B. Stiftungen. Die dürfen das Geld dann nicht in den großen Topf werfen (z.B. eines Fördervereins), sondern nur für gem. Satzung definierte Zwecke, z.B. Sportförderung, Gewaltprävention, IT-Ausstattung usw. So sitzen wir noch auf einem fünfstelligen Betrag für IT-Ausstattung, aber der Schulträger erlaubt uns nicht, es für die Schule auszugeben, weil alle Schulen des Trägers gleich gut bzw. gleich schlecht ausgestattet sein sollen. Sad!

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Schaffst du einen Kommentar ohne persönliche Beleidigung? Eine Reflexion ist übrigens nicht nur dann eine, wenn sie zum Ergebnis deiner Reflexion führt. Das ist genau das, was ich bereits geschrieben habe: Es gibt in der Angelegenheit einige, die sofort persönlich beleidigend werden, nur weil die eine Position nicht eingenommen wird. Das geht schon spürbar über sonstigen schlechten Diskussionsstil hinaus.

Dass Spender vorgeben, für was eine Spende genutzt wird, ist gang und gäbe, das ist richtig. Hier geben die Spender aber nicht vor, dass die Spende für den Martinsumzug oder die IT-Ausstattung zu nutzen ist. Dann hätten Sie einfach mit einem Betreff „überweisen“ können, Verwendungszweck Notre Dame.

Die Spender hier wollen „im Detail“ vorgeben! Also im Fall der IT-Ausstattung vorschreiben, welche Rechner genau angeschafft werden sollen, wie viele, welche Programme installiert werden sollen, etc. pp.

Dein Beispiel mit der extravaganten Neugestaltung des Büros des Küsters ist an den Haaren herbeigezogen.

Dass auch du mit diesem wenig qualifizierten Beispiel des Sommerfestes kommst, wundert mich. Von C-Punkt und Aprilfisch hatte ich das erwartet!

Hier geht es ganz klar um weit mehr Mitspracherecht als „Sommerfest“ - was „Notre Dame“ oder „Renovierung Notre Dame“ entsprochen hätte. Was normalerweise an „Einflussnahme“ vorgesehen ist, interessiert hier überhaupt nicht, weil es konkret um das Verhalten in diesem Fall geht. Dass „normalerweise“ bei solchen Großspenden auch weit mehr Einflussnahme passiert, sieht man an Herrn Gates als öffentlich bekanntes Beispiel, ich könnte dir aber aus Erfahrungen mit der ein oder anderen Großspende aus Projekten, mit denen ich ehrenamtlich zu tun habe, ein Lied trällern. Daher kenne ich auch zu gut die Diskussion, wie weit man Großspender bestimmen lässt.

Auch der Meier-Flügel hat mit der Sache übrigens rein gar nichts zu tun. Außerdem brauche ich für den nicht in andere Länder zu fahren, so etwas ist bei uns auch usus. Nimm als Beispiel nur Stuhlpatenschaften in der Oper oder die Bären- oder Pinguinpatenschaft im Zoo. Vom Signal-Iduna-Stadion übrigens noch gar nicht geredet.

Die bereits einige Tage nach dem Brand von verschiedenen Seiten vorgelegten Skizzen und Entwürfe hast Du hoffentlich gesehen, auch wenn sie noch nicht oder zumindest nicht alle in der Bild-Zeitung veröffentlicht worden sind.

Oder diskutierst Du völlig losgelöst von der Wirklichkeit?

Schöne Grüße

MM

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Ja, nee, is klar.

Da ich

  • davon ausgehe, daß Du gar nicht weißt, wie lustig diese Bemerkung aus Deinem Munde klingt,
  • nicht weiß, was für eine Beleidigung Du meinst und
  • sowieso den Eindruck habe, dass Du keine Artikel in diesem Artikelbaum zur Kenntnis genommen hast,
    beschränke ich mich auf einen Kommentar hierzu:

Wie kommst Du denn darauf? Verwechselst Du „detailliert Auskunft über die Mittelverwendung verlangen“ mit „Details vorgeben“?

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