Hallo Helena,
ich habe immer gedacht das AT und NT „gleichwertig“ sind.
Das wird auch von der katholischen Kirche und den evangelischen Landeskirchen so vertreten. Das war allerdings nicht immer so, sondern hat mit einer Neubestimmung des christlich-jüdischen Verhältnisses nach dem Holocaust zu tun.
Wenn Du auf entsprechende Internetseiten gehst, findest Du diverse Dokumente dazu.
…
NT als Zeugniss des Wirken des Gottessohnes Jesus.
Aus jüdischer Sicht ist das NT insofern historisch interessant, weil es von Entwicklungen innerhalb des spätantiken Judentums zeugt.
Jesus wird nicht als Messias gesehen.
Nun habe ich gestern gehört das unser NT das AT „überwunden“
hat.
So haben das früher auch die großen Kirchen gesehen. Heute findest Du diese Sicht noch in einigen Freikirchen. Man nennt dieses Konzept auch „Enterbungstheologie“. Unter diesem Stichwort wirst Du sicher auch in der Suchmaschine Deines Vertrauens fündig.
Diese Enterbungstheologie beruht auf einer jahrhunderte alten antijudaistischen Interpretation, bei der das Judentum die dunkle Folie ist (Racheg-tt - G-tt der Liebe; Gesetz und Evangelium wären die entsprechenden Gegensätze), auf der sich dann das Christentum umso strahlender abhebt.
Da Jesus (z.B.) das Prinzip Zahn un Zahn durch das Prinzip der
Nächstenliebe „ausser Kraft setzte“.
Das Prinzip der Nächstenliebe basiert auf der Torah, und Jesus zitiert dies aus der Torah, was viele Christen nicht wissen.
Das Prinzip „Aug um Auge …“ - was schon eine falsche Übersetzung ist, ist auch eine Fehlinterpretation aus dem (Un-)Geist des christlichen Antijudaismus.
Rabbiner David Bollag schreibt dazu:
"Eines der hartnäckigsten antijüdischen Vorurteile drückt sich in den Worten „Auge um Auge“ aus. Mit dieser angeblich aus der Thora stammenden Formel wird Juden bis heute vorgeworfen, Rache sei das Prinzip ihres Verständnisses von Gerechtigkeit, ihr Gott sei - im Unterschied zum „christlichen“ Gott - ein grausamer und rachsüchtiger Gott und Frieden mit dem Volk und Staat Israel deshalb niemals möglich.
Die Übersetzung „ajin tachat ajin“ (21:24) als „Auge um Auge“ ist vollkommen falsch. Sie widerspricht dem jüdischen Verständnis der Thora und ist meistens Ausdruck einer antisemitischen Grundeinstellung. Sie widerspiegelt häufig das Rechtsverständnis und die Rachsüchtigkeit der Person, welche die Thora falsch versteht und verurteilt.
„Ajin tachat ajin“ bedeutet „Auge für Auge“ und beinhaltet ein grundlegendes halachisches Prinzip, also des jüdischen Religionsgesetzes. Ein Mensch, der einem anderen Menschen eine Verletzung zugefügt hat, wird von der Thora verpflichtet, die Verletzung finanziell zu entschädigen. Unsere mündliche Thora (der Talmud) erklärt und diskutiert ausführlich (Bawa Kama, Kap. 8), dass diese finanzielle Entschädigung auf fünf Gebieten zu leisten ist: Schadenersatz, Schmerzensgeld, Heilungskosten, Arbeitsausfallersatz und Schamgeld (wenn sich jemand geniert, mit einer körperlichen Verletzung sich öffentlich zu zeigen).
In keiner jüdischen Quelle ist die Rede davon, dass einem Menschen, der einem anderen - mit oder ohne Absicht - ein Auge ausgeschlagen hat, als Strafe dafür sein eigenes Auge ausgeschlagen werden soll." … (mehr dazu:smile:
http://www.hagalil.com/judentum/rabbiner/bollag.htm
Ist das so?
Oder sieht das nur die „XY Kirche“ so?
Das sieht die XY-Kirche so und noch einige andere Kirchen / Gruppen
Hat Jesus uns also neue Regeln geben die ab damals für uns
bindender sind, als die aus dem AT?
Aus jüdischer Sicht sind nur Juden dazu verpflichtet, die 613 Mizwot einzuhalten. Nichtjuden haben an der kommenden Welt Anteil, wenn sie sich an die sieben noachidischen Gebote halten (Wahrung des Rechtsprinzips d.h. Einrichtung von Gerichtshöfen, Meidung von Götzendienst und Gottesleugnung, Verbot von Mord, Diebstahl und Unzucht, Fernhaltung von Brutalität gegen Tiere)
Viele Grüße
Iris