Plante Stalin Angriffskrieg auf Hitler-Deutschl.?

Moskau konnte nicht eingenommen werden. Das ist richtig. Nach der Schlacht gab es eine spontane Militärparede der russischen Armee. Nebenbei wurden die Kriegsgefangenen durch Moskau geführt, um stärke zu zeigen. Damit sank die Moral der Wehrmacht.

Kann ich nicht annehmen, der Angriff war wenigstens bis Ende
'41, man kann auch sagen bis Ende '42, äusserst erfolgreich,

Falsch, seit Moskau war den deutschen Militärs klar, dass
keine Siegchance mehr besteht. Lies mal diverse Kommentare
deutscher Militärs zu der 1. Charkovschlacht im Mai 42. Dort
hat man allerdings die Gelegenheit verpasst, ohne grossen
Widerstand zu Don und Wolga zu marschieren

Hallo,
Die deutsche Führung hatte nichts zu

ignorieren, sondern war technisch bestens vorbereitet.

Bestens vorbereitet? Wieviel Divisionen waren eigentlich PD oder mot? Wenn PD tagelang wegen Betriebsstoff- und Ersatzteilmangel liegen bleiben, dann zeugt das nicht gerade von guter Vorbereitung. Was die Versorgung anging, bereits im Juni 1941 gab es Versorgungsengpâsse, weil anscheinend niemand ausrechnete, was an Versorgungsgütern in der Weite Russlands benötigt wurde.

Aber wir
argumentieren grundsätzlich von der deutschen Führung aus, und
da gilt wohl weder die sowjetrussische noch die frühere eigene
deutsche Lagebeurteilung als allein massgeblich, sondern da
haben ein oder mehrere Geheimdienste mitgetrickst, sodass
Hitler sich möglichst „angegriffen“ und obendrein noch
vielmehr als der Stärkere vorkam.

Gleiwitz lässt grüssen!

Was der deutschen Führung langfristig das Genick brach, war
der Mehrfrontenkrieg und der zunehmend von den Briten
diktierte Zeitplan. Diese Dinge sind nicht auf die Wehrkraft
allein, sondern insbesondere auch auf die Diplomatie
zurückzuführen, für deren Spielball Hitler letztlich
möglicherweise zu halten ist; weitere Faktoren wie Wirtschaft
usw. sind auch noch hinzugekommen.

Hitler als Spielball? Was ist denn das? Nach der heimkehr des Sudetenlandes erklärte Hitler, keine weiteren territorialen Forderungen zu haben. Die Besetzung der Tschechei erfolgte dann natürlich auch nach Ermunterung durch die, die Hitler als Spielball benutzen. Die Forderung einer exterritorialer Verbindung nach Ostpreussen, einschliesslich Rückkehr Danzigs ins Reich, wurde ihm auch eingeflüstert.
Der Krieg gegen Russland wurde bereits in „Mein Krampf“ angekündigt.
Die Präventivkriegsthese ist durch die NS-Propaganda aufgelegt worden, damit es einen einigermassen plausiblen Kriegsgrund gab.
Ich habe einige Bücher aus dieser Zeit, da sind man auf einem Bild so um die 2000 Gewehreauf Haufen in einem Wald liegen, daneben stehen so um die 50 Lastwagen teils mit offenen Türen und drei geschütze und das wird dann als unermessliche russische Rüstung bezeichnet
Gruss
Rainer

und darum trat die Kriegswende wann- ja wann trat sie denn
ein, meiner Meinung nach nicht vor 1942, frühestens Ende '41
mit dem Stillstand des Angriffs auf Moskau

Das Vorhaben war schon beim Angriff zum Scheitern veruteilt,
was einigen Generälen ja auch bewusst war (in der Vorschau).
Es dauerte eben ein bis zwei Jahre, bis das Deutsche Reich
seine Kräfte verbraucht hatte.

Der Ausgang war militärisch aber
nicht nur offen, sondern bis August '42 sogar militärisch
zugunsten von D abzusehen

Falsch.

Hallo,
ich habe vor einigen Jahren in einer französischen Militärzeitschrift eine Untersuchung zu der Schlacht von Smolensk gelesen. Danach war die dauer der Kesselausräumung und das anschliessende Abdrehen Guderians nach Süden bereits die solide Grundlage für die deutsche Niederlage.
Dazu kommen auch noch die ständigen Versoegungsprobleme, die in der fehlendfen Winterbekleidung beim Heer gipfelten.
Gruss
Rainer

Lies mal diverse Kommentare
deutscher Militärs zu der 1. Charkovschlacht im Mai 42. Dort
hat man allerdings die Gelegenheit verpasst, ohne grossen
Widerstand zu Don und Wolga zu marschieren

also immerhin noch Gelegenheit,

nein, denn es war ein Sieg mit letzter Kraft, so die Aussage eines Generals. Man war selbts gar nicht mehr in der Lage,auch wenn man gewollt hätte, sofort Richtung Wolga zu marschieren

LG
Mikesch

Schon in den 20er Jahren …
… planten die deutschen Militärs einen Revanchekrieg!
(siehe „Der große Plan“, DIE ZEIT, 7.3.1997)

Hallo,

Die Generalstäbe aller Länder bereiten mögliche
Kriegssituationen vor – oft sehr detailliert.

Das deutsche Militär hat die Niederlage des 1. WK nie verkraftet! Es ist schon gespenstisch, zu welchen Ergebnissen die damaligen Planer (1925!) kamen: So etwa 1939/40 könnte man soweit sein … Die Deutschen waren also bestens vorbereitet!

Gruss
Laika

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Hallo,

Absicht vielleicht, aber undurchführbar. Und selbst wenn es
funktioniert hätte, dann wäre der Verlust Moskaus nicht so
zentral gewesen. Das hat ein anderer klein gewachsener
Feldherr ja schon mal geschafft, nur um danach von den Russen
geschlagen zu werden.

seit dem hatten sich die Sowjets/Russen aber milit. auch nicht mehr mit Ruhm bekleckert: im Krimkrieg von Briten und Franzosen geschlagen, im 1.WK nebenbei von den Mittelmächten, 1921 von den Polen und den Winterkrieg nur knapp gegen die eigentlich weit unterlegenen Finnen gewonnen…
Da braucht man sich nicht zu wundern, daß die sowjet. Streitmacht 1941 unterschätzt wurde. 1914-17 brauchte man garnicht bis Moskau marschieren, da hatte es bereits gereicht den russ. Teil Polens zu besetzen um die Russen in eine Munitionskrise zu stürzen.

Gruß

Man war selbts gar nicht mehr in der Lage,auch
wenn man gewollt hätte, sofort Richtung Wolga zu marschieren

Moment mal, dreht sich um Frühjahr '42, und im August stand man am Donbogen. Von wegen keine Kraft.

LG
Mikesch

Hallo,

Hallo Rainer

Wenn PD tagelang wegen Betriebsstoff- und
Ersatzteilmangel liegen bleiben, dann zeugt das nicht gerade
von guter Vorbereitung

und musste je mehr geschehen, desto länger der Krieg dauerte.

sodass
Hitler sich möglichst „angegriffen“ und obendrein noch
vielmehr als der Stärkere vorkam.

Gleiwitz lässt grüssen!

nein, da wollte man „nur“ die Öffentlichkeit einnebeln und nicht sich selber täuschen. Oder willst Du sagen Russlandfeldzug=Polenkrieg

Hitler als Spielball?

Wer gegen den siegen wollte, hatte genauso zu spielen. Lies Berichte über die Churchillregierung jener Zeit.

Der Krieg gegen Russland wurde bereits in „Mein Krampf“
angekündigt.

Ist richtig.

Die Präventivkriegsthese ist durch die NS-Propaganda aufgelegt
worden, damit es einen einigermassen plausiblen Kriegsgrund
gab.

Ist auch richtig.

und das wird dann als unermessliche
russische Rüstung bezeichnet

aber mir geht es nicht um die russische Rüstung, das ist schon richtig, nein es geht doch darum, dass die Russen überhaupt mal möglicherweise das Reich (im weitesten Sinn), Rumänien oder Bessarabien angreifen wollten, ferner dass sie just '41 Truppenbewegungen gegen Westen ausführten zu welchem Zweck auch immer, aber eben so dass die Propaganda ihr gefundenes Fressen hatte, und schliesslich darum dass sie die permanente kommunistische Forderung der Welteroberung an ihren Hut geheftet hatten - dass Hitler Krieg wenn immer möglich wollte und suchte ist eh klar, aber vielleicht gab es jemanden, für den - ausser für AH selbst - ein früher Zeitpunkt des Feldzuges Vorteile bringen konnte, und vielleicht hört dieser jemand auf den Beinamen Tommy

Gruss
Rainer

Gruss
Mike

Hallo Laika

… planten die deutschen Militärs einen Revanchekrieg!
(siehe „Der große Plan“, DIE ZEIT, 7.3.1997)

Das war „ein Auszug“ aus dem „Krieg der Generäle“ du solltest dir mal das ganze Buch zu Gemüte führen. Dann kannst du vielleicht besser beurteilen, was darunter zu verstehen ist.
Mit 56 U- Booten zog man in den Krieg, die Marine kann nur noch anständig sterben ( Zitat von Reader)
Das 70.000 Rohre Programm war noch nicht mal ansatzweise fertig u.u.

Hallo,

Die Generalstäbe aller Länder bereiten mögliche
Kriegssituationen vor – oft sehr detailliert.

Das deutsche Militär hat die Niederlage des 1. WK nie
verkraftet! Es ist schon gespenstisch, zu welchen Ergebnissen
die damaligen Planer (1925!) kamen: So etwa 1939/40 könnte man
soweit sein … Die Deutschen waren also bestens vorbereitet!

Gruss
Laika

LG
Mikesch

Hallo Laika,

… planten die deutschen Militärs einen Revanchekrieg!
(siehe „Der große Plan“, DIE ZEIT, 7.3.1997)

danke für den Tipp. Gibt es natürlich auch online:

http://images.zeit.de/text/1997/11/Der_grosse_Plan

Gruß Jasper.

P.S.: Sternchen von mir.

Hallo allerseits,

ich habe mich jetzt durch den ganzen Thread gearbeitet und sehe eine Menge Argumente, die ich soweit ja auch alle irgendwo nachvollziehen kann. Aber ein paar Punkte fehlen mir hier dann doch.

a.) Sicher hatte die deutsche Armee ihre Schlagkraft schon bewiesen, die Marine hatte bis 1941 überproportional abgeschnitten und die Luftwaffe hatte sich zwar blamiert aber das war ja nicht so offensichtlich. Die Russen haben also gewußt, gleichgültig ob die Truppenmassierung „defensiv“ oder „offensiv“ gedacht war, dass sie es mit einme harten Gegner zu tun haben würden, wenn der Knoten platzte.

b.) Die Russen haben sicher, wie die ganze Welt, angenommen, dass 1941, nachdem ja der Seelöwe 1940 nicht gekommen war, die Deutschen 1941 einen Versuch unternehmen würden. Das hätte bedeutet, dass der unter a.) beschriebene harte Gegner anderweitig gebunden sein würde. Warum sollte Deutschland einen Zwei-Fronten-Krieg von sich aus provozieren? Wir heute wissen, dass Deutschland das tat, aber eigentlich war es ja damals erstmal gegen alle Logik, schließlich hatte man ja immer noch die Erfahrungen des 1.Weltkrieges vor Augen.

c.) ideologisch war es klar, dass es irgendwann zum Krieg kommen würde. Sowohl Stalin der der Kommunismus als auch Hitler und der Nationalsozialismus waren ja nicht nur in der Grundhaltung expansiv sondern beide Seiten hatten ja bereits lange vorher klargelegt, wohin man zielte. Hitler in MK, als er vom „Lebensraum im Osten“ schrieb, Stalin, der wie Lenin ja mehrfach betont hatte, dass man auch das Proletariat in den westlichen Nationen befreien müsste. Aber „irgendwann“ musste nicht zwangsläufig 1941 sein.

Daraus wird ja folgendes klar (und das deckt sich auch mit den Erkenntnisen z.B. des dt. Geheimdienstes). Eigentlich waren die Russen nach dem Winterkrieg nicht in der Lage anzugreifen. Aber sie konnten (nachdamaligem, nicht nach heutigem Kenntnisstand) davon ausgehen, dass es im Westen nochmal so richtig rund gehen würde. Es gab ja auch in den USA bereits Stimmen genug, die forderten, dass man in den Krieg an der Seite der Briten eintreten sollte. Und selbst Frühjahr 1941 war die Neutralität der Amerikaner ja bereits sehr eindeutig zu Seiten der Briten verschoben und insbesondere die US Navy hatte ja bereits mehrfach aktiv eingegriffen.
Für die Russen gab es also zwei Szenarien, die als logisch erschienen mussten (auch wenn beide aus der Rückschau falsch waren, oder wenigstens nicht völlig richtig):

a.) Deutschland versucht zuerst einmal den Westfeldzug erfolgreich zu beenden, inklusive einer Invasion Englands. Das hätte die eigentlich unterlagenen Russen in eine starke Position gebracht, einfach weil die meisten und best qualifiziertesten Truppen im Westen gebunden gewesen wären. Man hätte nur bis Sommer 1941 abwarten müssen und dann hätte man entscheiden können, nur dann hätte man bereits bereit sein müssen um eine Gelegenheit zu nutzen.

b.) Man hätte durch Truppenkonzentrationen entlang der Grenze eine deutsche Reaktion provozieren können. Denn man musste sich ja darüber klar sein, dass die Konzentrationen (die ja stattfanden) nicht unbemerkt bleiben würden. Sollte Deutschland angreifen, galt nicht nur, dass der Angreifer wesentlich mehr Material brauchte als der Verteidiger (eine Grundregel konventionellen Krieges), man konnte ebenso sicher annehmen, dass man dadurch beim ideologischen Feind England/Amerika plötzlich hoffähig sein würde. Der Feind meines Feindes, Churchill hatte ja seine Haltung dazu bereits klar gemacht.

Fazit, die Russen wollten durchaus einen Krieg und rechneten auch damit irgendwann im Laufe '41. Der deutsche Generalstab ging davon aus, dass die Russen noch nicht bereit wären, deswegen der Angriff der Deutschen im Frühjahr. Und dann wurde alles ein Chaos. Den Russen ging es zuerst mal ziemlich dreckig weil die Deutschen Material genug hatten um die Vorneverteidigung zu zerbröseln. Und die Westmächte sprangen zwar mit Material ein, aber das floß 1941 bei weitem noch nicht so reichlich wie man gedacht hatte. Was man auch daran sehen kann, dass Chirchills Versprechungen für 1941 in keiner Weise einhaltbar waren. Man konnte zwar unter Mithilfe der USA produzieren, aber der Transport war schwierig. Wie meistens, gingen alle Militärs von zu optimistischen Einschätzungen aus und die Politker hoben diese Einschätzungen noch mal an.
Russland hätte also ohnehin nur einen Angriffskrieg starten müssen wenn Deutschland gegen England noch einmal aktiv geworden wäre. Im anderen Fall hätte man einfach abwarten können und den gleichen Effekt erreicht.

Was die moralischen Bewertungen angeht, so ist das alles ja irgendwie am Fakt vorbei. Stalin war kein netter Mensch, Hitler war es auch nicht. Aber das beide Diktatoren übelster Sorte waren macht nicht einen von beiden besser. Und beide hatten ja bereits einen Angriffkrieg gestartet (nämlich gegen Polen, da sollte man die russische Beteiligung nicht so einfach unter den Tisch kehren). Wenn man also über die Legitimität eines Angriffskrieges diskutieren will, muss man eigentlich von vorne herein bei beide, Stalin wie Hitler, als Kriegstreiber sehen. Es war eine Frage der Zeit und 1941 war für die Russen günstiger als es auf den ersten Blick aussah. Denn hätte Deutschland im Westen nochmal zugeschlagen und gewonnen, dann wären ja noch mehr Kräfte gegen Russland frei gewesen. Gleichzeitig hätte man ja auch noch im Osten der UdSSR mit den Japanern rechnen müssen, die ebenfalls expansiv waren und mit Deutschland verbündet.

Gruß
Peter B.

Was die moralischen Bewertungen angeht, so ist das alles ja
irgendwie am Fakt vorbei. Stalin war kein netter Mensch,
Hitler war es auch nicht.

Für Deine Sachlichkeit einen Bewertungspunkt. Man muss hierzu bedenken: Wenn es friedenswillige Menschen im Umfeld der beiden gab, so hatten diese keine Möglichkeit, sich durchzusetzen, bei Stalin selbst dann nicht, wenn ein deutscher Angriff unterblieb, und bei Hitler selbst dann nicht, wenn Deutschland Grossbritannien besiegte.
Gruss
Mike

Mal 'ne Art Fazit …
Guten Tag,

ich habe jetzt viele Argumente hier gelesen und werde den Eindruck nicht los, das manche Leute hier in diesem Thread den deutschen Angriff auf die SU als im gewissen Sinne für notwendig hielten, da Stalin sonst ohnehin angreifen würde, damit auch das Handeln von Hitler (und seinen Generälen!) mal wieder relativieren wollen.
Ich meine aber - unabhängig von der Alleinschuld Ds am Kriegsbeginn - ist auch hier keinerlei Relativierung möglich, die Alleinschuld Ds am Kriegsbeginn mit der SU ist unumstritten und nicht wegdiskutierbar.
Ums mal andersherum auszudrücken: Genauso könnte man berühmten Erfindern, Denkern, Entdeckern ihre Leistung absprechen oder sie relativieren, da es ohnehin in der Zeit lag und es sonst andere getan hätten, z.B. „die Relativitätstheorie wäre auch ohne Einstein gekommen“. Klingt ja wohl absurd.

Gruss
Laika

Hallo Laika,

die Kriegsschuld Deutschlands entstand aber nicht erst beim Angriff auf die SU. Sie entstand ja bereits beim Überfall auf Polen.
Und wenn man den ganzen Weltkrieg betrachtet, kann von einer Alleineschudl keine Rede sein. Es ist zwar im Sinne deutscher Selbstkasteiung opportun das zu behaupten, aber es stimmt einfach nicht. Die Japaner haben viel früher in China losgelegt und die Italiener waren bereits vorher auf dem Abessinien-Feldzug. Stalin wiederum hatte ja auch seinen Anteil am Überfall auf Polen und der deutsch-russische Vertrag umfasste ja auch das Schicksal baltischen Staaten.
Also auch wenn man gerade in Deutschland versucht den Deutschen eine Art Schuld bis in die 99ste Generation einzureden, es hält den Fakten nicht ganz stand. Es war eine Zeit der Diktatoren. Hitler, Stalin, Franko, Mussolini und es war eine Zeit, in der in Japan das Armeeoberkommando den Kaiser bereits überrollt hatten und einige der japanischen Generäle passten nun auch wieder völlig in das Bild.
Es geht hier also nicht um Relativierung der Fakten sondern um Relativierung eines Geschichtsbildes, das den Fakten einfach nicht stand hält.
Warum ich, der ich sicher auch kein Hitlerfan oder Revanchist bin, diese einseitige Betrachtung für so gefährlich halte, hat einen ganz einfachen Grund. Sechzig Jahre lang hat man unter dem Deckmantel „deutscher Kriegsschuld“ die Nichteinmischung verteidigt und gleichzeitig mit jedem Massenmörder und Diktator auf diesem Planeten Geschäfte gemacht. Die Schuld „der Deutschen“ war das Wegsehen. So kam Hitler an die Macht, so blieb er an der Macht. Und nach dem zweiten Weltkrieg gab er immerhin eine Entschuldigung dafür her noch mehr wegzusehen und einfach seine Deals zu machen, ob es China ist, ob es der Irak unter Hussein war oder auch mal eben Libyen. Das was sich aus diesem Geschichtbild also ableitet ist alles andere als moralische Kompetenz, es ist ein Deckmäntelchen.

Gruß
Peter B.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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Hallo Mike,

Dankeschön! Allerdings eine kleine Einschränkung: Wenn es nicht so viele Menschen gäbe, die den Anweisungen der Obrigkeit kritiklos gefolgt wären, dann wären Judenverfolgung in diesem Stile (die es übrigens auch in der SU unter Stalin gab) oder auch der ganze Krieg schlichtweg unmöglich gewesen. Es ist also vielleicht doch etwas dran an der alten Überlegung, dass ein jedes Volk die Regierung hat, die es verdient.

Gruß
Peter B.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

ist
unumstritten und nicht wegdiskutierbar.

Meine liebe Laika. Ich bin aus der fernen Schweiz. Auch mein Grossvater stand auf der Schwarzen Liste der Braunen. (Ist es wirklich nötig, mit sowas aufzutrumpfen, damit Ihr sachlich werdet?) Ich habe sonst mit Nazis nichts am Hut oder im Revers versteckt. Und ich bin persönlich voll überzeugt, dass Hitler vom Menschentyp her trotz Friedensbeteuerungen der absolute Kriegstreiber war.
Aber das „unumstritten und nicht wegdiskutierbar“ ist einfach unsachlich!Hitler bekam den Krieg, DEN ER WOLLTE, aber er bekam ihn auch wirklich frei Haus geliefert, sowohl gegenüber Polen als auch später gegenüber Russland, und dass „kein Zwang“ bestand, Russland anzugreifen, scheint mir fraglich, es kann zwar richtig sein, je nach dem wie man es versteht, der Kommunismus aber wird mit dieser Argumentationsschiene hochgradig verharmlost und wurde es seit 1920.

Ums mal andersherum auszudrücken: Genauso könnte man berühmten
Erfindern, Denkern, Entdeckern ihre Leistung absprechen oder
sie relativieren

das wird ja auch ständig gemacht, die meisten echten Forscher finden übrigens den Personenkult um sie herum fragwürdig. Vielleicht haben sie gemerkt, wie nahe "das >>Hosianna>Crucifige>Kraft durch Freude>Stalingrad>Hochjubeln>Verriss

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Hallo Micha

wir warten immer noch auf die Zahlen der Überlegenheit der deutschen Industrie, insbesondere der Rüstungsindustrie :wink:

LG
Der Kater

Meine lieber Mike,

Aber das „unumstritten und nicht wegdiskutierbar“ ist einfach
unsachlich!Hitler bekam den Krieg, DEN ER WOLLTE, …

Genau das meinte ich: Alleinschuld!

… aber er
bekam ihn auch wirklich frei Haus geliefert, sowohl gegenüber
Polen …

Du meinst, die haben ja auch den Sender Gleiwitz überfallen?

… als auch später gegenüber Russland, und dass „kein
Zwang“ bestand, Russland anzugreifen, scheint mir fraglich, …

Meinst Du einen notwendigen Präventivkrieg? Vor 5 Jahren im Irak war das ja auch so. Die Beseitigung von Saddam muss uns doch wohl die ca. 1,1 Mill. Menschen, die in der Folge dieses „Feldzugs gegen den Terror“ bisher zu Tode gekommen sind, wert sein!

… es kann zwar richtig sein, je nach dem wie man es versteht, …

Ich verstehe nichts …

der Kommunismus aber wird mit dieser Argumentationsschiene
hochgradig verharmlost und wurde es seit 1920 …
… aber den Kommunismus sollte man schon
kennzeichnen, der ist zu gefährlich.

Man muss kein Kommunist sein, um deine Argumentation in diesem Zusammenhang für verblendet zu halten.

Gruss
Laika

Hallo Peter,

Es war eine
Zeit der Diktatoren. Hitler, Stalin, Franko, Mussolini …

Also alles zwangsläufig?

… und es
war eine Zeit, in der in Japan das Armeeoberkommando den
Kaiser bereits überrollt hatten und einige der japanischen
Generäle passten nun auch wieder völlig in das Bild.

Du weisst, dass Yamamoto gewarnt hatte, die Amerikaner anzugreifen, „den schlafenden Riesen zu wecken“? Sie haben es doch getan. Es gilt auch hier das Wort aus „Im Westen nichts Neues“: „Und wenn der Kaiser einfach nein gesagt hätte?“

Es geht hier also nicht um Relativierung der Fakten sondern um
Relativierung eines Geschichtsbildes, das den Fakten einfach
nicht stand hält.

Letzteres halte ich für noch schlimmer: Das ganze „Geschichtsbild“ sollte relativiert werden, das wäscht noch weisser …

Die Schuld
„der Deutschen“ war das Wegsehen.

Nein, er ist bewusst und insbesondere von der Mittel- und Oberschicht an die Macht gebracht worden. Die haben die Niederlage des WK1 nicht verkraftet und suchten Revanche. Unabhängig davon, was die Japaner, Italiener usw. gemacht haben.

So kam Hitler an die Macht,
so blieb er an der Macht.

Dass sich viele in den Nazis verschätzt hatten, ist wohl wahr. Aber es gab hinreichend viele, die wussten, auf was es hinausläuft!

Und nach dem zweiten Weltkrieg gab
er immerhin eine Entschuldigung dafür her noch mehr wegzusehen
und einfach seine Deals zu machen, ob es China ist, ob es der
Irak unter Hussein war oder auch mal eben Libyen. Das was sich
aus diesem Geschichtbild also ableitet ist alles andere als
moralische Kompetenz, es ist ein Deckmäntelchen.

Leider ist es so - da gebe ich dir recht. Aber das betrifft praktisch alle Staaten.

Gruss
Laika

Hi
Ich beziehe mich insbesondere auf Overy und Kennedy.

Es geht im wesentlichen um das Rüstungspotenzial, also um die generellen Möglichkeiten,
a: Rüstungsgüter zu produzieren
b: Die Rüstungsgüter in einer Qualität herzustellen, dass sie auf dem Schlachfeld bestehen können

(Einsichtigerweise macht es nicht viel Sinn, „Panzer“ zu produzieren, die man mit einem 2cm Kaliber knacken kann)

Zwar hatte die Gesamtindustrielle Produktion der SU Deutschland Mitte der 30ger überstiegen, allerdings verteilte sich diese Produktion auf wesentlich mehr Menschen.

Betrachtet man aber die für Rüstungsgüter der damaligen Zeit entscheidende Schwerindustrie, zeigt sich, dass D beispielweise (noch) erheblich mehr Stahl produzierte als die SU (und dass dieser Stahl noch dazu von besserer Qualität war…

Des weiteren war die damalige Sowietische Industrie stark von Ausländischer Expertise und ausländischen Lieferungen abhängig (insbesondere aus den USA - kaum zu glauben, gelle) Ein subjektiver strategischer Nachteil im Vergleich zu D.

Es fehlten die entsprechenden Chemischen Industrien für moderne Sprengstoffproduktion, Chemikalien etc. pp.

Eines der größten Probleme der Sovietischen Rüstungsindutrie war die Konzemtration auf Masse, bei Vernachlässigung der Kampfkraft.
(Von den 24000 einsatzbereiten SU-Panzern Mitte 1941 waren knapp 1000 von dem modernen Typen KW1 und T34… der Rest buchstäblich Schrott)

Das wichtigste Problem der Deutschen Rüstungsindustrie, das administrative Chaos, war den damaligen Entscheidungsträgern ausserhalb von D nicht bewusst.
Deutschland nutzte sein Rüstungspotenzial schlichtwegs aus internen politischen Gründen bei weitem nicht aus. Das war aber vor dem Krieg und zumindest auch noch in der Anfangsphase für Aussenstehende kaum ersichtlich.

(Hinterher ist man immer schlauer, gelle)

Die Antwort auf die entscheidene frage, ob die SU einen Angriff auf D längerfristig geplant hatte, liegt aber nicht in der kommunistischen Ideologie, sondern in der schwierig zu deutenden Persönlichkeit Stalins.

Quellen (u.a.)

Overy: Die Wurzeln des Sieges
Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte

LG
Mike

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