Hallo Peter,
Es war eine
Zeit der Diktatoren. Hitler, Stalin, Franko, Mussolini …
Also alles zwangsläufig?
Sicher hätte es andere Möglichkeiten gegeben, aber da 1939 in anderen Teilen der Welt der Krieg bereits lange begonnen hatte, waren diese wahrscheinlich begrenzt.
… und es
war eine Zeit, in der in Japan das Armeeoberkommando den
Kaiser bereits überrollt hatten und einige der japanischen
Generäle passten nun auch wieder völlig in das Bild.
Du weisst, dass Yamamoto gewarnt hatte, die Amerikaner
anzugreifen, „den schlafenden Riesen zu wecken“? Sie haben es
doch getan. Es gilt auch hier das Wort aus „Im Westen nichts
Neues“: „Und wenn der Kaiser einfach nein gesagt hätte?“
Da reißt Du einen Haufen Dinge einfach aus dem Zusammenhang und vermischst sie um ein Dir genehmes Bild zu erzeugen. Also die Details (auch wenn ich dafür wieder gehaßt werde):
- Yamamotos Warnung vor dem Krieg basierte nicht darauf, dass er etwas gegen den Krieg an sich gehabt hätte. In seinem Memorandum vom Juli 1940 legte er bereits dar, dass er sich Sorgen machte „wegen der außerordentlichen Produktionskapazitäten der Amerikaner“. Er hat außerdem, als bereits die Vorbereitungen mit den modifizierten Lufttorpedos liefen, auf die amerikanische Entwicklung des Radars hingewiesen. Allerdings haben Nagumo und Onzawa das ebenfalls getan und mit weitaus größerer technischer Kenntnis.
- Yamamotos Warnungen wurdne nicht gehört. Der Kaiser bekam sie größtenteils nicht einmal zu Gesicht. Yamamoto, der selbst um eine Audienz gebeten hatte, bekam keine. Denn das Armeeoverkommando hatte da bereits den Daumen drauf. Armee, nicht Marine. Du weißt, die Kerle an Land und so. Das war ein völlig anderer Verein als die Marine, was Du auch anmerken solltest, wenn Du Dicvh schon auf einen Admiral beziehst.
- 1932 war in Japan der Premierminister ermordet worden. Damit endete mehr oder weniger jegliche Kontrolle ziviler Stellen über das Militär. Bereits seit 1901 hatte das Militär und hier wiederum die Armee, das Recht Minister zu bestimmen. Nach 1932 waren de facto alle Minister hochrangige Armeeoffiziere. Die Rolle des Kaisers war auf Formalien begrenzt und, im Falle, dass die Minister sich nicht einigen konnte, eine Option aus einer Lsite auszuwählen, die diese ihm vorlegten. Solange also die Minister, die alle aus der Armee kamen, sich einig waren, gab es keine Liste und damit auch keine Kaiserentscheidung. Wenn also der Kaiser „nein“ gesagt hätte, hätte das keinerlei Relevanz gehabt. Ich schlage vor, Du recherchierst mal die Unterschiede zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem japanischen.
Es geht hier also nicht um Relativierung der Fakten sondern um
Relativierung eines Geschichtsbildes, das den Fakten einfach
nicht stand hält.
Letzteres halte ich für noch schlimmer: Das ganze
„Geschichtsbild“ sollte relativiert werden, das wäscht noch
weisser …
Polemik scheint ja im Gegensatz zu Detailwissen wirklich eine Stärke von Dir zu sein. Also, als Historiker, welcher Idee bin ich mehr verpflichtet? Dem historischen Fakt oder dem politisch opportunen Weltbild? Logischerweise dem Fakt, denn Geschichte ist eine Wissenschaft. Und echte Geschichtswissenschaft wäscht nicht weiß, sie malt auch nicht schwarz, sie sammelt Fakten und bringt sie in Beziehungen zueinander. Sie befasst sich mit den wiederkehrenden Mechanismen der Geschichte und in so fern mit Gesellschaften als dass diese geschichtliche Fakten erzeugen. Was Du hier tust hat also wenig mit Geschichte zu tun. Vielleicht haben wir ein Brett für „politische Sozialkunde“ oder „Political Correctness“ oder „Deutsche Massenpsychologie“. Da kannst Du dich dann nach Herzenlust winden. aber hier geht es wohl um Geschichtswissenschaft und da kommst Du am Fakt nicht vorbei.
Die Schuld
„der Deutschen“ war das Wegsehen.
Nein, er ist bewusst und insbesondere von der Mittel- und
Oberschicht an die Macht gebracht worden. Die haben die
Niederlage des WK1 nicht verkraftet und suchten Revanche.
Unabhängig davon, was die Japaner, Italiener usw. gemacht
haben.
Wie kann in einer Deokratie die Mittel- und Oberschicht jemanden an die Macht bringen? Rein vom Zahlenverhältnis her? Ich schlage vor, Du recherchierst jetzt mal den genauen Ablauf der Ereignisse. Dann wirst Du nämlich auf die Zentrumspartei stoßen. Der Wind wehte teilweise aus einer ganz anderen Richtung. Hitler selbst hatte keine Mehrheit. Er bekam sie von anderen Parteien geleifert, die zum Zwecke des Machterhalts bzw. der Machtgewinnung mit Hitler koallierten. Alleine das zeigt schon, wie wichtig es ist, sihc mal Gedanken darüber zu machen, was da wirklich passiert ist, statt nur einfach Parolen zu plappern. Denn es ist ja keine 20 Jahre her, dass z.B. mit dem Erstarken der Republikaner und ähnlicher Parteinen ein Ministerpräsidentenkandidat „eine Mehrheitrechts der SPD erblickte“. Das Plappern von Parolen macht blind für Schlußfolgerungen. Nur so ist es möglich, dass sich selbst die übelsten Fehlschläge der Geschichte immer mal wieder widerholen können.
So kam Hitler an die Macht,
so blieb er an der Macht.
Dass sich viele in den Nazis verschätzt hatten, ist wohl wahr.
Aber es gab hinreichend viele, die wussten, auf was es
hinausläuft!
Aha, auf was begründest Du das? Die Reichskristallnacht war vom 8. und 9.November 1938. Spätestes da gab es nichts mehr zu übersehen. Wo waren die alle, wenn es „hinreichend viele“ gegeben hat, die wussten.
Ich stimme Dir in einem Punkt zu, es gab viele, die wussten. Aber sie sahen weg und plapperten Parolen nach statt zu denken und Stellung zu beziehen. Dadurch wurden die, die Stellung bezogen zu Einzelfällen, die vom Regime schnell beseitigt werden konnten. Nur dadurch. Jahrzehnte später, in Leipzig, haben wir gesehen, was ein Volk tun kann, wenn es nicht mehr wegsieht, wenn es nicht mehr duckmäusert. Glaubst Du, Hitlers Regierung hätte lange existiert, wenn er mit derartigem Widerstand konfrontiert worden wäre? Aber es dauert eben einfach zu lange, bis Deutsche „hinsehen“. Im Falle der DDR hats ja auch vierzig Jahre gedauert.
Und nach dem zweiten Weltkrieg gab
er immerhin eine Entschuldigung dafür her noch mehr wegzusehen
und einfach seine Deals zu machen, ob es China ist, ob es der
Irak unter Hussein war oder auch mal eben Libyen. Das was sich
aus diesem Geschichtbild also ableitet ist alles andere als
moralische Kompetenz, es ist ein Deckmäntelchen.
Leider ist es so - da gebe ich dir recht. Aber das betrifft
praktisch alle Staaten.
Interessant, erst argumentierst Du, es sei egal was andere Staaten machen, aber jetzt ist es entschuldbar weil alle Staaten es machen? Entschuldige, wenn ich dem nicht folge. Die Geschichte lehrt uns, dass ein gewalttätiges Regime, gleich in welchem Land, sich nie von selbst in ein friedlicheres Regime umwandelt. Das ist gewissermaßen der Entropiesatz der Geschite. Es geht immer nur in eine Richtung. Um etwas zu verändern brauchst Du einen Anstoß. Deutschland bekam den von den Allierten und dabei in erster Linie von den Amerikanern. Auch in Deutschland dauerte es lange, bis man gelernt hatte, mit Demokratie umzugehen (sie zu verteidigen haben wir noch nicht gelernt, aber wenn wir vielleicht nochmal so fünf Generationen durchhalten besteht Hoffnung). Gerade wir Deutschen sollten auch mal an diesen Teil unserer Geschichte denken, bevor wir z.B. über Afghanistan und den Irak den Mund aufmachen. Und wenn, wie Du es in einem anderen Posting in diesem Thread getan hast, dann bitte nicht mit vereinfachten Argumenten, nur um eine ideologische Meinung zu untermauern.
Gruß
Peter B.