Gegenwelt als Überlebensmittel
Hallo Wolfgang,
woher soll eine Fa. Dr. Oetker wissen, was ich morgen essen möchte?
Dabei entsteht die sattsam bekannte Folge jeglicher
Marktwirtschaft: Verengung des Warenangebots.
Gute Frage. Stimme ich dir zu. Hoffen wir lieber, dass uns der liebe Gott morgen Manna sendet.
Dann gibts eben
nur fünfzig Sorten Pkw und nur 200 Sorten Nudeln. Die Reaktion auf
den momentanen Bedarf mit dem Vorhalten eines großen Angebots,
mit dem „Riecher“ des Anbieters für den augenblicklichen
Bedarf, das sind keine Fähigkeiten einer Marktwirtschaft.
Wo liegt denn nun der Unterschied zwischen Plan- und Marktwirtschaft? In der Planung? Unmöglich. Das Problem war die zentralistische Planung - hatte aber auch Ursachen. Es muß nicht zwingend zentralistisch geplant werden, aber es muß sichergestellt werden, dass es überhaupt Nudeln und nicht nur 80 Millionen Goldschmiede gibt.
Wenn
Du heute in einen Supermarkt gehst und unter 10 Sorten Joghurt
und 20 Sorten Käse wählen kannst, wenn zig Sorten Staubsauger
oder was auch immer in beliebiger Vielfalt angeboten werden,
liegt das einzig daran, daß Anbieter mit Engagement und
Gewinnstreben danach trachten, jeden Konsumwunsch zu erfüllen.
Was hat der Wunsch, den Kundenwunsch zu erfüllen, zwingend mit Gewinnstreben zu tun? Ich habe immernoch nichtz begriffen, weshalb ich mehr herstellen soll, als ich konsumieren kann (als Wirtschaft). Sinnvoll wäre lediglich ein kleiner Vorlauf. Hochwertige durchdachte Produkte ersparen die Alternative zu überflüssigem Baumarktkrempel.
Das ist mit Planwirtschaft nicht zu machen.
Putzig. Dann erklär mir bitte, weshalb zu Ostzeiten ein Großteil der Waren in den Westen ging. Weshalb gibts dort z.B. keine Erdbeer-Sahne-Bonbons mehr? Waren Krane, CNC-Revolverkopfbohrmaschinen und Textilien nur Schrott? Wer hat die Anlagen für BASF geplant? Alles Murks?
Das hat nix mit Wirtschaftsplanung zu tun, was du meinst. Größtenteils lags an der wirtschaftlichen Abschottung und Währungsinkompatibilität.
Unser
Marktgeschehen braucht das Risiko des Händlers, auf seinen
Strauchtomaten sitzen zu bleiben, weil noch ein halbes Dutzend
anderer Tomatensorten angeboten wird. Die Alternative ist,
nichts oder nur eine Sorte anzubieten.
Schlechtes Beispiel. Aufgrund der Ökonomie gibt es nicht mehr das, was ich unter Tomaten verstehe.
Dann hat der Kunde
keine Wahl. Das kennt jeder, dessen Erinnerung an die
Planwirtschaft noch wach ist. Eine Planwirtschaft reagiert im
zeitlichen Planzyklus auf den Bedarf, also Jahre verspätet.
Das ist nicht das Wesen einer Planwirtschadft, asondern einer zentralistischen PW. Ein riesen Unterschied. Selbst Marktelemente liessen sich heutzutage im selben Umfang problemlos gestalten.
Ob
dann der Bedarf überhaupt noch vorhanden ist, weiß keiner.
Wenn man die Aufgabe der Wirtschaft u. a. darin sieht,
Bedürfnisse zu befriedigen, ist Planwirtschaft pure Stümperei.
Genau.
Für Industrieprodukte gilt das Gleiche. Wenn ich heute eine
Produktidee habe, probiere ich aus, ob sich Käufer finden
lassen.
Genau. Nur ist das nicht zwingend ein PW-Problem. Neuerungen gabs genug, nur nicht genug Leute, die sie umsetzen konnten, verbunden von auch in der DDR noch vorhandenen Starrköpfen.
Falls ja, dann aber ran an den Speck! Man kann
natürlich auch den nächsten 5-Jahres-Plan abwarten und darin
die neue Produktion einplanen. Das funktioniert sogar, wenn
sich der Bedarf bis dahin nicht verändert. Dann erhälst Du
zwangsläufig eine Industrieproduktion mit Industrieanlagen von
gestern und vorgestern.
…so ist es in vielen Teilen in den alten Ländern jetzt. Allerdings mangels Kohle für Neuinvestitionen.
Das hat alles nichts zwingend mit der Art der Ökonomie zu tun, also wie rum die Wirtschaft läuft. Auch im Osten uist keiner verhungert und keiner pennte unter ner Brücke. Die Beklopptheit unserer „Führer“ liegt wiedermal nur in dem Unvermächtnis, positive Dinge zu übernehmen und den Blödsinn in die Tonne zu kloppen. Wenn wir nicht endlich mal dahin kommen, dass wir das tun, werden wir noch Jahrtausende meckern. Hätten wir nach der Wende nicht den Fehler gemacht, alles im Osten als Quatsch hinzustellen, sondern dieses Land tatsächlich vereinigt, anstatt dass der gesellschaftlich archaische Westen den Osten plündert, würden wir heute alle nur S-Klasse fahren und in Villen leben.
Was geschieht aber? Das ganze Land liegt wirtschaftlich brach, eine Unmenge Elend ist entstanden und der Staat fast pleite.
Dieses Problem ist nun aber weltweit und nicht auf D beschränkt seit Zusammenbruch des Ostblocks. Ich bin mir sehr sicher, dass ich mit meiner Problemanalyse richtig liege.
Das größte Problem weltweit sind die Amis mit ihrer Wirtschaftsrummoscherei. Die sollten endlich Konkurs anmelden - sind eh nicht fähig, sich selbst zu erhalten. Bis dahin sollten wir uns aber definitiv über machbare Alternativen austauschen. Kapitalistisch ist es unmöglich - du kannst den Leuten hier nicht die Festplatte löschen. Die sind so erzogen worden, sich nicht gegenseitig zu bescheissen und zu verarschen und sich gegenseitig zu helfen. In den letzten Jahren haben das sogar schon viele „Wessies“ gelernt, dass das geht.
Den Wirtschaftskreislauf andersherum laufen zu lassen ist zwingend die einzige Überlebenschance dieses Landes. Und nicht nur dieses Landes.
Wohlstand und Freiheit ist auch mit Ressourcenschonung möglich - sie liegt nicht im Geld sondern im Manpower, der landesweit am EK scheitert.
Gruß
Frank